Skip to main content

Due to a planned power outage, our services will be reduced on Tuesday, June 15th, starting at 8:30am PDT until the work is complete. We apologize for the inconvenience.

Full text of "Die Litteratur der ersten hundert Jahre nach der Erfindung der Typographie"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



Jos. Müller. 

Bibliolliecae 
ICatal. Fol. Litt. 

'f. ^ 

/. Vol. 
'Ar. E. P. iOJj. 




/., 






Uli 



eoooeaozoM 




^ 



• •'• .^rA «:.,r.T>«f , 



Die 

Lttterator der ersten hondert Jahre 

nach der 

m 

h 

Erfindung der Typographie, 

ia den > 

ffleisten Hanptföchern der Wissenscbaßen, 

mit l»e8onderer Ruclisiclit 

auf klassische Philologie , Geschichte und Chronik, Erd- und 

Länderkunde, Reisen, Naturgeschichte, Medicin und ihre 

Zweige, Dichtkunst und Romantik« 



Bin Beitrag 

zur Greschichte dieser Wissenschaften im Mittelalter und seinem 

Uebergange zur neuern Zeit. 

Von 

Dr. Chr. Fr. Harless» 

Konigl. Gefaeimem Hofrath und Professor der Uedidn zu Bonn , Ritter des 
Ktiserl. Rots. St. Wladimir - Ordens 4r. Classe , melirerer Universitäten, 
AlEademieen, and gelehrten Qesellscbaften JA Deotschland , Frankreich, Russ- 
land, Italien, Ungarn, Griechenland, der Schweiz, krakao, der Wallache! 
nnd Moldau n.^s., w. resp< Ehren- und wirklichem Mitglied. 







Draek Ton E, Poh in Leipzig. 



< • • 



Den altehrwürdigen, iUastren, and hochachtbaren 

dentoclien Städten 

am Rhein, Main, der Pegnitz, dem Lech, und der 
Pleisse, in welchen die Bachdrackerkonst und durch sie 
die Litteratur zuerst erwuchs, gepflegt und zur Blttdie 

gebracht wurde: 

der altberühmten Stadt 

Mainz^ 

der Vaterstadt Gutenbergs und der Wiege und ersten 

Lichtst&tte seiner Erfindung, 

der altberühmten Stadt 

Cöln, 

der altberüllmten Stadt 

Bamberg, 

den beiden ersten deutschen Pflegerinnen der ans der Mutter- 
stadt zu ihnen Terpflanzten Kunst, 

der altberühmten Stadt 

Nfirnberg, 

der altbertthmten Stadt 

Augsburg, 

der altberühmten Stadt 

Leipzig, 

der altberühmten Stadt 

Basel, 

den Haupt -Werk- und Pflegestädten der durch sie schon in 
der frühesten Zeit nach Gutenbergs und P. Schöffers Erfin- 
dungen Torztiglich genährten und geförderten Kunst und 

Wissenschaft 

mit tiefer Verehrung gewidmet 

Ton dem Terfad^er. 



Vorrede. 



Dieser Schrift, mit welcher ich ein Jubelfest begrüsse, 
dessen Feier billig von Jahrhundert zu Jahrhundert so an 
Würde wie an Werth und allgemeinerem Interesse ge- 
winnen muss oder gewinnen sollte, hatte ich anfänglich 
weder die jetzige Einrichtung noch die Ausdehnung geben 
wollen, die sie unvermerkt und wider meine ursprüngliche 
Absicht erhalten hat. Ich wollte erst bloss eine ganz im 
Allgemeinen gehaltene Andeutung der Hauptmomente ge- 
ben, nach welchen sich die Macht und Ausdehnung des 
Einflusses der Typographie auf den Gang und die fort- 
schreitende Entwicklung der Cultur und der Wissenschaf- 
ten schon in den ersten hundert Jahren nach ihrer Ein- 
ilihrung anschauen und geschichtlich nachweisen lässt. 
Und in solcher allgemeineren Betrachtungsweise, die nicht 
specieller auf die Litteratur einzelner Fächer aus jener 
Periode eingehen sollte, hatte ich auch bereits die ersten 
Bogen entworfen. Aber ich fand doch bald, dass — 
wenn ich mich nicht bloss in dem Kreise der allgemein- 
sten Anschauung und Gelebrirung, in welchem Trivialität 
unvermeidlich wird^ bewegen, wenn ich nicht bloss längst 
Bekanntes und oft genug schon Gesagtes wiederholen, 
wenn ich vielmehr der Uebersicht der Erfolge und Leistun- 
gen jener grossen Erfindung in dem hiefttr gesetzten 
Zeitraum ein helleres Licht und einigen Werth flir den 
Litterator und Geschichtsfreund geben wollte ^ ich eine 
etwas speciellere Durchführung jener Leistungen durch 
einzelne Hauptfächer der Litteratur, wenn auch nur durch 
einige, die mir näher lagen, mit der Angabe der be- 
deutenderen Druckschriften innerhalb jener Periode, nicht 
umgehen könne. So entstand der gegenwärtige historisch- 



VI 



litterarische Umriss, der auf nichts weniger als auf Voll- 
ständigkeit Anspruch macht, in welchem vielmehr sehr 
viele Schriften, die in jener Periode gedruckt wurden, 
ja in einigen Fächern bti w^tem iler grösste Theil, ab- 
sichtlich tibergangen sind, weil sie entweder zu unbedeu- 
tend und unergiebig, selbst werthlos für die Geschichte 
der Wis^nschaften uKd ibrer Litteratur waren, oder wml 
sie bloss wiederholten und abschrieben, was schon siehr- 
roals gedruckt war, oder weil sie durch e^iie ganz spe-^ 
cielle persönliche oder locale Beziehung, oder alsr bios» 
asketische, dogmatische, polenusche und äholicbe tbeolo^ 
gische Schriften, Sermonen, Agenden^ u. dergl., oder 
als mehr oder weniger breite und grosSfeiLtileils gidiatt- 
lose Gommentarien u*d Schollen zu alten Autoren» aa 
den Kirchenvätern a. s^ w., als Leeturen imd Glosaen z« 
den alten römischen Gfesetabuchem, oder tls Schulhtidtter, 
Grammatikea, Regulae u, s. w., oder als die ung^ess** 
barsten imd steriLsten Productionea ui&d Demonstration«^ 
d^r wörtelnden Dialektik und Scholastik, in der Art eines 
Thomas von Aquino oder eines Michael Scotus, oder at$ 
Ausgeburten der Astrologie und d^r Kabbalistik, oder 
der Alchemie u. 8. w., durchaus kein allgemeineres Inter- 
esse ansprechen, oder endlich weil sie Biir unbekannt 
blieben. Gleichwohl hätten auch diese im Uebermass 
zahlreichen Schriften, auch die unbedeiit«aidi»tw und 
schlechtesten unter ihnen, und alte die AnaglA«« itf^ 
selben, die bei einzelnen schon im 1^> Jahrhundert in 
kaum glaublicher Menge rasch auf einander folgten (wi^ 
z. Bm um nur die nächstliegenden zu nennen, die der Schrtf-" 
ten yon Albertus Magnus, von Thomas von Aquino« von 
Augustinus, Gregorius, Hieronymus, Bernardus, Giersou» 
iUeron. Savonarola, Baklus de Ubaldi$, Bartoius de Sas90^ 
ferrato , Boethius , die allein schoa ^ne Bibliothek vofit 
einigen Hunderten von Bänden bilden), atigefäkrt werdieoi 
müssen, wenn eine vollsländige üebf^rsieht allea dessen, 
was in jenem Zeitraum ans den mit so snermidlidier 



VII 



und wahrhaft bewandefttswUrdiger Thfttigkeit arbeitenden 
Druckereien, t\m grdssten Theil lli Italien, hervorge- 
gangen war, zu geben im Plane gewescm wäre. >Veit 
entfernt Ton einer sedchen Idee» deren Ausftihrung gana 
andere Mittel und Kräfte erfordern, und am Ende doch 
eine undankbare und nur flir die wenigsten Meni^hen 
nützliche Arbeit bleiben würde, habe ich hier nur einen 
Beitrag zu einem solchen umfassenderen Litteraturwerk, 
was zugleich als ziemlich vollständige Geschichte der 
Typographie in jenem Zeiträume dienen, und künftig 
leicht auf einen verlängerten Zeitraum auszudehnen sein 
würde, zu liefern beabsichtigt. Indem ich mir hierbei 
tiberall möglichste Goncentrirung und Kürze zum Gesetz 
machen musste, habe ich mich auch bei den meisten der 
angegebenen Druckwerke auf die ältesten Ausgaben be- 
schränkt, und nur bei solchen wichtigeren, wo eine 
grössere Anzahl von Ausgaben sich in einer kurzeü Zeit ^ 
und noch innerhalb der von mir für diese Litteratur- 
Uebersicht als Grenze angenommenen Periode von hun- 
dert Jahren (die ich nui; in seltenen Fällen übersehritt) 
folgten, eine Ausnahme gemacht. Aus denselben Rück- 
sichten, und um nicht wider Gebühr in solche Litteratur- 
fächer, die meinen Studien zu fern liegen , auszuschwei- 
fen, bin ich auch nicht in die ältesten typographischen 
Producte aus den Fächern der Theologie (mit Aus- 
nahme der S. 23 fg. gegebenen kurzen Uebersicht der 
ältesten lateinischen Bibeldrucke, die noch gar sehr der 
Vervollständigung bis zum Ende des 15. Jahrhundert^ 
fkhig ist) und der Patristik eingegangen; aus gleichen 
Griinden habe ich auch (S. 37 und 38) die älteste 
Juristische Litteratur aus Mainzer und italienischen 
Pressen nur flüchtig berührt. Hätte ich aus dieser auch 
nur die in den Litteraturwerken von Hain, Panzer,. 
Ebert^ Sismondi u. A. verzeichnete enorpie Menge 
von Sduiften, Gommentarien , Glossen u. s. w. zu den 
Codices des römischen Rechts, den Institutionen, Di- 



\III 



gesten, Novellen, den Büchern des kanonischen Rechts a. s. w. 
zusammenstellen wollen, so würden einige Bogen hierzu 
kaum gereicht haben. Indessen will ich doch nachträg- 
lich hierunter *) noch einige theils der ältesten, theils der 
merkwürdigsten juristischen Druckschriften angeben, 
weil ich glaube, dass wenigstens diese auch in der kurz- 
gefassten üebersicht der wichtigeren typographischen Er- 
scheinungen aus jener Zeit nicht fehlen dürfen, und weil 
ich damit zugleich einige der S. 38 gegebenen Notizen 
berichtigen kann. Auch will ich hier zu den S. 38 von 



*) Das erste gedruckte juristische Buch war Cle- 
meutis V. Cbnstitutionum codex, gedruckt von Fust und 
Schöffer im Jahr 1460. — Von den Institutiones juris 
Justinianei ist allerdings die S. 38 von mir aufgeführte 
Ausgabe vom Jahr 1468 zu Mainz durch Peter So-höffer 
(auf Pergament gedruckt, jetzt höchst selten geworden), die 
erste bekannte mit dem Druckjahr; aber es ist doch sehr 
wahrscheinlich, dass schon vor dieser eine erste Original- 
ausgabe in Rom gedruckt worden sein müsse, wenn auch 
nicht Ton Schweynheim und Pannarz, da diese in ihrem Ver- 
zeichniss der von ihnen gedruckten Werke keine solche an- 
geben. Vielleicht ist dieses eine der beiden von Hain 
unter den Nummern 9486 und 9487 aufgeführten Drucken 
dieser Institntt. s. 1. et a.? Nach der Mainzer Ausgabe, 
welche im Jahr 1472 wiederholt wurde, folgten die Ausgaben 
zu Strassburg Ton Heinr. Eggesteyh 1472, zu Venedig 
Ton Nie. Jenson s. a. (yermuthlich auch 1472), zwei zu 
Rom Ton Ulr. Hau und Leonard Pflug und Lauer, zu Löwen 
1475, und dann mehrere in grosser Menge. — Von den 
Digesta ist die erste Ausgabe nicht so bestimmt, wie ich 
es S. 38 gesagt habe, um 1475 erschienen, sondern das 
Digestum ^etus cum glossa zuerst schon um das Jahr 1474 
Ton Nie. Jenson zu Venedig gedruckt, dann 1476 zu 
Perugia Yon Heinr. Clayn (Klein) aus Ulm gedruckt, u. s- f.; 
das sogenannte Digestum infortiatum cum glossa zu Venedig 
und zu Rom s. 1. et a. (auch gegen 1474 oder 75); das 
Digestum novum cum glossa zu Rom 1476, zu Basel toh 
Berth. Rodt ohngefähr zu derselben Zeit, zu Venedig 1477, 
der Codex repetitae praelectionis zu Venedig Ton Jenson 



IX 



mir erwähnten Separat - Draeken alter Land-- und 
Stadt-Rechte nodides ältesten gedruckten nieder- 



s. a., zu Mainz yon P. Schöffer 1475, zu Nürnberg yon 
Frisner und Sensenschmidt, auch 1475 u. s. f.; die 
No Teilen zu Rom bei St. Marcus 1476, zu Mainz Ton 
P. Schöffer 1477, zu Basel, Wenssler, 1478 u. m.; das 
ganze Opus Digestorum (yet., infort. und noy.) zu Lyon 
1482 in 3 Bänden, yon Joh. Syber Alemannus. — Voll- 
ständiger und nach dem Text des berühmten Florentiner Co- 
dex (doch nur nach den Mittheilungen des Angelus Politianus 
aus jenem) berichtigt, gab dann yiel später der yerdiente 
und auch als Philolog und Hellenist ausgezeichnete Gregor 
Halo ander (Hoffmann aus Zwickau) die Digesta im Jahr 
1529 zu Nürnberg in 3 Bänden heraus. Derselbe Hess 
auch den unter dem Namen der Auihentica bekannten Text 
der zweiten lateinischen Uebersetzung der Noyellen nach 
seiner eigenen yerbesserten Bearbeitung und mit dem grie* 
Chi sehen Urtext zu Nürnberg bei Petreius drucken. — 
Der Codex Theodosianus ward yon Sichard zu Basel 1528 
bei Henric. Petri gedruckt. — Die Decisiones antiquae et 
novae Rotae Romanae druckte zu Rom Udalr. Hau 147Ö 
und 1472, daselbst G. Lauer 1475, zu Göln Therhörnen 
1477, zu Mainz Schöffer. 1477 u. f., und das zum Theil 
auf diese gegründete Jus Canonicum cum glossis zuerst 
Nie. Jenson zu Yened. 1474, daselbst Andr. de Asulal498. 
Ein Corpus juris civilis glossatum erschien zu Vened. 1477 
bei Jac. Rubens und bei Andr. Calabr. de Papia 1489. 

Von den alten Hauptwerken deutscher Gesetzgebung 
ist der berühmte Sachsenspiegel, welchen ein sächsischer 
Edelmann, Eiko (oder Epko) yon Repkoy auf das An- 
liegen eines Grafen yon Falken stein im 13. Jahrhundert 
zuerst lateinisch geschrieben und dann, weil ihm dieses Latein 
nicht recht fliessen wollte, ins Sächsisch -Deutsche jener Zeit 
übertragen hatte (mit einer Vorrede in deutschen Reimen) zu- 
erst zu Basel 1474 yon Bernard Richel gedruckt, dann 
zu Augsburg 1482 und öfters, zu Leipzig 1490 und öfters, 
yon 1495 an in dem neuem Meissner Dialekt, nach der Be- 
arbeitung yon Loss und Zobel. — Der Schwabenspiegel, 
yon einem unbekannten Verfasser, auch aus dem 13. Jahr- 
hundert, wurde (nach Brunuquell) zuerst zu Ulm oder Reut- 
lingen gegen 1^0, dann zu Strassburg yon Hupfuff 1505 



äeutscheu Landrechts gedenken, i^mlich des „Oorpttsd^r 
onde Friesische Rechte," ivelches züGöla, muthmass- 
lieh schon 1468, gewiss aber 1470 von U. Zell in Frie- 
sischer Mundart gedruckt wurde. Auch finde ich in 
Kochs Geschichte der deutschen Litteratur, dass im Jahr 
1486 die schon im Jahr 1364 gefertigte niederdeutsche 
Uebersetzung des Jüt'sdien Gesetzbuches, welches 1240 
in dänischer Sprache verfasst worden war, ohne Orts- 
angabe gedruckt worden sei. Dieses immer merkwürdige 
Buch konnte ich in keinem andern mir zur Hand gewe- 
senen Repertorinm finden. 

Wenn ich in den Fächern der Philologie und 
altclassischen Litteratur, — doch auch hier fast 
nur in der Litteratur der alten Glassiker selbst, von 
deren Werken man hier die ältesten Ausgaben ziemlich 
vollständig angegeben finden wird, nicht aber in der 
Anführung der Gommentarien zu ihnen, — dann in der 
Litteratur der G e s c h i c h t e und der Geographie, sammt 
Reisen, der Chroniken und auch der alten Roman- 
tik ausführlicher gewesen bin, so hoffe ich die darauf 
verwendete Mühe nicht nutzlos aufgewendet, und manchen 
Lesern dadurch einen Dienst geleistet zu haben. Nur 
hatte ich auch in diesen Abschnitten, ja in diesen am 
meisten, die Nothwendigkeit der kürzesten Fassung, auf 
die ich mich schon der so sehr nahen Zeit der Jubel- 
feier der Typographie wegen beschränkt sah, ^ wenn diese 
Schrift nicht post festum kommen sollte, zu bedauern. 



gedruckt und öfters. — Die Bambergische peinliche 
Halsgerichtsordnung, nach , Kaiser Maximilians Ge-* 
setzen, der Vorläufer der Gonst. Grimin. Gar., von demFreih* 
von Schwarzenberg redigirt, erschien zu Bamberg znerst 1507 
von Hans Pfeyll gedruckt. Ganz ans ihr ging die Bran- 
denburg! sehe Halsgerichtsordntmg 1516 hervor. Die 
ConUitutio Criminalis Carolina selbst (Kaiser Karlf peinl. 
Gerichtsordnung) wurde zuerst im Jahr 1532 zu Regensbnrg 
veröffentlicht. — 



XI 



Besonders sah ich mich genOthi^, in dem letzten kurzen 
Abschnitt über die Aussahen der epischen Dichter v5m 
13. bis zum 16. Jahrhundert, auch einiger dramatischen, 
nur das Bedeutendste aus der italienischen und aus der 
deutschen Poesie, in etwas auch aus der spanischen aus- 
zuheben, diejenige anderer Länder, die freilich in jener 
Zeit Yon sehr geringem Werth war, nur berührend. 
Wer sich hierüber naher belehren wOl, der wird in den 
treulichen und für die Gesdiichte der Litteratur und 
Poesie im Mittejalter yorzüglich ergiebigen und werth- 
vollen Werken und Abhandlungen Ton August Wil- 
helm Yon Schlegel (in seinen „Vorlesungen über 
dramatische Kunst,'' und in seinen kritischen Schrif- 
ten), Friedrich yon Schlegel (in seinen sämmt- 
lichen Werken, die letzten Bände), Bouterweck (Ge- 
schichte der Poesie und Beredsamkeit), van der Hagen 
und Büschiug, E. J. Koch, den Gebrüdern Grimm, 
Wachler (Handbuch der Geschichte der Litteratur, und 
Vorlesungen über die Geschichte der deutschen National. 
Litteratur), Karl Rosenkranz (Geschichte d^r deut- 
schen Poesie im Mittelalter, und Handbuch einer allge- 
meinen Geschichte der Poesie, zwei vorzüglich geistreich 
und belehrend geschriebene Werke, die ich zu meinem 
grossen Bedauern erst beim Schlüsse dieser Arbeit zu 
Händen bekommen habe). Fr. Diez (besonders in seiner 
scl|ätzbaren Schrift „die Poesie der Troubadours ^M, 
Karl Simrock» W. Wackernagel, Gervinus, Val. 
Schmidt (über die italienischen Heldengedichte), Ferd. 
Wolf (Beiträge zur Geschichte der castilischen National - 
Litteratur), S. H. Hoffmanu (Fundgruben für Geschichte, 
deutscher Sprache und Litteratur), 0. L, B. Wolff (die 
schone Litteratnr Europas u. s. w.)* Lachmann, Uh- 
land, so wie für die Litteratur der italienischen, spani- 
schen und französischen Poesie inSimondeSismondi*s 
grossem und sehr geschätztem Litteraturwerk , für die 
spanische, ausser Bouterweck, Bd. DI, noch die (mir 



XII 

nur atts dein Rosenkranz'schen Werk bekannt gewordene 
historische Schrift von Mar. Maury (Espa^e poetique, 
Paris 1826), und ftir die französische des Mittelalters 
insbesondere in Villemain'.s Gours de Litt^rature fran- 
9aise (Tome II, 1830), und in Roquefort' s Schrift de 
r^tat de la poesie francaise dans lei^ XII. et XIII. si^cles 
(Paris 1821), volle Befriedigung finden. Auch bietet ftir 
diesen Zweig der Litteratur, wie ftir die übrigen aus 
jener Periode, Eberts bibliographisches Lexikon reiches 
Material. Ich habe es nur zu beklagen, dass mir nicht 
die Müsse wurde, alle diese Werke selbst für die gegen- 
wärtige Schrift benutzen zu können, ja dass ich selbst 
mehrere derselben entbehren musste. 

Ich musste freilich, wiewohl ungern, mehrere dieser 
alten Dichtungen und romantischen Novellen und Geschich- 
ten aus dem Mittelalter in den über ihre Litteratur von 
S. 91 — 103 gegebenen Notizen unerwähnt lassen , ich 
masste selbst manche ausgezeichnete Dichtungen dieser 
Art, wie z. B. denRoman Lohen grün (le Lorrain), au- 
gebUch von Hugo Metellus um das Jahr 1150, und dann 
weiter von einem Jehan de' Flagy bearbeitet, und mit 
dem Iwain, Gabain, Lancelot, Tristan u. And. zu dem 
Kreise der Garolingischen epischen Gedichte von der 
Tafelrunde und vom heil. Graal gehörend, oder den 
„Daniel von Blumenthal'S welcher von Mehreren 
dem sogenannten Stricker (d. h. Schreiber oder Ver- 
fasser, nach Kochs Erklärung), den ich S. 91 als daftir 
angenommenen, doch höchst wahrscheinlich nicht alleinigen 
Bearbeiter des Garolingischen Heldenbuchs genannt 
habe, von Andern aber (Nyerup) einem Gottfried von 
Hohenloh zugeschrieben wird, oder den Ogier von 
Dänemark, oder das schöne episch romantische Gedicht 
von dem Flor und der Blancheflor *) oder auchFlos 



*) Ich finde doch so eben, dass von diesem schönen 
und berühmten Roman eine französische Uebersetznng 



XllI 



f 



.^ 






und Blancheflos, das aug der italienischen Urschrift 
eines Rupp recht von Orbent oder von Orlandt von 
einem Slecke der gute Cnnrat genannt verden^cht 
worden sein soll, denWilh. v. Oranien u. A. weglassen. 
Aber ich mnsste dieses thun, weil diese Gedichte nnd 
Romane noch nicht injener Periode gedruckt waren, 
was auch von verschiedenen französischen, spanischen 
und skandinavischen. Poesieen jener Art gilt. Weit eher 
und in grösserer Zahl waren die italienischen Dichtwerke 
des Mittelalters zum Abdruck gekommen. — 

Auch in der Litteratur der Naturgeschichte und 
der. Medicin, welclver ich die der alten Glassiker in 
diesen Fächern, nach ihren ältesten Ausgaben, voran- 
gehen liess, musste ich mir die möglichste Kürze und 
Restriction des tiberreichen Materials auf das Wichtigere 
und Einflussreichere zum Gesetz machen, und eine Menge 
Schriften über einzelne Gegenstände iind ans einzelnen 
Fächern musste ich, als ^u speciellen oder als ^ 
gemischten oder ganz unbedeutenden Inhalts , weglassen, 
wenn auch gar manche derselben als der Beachtung 
und Aufiiahme in eine allgemeiner umfassende medicinische 
Litteratur gar wohl werth sind. Doch machte mir meine 
so langjährige Beschäftigung mit diesem^Zweige der Ge- 
schichte und Litteratur eine Auswahl leichter, als* in 
einem andern Fach, und ich glaube, mit Ausnahme der 
arabisch -medicinischen Schriften, von denen ich gern 
nur einige wenige Ausgaben der bedeutendsten aus jener 
Zeit angeben wollte, in den Fächern der Naturgeschichte 
(deren Litteratur ohnehin bis zu Gaesalpins, Conr. Gess- 
ners und Glusius' Zeit höchst mager blieb) und der 
eigentlichen Medicin nur wenige wichtigere Werke von 



unter dem Namen ,M Philocale, ou amoureuse de Floris 
et de Blanchefleur, ex Italien," zu Venedig 1485, und eine 
deutsche Uebersetzung „Histori des Fürsten Floris und 
r! seiner lieben Biancoflora'^ zu Metz 14SIQ erschienen ist. 



/ 



XIY 



allgemeinerem Umfange bis zum Jahr 1530 — 40 über- 
gang«K.za haben. Nor ton den Schriften über einzelne 
Krankheiten, Sencben n. 6. w. habe ich absichdidi keine 
spedeHeren Verzeichnisse geben wollen, am so wieniger, 
da wir tob mehreren^ tlersdben schon vollirtändige und 
sehr unterrichtende Specialgeschichten nnd Litteraluren 
besitzen, so namentlich von der Syphilis im Aphrodtsiaens 
des Lucrinus nnd seinen Fortsetzungen VM Graner, 
und in den Werken Ton Girtanner, Simon nnd 
Rosenbaum, Yon der Pest Ton Papbn, Maclean 
und in mehreren nenem Festschriften (dock fehlt uns 
noch. gar sehr eine vollständige Litteratur- Geschichte der 
orientalischen Pest), von dem englischen Schweissft^er 
von Grüner und vorzüglich von Justus Hecker^^ 
seiner schätzbaren Monographie u. s. w. Indessen mögen 
doch folgende Nachträge aus der Litteratur der Bo*« 
taaik sanimi Gartenbau, und der Diätetik nebst TSüb^ 
mngsmittelkande jener Periode hier eine Stelle finden. 
Eines der ältesten und zugleich der besten und berühm- 
testen Werke über botanische Gartenkultur und Landbaa 
ist des Peter de Grescentiis aus Bologna, gehofen 
1230, „Opus ruralium commodorum'S das zu Bologna 
zuerst ohne Jahrszahl ( doch vermuthlich nicht später als 
1469 oder 1470), dann zu Augsburg bei SehUssler 
1471, zn Löiren von Johann von Westphaien (Paderborn) 
1474 und öfter gedruckt wurde, und ins Italienische tber- 
setzt zu Florenz 1478 und öfter, mit Holzschnitten, ins 
üetHscbe übersetzt zu Strassburg 1498 und öfter, auch 
nnt Holzschnittfigttren erschien, und von Haller gertihmt 
wird; dann des Spaniers^ Alfons de Herrera libet 
de agriooltura, Toledo 1520, 1528, 1546 und.öft^f; des 
Raphael Maf^ei, Volaterrani, GommentarionuHVurbanor. 
libri 38, Paris 1515, 1528; des Job. Manardus Epi- 
stolae (über und gegen Mesue), die ersten 6 Bücher 
Pans^l528, Strassburg 15^, die gefiSAmmtett 20 fiüeher 
Basel 1538, 1540; des Carl Stephanus verschiedene 



XJt 

SüMhen iHir Botanik und dem Gartimbaii, Paris lä36 %« 
die apIkterUtn unter den Titel ,,Prädiuin rusticum'' Yer* 
einigt' trnrde^; des Otto Brunfels Herbarum viirae 
iooncfs, V(ri«fll, Strassb. 1&3Q; Desselben und Lau** 
reibe Fries* Spiegel dei? ij^znei^Slms^biiri; 1517^ 1526, 
l&3ä; desLeotthar d Fnchs Par^dtaa medieinae, libri IH, 
Basel k^3ä, und Historia plantajrnm, »H yorziigB<$h S€hP<r 
neu HiDlzsehiiilt-Abbfldungen,^1542, ausser seinen Tklea 
andent Schriften und Gonnnentarien zu Hipp, und Galen; 
von Symphorian Ghampier, ausser den sdion genannt 
(to iSchi^n seine Rosa galfica aggregatoris LugduB^ 
Paris 1514, und sein Hortus gaUicus, Lyon 15^, -^ 
Zur Diätetik. nenne ich bloss unter den Sltesten bier^ 
über TiiMrhandenen Drucksdiriften das Ton Jokannes 
Mediolanensis im Jahr 1100 redigirte Regimm Sani- 
tatis Sdualae Salermtanoi, In leoninisdien Versen t "^on 
d^n einer der ältesten bekannten Drucke (die ersten 
sind nirgends verzeichnet, und vermuthliGh schon vor 
1474) der zu Venedig 1480 ist, dann zu Pisa 1484, Cöln 
1493, und in einer Mienge folgender Ausgaben im 16. Jahr«- 
hundert nüt; dommentarien von Job. Gurio (Frankfurt 
E^enolf, 1588, 51 u. f.)» und auch in deutsche Reime 
itberaetet (Wittenberg 1540, Leipzig 1552 u, f.), und die 
prosaische BeSfrbeitimg desselben von dem schon von mir 
g^ianiiten Arnald Bachuone (Villanovanus) unter 
de«|seUset Titel „Aeginien sanitatis'S w^ob^ gleichfafis 
in virien Avaigaben, die erste^ s. a. et I. vermothlioh vor 
1473, daJHi mit A&l Jahrzahlen 1482 u. fgg. zn Venedig, 
L<Mreu u. a. m. 0. ^schien, und in ipi^reren Ausgaben 
unter dem Namen Magnini Mediolanensis regimen 
sanitat. zn nicht geringer Verwirrung der Litteratnr dieses 
Bndies gedruckt wurde; ancb nnter diesem Namen schon 
1474 in deutscher Uebersetzung zu Nürnberg von G reu SS <* 
ner gedrucMr Gorte und fialler haben aber nacjigewie- 
sen, dass das Regimen dieses angeblichen Magninus und 
jenes des Arnaldns ViUan. ganz ein und dieselbe Sebtift 



ist. Noch erwähne ich der ähnlichen, nur grossem, Werke 
«tes Hieron. Manfredi, de homine et de conservatione 
sanitatis, in italienischer Sprache zu Bologna 1474, des 
Marsilius Ficinus aus Florenz (vonden^ch in dieser 
Schrift schon sprach) Über de triplici vita, Florenz 1489, 
Bologna IdOl u. dfter, des Bapt. Fiera von Mantua 
(geb. 1469) „Goena de herbarum virtatibns et victus 
ratione, s. 1. et a. und Mantua 1515, des Benedict de 
NuTsia, Leibarztes des Papstes Sixtas IV., liber de con- 
servatione sanitatis, Rom, von Phil, de Lignamine, 1477, 
des Barthol. de Sacchi, yulgo Piatina, Libri X de 
obsoniis et honesta voluptate ac yaletudine et ratione 
victus etc., Yicenza 1470, Vened. 1475 und noch öfter, 
dann ein altdeutsches Buch : Regimen .Sanitatis, oder Ord- 
nung der Gesundheit (ohne Namen des Verfassers), zu 
Augsburg 1481, Uhn 1482, Göln 1494 u. f. gedruckt, und 
noch Helius Eobanus Hessus de bona valetudine con- 
servanda, poema, Erfurt 1524 und mehrmals. — Weitere 
Nachträge können mit leichter Mühe bei einer etwaigen 
zweiten Auflage dieser Schrift beigeftigt werden. 

Es war meine Absicht und mein eifrigstes Bemühen 
gewesen, diese Schrift noch zeitig genug zu vollenden, 
dass sie noch wenigstens mehrere Tage vor dem Säcular- 
fest der Typographie dem Publicum, und insbesondere 
den hochverehrten Vorständen der altberühmten und hödist 
ehrenwerthen Haupt-, Pflanz- und Pflegestädte der Typo- 
graphie in Deutschland, denen ich sie in hoher Verehrung 
zu widmen mich gedrungen ftihlte, hätte tibergeben wer- 
den können. Leider vereitelte eine unerwartete Hemmung, 
welche nahe am Schlüsse dieser Arbeit durch einen 
schweren Krankheitsfall in meiner Familie eintrat, diese 
Hoflhung. Nach dessen glücklich gelungener Beseitigung 
gewann ich indessen einige Müsse, um noch den letzten 
Abschnitt «zur Litteratur der deutschen und ausländischen 
Poesie und Romantik in jenen hundert Jahren, den ich 
anfänglich .der Beeilung wegen fast ganz übergehen zu 



xm 

mttsgen geff^laubt hatte, vollsiändigei* aofisaarbeiten , wo- 
durch ich den Freunden dieses Faches der Litteratur 
einen nicht unangenehmen Dienst erwiesen zu haboi 
glaube, so wenig auch das hier Cregebene seinen Gegen- 
stand erschöpfen mag. Diesen letzten Abschnitt fügte idi 
erst bei, nachdem dieseVorrede bishieher schoA 
geschrieben nnd abgedruckt war, weshdb das 
letzte Blatt aoeh nunmehr umgedrudit werden musste. 
Dieses bemerke ich zur Verständigung über das, was ich 
S. X —XIII dieser Vorrede in Bezug auf jene Litteratur 
der Poesie u. s. w. gesagt habe, wie ich es freilich da- 
mals (vor mehreren Wochen), als^ch diese Vorrede bis 
zur Hülfte der S. XYtscIirieb, nicht anders sagen konnte, 
und somit zu^eich zur Bmditigung des dort Gesagten. 
Und so möge denn diese Verspätung der Aasgabe, durch 
welche .— helfe ich — das Buch selbst nichts verloren 
hat, geneigte Entschuldigung finden. 



Zusatz zu S. 170. Im Feld der Geburtshülfe 
erschien, nach einigen höchst rohen und schlechten Bruch- 
stttcken und Anweisungen in den Werken einiger Chirur- 
gen und Aerzte aus dem 14. Jahrhundert von Albert von 
BoUstädt an, das erste aussdiliesslich sie abhandelnde 
Werk, als Hebammeubuch, das Eucharius Roeslin, 
Arzt zu Worms, und dann zu Frankfurt a. M. , im Jahr 
1513, unter dem Titel: der schwangern Frauen nnd 
Hebammen Rosengarten, mit schlechtoi Holzschnit- 
ten, herausgab. So sehr unvollkommen und fehlerhaft es 
auch war, so wurde es doch, indem es der auf das Tiefste 
gesunkenen Hebammenkunst eine neue und bessere Bahn 
brach und wirklich Epoche machte, tiberall mit dem 
grössten Beifall aufgenommen, und erhielt bald nicht nur 
viele neue Auflagen (Augsburg 1520, 28, 32, 44 und 
öfter), sondern wurde auch ins Lateinische (mit der Um- 
änderung des Namens des Verf. in Euch. Rhodion) 



ftbeneut (FrMkf. 1&32, 37, Paris iftS» nmd nodi vM 
OflOT, und 80 Mcb ins FraazUäfi«^ (Paris löS6, 4» iL öti.), 
ins Enf^ke aad Hdländische ( Anstmlaiii 1&59). — 
Dm folgte dii hoDlbidlsdier Arzt, Jason a Pratis, 
doch nur ab Gonq^ilator, ndl einer Art TOn Hobanunen* 
bnch: „de pariente et partn liber*% s. L JA87, nadiden 
er yeriMT (l^^« Antirerpen) eine Art phjBtologiselier 
Biideitnng! Libri dno de uteris, lieraasgegeben hatte. — ^ 
Wallher Ryff's, oder Reiffs» zu Straasbwg, «nes 
nidrt nnerfidnencii nnd kühnen, aber thrasonisch^ Ope« 
rateors, HebammenboA, das er nnla" dem Titel: ^Franoi 
Rosoigartm "^9 mit rielen schleohten AbbiUiingen von 
Instmmenten, Gdnulsstflhlen n. dergL, 154& zn FVankfiurt 
heraiisfiab (iriedmr an%elegl zn Strassbnrg 1561 n. (tft), 
blieb an Werth hinter Rösbi's Bnch znrfick. Mit diesem 
Walther Ryff ist nicht der Zfircbn* Stadtarzi nnd Sträi. 
schnetder, Jacob Raeff oder Raff, zn yerwediseln, 
der ebenfalls ein Heb$unmenbuch von ziemlich gleichem 
Gehalt, mit yielen xylographischen Abbildungen, zn Zttrch 
1&&3, &4, dft n. oft., dmckcm lieas; aach lateinisdi über- 
setz! la&i ^ Matthias Qornax, Professor zn Wien, 
beschorieb in einer meriLirürdigen , zn Wiea 19Ö0 ersAie* 
nenen, Schrift die Gesdochte eines nntcr seiner Lcitnng 
Ton dem Wiener Stadiwnndant Dirlewang nntemem- 
neuen Kaiserschnitts, eigenlÜGh Bandmchnitts , mit 
Briialtnng des Lebens der Matter (Historia qninqoennis 
fert gpestationia in utero etc.), als das zweite* Beispiel 
fieser Operation, nachdem schon läOO Jacob Nnfer, 
Thier-Gastrator im Thnrgan, mit der ersten Umemeh« 
mnng derselbe an seiner eigaien Fran, mit dem gltdLn 
liebsten Ansgang, ymmsgegan^en war. 

BoQU, 2ß. Jnli 1640. 

Harless. 



Ueberschaut man mit unbefangen vergleichendem Blick 
die unabsehbare Reihe von Erfindungen und Entdeckun- 
gen in allen Tbeilen der Wissenschaft, Kunst und In- 
dustrie, welche menschlicher Scharfsinn und Fleiss, nicht 
selten mit Hülfe des glücklichen Zufalls, im Laufe der 
Zeiten zu Tage gefördert hat, oder richtet man vielmehr, 
bei der Unübersehbarkeit der Gesammtmenge, seinen Blick 
nur auf die Tüchtigeren und einflussreicheren unter ihnen, 
so weilt dieser doch wohl am liebsten und am dankbar- 
sten bei der Erfindung der Buchdruckerkunst. Mit 
ihr begann eine neue Aera fbr die Geschichte der euro- 
päischen Gultur und Givilisation , ja der Menschheit im 
Allgemeinen , und des christlichen Theils derselben ins 
Besondere, mit ihr das Wiedererwachen des Geistes zum 
freieren Denken und zum Forschen in den durch sie 
allseitiger aufgeschlossenen Quellen religiöser Lehre und 
Erkenntniss, und alter Weisheit und Erfahrung in Wissen- 
schaften und Künsten. Sie brach die Fesseln, in denen 
sieben bis acht Jahrhunderte hindurch das Streben edlerer 
Geister nach höherer Erkenntniss der umgebenden Natur 
und ihrer Kräfte, oder nach besserer Einsicht in die 
Natur des Menschen, seine Krankheiten und deren Hei- 
lung, unter dem lähmenden Druck eines scholastisdi - so- 

1 



phistischen uud auch mystischen Dogmatismus, mit Ob- 
scurantismus und einer von Ignoranz und Formelnwust 
strotzenden Pseudophysik und Arzneilehre (vielmehr Re- 
ceptenkram) geseufzt hatte, und gab ihnen bald, nachdem 
sie festen Fuss gefasst hatte, in zahlreichen Ausgaben 
die Werke der grossen Meister des Alterthums in Weis- 
heits- und Natur- und Heilungslehre, die Werke eines 
Plato, Aristoteles, Theophrastus , Xenophon, Hippokrates, 
Aretaeus, Cicero, C4elsus, Plinius, Plutarch, Galenus u. And. 
sammt denen d^ grossen Dichter, Geschichtsdireiber, 
Redner u. s. w. wieder, statt der verstümmelten, mis- 
handelten, entgeisteten Schatten- und Zerrbilder, in 
welchen frömmelnde und mystisch- snperstltiüse Schwär- 
merei und Verzückung d«f Theosophen und Neuplatoniker 
der ersten Jahrh^nderte uBserer ehristlichen Zeitrechmung, 
uiid pedantische Scholastik und Dialektik der Alles defi- 
nirenden, aber Nichts aufschliessenden Neu- (richtige 
Pseudo-) Aristoteliker, Formalisten und Arabisften des 
Mittelalters die ersteren jener Meisterwerke entstellt 
hatten. Zwar waren es auch noch die Werke dieser 
finsteren, wissensarmen Zeit, diese sterilen geist-« und 
9achle«ren Producte einer hohlen Qualitäten- und Qmddi- 
tatenlehre und einer aber^äuhiachea und bbud nadi- 
betendeu Mönehsphysik und Mönchsmediein (mit einiget 
allerdings respectabieren Ausnahmen), welche in den erslen 
isAaeü nach der Erfindung der Bachdruckerkunst aus 
deren Pressen hervorgingen; aber dieses gesdiah dach 
nur in den ersten 5* — 6 DecennieB nach der grossen 
Erfindung, wenn man nickt noch ^e Schriften einiger 
Schwärmer, PseuAe»8()|ihen und After - Naturlehrer aus der 
nachsteigenden ZeU, schon an der Schwelle der neuem. 



zu jenen rechnen will; so namentlich die des Paracel- 
sus, die ohne das einladende Mittel der Buchdrackerknnst 
schwerlich je aus der Feder dieses genialen, aber auch 
recht phantastisch - thrasonischen Schwärmers und sich 
selbst gern se nennenden Reformators geflossen, wenig- 
stens nicht zu diesem Rufe und dieser Verbreitung gekom- 
men wären, die ihrem Urheber und seiner neuen Lehre 
bald grossen Anhang und enthusiastische Verehrer und 
Nachäffer, bald aber auch heftige, besser unterrichtete un4 
mit überlegenen Waffen gesunder Logik und erfahrungs- 
massiger Naturlehre kämpfende Gegner erwecken mussten*). 

*) Und doch wäre diese Lehre, wenn gleich aus ihrem 
Schoosse die, hei allem Mystisch -Bizarren, doch immer mehr 
Geist und mehr positiTes Wissen enthaltende Lehre desMran 
Uelment, einigermassen, doch schon in edlerem und wissen- 
schaftlicherem Geist, die Physiologie des Des Gartes, und 
ans Beiden die Ghemiatrie des de le Bois SylTius und 
Gensorten herrorging, nicht so bald unter den Streichen 
ihrer Gegner erlegen, wenn ihr nicht ihre eigene Boden- und 
Haltungslosigkeit den sichern Untergang sch(w nach kaum 
einem Jahrhundert hätte bereiten müssen« Dem unparteiischen 
Geschichtsfrennd, der in des Paracelsus Schriften ohne 
Brille geforscht, und in ihnen den Geist aus dem überflutenden 
Wasser und Nebeldunst, das immer sehr achtbare, aber Ter- 
hältnissmässig nur wenige Korn besserer Erkenntniss und 
heilf&rdernder Bekämpfting eines starren Galenismus und der 
auf ihn und den Neo-Aristotelismns gepfropften altseholastischen 
Irrlehren ans dem Uebermaass Ton loser Spreu und eitlem 
Phantasiekram herauszufinden sich bemüht hat, möge es bei 
dieser Veranlassung gestattet sein, seine gerechte Verwimdemng 
darüber auszusprechen, dass nun abermals in der neuesten 
Zeit dieser Agitator und Reformer seiner Zeit nicht etwa 
blos wieder zu Ehren gebracht und als ein genialer Stifter 



Gennif^ dass die Erfindung und Behr bald folgende 
Veibreitong der Buchdrackerkunst das gesegnete, das 



einer neuen Epoche in der Geschichte der Naturwissenschaft 
und Medicin mit besserer Würdigung hervorgehoben werden 
soll (denn dieses w&re nur gerecht), sondern dass seine Lehre, 
und was man darunter begreifen zu können glaubt, als ein 
Werk tiefer philosophischer Forschung und speculativer Physik, 
als ein neues wunderbar helles Licht der Erkenntniss vom 
Grund und den Erscheinungen des Lebens im Menschen und 
der äussern Natur und tou den Wechseherhaltnissen beider 
gegen einander angesehen und Terehrt werden soll. So wollen 
dieses wenigstens einige bekannte gelehrte Manner der neue- 
sten Zeit in ihren, aus bester Meinung, aber mit der grössten 
Ueberschatzung kürzlich als G es ch ich ts beitrage und Ge- 
schichtsaufklarungen geschriebenen Darstellungen und Encomien 
der Ideen und Verdienste des Paracelsus, in welchen sie den 
Schöpfer einer wahren Naturphilosophie und einer kosmo- 
dynamischen Lebens* und Krankheitslehre, unter dem Schema 
Ton drei Grundelementen und drei Grundkraften und ihrem 
Gonflict unter sich und mit den astralischen Potenzen, er- 
blicken,' und in welchem ein und der andere dieser Verehrer 
die Weisheit und Ideentiefe eines Plato und Empedokles mit 
dem praktischen Beobachtungs- und Kunstübungstalent eines 
Hippokrates, Aretaeus und der besten Aerzte aller Zeiten ver- 
einigt finden möchte! Und doch ist nichts gewisser, nichts 
klarer aus den Paracelsischen Schriften nachzuweisen, als dass 
das sogenannte kosmologisch - spirituale und physiolo^sch- 
medicinische System dieses bei vielem Geist und Talent doch 
wenig positive Kenntnisse, desto mehr aber das Rohe und 
Arrogante eines Marktschreiers besitzenden Mannes, oder viel- 
mehr nur seine phantastische und mit grossem Bombast und 
mysteriösem Klingklang vor Wissenden und Unwissenden gepre- 
digte Lehre von den chemisch -astralischen und tellurisch- 
somatischen Elementen des Lebens und Leibes seiner Krank- 



5 

einzige Mittel war, um Licht in jene finstere Zeit zu 
bringen und die schier erloschene Flamme der Wahr- 
heiten, als Geburten und Signaturen der Metalle und Salze, 
und der Wirkungsweise der Heilmittel und Alles, was er in 
eben so willkürlicher als Terworrenef Weise tou einem dy- 
namischen Gegensatz und Gonflict zwischen Makrokosmus und 
Mikrokosmus Torbringt und aus dieser ihm selbst niemals klar 
gewordenen Idee mehr nur in allegorischer Deutung auf die 
Pathologie und Therapie überträgt, — dass, sage ich, dieses 
sogenannte System eben so sehr eines festen Grundes und 
Bodens ermangelt, so weit ein solcher durch nüchterne und 
reine Beobachtung — in der sich Paracelsus niemals als 
Meister gezeigt hat — und durch tiefere Studien in den Fel- 
dern der Ontologie, Kosmologie, Physik und der historischen 
Physiologie und Mcdicin (worin P. Töllig arm und Fremdling 
war) gewährt werden kann, als einer conse^enten Haltung 
und Durchführung. Seine Kosmo- Theologie und Physiolo- 
gie sammt Pathologie, in welcher Theosophie, Mystik, ^Kabba- 
listik, Deismus und Pantheismus mit Astrologie und Aber- 
glauben in wunderlichstem Gemische durcheinander gehen, 
enthält bei Tielem geistreich Gedachten und mit wirklicher 
Genialität Erfassten auch gar yiel Unsinniges und im höch- 
sten Grade Absurdes, was nur im trunkenen Muth so hinge- 
worfen werden konnte, wenn gleich Manches (wie Sprengel 
treffend bemerkt) mehr seinen Schreibern, die dem in solcher 
Weinlaune dictirenden Meister nicht immer richtig folgen 
konnten, zur Last fallen mag. Paracelsus war Stifter und 
Haupt der chemischen und alchemistischen Physiologie und 
Medicin, durch die er die Galenische und Arabisäsche Schule 
und ihre Elemententheorie zu stürzen suchte, was ihm auch 
zum Theil und nicht ohne bleibendes Verdienst gelang, wäh- 
rend er freilich eine Menge eigener grober Irrthümer an ihre 
Stelle setzte. Er trieb yiel pharmaceutische Chemie, und hatte 
auf diesem Wege viele neue Arzneicompositionen , besonders 



6 

heitsforschong und Wissenschaft, und der auf diese 
fussenden Geistes- und Glaubensfreiheit ifieder anzu- 



metaUische, erfanden, durch die er sich einen grossen Ruf 
erwarb. Und gleichwohl war er nichts weniger als wahrer 
Chemiker im wissenschaftlichen Sinne des Worts, und yerstand 
sich gar nicht anf feinere Analyse, so weit man solche bei 
der damaligen Armutk an Hülfsmitteln und Reagentienkunde 
etwa fordern konnte. Er wollte auch Chirurg und sogar auch 
Reformator in dieser Kunst sein, und schrieb mehrere Werke 
tiber Chirurgie. Und gleichwohl war er nichts weniger als 
praktisch erfahrener Wundarzt, und wusste kein Messer zu 
führen und keine Operation kunstmässig auszuführen. Statt 
die Chirurgie zu f()rdern, schadete er ihr Tielmehr durch seine 
Verachtung der operativen Technik aus Unkunde derselben. 
Nichtsdestoweniger soll er von dieser Unwissenheit in der Chir- 
urgie neuerlichst nicht nur ganz freigesprochen, sondern diese 
ihm sogar zur Meisterschaft umgestempelt werden!! In der 
That, er wtirde selbst lächeln oder schamroth werden, könnte 
er lesen, was Alles seine neuesten Lobredner in Berlin und 
Nürnberg, und insbesondere Herr Dr. Lessing auch in dieser 
Beziehung, so wie in vieler anderen, ihm zum grössten Ruhm 
gekehrt, und was sie Alles, ohne dass er daran dachte, aus 
seinen Werken herausgedeutet haben. Ein solcher Panegyricus, 
in so übertreibender Art, wie ihn der eben genannte Gelehrte 
seinem Idol in einer eigenen biographischen Schrift und dann 
wieder in seiner sehr fleissig gearbeiteten Geschichte derMe- 
dicin, Bd. I., hielt, hat wenigstens das Gute, dass er andere 
Geschichtsfreunde, denen es um Gewissheit zu thun ist, zu dem 
Lesen der Schriften des Paracelsus selbst hinleitet, und sie 
dann bald erkennen lässtj wie wenig ihr wahrer Gehalt jenen 
weihrauchstreuenden Deutungen entspricht. — Für diesen 
etwas lang gewordenen Excursas, der allerdings nicht zum 
eigentlichen Thema dieser Blätter gehört, bittet der Verfasser 
um geneigte Entschuldigung.^ — 



fachen. Genug dass durch sie dem Wissbegierigen, dem 
Weiterstrebenden nicht nur jene alten — bis dahin nur 
sehr mühsam und kümmerlich zu benutzen geiresenen — 
Quellen irissenschaftlicher Bildung und Erkenntniss iriedelr, 
und reichlicher und zugänglicher als je, geöffnet* wurden, 
sondern dass nun auch von allen Seiten und in allen 
Hauptfächern der Wissenschaften und der Kuustlehre ein 
vorher un^hörter Wetteifer der Gelehrten und Kunstver- 
ständigen geweckt ward, um durch Schriften, die an Zahl 
wie an Werth vorzüglich rasch vom 16. Jahrhundert ah 
zunahmen, ihre Ansichten, Kenntnisse, Entdeckungen und 
Erfahrungen mitzutheilen, Neues oder Besseres zu lehren, 
Irrthtimer zu beleuchten und zu widerlegen , den Geist 
aus den früheren Fesseln des Wahns und des Servilismus 
zu emancipiren, und so mehr und mehr zur Erweiterung 
des menschlichen Wissens, wie zur Förderung geistig-sitt- 
licher Bildung, eines geregelteren Rechtszustandes, bür- 
gerlicher wie individueller Wohlfahrt und eines veredei- 
teren und angenehmeren Lebensgenusses zu wirken. 

Als ein solches Mittel zur Möglichmachung solcher 
unermesslich grossen Wirkungen, zur Gewinnung solcher 
unendlich reichen und heilbringenden Früchte ftir Geist 
und Herz, Staat und Kirche, Glaube und Wissen, Lehre 
und Uebung, Gesetz und Recht, Gemeinwohl und Erhal- 
tung oder Herstellung des Einzelnen, überhaupt fiir alle 
Verhältnisse, Anforderungen und Bedürfuisse des Lebens 
in der Gesellschaft und des Individuums im Stande der 
GivUisation, ist und bleibt die Vervielftdtigung und Ver- 
breitung der hierzu ftihrenden Schriften durch die Buch- 
drnckerkunst das souveraine , mächtigste , ja nächst der 
mündlichen Rede durch Unterricht in öffentlichen Versamm- 



8 

langen, von den Kanzeln, und in den Lehrvorträgen, 
deren Wirkungskreis doch sehr häufig ein beschränkterer 
ist, in sehr vielen Beziehungen das einzige. Und eben 
desiregen ist und bleibt die Erfindung dieser Kunst unter 
allen, die seit dem Beginn unserer christlichen Zeitrech- 
nung auf technischem Gebiete hervorgegangen . sind, ohne 
Widerrede die grösste, wichtigste und folgenreichste. Sie 
ist dieses selbst in Vergleichung mit ihrer uralten Vor- 
gängerin und Mutter, der Erfindung der Buchstabenschrift, 
die selbst die Tochter der Bilder- und Hieroglyphen- 
schrift war , und des Schreibens mit dem Griifel und dem 
Galamus auf Wachs, Bast, Pergament, Papyrusblättem 
und Papier, oder mit dem Meissel auf Stein (als Lapidar- 
schrift). Mögen auch immer und mit höchstem Verdienst 
die Namen eines Hermes, oder Horns, Moses, Gadmus^ 
und wem sonst die Erfindung der Buchstabenschrift in 
Egypten, Phönicien, Indien und Griechenland zugeschrie- 
ben wird (auch der Runenschrift im europäischen Norden 
nicht zu vergessen), durch die unschätzbare WoUthat 
dieser Erfindung in der Tradition und Geschichte un- 
sterblich glänzen; mag auch immer die Schreibekunst, der 
wir die U^berlieferung, ja gewissermassen die Entstehung 
jener classischen Geisteswerke des Alterthums verdanken, 
flir jene Zeit der Haupthebel der intellectuellen und sitt- 
lichen Bildung, des Aufschwungs der Wissenschaften und 
Kijnste, und der freieren, reicheren und vielseitigeren 
EntWickelung des Nationalgeistes und des Staatslebens 
gewesen sein, so steht doch das, was sie als solches 
Mittel zu leisten Vermochte, und wie sie es zu leisten 
vermochte, in Grösse und Ausdehnung der gewonnenen 
Früchte, wie in der Leichtigkeit ihrer Mittheilung^und ihrer 



9 

Vervielfkltigang, weit hinter den Erfolgen der Gutenbergi* 
sehen Erfindung nnd^ ihrer Vervollkonininong darch Peter 
Schöffer und die nächstfolgenden Meister. 

Im Alterthnm und noch bis zu Gutenbergs Zeit, waren 
es die Abschreiber (Metagraphentae, Librarii), durch deren 
Griffel oder Rohrfeder (viel später erst durch den Gänse- 
kiel, der wahrscheinlich nicht vor dem dritten Jahrhundert 
nach Chr. gebraucht wurde) die Mythen der Vorzeit, die 
Lehren und Verkündigungen der Priester, Seher, Gesetz- 
verständigen, die Gesänge der Volksdichter nnd der epi- 
schen Muse, die Werke der Geschichtschreiber, Philoso- 
phen und Theosophen, Moralisten, 'Redner, Dramatiker, 
Romantiker, Aerzte, Naturforscher, Mathematiker, und bald 
noch vielerlei andere Producte aus allen Fächern des 
Wissens und Nichtwissens in einer grossem oder kleinem 
Zahl von Abschriften für theur^ Geld unter die Leute 
kamen. Doch war die Zahl dieser Gopien verhältniss- 
mässig immer nur eine geringe; sie konnten meist nur 
von reicheren Leuten, des theuren Preises wegen, erwor- 
ben werden, und blieben den Unbemittelten und den un- 
tem Volksclassen , die grösstentheils (wie noch in so 
manchen Ländern zu unserer Zeit) nicht lesen konnten, 
unzugänglich. Die Abschreiber waren — wie noch heut 
zu Tage — gar nicht immer gut unterrichtete, in ihrem 
Geschäft nicht immer wohl geübte, und dasselbe nicht 
immer mit Sorgfalt und Genauigkeit übende Leute; ihre . 
Handschrift war nicht immer sauber und deutlich genug . 
(wenn gleich wahre Kalligraphen unter ihnen, zumal im 
Arabischen und Lateinischen, eben nicht zu den Selten- 
heiten gehörten), und konnte nicht immer von den neuen 
Abschreibern richtig entziffert und wiedergegeben werden , 



10 

sie ermangelten der Interpunctionen und Seitenzahlen: 
Ursachen genug zu Fehlem, Gorruptionen und Abwei- 
chungen aller Art, auch oft zu grossen Elisionen in der 
Abschrift. Im Mittelalter Übernahmen dieses Geschäft 
grOsstentheils die MOnche und andere zum Clerus gehörende 
Personen, durch deren Hände schon früher das Abschrei- 
ben der Bibel, der Kirchenbücher, Missal^i u. s. w. und aller 
theologischen Werke besorgt wurde. Aber wenn gleich 
mehrere dieser clerikalischen Abschreiber etwas mehr 
Sprachkenntniss , in einigen Fächern auch mehr Sadi- 
kenntniss besassen, als die Mehrheit der alten Librarier 
(Ton denen doch die alte griechische Geschichte aus 
der Alexandrinischeu Periode einige im medicinischen 
und naturhistorischen Fach als recht gelehrte, gleich- 
wohl nicht zuverlässige Männer bezeichnet),' und dabei 
viele Kunst im Verzieren und Ausmalen ihrer Schrift auf- 
wendeten, so ging es doch im Ganzen mit dem Erfolg 
nicht besser. Ja diesem und einer grösseren Verbreitung 
dieser Handschriften zur allgemeineren Benutzung stand 
nicht nur der zunehmend hohe Preis der schöneren und 
mühsamer verfertigten unter ihnen (noch zu Gutenbergs 
und Fusts Zeiten wurden vorzüglich sdiöne Exemplare der 
Bibel auf Pergament und Papier geschrieben, mit gemal- 
ten Initialen , von den Mönchen um mehr als 6 — 70Q 
Thaler verkauft*)), sondern noch mehr der Umstand ent- 



*) Manche dieser Pracht- Codices, in welchen nicht nur 
die Initialen oft sehr fein ausgemalte Schildereien, sondern 
auch eine grosse Zahl der Blätter reiche Vergoldungen erhiel- 
ten, mochten wohl noch theurer verkauft worden sein. Aber 
diese Preise standen doch in einem nicht nnhilligen Verhältniss 



11 

gegen, dass im Mittelalter ausser den Geistlichen, den 
Lehrern an den Schalen und Umyersitäten , den Aerzten, 
den Richtern, den Studenten und wenigen andern Gebil- 
deteren fast Niemand im Volke des Lesens kundig war, 
und der schon für einen Gelehrten galt, der dieses verstand. 

Diesen Mängeln und Desideraten konnten eben so 
wenig die schon geraume Zeit vor der Erfindung der 
bewegUchen Drucktypen gemachten Versuche in der Holz- 
schneidekunst und in der Ghalkographie abhelfen. Wohl 
hatte man, abgesehen von den In- und Unterschriften auf 
Monuipenten von Erz und Stein , schon in der ersten Hälfte 
des 15. Jahrhonderts , dergleichen Versuche gemacht, 
ganze Zeilen, ja ganze Seiten in Holztafeln erhaben (en 
haut reli^f ) zu schneiden , und diese dann mit Tinte oder 
andern Farben abzudrucken (die ersten hölzernen Vor- 
läufer der jetzigen Stereotypen), und selbst Gutenberg 
hatte seine ersten Druckversuche in Strassburg mit solchen 
Holztafeln gemacht. Der hölzernen grossen Anfangsbuch- 
staben hatte er sich selbst in seiner Verbindung mit Faust 
noch bedient, wie auchP. Schdifer in Mainz, A. Pfister in 
Bamberg, Bechtermünz in Eltville, Mentel (oder Mentelin) 
in Strassburg, Ulr. Zell u. A. inColn, Joh. Zainer in Ulm, 
Günther Zainer, Bänder, Sorg, Radolt in Augsburg, 
Sensenschmidt, Koberger, Greussner u. A. in Nürnberg, 
Arnold Pannarz und Conrad Schweynheim in Rom, und 



zu dem Aufwand an Arbeit und Kosten. Die Preise der von 
Fust und Schöffer zuerst mit Angabe des Dmckorts und Jahrs 
gedruckten Bticher, des prächtigen Psalterinms (14^7), der 
48zeiligen Bibel (vom J. 1462), des Rationale Duranti n. a,., 
waren auch hoch genug. Fust verkaufte seine Bibel Anfangs 
fUr 60 Kronen, sp&ter um die Hälfte. 



12 

die Übrigen Primaten der Typographie aus jener Zeit noch 
thaten. Allein diese Uolztafeln, mit denen kleine ABG- 
Tafeln, Kalender, Vocabularien, Donate n. s. w. noch etwas 
später als 1445 — 1450 gedruckt worden sind, blieben 
doch nur ein höchst ungenügendes Rudiment , blos deshalb 
wichtig, weil es das Anregungsmittel zur Erfindung der 
beweglichen Typen wurde. (Man sehe hierttber, unter 
den älteren Zeugnissen, den immer classisch bleibenden 
Bericht des Sponheimer Abts Tritheim (oder Tritten- 
heim) in den Annalib. Hirsaujensib. ad annum 1450, wo 

es u. a. ausdrücklich heisst „ Jo. Guttenberger, civis 

Moguntin., consilio et impensis Joannis Fust, piimi 

characteribus litterarum in tabulis ligneis per ordinem'scriptis 
formisque compositis Vocabularium Gatholicon nuncupatum 
impresserunt, sed cum iisdem formis nihil aliud potuerunt 
imprimere, eo quod characteres non Tuerunt amobiles de 
tabulis, sed insculpti etc.*S dann einige Stellen in der 
Chronica der hilligen Stadt Goln (1499), wo es 
heisst: die von Jo. Gutteuberg im J. 1440 zu Mainz erfun- 
dene und durch Ulr. Zell nach Göln gebrachte Buchdrucker- 
kunst sei in ihrer ursprünglichen, aber sehr unvollkommenen 
Form von den schon früher in Holland existirenden Ab- 
drücken des Donats von Holztafeln entnommen worden. 
Aehnliches steht in Sauberts Historia Biblioth. Norim- 
bergens., wo es im „Appendix de Inventione Typographiae" 

weniger richtig heis§t : „ Joh. Faustus initio Tabulam 

Abecedariam incidit atque insculpsit characteribus ligno 
eminentibus, eamque atramento imbuit etc.^% und in des 
Römers Angelo Rocca „Bibliotheca Vaticana.'' Ein 
merkwürdiges, wenn gleich viel Unrichtiges im Personen- 
betreff enthaltendes Zeugniss ist auch das des Neapolitaners 



13 

Mariangelo Accursi, dass der Donat und die Gon- 
fessionalia von Joh. Faust und Peter Schöffer, die er ftir 
die Erfinder der Kunst, mit MetaQtypen zu drucken, hält, 
vor allen andern zuerst im J. 1450 (?) gedruckt worden 
seien, und zwar, indem sie hierzu von dem holländischen 
Donat, der früher schon in eine Holztafel eingeschnitten, 
und aus dieser abgedruckt worden sei, Veranlassung 
genommen hätten *). Es ist immer möglich , dass Gutenberg 



s 



*) „Admonitus certe fuit (seil. P. Schöffer) ex Donato 
Hollandiae, prins impresso in tabula incisa.'* ,,Hic über est 
Grammatica Donati", setzt Rocca hinzu. Da dieses immer 
nicht unwichtige Zeugniss des Accursi weniger bekannt 
geworden zu sein scheint (unter den mir vorliegenden Schrif- 
ten zur Geschichte der Typographie finde ich es niur in, 
G. Paschii sched. de curiosis hujus saec. inventis, Kilon. 
1695, aus welchem ich das Folgende entnehme, p. 343 sqq. 
ausfOhrlich aus dem oben angeführten Werk des Angelo Rocca 
abgedruckt und auszugsweise auch in G. A. Schaabs clas- 
sischer Geschichte der Erfindung der Bnchdruckerkunst, Bd. L 
S. 99 u. 185 fg. erwähnt), so hielt ich seine Wiedererwähnung 
an diesem Orte nicht für unpassend, und will noch beifügen, 
was Paschius zur Widerlegung der holländischen Schrift- 
steller des 17. Jahrhunderts, Boxhorn, Hadr. Junius, 
P. Schryver u. A, welche dem bekannten Lorenz Johann, 
,^Aedituu5 Gustosque^' zu Harlem, die Erfindung der Bnch- 
druckerkunst, und zwar schon im J. 1430 (wie dieses auch 
auf dem Monument des Lorenz Goster zu Harlem steht) zueignen 
wollten, weiter bemerkt: „Ex hac Donatorum Hollandiae im- 
pressione in tabula incisa (ante Moguntinos) nihil aliud sequitnr, 
quam incidisse Laurentium Gosterum characteres ligno, quod 
aeque fecerunt Fanstus et Gutenbergius, donec hi aeneos tan- 
dem excogitamnt typos, quomm inyentionem arrogare« sibi 
Batavi nuUa rätione possunt.'' Und so bleibt es auch das 



14 

schon VorgäBger in diesen Versuche mit dem Bolatafel- 
druck hatte, und dass das¥omAbt Tritkeim angeflihrte 
Gatholicon von 1450 mit soldien nnbeweglichen Typen 
von Holz gedruckt (weldies Werk in dieser Ausgabe nicht 
mehr existirt , und von dem berttiimten Gatholicon , weldies 
Gutenberg 1457 mit beweglichen metallenen Typen druckte, 
wohl unterschieden werdai mass), nicht das erste Werk 
dieser Art war. S c h p f 1 i n führt s^st die Titel mehrerer 
solcher kleiner Holztafelbücher an. Es ist möglich, wenn 
gleich nichts weniger als erwiesen, dass der Hademer 
Lorenz Goster (Küster, denn das war seinAmt, nicht 
sein Name), für den seit Langem üe Holländer stritten 
(man ». die Anmerkung imten), und dem noch in neuerer 
Zeit Meermann in seinem bekannten Werke „de Origi- 
nibus Typographiae " die Erfindung der Typographie auf 
Kosten Gutenbergs mit grossem Eifer zu viudiciren ver* 
sucht hatte , wenn schon, nachher die Unhaltbarkeit dieser 
Hypothese seihst anerkennend, schon einige Jahre früher 
ähnliche Versuche mit Holztafeldruck g^nacht hatte. Und 



beste Expediens, anzunehmen, dass Goster eben so gut, wie 
Gulenberg, und Jeder von dem Andern unabhängig, auf die 
Idee, ZeUen und ganze Seiten in Holz zu schneiden und 
solche Hcdztafeln abzudrucken, gekommen sein konnte, mag 
nun Lorenz £losfer wirklich sdion yor Gutenherg diese Ver- 
suche gemacht haben oder nicht. Ja es sagt Hadrian 
Junins ausdrücklich, er habe ein ganzes Werk, das „Spe- 
culnm nostrae salutis'S weMes Lorenz Goster a«f Holztafeln 
gestochen und abgedruckt habe (angeblieh vor der Gutenbergs- 
erftndnng), gesehen. Aber ganz ans der Luft gegriffen und 
lächerlich sind die Mährchen, welche derselbe Junius dann 
weiter zu Gunsten seines Helden auftischt. 



1« 

so mag es sein, dass etaer seiner grösstea Lobredner, 
aber freilich anch ein sehr parteiischer and nichts weniger 
als anthentischer Zenge ans dem 16. Jahrhundert, den 
schon längst Andere (so schon SchOpffin, y. Heineken, 
Würdtwein) gehörig gewürdigt und abgefertigt haben, der 
schon in der Anmerkung genannte Hadrian Junius zu 
Hoom (in seiner Bataviae Historia, Cap. 17) wenigstens 
nicht ganz fabch berichtete, wenn er sagte, dass dieser 
Lorenz Goster, durch eigenes Nachdenken geleitet, nach 
einigen Versuchen, aus Buchenholz Buchstaben zu schnei- 
den und mit ihnen einzelne Verse auf Papier zu drucken, 
bald ganze Tafeln zu diesem Behuf irerfertigt („pkiaees 
totas figuralas addiiis characteribus expressit '') , und mi^ 
telst einer von ihm erfundenen haltbareren Druckerschwärze 
(was gewiss nicht wahr ist) abgedruckt habe; ja dass er, 
H. Junius , selbst ein von Lorenz angefangenes Druckwerk 
(^,Operarum rudimentum, paginis solum adversis, haud 
i^istographis'')) i^ hoUändischer Sprache vpn einem Ano- 
nymus geschrieben, mit dem Titel „Specolum nostrae 
salutis,'' gesehen habe. Dass ein solches Buch, unter 
ähnlichem Titel: „ Speculum humanae salvationis'^, als eines 
der ältesten und zum Theil mit einseitigem Holztafel- 
druck ausgeführten Druckwerke wirklich existire, ja dass 
die älteste Ausgabe desselben zu Harlem in klein Folio 
gedruckt, und in sehr zierlicher und ganz ungewöhnlicher 
Weise auf dem obem Theil jeder bedruckten Sdte ein 
Doppelbild aus der biblischen Geschichte in Holzschnitt, 
auf dem untern Theil den lateinischen (oder deutscheu) 
Text enthaltend, wircklich aus 63 nur auf einer Seite 
bedruckten Blättern bestehe, ist bekannt, und ich darf 
mich hieriiber nur auf Ludw. Hains sehr genaue Angabe 



16 

berufen *), Aber dieses Bach ist schon in seiner ältesten 
Aasgabe (die man ällerfrtihestens in die Zeit des Erschei- 
nens des ersten Bibeldrackes von Gutenberg setzen kann) 
zum grossem Theil mit beweglichen Typen gesetzt. 
Also war entweder dasselbe nach Gatenbergs Erfindung, 
und diese schon benatzend, gedruckt, was allerdings das 
Glaublichste ist, oder es gab ein noch älteres Exemplar 
desselben, das Niemand ' kannte und Niemand beschrieben 
hat, dasselbe nämlich, das H. Junius 128 Jahre später sah, 
und von dem er sagt, es seien die gegenüberstehenden 
' leeren Seiten der Blätter, mit Leim zusammengeklebt 
gewesen, „ne illae ipsae vacuae deformitatem afferrent.'' 
Sollte dieses Exemplar wirklich das einzige damals noch 



*) Hain, Repertorium bibliograph. Vol. II., B. n., be- 
schreibt diese nur in sehr wenigen (yielleicht kaum 3 — 4) 
Exemplaren noch Torhandene erste Ausgabe jenes Buches, 
welches von einem holländischen Geistlichen Terfasst zu sein 
3cheint, und auch sehr bald nachher schon in holländischer 
Sprache, unter dem Titel: „Spieghel onser behoudenisse'^ 
ohne Orts- und Jahresangabe (doch zu Harlem) mit denselben 
Holzschnitten erschien, auf folgende Weise : „Gonstat 63 foliis 
anopistographis, quorum priora quinque occupat praefatio. 
Reliqua supra iconemxylographbipartitam, aliquid ex scriptura 
Sacra repraesentantem, infra Tero textum habent in 2 columnis. 
Icon prima angeli lapsnm et creationem Eyae, ultuna yirgines 
prudentes et fatuas - - exhibet. Textus folior. 1, 2, 4 — 11, 
13, 14, 16, 17, 21, 22, 26, 27, 46 et 55 insculptus, in 
reliquis foliis litteris mohilibus impressus. — In einer 
zweiten Ausgabe s. 1. et a. (auch zu Harlem) ist der ganze 
Text mit beweglichen Lettern gedruckt, und mit denselben 
Holzschnitten. Dasselbe ist bei der dritten Ausgabe (mit 
hoUänd. Text) der Fall. 



17 

existirende f^wesen und nachher ganz verloren gegangen 
sein? Gewiss nicht. Gewiss war es' dassdbe Buch, das 
etwas später auch in hochdeutscher Sprache unter 'dem 
Titel „Spiegel menschlicher Behältniss'' mit den Evan- 
getten und Episteln mehrmals gedruckt worden ist, zuerst ohne 
Jahr und Druckort (wahrscheinlich zu Augsburg und Göln 
in den ^Oger Jahren), in seineu ersten deutschen Aus- 
gahen ebenfalls in Holz geschnitten, und das von Heinecken, 
Meermana, Panzer und Hain beschrieben ist. Aber wie 
schon Heinedten gegen Meerm^in nachweist, so ist die 
obige lateinische Ausgabe dieses allerdings s^ alt^i 
Bndies, mit zum Theil beweglichen Buchstaben, noch 
etwas älter. Dann kann also das von H. Junius erwähnte 
Buch nicht vor 1456 oder 57 gedruckt sein, oder seine 
ganze Erzählung ist unwahr. 

Den grOssten Zweifel an der Authenticität dieser 
Angabe des Junius erregt das im weiteren Verfolg von 
ihm Beigefügte, was grOsstentbeils entschieden unwahr 
und reine Fiction ist. * So unter andern , Lorenz G. habe 
die hölzernen Typen mit blelemeli, dann mit zinnernen 
vertauscht (was er wohl nach Crutenbergs Vorgang gethan 
haben konnte) ; unter seinen Arbeitern sei auch ein gewisser 
Jobannes gewesen , ob mit dem Zunamen Faust ( ! ! ) , oder 
mit einem andern , wisse er ni^ht. Dieser , obschon durch 
Eid zur Treue und Bewahrung des Geheimnisses ver- 
pflichtet, habe sich in der Ghristnacht in die Druckerei 
des Lorenz eingeschlichen, die Lettemkasten erbrochen, 
und sich dann mit den geraubten Typen und Werkzeugen 
davongemacht. Er sei erst nach Am^erdam, dann nach 
Cöln, von da nach Mainz gegangen und habe da mit 
dem fr^nden Gut eine DruckofScin errichtet und mit den 

2 



18 

Harlemer Typen im J. 1442 zuerst das Doctriuale Alex- 
audri GaUi gedruckt u. s. w. — Dieses lächerliche Mähr- 
chen, das eigentlich das Wiederanfuhren nicht verdient, 

m 

hat längst seine Abfertigung gefunden (so schon von 
Kohler, SchOpflin, Wtirdtwein, Heinecken u. A.)* so gut 
Yfie andere zum Theil sehr ähnliche Fictionen Ton Guten- 
bergs angeblichem falschen Treiben und unredlichen Ver- 
fahren in Strassburg gegen seinen Lehrherrn (?) Mentel 
(oder Mentelin). Hierin ist nach dem Vorgang des alten 
Dan. Speckling und Boeclers (de origine Typo- 
graphiae), der Gutenbergen geradezu zum Verräther an 
Mentels Erfindung macht, und ihn mit dem Kunstraab 
nach Mainz entfliehen lässt (man vergl. hierttber und hier- 
gegen auch Schaabs Geschichte der Erfindung der Buch- 
druckerkunst, S. 96), selbst noch der verdiente Sc hOpflin 
(in seinen judiciis Typographiae, Argentin. 1760) dem 
redlichen Mainzer in sehr unverdienter Weise zu nahe 
getreten. — - Doch genug von diesen misslungenen Ver- 
suchen, den ehrlichen Gutenberg um den Ruhm seiner 
Erfindung zu bringen , und genug auch von jenen unvoll- 
kommenen Vorarbeiten im Holztafeldruck, über welche mau 
neuere Nachrichten in mehreren Schriften zur Geschidite 
der Erfindung der Buchdruckerkunst, und vorzüglich gut 
zusammengestellt in Schaabs schon genanntem treilliehen 
Werke findet. — 

Wollte man diesen Tafeldruck oder irgend eine ähn- 
liche Art von Stereotypie mittelst Holz- und Metallplatten 
(abgesehen von dem noch älteren Worteprägen auf Münzen) 
schon zur Typographie rechnen, so mttsste man in der 
Geschichte derselben noch viel hoher hinaufgehen, und 
müsste die Chinesen fUr die ersten Erfinder dieser Kunst 



19 

erklären , wie dieses auch wirklidi einige Schriftsteller des 
16. und 17. Jahrhunderts, Pet. M äff ei (Histor. Ind. 
lib.^17), Pancirolli (Rer. memorab. 1. 11), H. Voss (Var. 
Observatt. XW.), Th. Sp itzel (ansführlich in einer eigenen 
Schrift „de re litteraria Sinensium '') , viel später noch 
Sam. Engel und Joh. Tolland (in Maittaire's Annal. 
Typogr. T. II.) « nnd am frühesten als Augenzeuge der 
berühmte Reisende Anton Pantoggia*) gethan haben, 



^) Die Meher gehörige Stelle ans seiner italienisch geschrie- 
benen und jetzt sehr selten gewordenen Reisebeschreihung findet 
sich in des Pasch ins Inyentis noT-anüqnis lateinisch über- 
setzt. Pantoggia, der als ein zweiter Marco Polo, nur 
Tiel später (zu Aafang des 16. Jahrhunderts), Ostasien be- 
reiste nnd zuerst China entdeckt haben soll, sagt über jene 
chinesische Druckart Folgendes: „Die Chinesen setzen nicht 
die Lettern in der bei uns gebräuchlichen Weise zusammen, 
sondern fertigen für jedes einzelne Blatt eine Tafel, auf .deren 
beiden Seiten Charaktere (Worte und Zeüen) eingeschnitten 
werden, die sie nachher schwärzen, und so auch weisse Buch- 
staben auf schwarzem Grund. Hierzu bedienen sie sich stei- 
nerner Typen, welche dieselbe Lage auf dem Stein wie auf 
dem damit bedruckten Papier haben, indem sie nämlich befeuch- 
tetes Papier auf die Steinplatte legen, und dasselbe in die 
vertieften Zwischenräume zwischen den erhabenen Schriftzügen 
hineinklopfen, alsdann dieses Papier in diesen Zwischenräumen 
mit Tinte (Tusche) schwärzen, so dass die Schriftzüge weiss 
bleiben.'^ Nach Anderen schreiben die Chinesen zuerst .ihre 
Charaktere auf weisses Papier, kleben dieses auf Holztafebi, 
und schneiden . diese mit feinen Instrumenten genau darnach 
aus, so dass nach Wegschneidung des Holzes um die Schrift- 
zeichen herum diese erhaben dastehen, schwärzen sie, und 
drucken sie dann mittelst Abklopfens des frisch übergelegten 
Papiers ab. 

2* 



20 

Qifd wie dieses Bioch in neuerer Zeit Dutlalde in |;e- 
wisser Weise annahm. Nach der Angabe Spitzels u. A. 
soll sogar diese Druckerknnst, wie sie noch hei den Chi- 
nesen und auch bei den Japanesen (die sich über das Zuerst 
der Erfindung mit den Ersteren streiten) geiibt wird, s^mi 
seit der Regierung des chinesischen Kaisers Wu-wang, 
etwas mehr als 1000 Jahre Tor Christus, im Gebraudie sdn. 
Dem mag so sein, und schon die meist mit blauer 
und rother Schrift gedruckten. (ahgelLlopften) Aufschriften 
auf chinesischen Umschlagispapieren u. dergl. widersprechen 
wenigstens nicht einem seit sehr alter Zeit so Bestehenden. 
Aber es bedarf doch nicht erst der Erinnerung, dass diese 
Art Ton Stereotypie, so sehr sie auch immer dem Erfin- 
dungsgeiste jener Nation auf der Stufe von Cultur, auf der 
sie seit zwei Jahrtausenden selbst stereotypisch steht, 
Ehre macht, eben so wenig der wahren Buchdruckerkunst 
angehört , als die oben erwähnten Versuche ähnlicher Art 
in Deutschland und HoUand, und dass durch sie weder 
der Ruhm Gutenbergs, als des ersten Schöpfers der Kunst 
mit beweglichen Typen aus Metall und mittelst der Presse 
Bücher zu drucken, und Peter Schöffers, als des zweiten, 
um Vervollkommnung der Kunst durch Erfindung der 
Matrizen, Ponzen und überhaupt durch Erfindung und 
weitere Verbesserung der Schriftgiesserei und der Typen 
selbst hochverÄenten Meisters geschmälert, noch dem 
unendlichen Werth der grossen Erfindung etwas entzogen 
wird. Denn nimmer wäre es möglich gewesen, durch das 
blosse Mittel xon Stereotypdruckschriften, tfenn es auch 
noch so sehr vervollkommnet und erleichtert worden wäre 
(wie dieses wirklich heutzutage gelujiigen ist) , flir religiöse 
^ und sittliche Bildung, für Wissenschaften und Künste, flir 



Erziehung und Unterridit, Ar Ges^zgebuüg , Staatsver- 
waltung und btirgerlidies Wohl die uaeudlich grosgen und 
mannigfachen Vortheile und Wohlthaten auch nur zum 
Ueinerea ' Theil zu eHvirken, die wir der Erfindung und 
Verbreitung der Buchdruckerkunsl zu verdanken haben, 
und durch welche eigentlich der Gulturzustand und der 
gristige wie der induatrielle Verkelir der civilisirten und 
in ihret Litteratur sieh fortbildenden Völker auf diejenige 
Hfdiestufe geiirachl worden ist, auf der er sich gegen- 
wärtig befindet Und eben so wahr ist es, dass diese 
Stufe nur bei denjenigen Völkern eine niedrigere bleiben 
muss, weldie in der freien und dabei verständigen Be- 
nutzung der Dmckerpresse fiir Aufklärung und Belehrung 
in nfitziichen Dingen hinter d^ andern zurückbleiben, 
oder darin zu sehr beschränkt oder übel geleitet werden. 
In der That, fragen wir nur die neuere Oeschidite 
der Volker, bei welchen nun schon seit fest vier Jahr- 
hunderten die wohltätigste der Erfindungen tief in das 
Innere ihres Lebens eingewurzelt ist, und bei welchen 
sie mit den Früchten einer reichen litteratur auch die der 
wachsenden Gultur und Nationalkraft in entsprechender' 
Zunahme wtwick^ hat und fiwtwähremd entwickdt; was 
Wäre denn in irgoid ein^n Felde der geistigm, bil- 
dmiden und industridlen Thätigkeit^ des Fbrsdiens und 
Unterrichts in Wissensdialten und Künsten, in d^ Ent*' 
stehnng, Verbreitung und den Schicksalen irgend ein^ 
bedeutenderen Erfindung und Einrichtung für die Zwecke 
des Staats, der Kirche, der büi^eiüdien Ges^sdiaft, des 
Handels und Verkehrs, der Sidierung, Befbrderang und 
Wiedeiitörstellung des GesundheitswoUs , des geseffigen 
Vergnll|;eu und der Bequemlichkeilen des Ld»ens, das 



22 

nicht in dem Mittel der BodidraGkerknust seinen Haupt- 
hebel, sein mächtigstes, ja oft sein einziges Werkzeug 
zur öffentlichen Mittheilung, Besprechung, Verbesserung 
und zu jedem folgenden Schicksal einer solchen Ent- 
deckung oder Einrichtung gefunden hätte? Jedes Blatt 
. der Geschichte der abendländischen iStaaten, oben an 
unseres deutschen Vaterlandes, und nächst diesem Italiens 
und unserer westlichen Nachbarvölker, giebt Zeugniss von 
diesen Erfolgen, und gross genug ist die Zahl derer, 
welche grösstentheils mit weit reicheren Mitteln ausge- 
rüstet, als dem Verfasser dieser Blätter zu Gebote stehen, 
die historische Uebersicht und Würdigung , derselben zum 
Gegenstand ihres mhmwtirdigen Fleisses gemacht haben. 

Für den beschränkten Zweck dieser Blätter, die nur 
als ein Weihe -Blümchen mehr neben den reicheren Gaben 
Anderer die vierte Jubelfeier der unsterblichen Erfindung 
begrüssen wollen, mag es gentigen, |iur auf einige der 
grössten, wichtigsten und folgenreichsten Wirkungen und 
Früchte hinzudeuten, die schon in den ersten hundert 
Jahren nach Gutenbergs ersten gelungenen Schöpfungen 
typographischer Kunst aus dieser sich entwickelten, und 
wenn auch nicht einzig und unmittelbar aus ihr hervor- 
gegangen, doch in ihr und ihrer rasdien Ausbildung und 
Verbreitung ihr grösstes und mächtigstes Werkzeug zu 
ihrem immer grösseren Gedeihen erhielten. Es wird sich 
hierbei auch von selbst einiger Beitrag zur Litteratur- 
geschichte jenes Zdtraums in allen Hauptfächern der 
Wissenschaften ergeben, bei welchem doch gedrängteste 
Kürze Hauptrücksicht bleiben muss. Jeder Versuch einer 
vollständigeren Ausflihrung erscheint schon deshalb über- 
flüssig, weil die Thatsachen selbst — Jedermann vor 



23 

Aagen liegend -< laut genug reden, and weil die ganze 
Litteramr der nenem Zeit fortlanfendes Zengniss flir das 
in jedem einzelneu Zweige durch jene Kunst Geleistete 
giebt. 

Oben an steht fiir den Protestanten die Reforma- 
tion der christlichen Lehre und Kirche. Denn so wie 
diese selbst hauptsächlich aus einem lebendigeren und 
tieferen Forschen in der Bibel und aus einer richtigeren 
Auslegung derselben hervorging, so war es der DruclL *) 



*) Ueber die ersten Ausgaben der lateinischen Bi- 
bel, wo? wann? und Ton wem sie gedruckt wurden, hat es 
lange eine Verschiedenheit der Meinungen unter den Historiö- 
graphen der Typographie gegeben/ und in Bezug auf einige 
dieser ältesten Ausgaben besteht noch eine solche, wenigstens 
in Bezug auf den Umstand, dass einige der noch Torhandenen 
Exemplare der Ausgaben der lat. Bibel yon 1462 und 72 in 
einzelnen Punkten Ton einander abweichen, und es also glau- 
ben lassen, dass Ton diesen Ausgaben mehr als eine (yerftn- 
derte) Auflage gemacht worden ist. Indessen steht jetzt 
doch, zumal in Folge der neuesten und genauesten Unter- 
suchungen Panzers (Annal. tjpogr. T. I. IV. K,), Schaabs 
(a. a. 0.) und Ludwig Hains (Repertorium T. I.) Fol- 
gendes fest, was hier nur yon den ältesten Ausgaben der 
ganzen Bibel zu yerstehen ist, indem ich die nicht ndnder 
grosse Anzahl der ältesten Ausgaben des neuen Testaments, 
des Psalters und anderer einzelner Bücher des alten und 
neuen Testaments hier bei Seite lasse. Die erste lateinische 
Bibel (die berühmte 42zeilige, bald in 3, bald in 2 Bän- 
den, ohne bestimmte Abtheilnng) wurde yon Gutenberg, 
der die Typen und alles übrige Druckwerkzeug dazu besorgte, 
und yon Faust, der die Geldmittel dazu yorschoss, in den 
Jahren 1450 oder öl bis 1455 zu Mainz gedruckt. Hierauf 
folgte schon im Jahre 1458 oder 59 die noch seltnere Barn- 



24 

d^gdbea, irenn aach zuerst in lateinisciier Sprache (der 
Vnlgota), durch welchen das Lesen und der Gebrauch 



berger 36zeilige Bibel, Ton Albert Pfister, einem Zög- 
linge Gütenbergs, zu Band^erg gedrückt, ziemlick gfteiehzeitig 
mit dem grösstea Prachtwerk, dem Psalterium, das aus 
der Officia Fausts und P. Schöffers (der die Ton ihm erfun- 
denen Matrizen hierzu zum erstenmal anwendete) im Jahr 
1457, und nochmals 1459, schon mit Angabe des Jahrs, Druck- 
orts und der Drucker herrörging, und an dessen Druck 
Gutenberg ohne allen Zweifel noch Antheil hatte, wenn er 
gleich zur Zeit seiner £rsGheinni|g scho^ Yen Faust getrennt 
war. Alsdanki erschien im Jahr 1462, ahne Gntenbergs Mit- 
wirkung, Wenfalls sehr splendid in 2 Banden die 48zeilige 
lateia. Bibel von Faust und Schiffer, wiederholt 1472, und 
dann noch Öfter. Nach dieser die lat Bibeln yon Mentel 
(oder Mentelin) nad yon Eggestein (3 Aasgaben schnell 
nadi dnander) zu Strassbnrg (wahrscheinlidi zwischen 1466 
und 60)» yon Günther Zaiaer und yon Sorg zn Angshurg 
1460, 70 u. igg., yon Rodt und Richd au Basel (gegen 1470), 
yon Udalr. Zell zu Cöln (in denselben Jahr, wenn nicht sdMW 
früher), nnd yea Ific. Goetz, gegen 1470$ zu Rom yon Schweyn- 
heim nnd Faanaie .1471, zu Nüniberg yon Frisur nnd 
Sensenschmidt und yon Goburgei; beide 1475 u. öfter, und dann 
in schnellsteigeaider Zahl a. a.0., wie zn Paris seit 1476, zu 
Venedig smt 147ö| z« Neapel seit 1476 n. s. f. — Deut- 
sche Bibeln wurden schon seit 1466 zu Strassbmi; ypn Egge- 
stein nnd yon Mentel, seit 1460 zu Augsburg (Pflanzmaim), 
seit 1471 zn Nüinberg (Frisner nnd Sensensdnnidt) nnd dann 
weitet; grossentfieils mit Holzsdinitten yersehen, gedmckt» nnd 
landen so starken Ahaati, daas yon letztem schon yor 1400 
die zwölfte» Auflage ndAtg wurde. Dazu kam schon im 
Jahr 146ä dne Bibel f«r die Armen (BibL panperom) 
deutsch und lateiniscb^ mit Holzschnitten» yon Alb, Ff ist er 
in Bamberg gedruckt. Es war dieses eine Art yon Auszug 



28 

derselben nicht Mos unter den Geistlichen, sondern auch 
anter den etwas unterrichteten Laien erleichtert und ver- 
breitet, und dadurch die Religions- und Kirchen -Ver- 
bessening vorbereitet wurde. Die gedruckte Bibel 
war es, deren eifriges Stadium dem Mönch Martin 
Luther in seiner einsamen Zelle das Licht anzündete, mit 
dem er die damals eingerissenen Missbräuche und manche 
anbiblischen Ldirsätze der römischen Hierarchie beleuch- 
tete; die gedruckte Bibel war es, T<m ihm selbst nachhet* 
in unübertreifen kräftiger und jedem Deutschen verständ- 
üdier Sprache , neti tnA ToUständiger als zuvor übersetzt, 
die thn begeisterte und über jede Furcht erhob, als er 
dem Möndtöthum «nd der päpisäschen Lehre öiFeutHdi 
absagte und das Evangelium nach seinem geläuterten 
SekeinUiiss vor Freunden wie vor Gegnern laut und un- 
erschrocken predigte. Und wftnie gleichwohl dieses Pre- 
digen und Lehren des uni^erblichen Reformators und 
Verfechters der Glaubidiis- und Geistesfreiheit diesen 
festen Boden gewonnen und diesen glorreichen Erfolg 



aus der Bibel, und gewbs recht lobenswerth. — Bibeln in 
plattdent scher Sprache erschienen frühzeitig zu Göln 
=(1483 oder 84, Quentel) und etwas später (1494) zu' Lübeck 
(Steifen Amdes). Bibeln in französischer Sprache wurden 
zu Parifl und Lytn seit etwa 1473 od^74 gedruckt; in ita^ 
lienischer Sprache zu Venedig (Vindelin de Spira) seit 
1471 in vielen Ausgaben; in spanischer Sprache zu Va- 
lencia 1477 und 78; in holländischer seit 1477 zu 
Detfl; in böhmischer seit 1484 und 89 zu Prag und zu 
Kuttenberg^ in englischer, dänischer und schwedi- 
scher er^ ft Aer Kirsten K&lfte des 16. Jahrhunderts, eben 
sa in polnischer Sprache. 



26 

gehabt haben, wenn es nidit durch den DnidK seiner 
Bibel in vielen Tausenden von Exemplaren (denn so viel 
luinnte man schon vor Ablauf der ersten zehn Jahre nach 
der Erscheinung der ersten Ausgabe der Lutherischen 
Bibel sicher annehmen), und durch deren rasche Ver^ 
breitung in allen Gauen Deutschlands und weit fiber seine 
Grenzen hinaus, und dann allerdings auch durch den 
Druck und die Verbreitung mehrerer von den Schriften 
Luthers, so wie seines edlen Freundes und grossen Hel- 
fers Melanchthon und anderer Mitverfechter und FOr- 
derer der verbesserten Lehre diesen wunderbar grossen 
Eingang bei Höheren und Niederen, unter allen Glassen 
der Völker gefunden hätte? Der Kirchengeschichte gehört 
es an, ausführend nachzuweisen, welch einen grossen 
Antheil auch jene übrigen Schriften des grossen Refor- 
mators, die ihren dassischen Werth noch fortwährend und 
in neuen Auflagen bewähren, so wie die weniger populär 
gewesenen, aber nicht minder wichtigen Schriften Melanch-^ 
thons an dem Gelingen des grossen Werkes hatten. So 
würde auch die gleichzeitig und in gleich hohem Sinn 
und Geist unternommene Kirchenverbesserung des eben 
so geist- und muthvollen als edeldenkenden schweizer 
Reformators Ulrich Zwingli, kräftig unterstützt von 
seinem würdigen Freund O^ecolampadius, und die 
fernere Ausftihrung der evangelisch -reformirten Kirdien^ 
lehre von dem durch Geist und Gelehrsamkeit, wie durch 
seinen Rigorismus ausgezeichneten Calvin nicht die för- 
dernde Theilnahme so vieler angesehenen und einfluss- 
reichen Männer erregt und nicht die schnelle Verbreitung 
in Frankreich, Grossbritannien (Knox^ und einem Theil 
von Deutschland und der Niederlande gefiinden haben. 



27 

wenu nicht der Druck der Schriften jener MitBtifter der 
Kirchenreform (der Zwinglischen mehr fUr den Bürger 
und Landmann^ der Galvinschen und ihrer Uebersetzungen 
oder Auszüge in französischer Sprache mehr für die Ge- 
lehrten) dazu YorzüghCh behtilflich gewesen wäre; wäh- 
rend allerdings die Gemüther durch Luthers immer 
weiter verbreitete Lehre fUr das Bessere und Befriedigen- 
dere, weldies die eine wie die andere der beiden evan- 
gelischen Kircheulehren ihnen boten, sch(m sehr empfäng- 
lich gestimmt worden waren. Wohl haben noch viele 
andere Momente, Ereignisse und Zeitverhältnisse politi- 
scher und kirchlicher Art zur Erringung eines so glän- 
zenden Erfolgs gegen die mächtigsten Widerstrebungen 
wesentlich mitgewirkt. Dennoch ist nichts gewisser, als 
dass die Reformation ohne die Hülfe der Druckerpresse 
zwar hätte versucht werden und einen Anfang nehmen, 
aber nimmermehr festen Boden gewinnen und sich behaup- 
ten können. Auch ist es gar nicht wahrscheinlich, dass 
der Saame zur Reformation , den schon gegen das Ende 
des 14. Jahrhunderts des geist- und muthvollen^ Wick- 
lefs Bekämpfung kirchlicher und scholastischer Verirrun- 
gen und Missbräuche ausgestreut hatte, und aus welchem 
fünfzig Jahre später die noch ausgedehnteren , noch frei- 
sinnigeren und dem Schaden tiefer an die Wurzeln grei- 
fenden Reformbestrebungen und Lehren zweier der edelsten 
Menschen, des grosssinnigen Glaubenshelden und Märtyrers 
seiner Lehre, Johann Huss, und seines nicht minder 
ehrwürdigen und gleich unglücklichen Freundes, Hiero- 
nymus (Faulstich) von Prag, hervorgingen, ganz andere 
und herrlichere Früchte getragen haben würde, — wären sie 
auch damals noch nicht des Grades der Reife und des 



26 

Umfangs fkhig gewesen, wie 100 Jahre spHter unter Lu- 
thers, Melanchthons und ZtmngWi^ftkAien, — wenn statt 
einer kleinen Zahl von Handschriften, in denen Hnss' 
Lehren und Reden doch nur in die Hände Weniger gelan- 
gen konnten, schon damals die Macht der Druckerpresse 
ihm und seinen Anhängern hätte zu Hülfe kommen 
kUnnen*). Dann, mit dieser Macht zur Seite, würden die 
Unglücklichen schweriich den Feuertod erlitten haben, und 
auch das Elend des Hussitenktiegs mit sdnen Folgen 
wäre wahrscheinlich nicht eingebrochen. — - 

Einer andern grossen, noch m^r unmittelbaren, 
in ihrem Umfange weit ausgedehnteren, in ihren Ge- 
staltungen w e i t mannlgfaltigerenFmcht der Erfindung 
der ßuchdruckerkunst ist schon oben im Allgemeinen 
gedacht worden: der durch sie, als Werkzeug der Litte - 
ratur, theils am mächtigsten geförderten, geleiteten und 
erweiterten, theils erst ins Leben gerufenen Cultur der 
Wissenschaften und Künste, und durch sie der 
Völker, und aller aus dieser grossen Quelle messenden 
Güter, Vortheiie und Genüsse für Geist und Herz, wie 
für das leibliche Wohl, und somit auch ftfr die bürger- 
liche Gesellschaft, wie ftir das häusliche Leben der Fa- 



*) Bekanntlich wurden erst Tiel später «eine Schriften, 
die ihm in Ma«i8m]it so Terdeiblidi gcwwden waren, 
gedruckt ; an frahesten seine Gesta Christi, noch im lö. Jahr- 
hundert, ohne Jahrszahl zu Speier und Memmingen; erst 1520 
sein Liber egregius de unitate ecclesiae, und 1536 seine tres 
Epistolae, e carcere Constantiensi ad Boemos scriptae; 
dodi schon mehrere Jahre vor diesem Druck erschienen seine 
Opera, lU Vol., ohne Dniekort und JahrszaU. 



99 

iittd BinsdueCi. • Uwtes Täimi^ «»t 90 «o^ümge Male 
schon besprochen« iii'. ätlleii/ s^iaeub Modaütiiten and l^inzel- 
thetten so Tiel&ch viid fost ersdbttfpfend ausgeführt wor- 
den, und wird jetzt wieder bei der hervorstehenden Jiibelr 
fder in Rede umd Schrift vi^tfältig wiederhaUen , dass ea 
fast als Unbesdieidenheit gegen den kundigen Leser, vor 
dem die Acten rings um ihn hemm offen liegen , ei:schei- 
nen konnte, sänen Blick noch mit neuen ' Hinweisungen 
auf diese unübersehbar grossen und wahrhaft unsdifttz- 
baren Resultate der grossen Erfindung richten zu wollen. 
Und doch ist es so sdiwer ftir jeden dankbaren Verehrer 
derselben, über diesen reichsten, ansi^endsten und er-* 
freulichsten Stoff zu Betrachtungen und Ver^eichungen 
so ganz stillschweigend wegzugehen, ohne wenigstens bei 
ein und dem andern Gegenstand derselben, der besonderes 
Interesse bietet, etwas zu yerw^en. 

Im Allgemeinen war es das lebhafte Interesse, das 
gleich nach den ersten aus Gutenbergs und Fausts Drucke- 
rei hervorgegangenen Werken — zumal da es Bibel, 
Psalterium, Messbtich^ und andere kirchUche und relin 
^Ose Schriften waren — - die Gleriker und Gelehrten 
(d. h. Solche, die wenigstens Codices lesen konnten und 
nothdtirftig Latein verstanden) zu der neuen Kunst hin- 
zog. Dazu kam auch die nicht unbedeutende Kosten^ 
ersparniss in der Anschaffiong dieser und anderer gedruck-^ 
ten Werke, verbunden mit der so sehr vermehrten Leich- 
tigkeit ihrer Benutzung, im Gegensatz zu der so müh- 
samen, theuren und zeitkostenden Beschaffung von Hand- 
schriften, was der Typograj^je schon in den nächsten 
Jahren nach ihrer Erfindung, d. h. schon in den sechziger 
Jahren des 15. Jahrhunderts, so schnellen Eingang und 



[ so 

£0 ausgedehnte Verbreitung, weit tiber die Grienzen des 
deutschen Vateilandes hinaus, verschaffte ; eine Verbreitung 
und theilnehmendste Forderung, die sich noch mehr, und 
in einem wahrhaft bewundernswürdigen Grade in den nächst- 
folgenden Decennien steigerte. Deutschland wurde hierin 
selbst von dem Auslande im Süden von Europa , vorzttg- 
lieh von den Druckereien Italiens überflügelt. Es ent* 
stand ein wahrer Wetteifer rwischen den vorzüglichsten 
Druckofficinen des In- und Auslandes, welche die meisten, 
die bedeutendsten und die schönstgedmckt^n Werke lie- 
fern könne , und so wie schon wirklich aus Gutenbergs, 
Fusts und Schöffers Pressen (besonders durch des Letz- 
tern sehr wesentliche Verbesserungen der Kunst), so wie 
ans denen Albert Pfisters zu Bamberg, Günther Zalners, 
Bämlers, Sorgs, Radtolts, früher zu Venedig, dann zu 
Augsburg, Frisners, Gobui^ers, Sisnsenschmidts, Greuss- 
ners zu Nürnberg, Udalrich Zells, Koelhoffs, Therhömens, 
Richels zu Göln, Joh. Frobens in Basel (von diesem erst 
seit 1490) u. And. Werke von einer für jene Zeit kaum 
flir möglich gehaltenen Schönheit, wahre Pi^chtwerke her- 
vorgingen, so ward Aehnliches fast gleichzeitig, und zum 
Theil noch in höherem Grade, von verschiedenen italieni- 
schen, — am frühesten zu Rom von Gonrad Schweyn- 
heim und Arnold Pannarz seit 1465, und von Ulrich 
Han (Gallus) daselbst seit 1467, — nur wenig später 
von Pariser, Lyoner und niederländischen Druckereien 
geleistet. (Eine chronologische Uebersicht dieser ältesten 
Druckereien Deutschlands, Italiens, Frankreichs, Englands 
und der Niederlande wird noch am Schlüsse dieses Werk- 
chens beigefügt werden.) Zu dieser wetteifernden Ver- 
vielfältigung der Druckerofficinen , wie der Druckschriften 



51 

selbst und besonders der zur classischeu Litteratnr, Spra- 
chenkunde, Geschichte, sdiolastischen Philosophie und 
Theologie gehörenden, trug nicht wenig der glückliche 
Umstand bei, dass ausgezeichnete und sehr thätige Ge- 
lehrte, Doctoren und Professoren an höheren Lehranstal. 
teu u. s. w. schon im 15. Jahrhundert häufig sich selbst 
mit an die Spitze der Druckuntemehmungen stellten, sich 
mit den Buchdruckern associirten, zuweilen auch wohl 
die Geldmittel herschossen und einen Theil der von ihnen 
gedruckten Werke selbst verfassten. Wenn dieses auch 
nicht gleich in den ersten Jahren nach der Erfindung der 
Kunst der Fall war (wenigstens waren die ersten Drucker 
zu Mainz, Augsburg, Göln, Rom u. s. w. keine notorisch 
Gelehrten vom Fach, schrieben auch keine der von ihnen 
gedruckten Bücher, wenn sie gleichwohl grösstentheils 
nicht ohne einige litterarische Kenntnisse waren und ihre 
lateinischen Druckweriie lesen und verstehen, selbst 
den Text öfters berichtigen konnten (was bekanntlich in 
der heutigen Druckerwelt ziemlich selten vorkommt), so 
war es doch eben eine Folge des durch die' grosse Er 
findung in so hohem Grad erleichterten und beförderten 
Studiums der alten Litterafur und Sprachen, dass bald 
(vom letzten Decennium des 15. Jahrhunderts an, und 
noch mehr im folgenden) nicht wenige der bedeutendsten 
und beschäftigtsten Druckereien zu Venedig, Mailand, 
Paris, Lyon, Florenz, Strassburg, Antwerpen, Cöln u. s. w. 
von Männern dirigirt wurden, die, während sie selbst 
fleissig Hand mit in der Officin anlegten, als sehr tüchtige 
und der alten Sprachen in ausgezeichnetem Grade kundige 
Gelehrte einen grossen Theil ihrer Druckwerke, insbeson* 
dere ihre Ausgaben der Classiker selbst bearbeiteten und 



32 

die RecensioH des gmduschen oder lateisisdieB TeiteB 
aus den Handschrifken selbst besorgten. Wer kennt idcbt 
in dieser Beziehnng die Leistungen nnd Verdienste des 
Aldtts Manutius und seines Sohnes und Neffen in 
Venedigs des Nie. Jenson nnd Jo. Rubens daselbst ^ 
(früher in Gutenbergs und Fusts Officin arbeitend), dea 
Johann von Göln, daselbst Professor der Theologie, 
der Juntas in Florenz nnd Venedig, in Paris ¥orz1ig-> 
lieh der beiden grossen Gel^irten Etienne (Heinr. luul 
Rob. Stephanus), des Jodoc. Radius Ascensins, 
Christ. Wechel und des Adrian Turnebns, eines 
Joh. und Heinr. Frobenius, Oporinus (zugleich 
Prof. der Philolog.)> Heerwagen, Gratander in Basd; 
Sebast. Gryphius in Lyon und Paris, eines Sylburg 
und Commelinus in Heidelberg, Plantinus und Ra* 
phelengitts in Antwerpen, Oaxton in Londcm, früher 
schon in Göln, Andr. Weohel Eriien und Egenolf in 
Frankfurt a. M., Arn 1 d My lins und H i 1 1 or f in Goln, und 
noch mancher Andere unter den typographischen Häup- 
tern des 16. Jahrhunderts? 

Man erstaunt, wenn man sich in der ältesten 6e- 
scluehte der Topographie näher umsieht, und aus den 
darüber vorhanden^ft zuverlässigeren und vollständigeren 
Werken, so wie aus den verschiedenen Repertorien der 
Litteratur ,eine üebersicht der so wunderbar schnellen 
Fortschritte und Verbreitungen der Typographie und der 
Grüsae und Mannigfaltigkeit ihrer Leistungen schon in 
den ersten hundert Jahren nach ihrer Erfindung erhält' 
Keine Erfindung in der Welt, etwa nur die des Schiess* 
pulvers und der Schiesswaffen ausgenommen, hat diesen 
so raschen Aufschwung in so kurzer Zeit und in so 



33 

Kr^iter Verbreitmig genommen, als die, Ton der irir 
sprechen, uid nichts spricht Idarer die schon so scbnell 
erfolgte allgemeine Anerkennung ihres hohen Werdies 
aas, als ^n diese Thatsache. Bs worden schon in 
den ersten 50 bis 60 Jahren nach dem Erecheinen der 
ersten Gnt^ibergischen Bibel (frtihere unvollkommnere 
Versnehe mit Holztafeldmck nidit gerechnet) in den 
Hanptpflegestädten dieser Kunst mehr grössere und kleinere 
Werke gedruckt, als voriier in 500 Jahren auf Pergament 
und Papier geschrieben waren; nnd wenn man Tollends 
die Zahl der Exemplare in ungefährer Schätzung ver- 
gleicht, so wurden gewiss während dieser ersten 60 Jahre 
mehr Exemplare gedruckt (wenn auch die Auflagen in 
den ersten Zeiten minder stark wai^n, als in den neueren), 
als vorher in 1000 Jahren, ja vielleidit bis 2u dem Z^t- 
alter ^nes Plato und Aristoteles zurück, handschriftliche 
Werke als Originale oder als Abschrift von Abschrift 
geschrieben worden waren. Dennr w&re dies anders , so 
würden die Brän^ der grossen Bibliotheken zu Ephesus, 
Alexandrien pnd Rom, die Zerstörung Ronui^ Athens, €o- 
rinths, Constantinopels und vieler anderen Städte, wo 
sidt ein Reichthuw von HandscfarHIen angehäuft hatte, 
die VerwttstungszUge der Yandalen, Hunnen und Gothen, 
die Ausbräche des Vesuvs und andere j^rosse und veru 
heerungsreiche Revolutionen doch nicht im Stande gewesen 
$ein, die Zerstllpang dieser Handschriften in einem solchen 
Grade zu vollenden, dass von sehr vielen dieser Werke 
des AlterAmim sdhon im MiUelaker (von mandien aus 
der ähetlen Periode griechischer und sdbst rMilsehm* 
Litteratur schon vor 'dem Anfange des Mittdalters) kein 
Exemplar mdir, nur Erinnerungen und Anfiihiiingen ihrer 



54 

Titel noch vorhanden waren , nnd dass von den meisten der 
noch beim Beginn des Bücherdruckes Vorhandenen Hand- 
schriften die Zahl der aofgefundenen Exemplare nicht 
20 —* 30 als das Maximum tiberstieg, bei vielen aber auf 
eine viel geringere , bei manchen nur auf 3 — 6 sich 
beschränkte. Freilich könnte man dagegen bemerken, 
dass auch die Zahl der noch vorhandenen Exemplare der 
ältesten Druckwerke bis zu den siebziger Jahren des 
15. Jahrhunderts keine viel grössere sei und dass z. B. 
von einigen der ältesten Bibeln, Psalterien u. s. w. nicht 
über 8 — 10 Exemplare höchstens existiren. Daran aber 
waren gröstentheils die sehr kleinen Auflagen dieser 
ersten Druckwerke schuld (worüber ein aufgefundenes 
Verzeichniss der Auflagenzahl der von Schweynheim und 
Pannarz gedruckten Bücher Zeugniss giebt), und hierin 
standen sie also zum Theil ziemlich in gleichem Verhält- 
niss mit jenen Handschriften der Vorzeit. 

Es wäre freilich sehr Unrecht, wenn man den Werth 
und den Nutzen, den die neue Erfindung durch soldie rasche 
Verbreitung und Vervielfältigung ihres Gebrauches ftir 
Bildung und Wissenschaft schon in so früher Zeit haben 
konnte, bloss nach der Zahl und dem Gehalte der gedruck- 
ten Schriften berechnen wollte. Denn es waren unter 
diesen gleich in den ersten 2 <-- 3 Decennien (v. 1450 — 
5& an gerechnet) gar manche, die ftiglich hätten unge- 
druckt bleiben können, gar manche, die mehr zur Er- 
haltung, und Befestigung des Irrthuma, der Unwissenheit, 
des Aberglaubens und der Geistesträgheit, als zur Förderung 
des Lichtes der Wahrheit und der Wissenschaften dienten. 
Ausser dem ersten nnd einflussreichsten Gegenstand 
der neuen Kunst, dem bald sehr eifrig in vielen Auf- 



3S 

lagen betriebenen Druck der Bibel, deren dentsche 
Uebersetznng schon seit den sechziger Jahren des 15. Jahr- 
hunderts (s. oben die Anmer^Lung) besonders für das 
deutsche Volk so ifichtig und folgenreich wurde, war es 
besonders eine sehr grosse Zahl von theologisch «dogma- 
tischen und asketischen Werken, allermeist in dem 
Geschmacke jener finsteren Zeit und in dem sterilsten 
scholastischen Zuschnitt geschrieben, von HomUien, Ser- 
monen, saft- und sachleer zum grtfssten Theil, super- 
stitiöse Legenden, Leben der Heiligen, Visionen und Re- 
velationen von gleichem Schlage, — so wie von liturgi- 
schen Werken, Missalien (oft mit grosser Pracht der Ini^ 
tialen, Vergoldung, Ausmalung), Agenden, Breviarien, 
und neben diesen eine beträchtliche Menge juristischer 
Schriften , meist Gommentarien oder Glossen über den 
C4odex Justinian. oder einzelne Titel desselben, und andere 
zum Kirchenrecht gehörige, welche in den ersten 20 -^ 25 
Jahren nach der Gutenbergischen Erfindung die Pressen 
beschäftigen. Nicht alle theologischen Werke jener 
Zeit blieben darum ohne Werth und Gewinn ftir Lehre 
und Wissen und ftar das Fortschreiten des Zeitalters in 
ihm. Ohne dass mir in diesem Felde der Leistungen ein 
bestimmteres Urtheil zusteht, darf ich nur an die ersten 
schon in Main^ begonnenen und in den Druckereien 
Roms, Venedigs u. s. w. unverzüglich ftyrtgesetzten Aus- 
gaben der Werke der Kirchenväter, unter ihnen vorzüg-* 
lieh eines Lactantius, Augustinus, Eusebius, Ne- 
mesius, Clemens von Alexandrien u. And. erinnern, 
durch welche doch unstreitig sowohl manche geistreiche 
Ideen als nützliche Lehren und Kenntnisse verbreitet 
wurden, und selbst an die berfihmten und mit der grOssten 

3* 



36 

Theilnahme aafgenonineneii Sduiften iweier ^el^rleit 
Papste des 14. aftd 15. Jldiriiattderto) deil Peter Hispa- 
n u s *) (als Papst Johann XXL), Verfassi^r des Thesann» 
panperum, eines Handbuches der Mediein und Arznei- 
mittdkimde in mehr populärer Haltung für den Laien, 
und mehrei'er dialektischer Schriften, in denen ein auf- 
geklarte Gk&st waltet, und des Aeneas Sylvius Pic- 
colomini, nachher als Papst Pius II. bekannt, eines 
berfihmten Histeriographen , Humanisten und gekrönten 
Dichiws ♦♦). 



■ I* * 



*) VAer diesen gddnlen und des Griediiicken sehr 
kundigen Kirchenfürsten, der friOi^ in Portugal die Arznei- 
kunst mit Eifer geübt hatte (starb 1277), sehe man J. T. Köh- 
lers ToUständige Nachrichten Yom Pabst Johann XXI., welcher 
unter dem Namen Feter Hispanns als Arzt und Weiser berühmt 
ist (Gottingen 1760). 

**} In einer Menge tou Audgaben (seil 1470) eiiisfoen, 
ausser den Tiden übrigen Schriften dieses nerkmMigen und 
geistrollen Mannes, seine »Epistola JuTSoi non esse aegaa- 
dum «morem, una cum £!pistola amatoria, et Epist. de remedio 
amoris" (Rom, Steph. Plannck und B. (Suldinbeck, ohne Jahr- 
zahl, auch Tcrdeutscht, Nürnberg, Creassner, ö. J., und Augs- 
burg, fiamler 14?ä), femer seine „ tiBstoria de daobus amanti- 
bus, Biiryal« <ft Lucletk,'' Rom s. a (14i7£), GMi s. a. 
(^edr. T. Ulr. 2ell und auch tou Nie» Goets), Paris s. a. 
(Gering, Grant^p, «nd noch ¥iei itfter gedruckt (Hain fttifft 
28 latein. Ausgaben an), auch in mehrere Sprachen übersetzt, 
(so zu Augsburg 1473, zu Wien 1477 mit Holzschn.). — 
Unter seinen andern SchriTten werden besonders die histori- 
schtti: „ItistDria femm ubitpic gcstarmn (1477), Bistor. de 
tis, ^pme sjA Mftr. iPrf Aftiöo IH. in fiiKMania gesta siint, 
Histxrtia Bokemiiia a principio geatis uKpie ad Geetginii 
Poggiebratinm'' (gesduieben 14äSt in welchem Jahre er Papst 



57 

Die gleich in jenen Zeiten voniiglidi h&uls gedruckten 
und gelesenen Schriften der Haupier der piendo- Aristote- 
lischen und arabistiscl^en Scholastik, Thomas von 
Aqnino, Michael Scotus, Albert von Bollst&dt 
(Afognns), Vincenz von Beauvais (Bellovacensis), 
und Anderer ans dieser Schule, waren bei aUem den 
Unwesen der blos formalen und nominalen, nicht realen 
Definitions- und Distinctionssucht und einer höchst klein- 
lich pedantischen Dialektik, im Gemische mit Astrologie 
und (bei Mehreren) mit Mystik, welches diese Schule 
charakterisirte , dodi nicht leer an manchen neuen und 
fruchtbringenden Ansichten und Beobachtungen im 6d>iet 
der Naturlehre. Dem besten und scharfsinnigsten Physiker 
aus dieser Schule, Roger Baco (dessen Schriften erst 
im 16. Jahrhundert gedruckt wurden, obwohl sie schon 
im 13. geschrieben waren; er starb 1294), fehlten nur 
die experimentalen HiUfsmittel, welche die Entdeckungen 
der nächstfolgenden Jahrhunderte in der Natnrlehre ge- 
währten, um schon ftir seine Zeit Stifter einer neuen 
Epoche in der Pli^ik, auf dem Erfahrungswege, werden 
zu kttnnen. 

Dass audi unter der Schamr von juristischen 
Schriften aus jener Periode *) manche wichtige und wichtig 



r 

ward), Rom 1475, dami „ De sila, ritn, moribos et conditione 
Teutoniae descriptio/' geschrieben 1457, gedruckt Leipzig 1496, 
aoigezeichnet. Fius n. starb sn Ancona 1464. 

'*') Unter welchen m% insbesondere die des grttssten jori* 
Stii(chen Vielschreibers jener Zeit, des Bartolns de Saxo* 
ferrato, seine Lecturae in Digestai und noch viete andere 
von 1470 an, theils durch ihre Menge, tbeils durch ihre 
ausseht zahlreichen Auflagen in,. Venedig, Neapel, Mailand 



38 

bleibende vorkommen , unter welchen ich nur auf den vater- 
ländischen Sachsenspiegel (zuerst gedruckt Basd 1474), 
den Schwabenspiegel und auf die verschiedenen l^a- 
tuta Regnorum et Provinciarum (so die Statuta Angliae 
1479, Rpmae 1471, Venetorum 1477, Paduae 1482, Me- 
diolanens. 1480, Ferrariens. 1476, provincialia Mogun* 
tina antiqua et nova [einer der ältesten Drucke , vielleicht 
von Crutenberg], provinc. Goloniensia et Mdnast^riens. 1486, 
Salzburgensia prov. 1^0, Hamburgensia 1486) u. m. a. 
hindeuten will, ohne der ebenfalls zahlreichen Statutorum 
synodalium et eccksiae vieler Länder und Städte hier spe- 
cieller zu gedenken, ist Sachkundigen hinlänglich bekannt. 
Das erste gedruckte jurisüsche Werk waren die Institntiones 
juris Justiniani cum glossa^ Mainz 1468, von SchöiTer, 
dann wieder daselbst und in Strassburg 1472, zu Rom 
und Venedig 1473, und sehr oft wieder. Die Digesta 
erschienen erst von 1475 an. Wie sehr gross aber die 
Zahl der Ausgaben der Justinian. Institutionen, Digesti 
vet. cum glossa, Digesti infortilati und D. novi cum glossa, 
bis zum J. 1500 waren , kann man am voDständigsten aus 
dem mehrere Bogen einnehmenden Yerzeichniss derselben 
in Hains Repertor. bibliograph. sehen. 

Wenn auch indessen in diesen Fächern der vorzüg- 
lichen und wahrhaft Wissen und Aufklärung fördernden 
Schriften nur wenige, im Vergleich mit der Unzahl von 



und auch in Nürnberg und Göh, so wie auch die Leeturae 
des Polygraphen Paulus de Gastro von 1473 durch ihre 
grosse Zahl auszeichneten. Auch die Gommentarien des Ni- 
colaus Panormitanus über die Digesta und viele andere 
Jurist Schriften desselben wurden von 1472 zu Venedig, Göln, 
Nürnberg u. a. in sehr vielen Ausgaben gedruckt. 



39 

geringfügigen , gehaltlosen und unnützen , aus den Pressen 
in jener frühesten Zeit hervorgingen, so war doch schon 
in derselben Zeit in verschiedenen anderen Zweigen der 
Litteratur viel Gutes , zum Theil ausgezeichnet WerthvoUes 
und Classisches durch sie zu Tage gefördert worden. 
Dieses geschah insbesondere in den Feldern der alten 
Litteratur und Philologie, in welcher jetzt Gelehrte 
und Buchdrucker in Deutschland wie in Italien (etwas 
später auch in Frankreich und den Niederlanden) in der 
Herausgabe der alten Glassiker — in diesen ersten 25 Jahren 
nur der römischen, und der griechischen nur in lieber- 
Setzungen , neben diesen auch . der arabischen Aerzte in 
schlechten U^bersetzungen — sich wechselseitig Und wett- 
eifernd anregten und unterstützten. Auch für die Lin- 
guistik geschah jetzt Yides,' hauptsächlich doch nur fllr 
die der lateinischen Sprache , wenn auch nicht auf höherem 
philolog. Standpuncte, mehr nur für ihre Elementarlehre, 
für welche schon vor 1460 wd von da an bis ins fol- 
gende Jahrhundert eine grosse Menge von Ausgaben 
und Erklärungen des Donatus '*') , dann eben so viele 



^) Fittgmente von theils xylographischen, dieils schon 
mit bewegliehen Typen gedruckten Exemplaren des kleinen 
Donath, welche zu Harlem, schon vor Gutenbergs Zeit, gedruckt 
sein sollen und dem Lanrenz Goster ohae hinrd<Aenden Beweis 
zugeschiieben werden» haben Meermann, und aus ihm andere 
Biographen, nenerlich noch L. Hain, angeführt. Die ältesten 
vollständig gedruckten Exemplare dieses D. sind die von 
Gutenberg selbst, nach seinen (Strassbtrgert) frtUiesten Ver- 
suchen mit Holzdruck, zu Mainz/ mnthmasslich 'zwischen 
1455 und 57, dami von Schiffer nach 1460—62 gedruckten, 
hierauf zu Rom vor 1470, u. m. a. 



4M) 

andere lateinisdie Granunatiken *) erschienen. Desgleichen 
viele Vocahnlaria, unter welchen ich hier nur des berühm- 
ten Gatholicon von Joh. Balbus de Janna, als des 
ältesten von Fast und Sdiöffer 1460 gedruckten Wörter- 



*) Ausser Jenen ältesten Ausgaben des Doaat und den 
unter den Yerschiedenea Titeln ebenfalls schon seit den 60er 
und 70er Jahren als Grammatica pro pueronun educatione 
(so Nürnberg 1472 u. a.), Regniae congroitatum^ Regulae 
remigii u. s. w. erschienenen Grammatiken für .^infänger, 
unter welchen wahrscheinlich die älteste Ton allen eine grossen- 
iheils fftr die Prosodie geschriebene (Rudimenta Grammaticae 
rhythmicae) , in Mainz tou P. SchOffer «wischen 1466 und 67 
gedruckte war» zuchneten sich unter den grösseren lingui- 
stischen Werken dieser Art, neben den sehr oft wiederholten 
Ausgaben und Erläuterungen des Priscianus (seit der ersten 
Ausg., Rom 1469) mehrere in höherem Grade aus, und erhieU 
ten eine solche Berühmtheit, dass sie in einer unendlichen 
Menge tou Ausgaben bis weit in das 16. lahilmndert hinein 
dem lateinischen Unterrichte auf den hohen Schulen zu Grunde 
gelegt wurden. Als die berühmteren dieser Grammatiker mögm 
hier nur genannt werden: Nicol. Ferotti, dessen Rudimenta 
Grammatices (yon 1471 an) die meisten Auflagen erlebte, und 
dessen Gomucppiae s. Gommentarii linguae lat einen grossen 
Werth behauptete; femer Guarinus Yeronensii (1470), 
Alejiand. Gallus (1472), Omnibonus Leonicenus 
(seit 1473), Ant. Mancinelli (einer der tüchtigsten und 
beliebtesteo, zugleich guter lateia. Dichter, in sehr nelen 
Schriften zur höheren lat« Grammatik und Frosodlk, zu Venedig 
seit 1488), Faul NiuYis (1497 zu Leipzig), und ^t spa- 
teren Theod, Gaza (Torzüglich yerdient um die griech. 
Grammatik) und Thom^ Linacer. Als Wörterbuch der Bibel 
wurde der Mammotrectus (ton Marchesini), von P. SchöflTer 
in Mail» 1470 fedruckt, der Gegenstand grosser typogra- 
phischer Betriebsamkeit. 



41 

bttokes (eluer Art von etymologischem Lexikon mit Gram> 
matik und Prosodie), dann des Vocabulari latino-germanici, 
gedruckt iFon NicoL Beohtermfintz in Mainz 1469, 
des Voeabular. hrmriloqui yon Jo. Reuchlin, Basel 1460 
und sebr oft iriederholt, und des Vocabnl. Tbentonista 
von Scbreyereu, COln 1477, erwähnen will. Ausser- 
dem wirkten aber auch andere ausgezeichnete Utteratoren 
durch die Herausgabe der Frttchte ihrer gelehrten Arbeiten 
und eines tiefer eingehenden Studiums der alten Glassiker 
sehr erspriesslich fttr die Philologie, höhere Linguistik 
und Alterthumskunde , die ivrck sie oin^ neuen Aidf- 
Schwung und eln^ wlir<Ugere Gestaltung erhielt. 

Es genüge hier unter diesen ersten Wiederherstellem 
der altdassischen Utteratur und Sprachenkunde in den 
ersten 25—30 Jahren nach Einfthrung der JDrucfcerpressen 
nur zu nennen einen Maurus Servius, Gommentator Vir- 
gils(1471),Domitiu8Galderinus,Gomment.desJuyenaI, 
Martial etc. (1474), Laurenz Valla (sein Hauptwerk de 
Elegantia Latinae littguae erschien zuerst am Rom, gedruckt 
von Phil, de Lignamine 1471), Nonius Mar cellus (1475), 
Gmnibonifs Leonicenus Vieentinus (1473), dessw 
nächster Anverwandter (ob jüngerer Bruder?) der berühmte 
Arzt und auch geldhrte Philolog Nicolaus Leonicenus^ 
Ver&sser der merkwürdigen Schriften de Plinii et aliorum 
erroribus in medicina (1402) und „de Epidemia, quem 
mori)um gallicum vocanf' (1405), so wie mehrerer gelehrten 
Gommentarien zu Hippokrates, Galen u. A. war^ daim: 
einen Angelus Politianus, zu den besten Philo), und 
Erklärern der Alten jener Zeit gehörend (Florenz 1482), 
Bonus Accursius (lat. Dichter, s. Gomment. in L. 
VaJlam, 1473), Marsilius FicUus, Piatons Gemmen- 



42 

tator und sehr gelehrter Hellenist, leider von Astrologie 
und Aberglauben befangen (Florenz 14^—96), Pico 
Graf Yon Mirandola, einer der aufgeklärtesten Männer 
seiner Zeit, Gegner der Astrologen, Freund des Herzogs 
Lorenz you Medicis, Johann Reuchlin (1480), Franz 
Philelphns von Mailand (von 1476 an, auch ein vor- 
ztiglicher Philolog und Kenner des Plato, zugleich guter 
Dichter und Redner , unter dessen yielen Schriften beson- 
ders seine Epistolae familiäres sehr oft gedruckt und gern 
gelesen wurden), femer einen Philipp Beroaldus 
(1483), Walther Burley (Burleigh), (de iika ac moribus 
philosophorum et poStarum yeterum , Goln 1472 , und auch 
Verfasser guter Gommentarien über des Aristoteles Bilcher 
de Physica acroasi u. a.), Hermolaus Barbarus (casti- 
gationes Plinianae 1490), Ghrist. Landinus (Gommen- 
tarien zu Plinius H. N., Horaz, Virgil u. a.)i Varerius 
Probus (1486), Rudolph Agricol^, Prof. zu Heidel- 
berg , einer der gelehrtesten Philologen jener Zeit , auch 
Dichter (starb 1483, seine zahlreichen Schriften ynirden 
aber erst im folgenden Jahrh. gedruckt), Theod. Gaza, 
gebomer Grieche, Uebersetzer des Theophrast und eines 
grossen Thdles des Aristoteles (1476), Leonard. Are- 
tinus (mehr Historiker, doch auch Philolog imd lieber- 
setzer yon Aristotelischen und Platonischen Schriften), 
Flayius Blondus (Verfasser eines schätzbaren anti- 
quarisch - chorographisc hen Werkes „ Italia iUustrata 'S 
Rom 1474), an welche dann in den nächstfolgenden 
Decennieu noch mehrere ausgezeichnete Gelehrte, ein 
Peter Bembus, Pomponius Laetus, Thom. Lina- 
cer, Aldus Manutius, mit seinem litter. Gehttlfen, einem 
Griechen, Marcus Musurns, ein Badius Ascensius, 



43 

Wilh. Bnddaeas, Lud. Gaelias Rhodigiuns, und 
vrohl noch mancher Andere ans den letzten Jahr^ des 
15. und dem Anfang des 16. Jahrhnnderts ihre Stadien nnd 
Arbeiten im Felde der Philologie knüpften, denen sich 
dann bald diejenigen eines Erasmus von Rotterdam^ 
eines Job. Reuchlin, Phil. Melanchthon^ J. Game- 
rariuS) J. Caesar Scaliger, Wilibald Pirkhei- 
mer,'J. Wimplieling, H. Bebel, Rad.. Agricola, 
Job. Proben n. A. anschlössen. 

Der nächste nnd grdsste Gewinn , den die neue Kunst, 
schon gleich in den ersten Jahren nach ihrer Erfindung, 
für die Philologie nicht nur, sondern für die gesammte 
Hnmanitätsbildang and wissenschaftliche wie moralische 
Aufklärung den Lehrern und Lernenden brachte, war 
indessen doch immer der aus dem Druck der Classiker 
des Alterthums hervorgegangene. Den Anfang hieza 
machten die in Fusts und SchöiFers Officin im Jahr 14S& 
gedruckten Schriften Gicero's, de Officiis und Paradoxa^ 
welchen schon 1466 die zweite Ausgabe folgte. Als nun 
aber die Belagerung und Einnahme von Mainz im Jahr 1462 
das für die schnellere Verbreitung der Typographie und 
ihrer Erzeugnisse so höchst erspriessliche Ereigniss der 
Auswanderung und Zerstreuung des grössten Theiles der 
Gehälfen in der OfGLcin Fusts und SchOiFers in mehrere 
Städte Deutschlands (zuerst nach Cöln und Augsburg) 
und nachher Italiens zur Folge gehabt hatte , beeilten sich 
jetzt die tüchtigsten dieser Auswanderer, unterstützt von 
den Geldmitteln angesehener, selbst gelehrter und fiir die 
neue Erfindung sich lebhaft interessirender Männer und 
auch ganzer Gorporätionen, auch die Handschriften von 
den meisten übrigen Glassikem hervorzusuch^ , sie (zum 



44 

Theil wemgstens) von Sachkimdigen verglelohen imd 
berichtigen zu lassen und sofort zu dracken. Die Gelehrten 
unter diesen Typographen, ein Aldus Manutlus, Ph. 
Junta, Frohen, die Stephans, Oporinus und An* 
dere schon oben Genannte, ja sdion lange vor diesen 
ein Joh. Regiomontanus (Ton welchem nachher), hal- 
fen hierzu selbst mit grosser Sorgfalt', und waren die 
eigentlichen Herausgeber der vielen Ton Ihnen gedruckten 
Werke dieser Glassiker. Nach denVortrilt von der Mut- 
terstadt Mainz, wo Fust und Sdiöffer, wie zuerst schon 
Gnteiüierg, ihre Kunst in den Schrajiken eines Ciehi»ni* 
ttisses zu halten gewusst und ihre Gehlilfen zu Geheim- 
haltung streng verpflichtet hatten *), waren es die 
in der so eben erwähnten stürmischen Periode jeden* 
falls schon 1463 nach Rom ausgewanderten wadieren 
und in ihrer Kunst wohleifajirnen Buchdrucker Gonrrd 
Schweynheim und Arnold Pannarz, Beide aus dem 
mainzischen Rheinland, welche auf Einladung des gelehrten 



*) In des gelehrten Trithemins (Trittenheims, 
Abts zu Sponheim) „Breviarium historiamm, von Joh. Schöffer 
(dem Sohne Peters) 1515 zu Mainz gedruckt, befindet sich 
ein Znsatz des Letzteren zu der Gesdiiofate derErfindimg der 
Buchdmekerei, worin es ausdrttcklich heisst: „Retinuarunl 
autem Joannes Fnsth et Petrus Sehoffer hanc artem in secretis» 
Omnibus nunistris et famiUaribus eomm, ne illud (juoque modo 
manifestarent, jurejurando adstrictis. Qnae tandem anno 1462 
per eosdem familiäres in diyersas terrarom provincias diirul- 
gata, hand parom snmsit incrementum'^ Tritheim selbst sagt 
blos „Hi tres (Gntenberg, Fust und SchOffer) imprimendi 
raodom aliquamdiu lenuerunt occultum, quousfue per Aunulos 
divulgatus MV 



41; 

Gardinals Nieoläus Gusaias, und durch ihn und 
andere dorli|g^ Optiifiaten mit dtn nOifcigen Gddmitteln 
unterstützt, zuerst Ton 146&--*67 in dem Kloster yon 
Subiaoo bei Ron und dann in der Stadt Rom selbst, in 
räiem ihnen dazu von den Gebrüdern Maximus eingeräum- 
tcai Hause, eine Buchdruckerei errichteten, und in dieser 
sofort von 1466 und folg. die rhetorischen Schriften Gicero*s, 
zuerst de Oratore, zwisdien 1465—67, dann seine Epi^ 
stolae ad famiL, zuerst 1467, de OflBciis, 1467, u. a. druckte. 
An sie sdiloss sich schon im folgenden Jahr ein anderer 
Deutscher, Ulrich Hau (auch Udalricus Gallus 
genannt, aus Ingolstadt^ und Bürger in 'Wien^ walir- 
scheinlich auch aus Fnsts «nd Schoflbrs Offidn koflMiend) 
und druckte .in der von ihm zu Rom errichteten zweiten 
Officin ebenÜEdls yerschiedene Ciceronische Schriften, von 
1467 oder 68 an (zueret, mit Angabe des Jahres 1466, 
den Onator). Und von hier an vermehrte skdi schnell die 
Zald der Buchdruckereien in Rom (iv^von noch weiter 
unten das speciellere Verzeiehmss angegeben werden wird), 
und mit ihr auch die Zahl und Mannigfltlägkeit der Eni^ 
ausgaben römischer Glassiker, neben denen der Kirchen- 
väter (Lactantius de civitate Dei war das erste Werk, 
welches Schweynheim und Pannarz in Rom im Monaste» 
rium Subiacense schon 1465 druckten, dann Augustinus 
de civitate D^, von denselben 1467 and Öfter, auch von 
Vindefin de Spira in Venedig, als dnes seiner ersten 
Druckwerke 1470 gedruckt). 

Nächst Rom war es besonders Venedig, wo sich 
nicht nur sehr früh deutsche Buchdrucker niederliessen, 
und gleichbedeutende Drnckuiiternehmungen ansluhrleB, 
sondern wo bald die allergrOsste Zahl von Ausgaben der 



alten Glassiker erschien. Die ersten daselbst Drackenden 
^aren die Brtider Johann und Vindelin de Spira 
(von Speier), höchstwahrscheinlich auch ans der Mainzer 
Officin auswandernd, als Peter SchOffer dieselbe nach 
dem Tode Fusts *) und Gutenbergs**) allein fortfllhrte; 
aus ihren Pressen gingen nicht nur zuerst (1469) Gicero's 
Epist. ad famiL, als zweite Ausg. nach der ersten römi- 
schen, sondern auch schon das grosse WeriL ^,FUnius 
Historia natural (ed. princeps) , Venedig 1469 hervor***), 
und diesen folgten sofort mit wahrhaft bewnnderungs- 
werther Thätigkeit eine Menge Ausgaben fast aller römi- 
schen Glassiker, wovon uns theils Fabricii Bibliotheca 
Latina, nach der Ausgabe von meinem seL Vater, theils 
auch die von Maittaire und Denis, besonders aber die 
schon mehrmals gerühmten bibliographischen Werke von 
Panzer und Hain möglichst vollständige Uebersichten geben. 
Die Namen von Nicol. Jenson, Johann von Goeln, 
Nicol. von Frankfurt, Erhard Radtolt von Augs- 
burg (und Venedig), Hermann von Lichtenstein 
aus Göln, Christoph Valdorfer, Johann von 



*) Dieser starb 2u Paris an einem pestartigen Fieber im 
J. 1467. 

**) Gntenberg starb nnr wenige Monate später, wahr- 
scheinlich gegen das Ende des J. 1467, oder jedenfalls vor 
dem Februar 1468, wie aus einem gerichtlichen Act des 
Notar Homery vom 28. Februar 1468 hervorgeht. 

***) Die zweite Ausgabe der Histor. nat. Plinii druckten 
Schweynheim und Fannarz zu Rom 1470, die dritte 
splendidere Nie. Jenson zu Venedig 1472. Ich werde weiter 
unten nochmals auf den Druck des Plinius in einigen fol- 
genden Ausg^en zurückkommen. 



47 

Noerdlingen u. A. erscbeinen Yorzüglicli häufig unter 
den Venet. Ausgaben dieser Glassiier von Aldus. Wie 
sehr sich zumal in Venedig schon in den ersten 20. Jahren 
nach Yindelins von Speier Einwanderung die Zahl der 
fiuchdruckereien , und namentlich der deutschen vermehrt 
habe, und bis zu welcher Menge die Zahl der in j^em 
Zeitraum daselbst gedruckten Bücher angewachsen sei, 
wird aus einer noch nachher zu gebenden vergleichenden 
Uebersicht deutlich hervorgehen. 

Nächst diesen Jieiden Städten war es auch Mailand 
(seit 1469), Florenz, Neapel, Bologna (diese seit 1471), 
Paris (seit 1470), und in Deutschland , sammt der Schweiz 
und den Niederlanden, Co In (schon ßeit 1467, wo nach 
Fust und Schöifer zuerst Ulrich Zell Gicero's Officia, 
sodann auch mehrere andere Glassiker druckte, und wo 
nächst diesem auch Nicol. Goetz, Joh. Koehlhoif von Lübeck 
und Arnold Therhoemen sehr thätig in diesem Fache wirk- 
ten), Augsburg (s. 1468), Nürnberg (s. 1470), Speier 
(s. 1471) , Ulm (s. 1473) , Antwerpen (s. 1472) , aus deren 
Buchdruckereien eine grosse Anzahl von Ausgaben der 
alten Glassiker schon in jenen ersten 25 Jahren zu Tage 
gefördert wurden. Waren es in den ersten Jahren auch 
nur einzelne Bücher des Gicero (s. oben), die durch den 
Druck verbreitet wurden (die erste Ausgabe seiner gesamm- 
ten Werke erfolgte erst in den Jahren 1495 — 98 zu 
Mailand, in 4 Foliobänden gedruckt und herausgegeben 
von Alexander Minutianus), so war doch die Wahl 
gerade dieses Schriftstellers , der nun in einer ungemeinen 
Menge von Ausgaben seiner philosophischen und rheto- 
rischen Schriften der gelesenste wurde, die gläcklichste, 
und der Einfluss, den das so rasch verbreitete Studium 



50 

von Vindel. y. Speier. Des Ptolemäus classisch gewor- 
dene Kosmographie erschien zum ersten Mal 1475 in 
Vicenza, in lateio. Uebersetzung, gedruckt von Herrn. 
Liechtenstein in Göln, hierauf mit den Verbesserungen 
von Domitius C4alderinus (der Secretarius Apostolicus 
und ein guter Philolog, Verfasser guter Commentarien 
zum Martial, Juvenal, Oyid, in den J. 1472 --76 war, 
aber kein Geograph noch Astronom; weshalb seine Ver- 
besserungen sich nur' auf die lateinische Uebersetzung 
beziehen) zu Rom, mit 27 grossen in Kupfer ge- 
stochenen Karten, welche unzweifelhaft von Arnolde 
Buckinck'^e Germania, der auch das Werk druckte, 
gestochen wurden und mit zu den ersten chalkographischen 
Arbeiten gehörten; dann zu Bologna von Dominic de 
Lapis auch mit denselben Karten in Kupfer gestochen, 
vermuthlich 1482 (im Original steht durch einen unzwei- 
felhaften Druckfehler 1462, in welchem Jahr doch von 
.keinem Kupferstich der Karten die Rede sein konnte) 
und zu Ulm 1482 gedruckt von Leonh. Hol, mit den 
Karten in Holzschnitt; zu Mailand von Zarotti 1471, 
vermuthlich aber schon früher. (Pausauias und Dionysius 
Periergetes kamen erst im 16. Jahrh. im Druck heraus.) 
Und wie sehr nach dem Erscheinen der ersten römischen 
Historiker im Druck, seit 1469, das Interesse an dem 
Studium der alten Geschichte geweckt und der Eifer, die 
Quellen desselben auch aus den bisher meist in Verges- 
senheit begraben gebliebenen C4odicibus der übrigen soge- 
nannten kleineren Historiographen zu Tage zu fördern, 
angeregt wurde, bewies die von Bonus Accursius und 
Anderen veranstaltete höchst wichtige Sammlung der 
Scripiorum historiae Äugustae, enthaltend den Suetonius, 



Aelitts Spartianus, Julius Gapitolin., Aelius Lampiidius, 
Trebellius PoUio , Flavins Vopiscus , Eutropius (zum ersten 
Mal schon 1471 in Rom von Lauer gedruckt), und Paul. 
Diaconus, welche — wenn nicht eine von Hain ver- 
zeichnete Ausgäbe ohne Ort und Jahr schon etwas Ulter 
war — zum ersten Mal mit Angabe des Jahrs 1475 zu 
Mailand von dem Magister Philipp de Lavagna (der 
sie schon 1471 angefangen hatte) gedruckt wurde, und 
dann wieder 1489 u. m. a. 

Grösser noch war die Zahl der Ausgaben der römi- 
schen Dichter in diesen ersten 25 Jahren, lehrend die 
griechischen im Originaltext jetzt noch gar nicht gedruckt 
wurden, die meisten erst im letzten Decennium des 15. und 
in den ersten des 16. Jahrhunderts, nur wenige früher. 
Es möge hier genügen , nur von einigen der vorzüglicheren 
und schon in jener Zeit vorzugsweise gelesenen römischen 
Dichtem die ältesten Ausgaben zu bezeichnen. So war 
Virgil (ein Lieblingsdichter jener Zeit, dessen Aeneis 
in keiner höheren Schule ungelesen und unerklärt bleiben 
durfte) , zuerst 1469 und 1471 in Rom von Schweynh. u. P. 
gedruckt, dann zu t^enedig von Vindelin v. Speier 1470, 
vonMentelin inStrassburg 1472, und diesen folgten gleich 
in den nächsten Jahren die Ausgaben in solcher Menge, 
dass ihre Zahl schon im Jahr 1500, mit Einschluss der 
Uebersetzungen und der Ausgaben einzelner Dichtungen 
Virgils, auf mehr als 90 stieg. Ein grosser Theil der- 
selben war mit Gommentarien (mehr nur sprachlichen 
Inhalts, meist dürftig genug), theils von Maurus Servius, 
theils von Donat , theils von Landini , Galderini , Torren- 
tini, Mancinelli, Pulci u. And., theils von mehreren derselben 
vereinigt, begleitet. Bemerkenswerth ist es, dass Virgil 

4* 



52 

ia Deatschlaud , diesseits des Rheins, erst spät (zuerst in 
Nürnberg von Koburger 1492, in Heidelberg 140& und 
in Leipzig von 1494 an) gedruckt wurde, während er 
doch in Löwen schon 1475 (durch Joh. von Paderborn)' 
erschien. — Horaz wurde zuerst 1470 oder 71 zu Rom 
und Mailand gedruckt, in Deutschland aber auch erst am 
Ende des 15. Jahrhunderts, ebenso wie Juvenal und Martial; 
charakteristisch genug. v i d ward seit 1471 zu Mailand 
(Zaroto), Bologna, und vorzüglicher zu Rom von Schw. 
und Pannarz, Lucretius 1473 in Brescia, mit Gom- 
mentar von Omnibonus Leonicenus , der auch zu mehreren 
andern Autoren nicht geringfügige Gommentarien lieferte, 
Lucanus, mit desselben Gomment. schon 1465 in Rom 
von Schweynh. und P. gedruckt, Terenz seit 1470 in 
Mailand, Plaut ns seit 1472 von Joh. v. Göln in Venedig, 
Gatull, Tibull und Properz seit 1472 zu Venedig 
von Viud. de Sp. , häufig auch mit den Sylvis des Statins 
verbunden, Juvenal seit 1469 oder 70 in Rom (U. Hahn) 
und Venedig, Martial auch s. 1470, und so die übrigen. 
Unter den Philosophen und Naturlehrern des 
Alterthums konnte natürlich Niemand grösseren Anspruch 
auf die früheste Herausgabe und Verbreitung seiner Schrif- 
ten durch die neuerfundene Kunst des Druckes haben, als 
der gemeinschaftliche I^ehrer und hochgefeierte Gross- 
meister aller Philosophie und Physik seit dem An&nge 
des Mittelalters, Aristoteles. Aber es war nicht der 
ädite, tieffbrschende , auch in seiner Logik und Dialektik 
klare und tiberall grosse Aristoteles, es war ein jämmer- 
lich entsteUter, missverstandener, verdrehter und unter 
den absurdesten Spielereien und Auswüchsen der spltzfin- 
delnden Dialektik zum Scholastiker gestenq)elte Aristoteles, 



SS 

den die europäischen Mönche und Aerzte des Mittelalters 
aus den Händen der Araber, insbesondere eines Alkhendi, 

■ 

Janns Damascenus , Aviceuna (im 9. und 10. Jahrh.), und 
dann wieder mit der grössten und dauernsten Auctorität 
im Xni. Jahrh. durch den spanischen Araber aus Gor- 
doya, Ayerrhoes (geb. im J. 1149, gest. 1217) erhalten 
hatten. Schon diese arabischen Aerzte hatten die Werke 
des grossen Stagiriten nicht aus dem Urtext, sondern aus 
höchst schlechten ^nd verfehlten syrischen Uebersetzungen 
des Aristoteles durch christliche Aerzte und Geistliche 
(Nestorianer) in Syrien und dem Kalifat, nur später erst 
den Averrhoes aus wenig bessern lateinischen Ueber- 
setzungen kennen gelernt. Ueber die Sclilechtigkeit dieser 
ältesten lateiu. Uebersetzungen, die meistens selbst nicht 
einmal aus dem griechischen Original, sondern aus den 
arabischen Versionen gemacht waren, klagt schon einer 
der auTgeklärtesten Naturlehrer des 13. Jahriiunderts, 
Roger Baco: man könne aus ihnen den Text des A. 
gar nicht verstehen, und ruft in seinem gerechten Un- 
willen auis: hätte ich die Gewalt, so liesse ich alle diese 
schlechten Uebersetzungen des Ar. verbrennen *). Gleich- 
wohl fand der arabisirte Aristoteles in allen gelehrten 
Schulen des Auslandes, vorzüglich nachdem ihn sein 
grösster und unbedingtester Verehrer Averrhoes mit dia- 
lektisch-demonstrativen, doch' immer mit Scharfsinn ge- 
schriebenen Gommeutarien (die sehr bald ins Lateinische 
übersetzt wurden) erläutert hatte, Eingang. Er behauptete 
sich als Magister supremus und höchste Instanz in allen 



*) S. Kurt Sprengel pragmat. Geschichte der A..-K., 
dritte Auflage, 2, Th. S. 530. 



»4 

Lehrponcten und Meinimgsdifferenzen der peripathetischen 
Dialektiker und Physiker des Mittelalters, selbst dann 
noch , als die geistliche Oberbehörde zu Paris , aus Furcht 
vor den Gefahren , die dem Kirchenglauben aus dem Stu- 
dium dieser heidnischen Philosophie erwachsen konnte, 
um das Jahr 1209 das Vorlesen über die Bücher des 
Aristoteles und des Averrhoes streng verboten hatte (welches 
Verbot einige Jahre später Mos auf die 'physischen und 
metaphysischen Bücher desselben beschränkt wurde), 'und 
nachdem bald darauf auf einem Goncilium zu Vienne die 
Werke des Aristoteles und des Averrhoes öffentlich ver- 
brannt worden, waren. Der Hauptbeschützer des freien 
Gebrauchs des Aristoteles war der grosse Kaiser Friedrich II., 
dem die Wissenschaften und ihre Aufhülfe und Verbreitung 
so unendlich viel verdanken , und der selbst den Aristoteles 
eifrig studirt hatte. Er gab seinem gelehrten Hofastrolog, 
Michael Scotus, der zugleich Arzt war, ausdrücklichen 
Auftrag, eine lateinische Uebersetzung der physikalisch- 
naturhistorischen Werke des Aristoteles zu veranstalten, um 
über dieselbe in Bologna die Physik lehren zu lassen, 
welchem Auftrag dieser auch mit solchem Erfolg entsprach 
(gegen das J. 1230 nach Sprengel), dass Roger Baco 
sagte: von diesem Zeitpunct an sei die Philosophie des 
Aristoteles im Abendlande erst recht aufgekommen. Ob 
Mich. Scotus diese Uebersetzung , und nur diese der 
naturhistorischen Werke, allein verfertigt hat, oder mit 
BeihüKe Anderer, lässt sich nicht bestimmen, weil diese 
Uebersetzung nicht im Druck existirt, wenigstens keine 
solche unter dem Namen des Mich. Scotus ; weshalb es 
wohl flip einen Irrthum, oder wenigstens für etwas Uner- 
weissliches angesehen werden muss, wenn Haller in 



55 

seiaer Bibliotheca anatom. (T. 1. S. 50) eine lateinische 
Uebersetzung der gesammten Werke des Aristoteles, die 
auf Befehl des Kaisers Friedricfi II. gemacht and mit den 
Commentarien des Averrhoes in Venedig 148ä folg. ge- 
druckt worden sein soll , anführt. Denn es existirt erstlich 
— soweit ich wenigstens finden konnte — keine Venetia* 
nische latein. Ausgabe der Opera Aristot. cum comment. 
Ayerrhois vom J. 1484, sondern eine solche von 1483, 
von Andreas von Asula in Venedig in 3 Foliobänden ge- 
druckt , mit dem Gommentar von Averrhoes , übrigens nicht 
vollständig , in welcher aber weder Mich. Scotus als Her- 
ausgeber genannt, noch eines hierzu gegebenen Befehls 
des Kaisers Friedrich erwähnt, sondern Mos ein Prof. 
zu Padna, Nicoletto Vernia, als der „ curis* suis peroptime 
castigans summaque diligentia emundans hos libros'' 
genannt wird. Eine zweite ebenfalls nicht vollständige 
latein. Ausgabe wurde 1489 zu Venedig von Bemard. de 
Tridino de Monteferrato in 2 oder 3 Bänden gedruckt, 
mit dem Comment. des Averrhoes und auch mit denen des 
Albertus Magnus, ebenfalls ohne Erwähnung des Namens 
von Mich. Scotus. Es kann also weder in der einen noch 
in der anderen dieser Ausgaben der Text von diesem 
Mich. Scotus herrühren, sondern von einem anderen der 
früheren Uebersetzer, die man bei Sprengel (a. a. 0. 
S. 327 fgg.) angeführt findet , und unter welchen sich Otto 
von Freisingen, Bruder des Kaisers Conrad III., Wilhelm 
von Morbeck und Gerard von Cremona (alle Drei aus dem 
Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrh.) auszeichneten. — 
Von des Mich. Scotus Uebersetzungen Aristotelischer Werke, 
undzwai* blos der Bücher „de Historiaanimal.'' und „de 
Generatione animalium'S sihd nur einige ungedruckte Codices 



»6 

in den Bibliotheken zn Paris , Oxford und Cambridge vor- 
banden, die auch Haller a. a. 0. namhaft macht *). 

Anss^dem und noch frtther schon wurde auch die 
Verbreitung des Studiums des Aristoteles , so wie des 6a- 
lenas sehr beibrdert durch die Fürsorge eines andern 
aufgeklärten Regenten, des Königs Roger von Stcilien 
und Neapel, welcher dem Nicolaus Rubertus von Reggio 
den Befehl ertheilte, den Aristoteles imd GalenufiT ins 
Lateinische zu übersetzen, damit sie zu Salemo und in 
den übrigen Schulen mehr gelesen werden könnten. A«ch 
diese Uebersetzung ist wenigstens unter dem Namen jenes 
unbekannten Arztes nachmals nicht anter die Presse ge* 
kommen, und es ist überhaupt auffallend, dass auch die 
späteren und schon gelehrtelren, auch in realer Hinsicht 
besseren und den Scholasticismus des Averrhoes und 
Thomas von Aquino bekämpfenden Commentatoreii des 
Aristot. aus dem 15. Jahrb., ein Job. Afgyropylns; 
Theod. Gaza (Beide gelehrte Griechen , von denen auch 
bei weitem der grössere Theil der lis zum 17. Jahrhundert 
allgemein gebrauchten Uebersetzung jener Werke her- 
rührt), Leonhard Aretinus, Schüler des berühmten 
Griechen Manuel Ghrysoloras (Ersterer war mehr 
Platoniker, auch guter GeschichtschreSier und Romantiker), 



*) YfM aber schrieb dieser Mich. Scotus, ein strenger 
Averrhoist» dabei aber auch ein sehr eifriger Physiolog im 
Geschmack jener Zeit, Nachbeter seines Vorbildes aus Gor- 
dova, ein „Liber Physiognomiae , quem compilavit ad preces 
Domini Friderici Romanonmi Imperatoris/' mit beigefügtem 
„Opus de procreatione, continens secreta artis naturae'S von 
welchem seit 1468 oder 69 eine Menge von Ausgaben erschie- 
nen sind. 



S7 

AegiA. Romamis, Theodor. Metochita (auch Grieche, 
der Vieles Übersetzte), Johann von Mecheln, Gajetan 
de Thienis n. A. jener ältesten Uebersetziingen nicht 
erwähnen, wenn sie dieselben auch wohl g^eliannt und 
benatzt haben mOgen. 

Eine desto ^Ossere Berühmtheit und Auctorität hatten 
die Gommentarien der grössten and spitzfindigsten Scho- 
lastiker und DialelLtiker des 14. Jahrhunderts erlangt, 
eines Thomas von Aquino, der im höchsten Grad als 
das geheiligte Haupt der scholastisch - mystischen Theologie 
und Hyperphysik verehrt wurde, und der auch in seinen 
nur allzu zahlreichen theologisch -metaphysischen Schriften 
sanctus Thomas von Aquino genannt wurde**); desgleichen 



*) Unter seinen vielen Schriften, die seit 1470 in 
einer gewaltigen Menge von Auflagen (darunter auch mehrere 
in Göln) gedruckt wurden, gehören zu Aristoteles besonders 
seine Commentarii super AristoteUs Logica, desgleichen in libr. 
Pei^ermenias und in libros Physioomm AristoteUs, in 1. deCodo 
et Mundo, in libr. Meteonun, in 1. Metaphysiccnnn^ In L Ethi- 
corum, in 1. Politieorum, in lib. de Anima, in lib. de Generatione 
et Gormptione u. a. Ausserdem müssen über sein System der 
Naturlehre und Metaphysik auch seine sehr oft aufgelegten 
Tractatus de universalibus, Tr. de ente et essentia. Com- 
mentar. super IV libros Sententianim'' und sein lange für 
kanonisch geachtetes Hauptwerk „Snmmae theologicae, partes HI '% 
wovon eine der ältesten Ausgaben des pars I zu Mainz von 
Schöffer zwischen 1467 und 69, der pars II daselbst 1471 
gedruckt wurde. L. Hain ftihrt in seinem oft genannten 
W^k gegen zweihundert und achtzehn Ausgaben der versdue- 
denen Schriften dieses grössten Polygraphen seiner Zeit anf, 
darunter einen Druck smner „Summa de articulis lidei^ zu 
Mainz von Joh. Gntenberg, ohne Jahrszahl. 



58 

eines Albert von Bollstädt, genannt Albertus 
Magnus, erst Bischof zu Regensbarg, dann in das 
Privatleben zurückgetreten und zu Göln 1282 gestorben. 
Di^eser zu seiner Zeit und noch lange nachher in allen 
Theilen der Philosophie und Naturlehre als Orakel verehrte 
Mann^) war zwar auch strenger Scholastiker * gleich- 



*) Albert v. Bollstedt war zwar eben so strenger 
Dogmatiker und Supernaturalist in der Theologie als Thomas 
von Aqnino, aber er war geistvoller, weniger spitzfindig, 
und von viel mehr lunfassenden Kenntnissen in der Natnrlehre, 
in der er sich vorzüglich in der Meteorologie, Botanik, sogar 
Mineralogie, Physiologie und Medicin auszeichnete; bei vielen 
und oft recht ungereimten Irrthümem und rein imaginären Snp- 
Positionen enthalten seine dorthin einschlagenden Schriften doch 
auch viel eigene und gute Beobachtungen. So sein „Opus 
philosophiae naturalis", Brescia 1480 flg., „de Coelo et 
Mundo", Vened. 1480, „Libri IV Meteorum", Yen. 1470, 
„ Commmtaria in VIII libros Physicorum Ari$toteUs ", Yen. 
1478, „de Gener atione et Corruptione", Yen. 1495, „de 
Animalibus libri XXVI", 1478, „deMineralibu$ libri F(mchr 
nur über die physischen Eigenschaften der Gesteine und Metalle), 
s. a.etl., und Ronen 1476, „Liber a^gregationis seu secre- 
torum de virtutibus herbarum, lapidum et animalium quo- 
rundam," eines der am frühesten, auch unter dem Titel „de 
Miräbilibus mundi" gedruckten Bücher Alberts v. B., in vielen 
Ausgaben s. 1. et a., unter anderen zu Würzburg, Augsburg, 
London u. a«, und „de Animalibus", Rom 1478, gedruckt 
vonNicoL deLuca, mit der Unterschrift: „Alb. M. de rerum 
proprietatibus^, dann zu Mantua 1479 und öfter. Sein viel 
bekannter gewordenes und sehr oft gedrucktes Buch de Secretis 
mulierum et virorum, dessen älteste Ausgaben alle ohne 
Jahrszahl und Druckort sind, andere zu Ulm, Antwerpen, 
Löwen, Wien, Leipzig u. a. 0., von 1475—80 an, voll 



89 

wohl schon mehr selbständig beobachtender und artheilender 
Physiker und Physiolog. Hieher gehören auch Vincenz 
Abt von Beauvais (Vincentius Bellovacensis, 
starb 1264), und John Duns Scotus, genannt Doctor 
subtilissimus , auch ein grosser und berühmter Polygraph, 
dessen Commentarien über die Metaphysik des Aristoteles, 
so wie über den Porphyrius das non plus ultra der 
Dialektik sind, wenngleich dem strengen Scholasticismus 
des Thomas von A. oft entgegenkämpfend (starb 1312). 

Ohngeachtet dieser vielfachen Vorarbeiten dauerte es 
doch länger , als man hätte glauben sollen , bis eine voll- 
ständige lateinische Ausgabe der Werke des Stagiriten in 
Druck erschien. Es war dieses die von Andreas de Asula 
zu Venedig mit den Commentarien des Averrhoes im 
Jahr 1473 herausgegebene, wdcher blos der Druck der 
(lateinischen) Problematum Aristot. vorausgegangen war. 
Ausserdem hatte sich Lorenz Canozza zu Padua mit 
dem Druck mehrerer philosophischer und physikalischer 
Schriften des Ar., von 1472 — 75, viel Verdienst erworben. 

Die Schriften de Natura animalium waren zu Venedig 
von Johann von Göln 1475, die parva naturalia mit den 
Gomment. von Joh. von Mecheln erst 1490 und 91 in 
Goln von Quentel und von Koelhoff, die Ethica zu Rom 
von Shw. u. P. 1473 und zu Löwen 1475 flg. in Ueber- 
setzungen gedruckt worden. Einzelne Schriften des Ari- 
stoteles wurden auch frühzeitig in Deutschland gedruckt, 



falscher und abergläubischer Angaben, zumal in Betrefl* der 
weiblichen Organe, ist zum Theil apokiyphisch, und wird 
selbst in der Wiener Ausgabe (circa 1480) dem Henricus 
de Saxonia, seinem Schüler, zugeschrieben. 



60 

so namentlich von 6. Zainer in Augsburg 1479, yon Uir. 
Zell in Cöln s. a., zu Merseburg schon 1473. Freilich 
häufte sich nachher um so rascher die Zahl der Ausgaben 
dieser A. Schriften, von denen viele aus deutschen Pressen, 
besonders zu Göln von Quentel und Koelhoff , hervorgin- 
gen (darunter 4 deutsche Uebersetzungen der Problema- 
tum, zu Augsburg 1400 flg.)) luid es finden sich bis zu 
der merkwürdigen und jezt äusserst selten gewordenen 
ersten griechischen Ausgabe der sämmtlichen 
Werke des Aristoteles, durch Aldus Manutius, 
Romanus et Graecorum Studiosus (wie er sidi selbst am 
Ende des zweiten Bandes nennt) , in Venedig 1405 ~- 98 
in 5 Bänden, worin sich auch Theophrasts Historia 
plantar., und de Gausis plantarum libri , und die kleineren 
Schriften des Theophrast , nebst desAlexanderAphro- 
dis. Problem, zum ersten Mal griechisch abgedruckt befin> 
den, nahe an 150 Ausgaben gesammelter oder (meistens) 
einzelner Sdiriften des Stagiritai bei den Bibliographen, 
namentlich bei Haller in s. Bibliotheken, dann in Fabrik 
dus Bibl. Gr., nach der Ausgabe von meinem sei. Vater, 
und bei Panzer und Hain a. a. 0. verzeichnet. Aller- 
dings waren diese Ausgaben des Arist. im 15. Jahrhun- 
dert viel weniger genau und correct, als die in der fol- 
genden Zeit, und die älteren Gommentarien , selbst die 
besseren unter ihnen, die doch entweder noch zu sehr 
der Dialektik eines Averrhoes, Thomas v. Aquino , Albert 
M. u. And. oder der Mystik der Neuplatoniker folgten, 
oder nur mehr mit dürftigen Worterklärungen und der 
Grammatik sich begnügte», waren an innerem Gehalt mit 
denen der nächstfolgenden Jalirhnnderte nicht zu ver- 
gleichen. 



61 

Viel weniger Anklang and Theilnalime fanden in 
jener frühesten Zeit, d. h. in dem 13. bis zur ersten 
Hälile des 15. Jahrhonderts, die Werke des grössten und 
ideen-, wie lebensreichsten Weltweisen Griechenlands, 
des Plato. Denn obgleich schon viele Jahrhunderte früher 
Mystik nnd theosophische Schwärmerei der sogenannten 
Christiauer aas Plato einen völlig missverstandenen und 
entstellten Seher und Mystagogen gemacht und in solcher 
kaum glaublichen Verzerrung, unter dem Versuche der 
Verschmelzung der Platonischen Ideen mit dem Pylhago- 
räischen und Peripathetisdien System, eine eigene wunder- 
liche, halb orientalisch * magische und mysteriöse, halb 
dialektische Philosophie geschaffen wurde, in welcher die 
Dämonen eine grosse Rolle spielten , unter dem Namen 
der neu - Platonischen nachmals bekannt (Plotinus, Jam- 
blichus, Porphyrius und Proklus, als Hauptmeister dieser 
Schule , sind auch fttr uns die Hauptquellen), — so konnte 
sich doch diese Schule (deren Hauptsitz Alexandrien war) 
nach dem Untergang des römischen Reiches nicht lange 
mehr behaupten, und verfiel völlig unter der Herrschaft 
der Araber und unter den Arabisten, nachdem die neu- 
Aristotelische Dialektik und Scholastik den Sieg tiber sie 
errungen hatte. Wenigstens blieb unter den Arabern und 
orientalischen Christen nur die Dämonenlehre als ein 
Schatten des Neoplatonismus zuriick. Damit hatte dann 
auch <— schon vom 8. und 9. Jahrhundert an — das 
Lesen des Plato in schlechten Uebersetzungen ein^ Ende, 
und man hielt sich jetzt fast einzig an den arabisirten 
Aristoteles und seine scholastischen Ausleger.- Als aber 
in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch die An- 
kunft mehrerer gelehrten Griechen in Italien, namentlich 



62 

des Manuel Ghrysoloras (starb 1445), der mehrere aus- 
gezeichnete Schüler (Leonhard von Arezzo, Franz Fi- 
lelfo u. And.) bildete, das Studium der griechischen 
Sprache und Litteratur neu belebt wurde, und als ins* 
besondere Gemisthus Fletho, unter den Auspicien der 
Mediceischen Fürsten (die vorzüglich viel für die Wieder- 
belebung des Studiums des Plato thaten), ^nd der grosse 
Cardinal B e s s a r i o n in der von ihnen zu Florenz gestif- 
teten Platonischen Akademie Plato's Philosophie vortrug, 
da fing man auch allmälig an, ihn in Uebersetzungen zu 
drucken. Dieses geschah zuerst von dem mehrerwähnten 
Platoniker Leonhard von Arezzo, welcher Plato's Apo- 
logie des Sokrates und den Gorgias übersetzte (s. 1. et 
a., vermuthlich zu Florenz 1470 oder 71), und auch die 
Episteln des Plato , aus dem Griechischen übersetzt , mit 
einer Widmung an Gosmus Medici herausgab (wo zuerst? 
ist unbekannt; eine Pariser Ausgabe, von Ulrich Gering 
gedruckt, hat Hain mit der muthmasslichen Jahresan- 
gabe 1470? bezeichnet). Am entscheidendsten wirkte aber 
für die Wiederaufnahme des Studiums Platonischer Philo- 
sophie — wenn schon nicht frei von den Zuthaten der 
Mystik und des Aberglaubens jener Zeit — die gute 
lateinische Uebersetzung, welche der schon oben gerühmte 
tüchtige Philolog Marsilius Ficinus von dem grössten 
Theil der Werke Plato's — so weit sie damals vorhan- 
den waren — lieferte und mit Gommentarien voll des 
wärmsten Ruhms dieses Weisen begleitete. Sie wurde zu 
Florenz von Laurent. Venetus zuerst 1481 oder 82 
gedruckt (2 Th. in Fol), und dann wieder, zierlicher, 
daselbst 1491. — Die erste griechische Ausgabe werde 
4ch noch nachher anflihren. — 



63 

Auch vou den SchFifteu der griechischeu Mathe- 
matiker und Astronomen, EuUides, Archimedes, Aratus, 
Apollonius von Perga, Ptolemäus (von dem schon oben 
als classischem Geographen die Rede ivar) und von Pro- 
Uns sind die Ausgaben des griechischen Textes zum 
Theil erst zu Ende des 15., zum Theil erst im 16. Jahr- 
hundert erschienen. Nur von einigen derselben wurden 
lateinische Uebersetzungen schon früher gedruckt; so von 
Euklides eine vorzüglich schön gedruckte Uebersetzung, 
und zwar nicht aus dem Griechischen, sondern aus einer 
arabischen Uebersetzung durch Joh. Gampanus zu Augs- 
burg 1482, von Erb. Radtolt, der mehrere Jahre in Ve- 
nedig druckte, und zuVicenza 1491; von Proklus, von 
Thomas Linacer bearbeitet, zu Leipzig 1490. Von des 
Claudius Ptolemäus Kosmographie ist die erste la 
teinische Ausgabe von 1478 schon oben angeführt wor- 
den. Von seinen eigentlich astronomischen Werken wurde 
nur das Opus quadripartitium, libri II, in jener Zelt, mit 
jdem Gentiloquium und mit den Gommentarien arabischer 
Astronomen in latein. Uebersetzung gedruckt, zuerst von 
Radtolt aus Augsburg in Venedig 1484. Sein grösseres 
und als das erste System der Astronomie berühmt gewor- 
dene Werk, das Älmagestum sive magnae constructionis 
libri XIII, wurde erst im 16. Jahrhundert und zwar 
griechisch, mit den griechischen Gommentarien des Theon 
Alexandrin., von Simon Grynaeus und Joachim Game- 
rarius herausgegeben (Basel 1549), welchem die griechi- 
sche Ausgabe der Ptolemäiischen Geographie von Des. 
Erasmus (Basel 1533) vorausging, und so auch die übri- 
gen astronomischen Schriften dieses grossen Mannes, 
dessen Weltsystem bekanntlich bis zu Gopemicus und 



64 

Galiläi das herrschende blieb, and dessen nuyergängliche 
Verdienste sowohl um diese, als um die phys. und math. 
Geographie noch in neuerer Zeit an Bode, Ideler und 
Anderen ihre cbmpetentesten Beurtheiler gefunden haben. 

Mehrere Jahre früher schon (zi¥ischen 1472 und 73) 
beschäftigte die Herausgabe des einzig noch vorhandenen 
römischen Astronomen und zugleich Dichtejrs Manilius, 
die Thätigkeit des grossen deutscheu Astronomen, Jo- 
hann Regiomontanus (oder wie er sich auch schrieb, 
de monte Regio, von seiner Geburtsstadt Königsberg 
in Franken, unweit Römhild), von dem ich hier Einiges 
einschalten und gleich die nächsten Erfolge seiner Lei- 
stungen berühren will, ehe ich weiter in der Uebersicht 
der ältesten typographischen Leistungen in der Philologie 
fortfahre. Regiomontanus hatte sich seit 1491 in Nfim- 
berg niedergelassen, nachdem er mehrere Jahre in Italien, 
wohin der Cardinal Bessariou ilin und Peurbach (oder 
Parbach, weniger richtig) eingeladen hatte, und dann 
einige Jahre in Wien und Ungarn lehrend und lernend 
zugebracht hatte *). Zu Nürnberg hatte er seit 1472 zum 



*) lieber diesen grössten Mathematiker und Astronomen 
seiner Zelt (geb. 1436), dessen eigentlicher Name Job. 
Müller war, der sich aber selbst gewöhnlich Joh. Ton Königs- 
berg schrieb, auch wohl Meister Joh« Kungssperger hiess, und 
Schüler und Freund des ebenialls sehr ausgezeichneten Ma- 
thematikers und Astronomen Georg Peurbach» eines Baiem, 
Prof« zu Wien (starb 1462), war, sehe man, ausser den von 
Erasmus Reucholt (in Melanchthons Declamationibus selectis 
Th, III) und von P. Gassendi (in seiner Tita Penrbachii 
und Regiomontani) gegebenen biograph. Nachrichten , beson* 
der» auch des ehemaligen Altdorfer Philologen, Christian 



65 

Bdittf seiner vielen zur Herausgabe vorbereiteten matbe- 
matiscb - astronomiscben Werke eine Druckerei errichtet. 
Leider unterbrach sein früher Tod (1476 zu Rom» wohin 
Um der Papst Sixtus IV. zur Verbesserung des Kalenders 
berufen hatte) diese Arbeiten, und ausser seiner Ausgabe 
des Astronomicon des Manilius existiren nur von ihm das 
bertthnite Galendarium (Nürnberg 1475, auch deutsch 
von ihm herausgegeben, und nachher sehr oft in Augs- 
burg u. a. 0. wieder aufgelegt), dann seine noch wichtigeren 
Ephemerides Astronomicae ab a. 1475 ad a. 1506, von 
Erh. Radtolt I4S4 u. folg. gedruckt, seine Tabulae di- 
rectionum (Nürnberg s. a., Venedig 1485 fg.) und seine 
Epitome in Almagestum Ptolemaei, mit Georg Peur- 
bachs früheren Gommentarien zu demselben (Venedig 
1496). Zu dieser Schrift Peurbachs (dessen grosses Ta- 
lent und Verdienst Gassendi in seiner Vita Purbachii et 
Regiomontani zu würdigen wusste) schrieb ein gelehrter 
Professor der Astronomie zu Padua, Franz Gapuanus 
de Maufredonia, geschätzte Gommentarien, Venedig 1405. — 
Wie gross das Ansehen und die Verehrung war, in der 
Regiomontanus im Auslande, ganz vorzüglich in Italien, 
me in Deutschland stand, geht schon daraus hervor, dass 



Gottlieb Schwärz, meines Urgrossvaters mütterlicher Seite 
Aufsatz „de Joannis Regiomontani meritis in rem typographi- 
cam/' in seinen Opuscnlis academ., gesammelt und herausge- 
geben von meinem . 9el. Vater 1794, S. 386 fgg. Daselbst 
ist'^auch der ,, Index opemm, quae fient Nnmbergae ductn 
Joannis de Monteregio/' von ihm selbst verfasst, vollständig 
abgedrnckt. Man staunt, wenn man liest, wie sehr Viel der 
rastlos thatige Mann noch auszuarbeiten sich vorgenommen, 
und wahrscheinlich schon zum grossen Theil vorbereitet hatte. 



66 

er auf den TUebi der meisten VeuetiaHiscIieu luid au^li 
aader^r latainis&cbeii Aui^abei^ feiner Werke ,,Geniia]iiae 
deciM», aelatisr noütrae a^trononioram priaceps'' genaunt 
wurde, und dass eiu Professor ^ Jacob Sentim^ aus Rici- 
uuia „Garmiiia in laudein operis Calendarii a Johaime de 
luenie regio,'' Alles sehr elegant mit Holzschnitt y^ziert, 
zu Venedig 14B9 (und öfter aufgelegt) drucken V^^»Sj die 
einer italienischen Ausgabe seines Calendarii vorange^tzt 
wurden. -^ 

^ B#^lid^s wichtig und entscheidend waren des iok- 
Regiomontanui^ Arbeiten im KalendeiwQsen und s^w 
Verdienste um dasselbe, Von ihm ging eigentlich dfe 
seitdem besteh«aid^ Einrichtung der Kalender, auch Alni9^ 
nache genannt, aus, w?n« gleich etwas Aehnliches, aber 
in viel unvoUkommner und nicht gemeinnütziger Weiaq, 
schon viel früher bei den Aegyptfm, Orieptalefl^ und 
^pätern Griechen bestanden hatte ; und sein CatmdaFini» 
Yom 1475 zu Nüjrnherg» di^m, wenigstens in den folgenden 
Jahren, auch aehon die Aderla^stafel, und die Ai^abe der 
gnten T9^e zum Arziieinjehmen , Furgiren u* s. w. n^t 
fehlte, wurde der Protat^yp aller folgeftden Kalender In 
andern Städten, die sich beeilten , dieses« Vorbild mit ei^r 
zelnen Abänderungen nach der Oertlichkeit zu copiren. 
So erschienen Kalender (oder auch Almanache). zu Ulm> 
gedruckt von Job. Zainer 1478, „cum tabulis longitudinis 
scriia et lun^a^ eaUp^ihus '' 2^u AugsJ^urg pra aniüs 1476 
TT^ läOB bei £. Radtolt, ein anderer ohne Ort und Jahr- 
zahl ab annis 1490— 1508 mit den Sonnen- und Mond- 
finsternissen. In Genua erschien sogar schon 1475 ein 
Calendarium Italicum. Peutsche Kalender kamen eben 
so frühzeitig zum Vorschein und enthielten mit den Squ- 



67 

nes** and Mondfinsternisseii ah Zugabe^ lu^beRdeni Ader- 
lass-MämüeiB ». dgL, Dfter ntitzlichf Lehren fliir den 
Landmann; so die Kalender zu Ulni, gednidkt von Job. . 
Zainer Ton 1475 (die ZaU 1474 bei Hain scheint ein 
Irrtham zu sein), 1477, 76, mit den Finsternissen von 
1478 — 15^1, zu Augsburg (bei Radtolt, Blaubirer, Bäm- 
1er, Schönsperger ) für 1480, 81, 69 fg., zu Bamberg 
(Senaenschmidt) 1487, ein lateinischer Kalender daselbst 
1490, zu Reutlingen 1480, zu Wttrzburg (Rieysser) 
1486, zuNfirnberg, ausser dem deutschen Kalender von 
Joh^ Kongsberger mit Figuren von 1475, 76 fg., auch ein 
späterer von Huber 1496. Zu Venedig druckte Radtoll 
(der gegen 1480 oder 62 urieder nach seiner Vatei^tadt 
Augsburg zurückkehrte und dort nodi mdirere Jahre 
seiner Druckerei mit Auszeichnung vorstand) einen Ka^ 
Imder für 1478 und folg. In Goln gab Magister Si- 
gismund von Prusladt, Astrdogus der hohen Schulo 
zu G(än, eine Practica Goloniensis anni 1493 als Kalender 
mit den tibUchen astrologischen Zuthaten heraus, in 
Rom druckte (ob auch ver&sste?) Stephan Plannck 
(od. Planck), ein Deutscher aus Passau und einer der 
voczttgUcberen re^mischen Typographen, einen stehenden 
Katender unter dem Titel „Lunarinm Italienm, in quo 
reperinntiHr conjonc^i^nes et oppositiones famae et eclipses 
etc, ad annos 1488^1550,'' in des Regiomontanischen 
Wei^e verfasgt« Ausgezeidineter irarto des römiseheii 
Astronomen Laurenz Bonincontrius Kalender, die 
er unter d<^ Titeln Vatidnium annorum 1485, 86, 69, 
91 herausgab (Rom bei Steph. Plandi 1491 fg.)* und wel-. 
oben er in demselben Jahre eine An Kirchen,- Almanaoh, 
unter dem Titel: Fa^lorum libri IV, diemm solennimn 



5* 



68 

Christianae religionis etc. folgen Hess (Rom, Steph. Plauck); 
Ein Jacob Plannk gab früher schon einen ähnlichen Ka- 
lender Ar 1477 bis 1552 (Ulm, Zainer) heraus. In Pil- 
sen erschien ein böhmischer Kai. 1489, in Krakan eiu^ 
latein. fUr Polen 1499, welcher als die erste in Polen 
gedruckte Schrift angegeben wird. — 

Vor jenem grossen Astronom aus Königsberg hatte 
schon der angebliche Engländer Joh. de Sacro Busto 
durch seine „Sphaera mundi, sive opus sphaericum'' (zu- 
erst herausgegeben von dem Magister Peter Bonns Ayo- 
garius und gedruckt zu Ferrara 1472, dann zu Mailand 
1473 und noch viel öfter) eine grosse Berühmtheit erlangt. 
Die Venetian. Ausgabe, von Radtolt gedruckt 1488, ent- 
hält noch des Joh. Regiomontanus Disputatio contra 
delineamenta Gremonensia (des Gerhard v. Gremona), und 
des schon oben genannten treillichen Astronomen, Georg 
Peurbach, merkwürdige und wichtige Schrift: Theofia 
planetarum gab nach dessen frühem Tode sein eben ge- 
nannter Freund und Schüler im Jahr 1472 zu Nürnberg 
heraus. — Ausserdem fanden auch die „Tabulae astro- 
nomicae'' des Paduauer Prof. Joh. Blanchini terdiente 
Auszeichnung (Vened., Bevilaqua, 1495); desgleichen 20 
* u. m. Jahre später die Tabulae aströnom. correctae, Globi 
stelliferi, und andere astronomische Schriften des Nürn- 
berger Sternkundigen, JoLSchöner (Nürnberg, Stuchs, 
1515 — - 30). •— Am Schluss dieses Jahrhunderts (1499) 
veranstaltete AldusManutius ein höchst verdienstliches 
und für die damalige Zeit ebenso merkwürdiges , als flir 
die Gultur der mathematisch -astronomischen Wissenschaf- 
ten einflussreidies Werk, durch die Herausgabe der 
Scriptores astranomici veteres, nämlich des Manilius, 



69 

und Jalitts Firmicus, daim (zoin erstem Mal) des 
Aratus, in griechischem Texl, mit der Uebersetzung von 
Germanicus Caesar, dann des Festns Avienus, der 
griechischen Gommentarien des Theon zum Aratus und 
des Proklus, griechisch, mit der Uebersetzung von Tho- 
mas Linacer. — Httite Regiomontanus ISUiger gelebt, so 
wfirde er selbst auch aHe diese Werke, und ausserdem 
nodi den Archimedes (der erst viel später ersciüen), so 
ine den Ptolemaeus, Euklid, Apollonins von Perga und 
mehrere andere alte Mathematiker, neben einer grossen 
Anzahl eigener Arbeiten (laut seinem oben erwähnten 
Verzeichniss) zum Druck befördert haben. Zuverlässig 
waren viele Vorarbeiten dazu vorhanden, und es wäre sehr zu 
wünsche, dass hieriiber genaue Nachforschung^ (was in 
Niimbei^ ohne Zwdfel geschehen ist, vielleicht auch in 
Augsburg, aber schwerlich in Rom) angestellt werden möch- 
ten. — Noch erwähne ich einer für jene Zeit merkwürdi- 
gen Schrift eines englischen Mathematikers und Bischofs ans 
der Optik, des „Johannes Peachanus, sive Pithsanus, Episcopi 
Gantuarens., Prospectiva (i. e. Perspectiva) communis,'' her- 
ausgegeben vonDr. Facius Gardanus, Mediolani, s. a. 
Von den Rednern und Rhetorikem des Alterthnms 
war es, wie schon gesagt, ,Gicero, dessen Buch, de 
Oratore, schon oben als eins der ältesten Druckwerke 
von Schweynheim und Pannarz in Rom (höchstens ein 
Jahr nach dem Schtfiferschen Druck des Cicero de Ofliciis, 
wenn für jenen Orator wirklidi das Ikuckjahr 1466, nach 
Einigen sogar schon. 1465 angenommen werden darf) an- 
gegeben wurde, und von dessen oratorischen Schriften, 
so wie von seinen einzelnen Reden , hierauf eine^ ausneh- 
mend grosse Monge von Ausgaben — schon bis zum 



70 

Jahr idOO mehr als haudert .— in rasckester Fol^e 
iu Venedig (dort am lUiiifigstem), Hörn, Mailand, ^Neapel, 
Bologna, Cöln (von J. Koelhoff gegen 1475 und Ter- 
matUich früher sdion von Zell), Paris, Löwen, Nttm- 
borg tt. a. 0. erschienen. Nach diesem war es Ton den 
lateinischen Rednern blos Qnintilian, der mil Com- 
mentarien von Onmibonns Leoniceftus mid von Latir. 
Valla goerst zu Rom von Sohweynli. n» Pann. 1470 
(wenn nicht eine andere Ausgabe ohne Ort und Jahr« die 
erste unter den von Hain an^efilhrten, ^was älter ist) 
und en Veniedig 1471 von Nie. Jensm gedrudLt wurde; 
ausserdem, nur noch einige htfdist mittelmässige , zum 
Theil schlechte Uebersetenngen einiger Reden von Aesehi- 
nes und Dennesthenes. Mit Aosnahme des Isokrate», 
dessen Reden sdion im Jahr 1403 zu Mailand ohne An- 
gabe des Druckers (herausgegeben von Demetrius Chal- 
koadylas) in griechischem Texte erschienen, wurden die 
sämmtlichen griechischen Redner erst um das Jalir 
IbOB von dem gelehrten Aldus zu Venedig unter dem 
Titel: Bheiores teueres Graeei gedmokt. Mit welcher 
grossen Theilnahme dieses Werk aufgenommen wurde, 
bewiess der Umstand, dass schon in dem folgenden Jahr 
(mit grossen Verbesserungen des Te&tes aus anderen 
Godieibtts) und wiederum im Jahre 1513 und lä2S von 
demselben neue Auflagen nöthig wurden. Eimge Deoen* 
nien später ^schienen dann noch correctere mid voUstäUr 
digere griec^sehe Ausgaben dieser Redner (D^nosthenes, 
Aeschines, bokrates, Lyrias u. A.) tu Basel (durch 
Heerwa«en 1582), Lyon (firjrphius) 1536, Venedig 
(1S|43) u^ a. 0. (Die kleineren lateinischen Redner 
«Msmelte und druckte RohertStephanus zu Paris l&SOi) 



Ueberhänpt Waf eis Aet seit 1^ — $ä in Ralieii 
"hegottti^lie , jödööh etist in Üeti ttachstfen 10 — 15 Jahren 
auf «ine grössere Zahl derselben ausgedehnte ßfuck 
griechischer Autoren im griechischen Urtext, MX 
eder ohne lai. Uebers^tzüng , zum T heil au(;h mit den 
gHethiiseheü iScholien alter Cömm^htatOf^n , dut-ch welche 
das Studium der alten Litteratar und beschichte eine 
festere Basis Jind mit grösserer Ausdehnung und Ver- 
yoUstäudigong auch, eiitea, höheren Aufschwung gewaait 
Mos didrf W«lil «Hgen, dam hiermit die zweite Epoche itor 
TypograpUe mi Aeita B^nutfeMg lUr giiiti(filtihet'e Gifl«-' 
tot' d^t* Pbi!t)l0g:ie Wie jeder andereü Wissen^chaflsjEWeige 
begaiin. i^chön oben ist der Wiederhersteller des Stu- 
diums von Plato's Werken, eines C4ardinals Bessarion, 
Theod. Gaza, Angelas Polidanus, Gemistus Plethon, Franz 
Phtlel^hus tt. And., bis Terzüglicher Uelleidstcm gtertaoht 
worden. Mit dem jetzt so erleiehtert^li Stüdi^iti A^t 
griechischen Autoren iü dei* Ursprache, voii denefl t i e 1 e 
bis gegen den Anfang des 16. Jahrhundei*ts noch nicht 
einmal in Uebersetzungen bekannt geworden waren, andere 
nur unyoUstän^g , zum Thell nur in dnzelnea Bruch- 
Studien aus eernqiteii uad fehlerhaften H«iiidschr)fteD, 
feUefvoU ttiiersetzt Ywriagim, erwachs und Verbreitete sich 
auch eine grttndlichere Ke^ntüiss der griechischeii Sprache 
unter d^n Gelehrten in dem Grade, dass es jetzt nichts 
Seltenes war, ganze Abhandlung^en , Gedichte und Briefe 
in dieser Sprache geschrieben zu sehen *). Insbesondere 



*) fis ^Ü daimi detf durch grosse nnd #ohl noch tiefer^ 
Kehnttiis^ if» ^Hechiscften Sprache äti^M^Mn^teil ÜtiektteÜ 
des 18. Jalurhunderts und der neue'steh ^eSt aus^ezeichnefeii 



72 

waren es auch Äerzte und Naturforscher, die sich nun- 
mehr mit eben so viel Eifer als Erfolg dem Studium der 
griechischen Aerzte und Naturforscher im Urtext hingaben 
und die Früchte ihrer Arbeiten theils durch bessere Aus- 
gaben und Uebersetzungen jener alten A^zte, theils durch 
andere Werke voll classischer Gelehrsamkeit zu nicht 
geringem Gewinn für die Wissenschaft selbst mittheilten. 



Gdehrtea gar nicht zu nahe getreten werden. Wenn diese 
nicht mehr so, wie es ehemals geschah, griechische Aufsätze, 
Gedichte und Briefe fOr den Druck schreihen, so geschieht 
dieses ohne Zweifel aus anderen lohlichen Gründen; zum Theil 
aber anch deswegen, weil ihnen hei dem in neuerer Zeit doch 
unter der Mehrheit der übrigen Gelehrten, äusseren Philo- 
logen TOn Fach, unstreitbar sehr gesunkenen Studium jener 
Sprache das „Graeca sunt, non leguntur'^ abmahnend Tor- 
schwebt. Wohl giebt es noch in anderen Fächern tüchtige 
Hellenisten in Deutschland, wie in Frankreich, England, Nie- 
derland und Italien, denen der schriftliche Ausdruck in jener 
Sprache selbst mit Leichtigkeit und Gorrectheit zu Gebote 
stehen würde, wenn sie davon Gebrauch machen wollten. 
Aber die Zeiten eines G. Scaliger, Bnddaeus, Maynetus, Si- 
mon Grynaens, Moibanns, Erasmns, Joach. Gamerarius, Me- 
lanehthon, Gonr. Gessner, Wilh. Ganter, Gaspar Hoi&nann, 
Reinesius, Janns Gomarius sind in jener. Bezidinng auf Grae- 
citat — aber auch nur in jener — doch Torüber. Eines der 
letzten griechischen Bücher, welches ein deutscher Arzt schrieb, 
war wohl das Yom Dr. Stenzel (gedr. Torgau 1725) ver- 
fasste über den Schlaf (^Jiajgtß^ negl xov vnyov), in dessen 
Vorrede der Verf; schon klagte „exsulat fere praesenti sae- 
culo amor, quo minores nostri erga graecam flagrabant lin- 
guam ! '' — ]Sin pa^JT griechische medicimsche Dissertationen, 
die im Torigen Jahrhundert zu Halle u. a. erschienen, waren 
Ton geborenen Griechen .geschrieben. 



75 

Ich behalte mir vor, nachher noch Einiges über die vor- 
züglichsten dieser Leistungen im medicinischen und 
naturhistorischen Gebiet, bis zu der ersten Hälfte des 
16. Jahrhunderts, zu sagen, und begnüge mich jetzt, ausser 
den schon oben angeftihrten Herausgebern und Erklärern 
griechischer Aerzte und Naturhistoriker, nur die Namen 
eines Thomas Linacer, Wilh. Gopus, J. Gajus, 
Anut. Foesius, Gorraens, Winter y. Andernach, 
Leonh. Fuchs, Hieron.Mercurialis, Ludw. Duret, 
Job. Cornarius (Hagenbnt), Jac. HoUerias (Houl- 
lier), Theod. Zwinger, Gonr. Gessner, Fr. Valle- 
sius, J. B. Montanns, Hieron. Gemusa.eus, Jacob 
Gonpyl, Heinr. und Rob. Stephanus (Etienne), 
Andr. Matthiolus u. And. ans jenem Zeitraum des 
16. Jahrhunderts zu nennen. 

Von den griechischen Glassikem ( ausser den alten 
Aerzten), die jezt, d. h. seit den achtziger Jahren des 
15. Jahrhunderts bis gegen die Hälfte des 16. Jahrhun-' 
derts, — dem terminus ad quem ftir diese Blätter — in 
der Ursprache erschienen, wurde bei weitem der 
grOsste Theil zuerst von dem unermüdlich thätigen 
Aldus Manutius und seinem Sohne und Neffen gedruckt, 
einige auch früher schon zu Florenz durch PhiL Junta 
und zu Mailand. GrOsstentheils später folgten dann die 
griechischen Ausgaben dieser Glassiker zu Florenz (sehr 
zahlreich) durch die Juntas u. A., zn Rom (sparsam in 
der ersten Zeit), dann die zu Basel (in grosser Zahl) 
durch Frobeuius, Heerwagen u. A., zu Paris durch Geming, 
Gourmont, Ghr. Wechel, Heinr. und Robert Stephan u. A., 
zu Göln, Nürnberg, Löwen, Antwerpen, Leipzig n. a. a. 0. 
Der griedüsche Text der Aldinischen Ausgaben, zumal 



der früheren , ist nicht imnier der beste , et ist vielmehr 
häufig sehr fehler- und lückenhaft, begreiflich, weil Aldns 
änfsLügs nicht immer gut^ und correcte Codices zar Hand 
hatte. D^ch sachte er ^eifissenhaft diese Fehler in neuen 
Ausgaben aas besseren Handschriften zu verbessern and 
die Lücken, soweit €b möglich war, zu ergänzen; et 
unterdrlckle sogar zuweilen dergleichen fehlerhafte erste 
Ausgaben üüd etstine sie \1tteigent1tit2ig genug durch 
eine zweite. Itnmer bleiben die Verdienste dieses grdssten 
aller Typographen der älteren Zeit um die Forderuttg 
der griechischen und römischen Litteratur tittd dadntch 
am die Wi^sensch^^^n i^elbsl unüberff^otPen uäi unver- 
gäaglicfa. Besseren and correctereii Text jeiier Autoren 
lieferten in der Mehrheit die von den Basler und Pariser 
Typographen veranstalteten Afisgaben. Diesen, die zilhi 
Theil wohl noch ia höherem Grade als Aldote selbst gi'aece 
docti wa;ren, standen alter duehsi^hon mehiete Hülfäiäittcfl 
zu Gebote, and sie konnten bc^ltd mehrere der früUer-M 
Venetianer u. a. Ausgaben, so wie die dort beigeftigten 
Varianten und bei einigen auch die Schblien benutzen. 

Bloss um es hier anschaulicher zu mächen^ wie glt>ss 
die Thäägkeit d^r toristtgtichäl^itt typogr^iheA jener jE^bA 
^ vor allem freilich in Italien — in ^em l>rttck dcir 
griechischen Glassiker gewäiäen ist, lind w^kkäh Aufw^d 
von Kosten — die freilich gar nitht lielt^n, in den ersten 
Decenni«^ der italienischen Typogi^phi^ Selbst in ^er 
Regel, voti Associationen wohlhabender Gelehrteij^, G^ist* 
liehen tüid Edellente vorgeschofsseii wttrden ~ die gewal- 
tige Menge grieddscher TypHk zutn Druck von bände- 
reicheil Wetk^ai, wie z. V: die eines Platarch, Aristoteles, 
GalM, Luciatt, Plato u. A., die Herbeisc^haRtog von 



7S 

Manuscripten , das Papier, die C^rrectur, das Dracker- 
persraale selbst u. dgl. m. erfordern masste, will ich hier 
unten nur eine kurzgedrängte chronologisch geordnete 
Uebersicht des ^dsüeren Theiles der bekannteren und 
vorzfiglichereu ersten und nHdistfolgendeu Ausgaben dier 
griechischen Gla^ker — mü eiiistweiUger AvsscUiessung 
der griechischen Aerzte, von denen noch nachher beson- 
ders die Rede sein wird -- von 1490 an bis 1530 geben, 
so weit ich sie ermitteln konnte, indem ich nur bei einigen, 
die erst so spät zum ersten Mal gedruckt wurden, noch 
bifi JMO geben werde "). Noch «pätere Editiones 



*) Aesops Fabeln waren das erste Werk, mit welchem 
der griecMscke Druck der giieckisehen GlaMker eH^ffiiet 
wurde. Sie edkio princeps erscMen in Mailand aüs der 
Dmdierei des Bonns Aocarsins von Pisa, mit der vita Aesopi 
von Maximns Planndes und der lat. Version der Fabeln von 
lUnntins aus Thessalien, ^. a. (Ohngefälur um I4l!80). Dieser 
Aasgiüie fdgiett erst 1497 und 98 zwei andere zu Reggio 
nnd Yenefig. Viel früher waren aber mehrere kfcjaiseh^ 
AnspAfCA iitse» Fabeldichters (Wenigstens sehen seit 1470) 
vnrausgegMigen. Von dieser Z^t an wurde Aesop so sehr 
de» Liehlingsdieirfer der Raliener; wie der Deutseheft und 
Niederländer, dass sich die Ansguben (in lateinischer und schon 
«eit 1472 -- 74 auch in deutscher Sprache, seit 1480 auch 
in italienischer und französischer) in walirhaft Überraschender 
Menge Mgten. L. Hain hat bis zum Jahre IMK> hundert 
Ausgaben dlener Fabeln (von denen ein grosser Theil der 
lateinischen, mit Beifügung ton Nutzanwendungen, unter 
dem Titel Äe8üpn$ morali$afus cum bonö Commmiü 
tn^ta) amlgeiUhrt, und darunter eflf Drucke deutscher Ueber- 
setxmgen, nüannehdieh von dem gekehrten Dr. Med. Heinr. 
Steinhövel, fast alle zu Augsburg von Günther Zainer;' 



76 

priscipes, dergleicheii aUerdiiigs MaBclie bedeateBile (wie 
z. B. ¥011 DioDysius Halicani., Aniiaaiis, Ardüaedes, 



A. Sorgy Hans SckOnsperger, seit 1474 (die ilteste TieDeidit 
1473 za Ulm tob Jolu Zaiiier) gedrnckt; nck 2 sp«üs4^, 
2 hollandisdie, 1 englisdw und 1 Mknische Udienefzoi^. 
Zu benerkeB ist, dass die Angsborger Ausgaben tod Zaiaer» 
Sorg DBd aach die Ulaer scboa Holzscbnitte za' den 
Fabeln enthalten, welche nachher auch allen anderen Ausgaben 
beigegeben sind, also seit 1473 oder 74 nut die Ältesten 
Holzschnitte dieser Art in Dentschland. 

ffieraof folgten Theokrits Idjfllen, nit desHesiods ^E^y» 
Moi niidqm ohne Jahr und Druckort (zn Mailand) Termnthlich 
zwischen 1483 und 85. Denselben Theokrit druckte Al- 
dus zu Venedig erst 1495 zugldck mit dem Theognis, 
den anreis canninib. des Pjthagoras, dem Phocjlides, 
den canninib. SibyUae, des Hesiodus Theogonie, Schild des 
Hercules und Georgica i, e. £rga et Hemerae (Alles in einem 
Bande). 

Einen catiecteren Text des Theiriurit lieferte die Aas* 
gäbe Ton Junta in Florenz im Jahr 1515 und hiemaiA die 
Ausgabe zu Ldwen 1526. — Homers Werke folgten hier- 
auf; zuerst die Batrachomjoraachie zu Venedig per Leonicom 
Gretensem, 1486. Dann die Jetzt sehr sdtene edttio frincep$ 
der Gesammtwerke Homers, mit der griech. Vorrede des 
Herausgebers Demetrius Ghalkondjlas (yon welchem gelehrteii 
Griechen auch einige andere griech. Autoren edirt wurden), 
und mit der griech. Tita Homeri Ton Herodot und Blutarch, 
zu Florenz, somtibus Bemardi et Nerii Tanidis Nerilii Flo- 
rentinor., 1488 foL — Hierauf kamen die Aldinischen 
Ausgaben, Yen. 1504, 1517, 1524 u. m., auch Löwen 
1523, Strassburg 1525, dann die Ausgabe Ton Leoni- 
cenus, Strassburg 1525, 1534, — yon Joaddm Game- 
rar ius, Basel 1535, 1541, — Ton Ant. Francini, Vened. 
Junta 1537. 



77 

Anakreon, and selbst von einigeu griechischen Aerzteii, 
Rnftts Ephes., Oribasius, Aretaeas, Alexander Trall. u. A.) 



Isocrati$ Orationes, durch Demetr. Ghalkondylas, Mai- 
land 1493. 

Pythagorae Garmina aur., Yenet. AI das, 1494. 

Arüioielis Opera omnia, Yen. Aldns 1495 fol., editio 
princeps, ward schon oben erw&hnt Eine zweite griechische 
Ausgabe dieser Werke des Aristoteles druckten Phil. Junta' s 
Erben zu Florenz 1524 in 4o. Eine dritte ton Erasmns und 
Simon Grjmaeus besorgte, mit etwas correcterem Text, druckte 
Bebel zu Basel 1531 und wieder 1539. Ausserdem nenne 
ich noch folgende Ausgaben einzelner Schriften des Aristoteles : 
de Animalibus, Yened. Aldus 1503, — de Animalium generat, 
Yenet. Fratres de Sabio 1526, — Ethica ad Nicom., Lö- 
wen Theod. Mart. 1513, — Organon, Löwen 1523, das- 
selbe Yened. Ton Zanetti 1536, —• de Arte rhetorica, Basel 
Job. Frohen 1530, dasselbe Paris G. Morrhius 15^, 

— Rhetorica et Poetiica, Yened. Aldus 1506, Basel H. Fro- 
ben 1520, — de Auscu^atione naturali, Paris Chr. We che 1, 

— de Mundo gr. et lat., yers. a E. Budaeo, Basel J. Wal- 
der 1533, — de DiTinatione per somnum, Gracan 1529, — 
Problemata et Metaphysiea, Basel 1531. 

Theophrnstu$t Histor. plantarum, ist zuerst mit der 
Aldinischen edit. princeps des Aristoteles gedruckt worden 
(s. oben). — Ausserdem dessen: Gharacteres gr. herausge- 
geben Ton Wiiibald Pirkheimer, mit dessen lat. Ueber- 
setzimg, in Nürnberg Job. Petrejus 1527. — Dieselben 
gr. und lat. zu Basel Andr. Gratander 1531. — Theaphr. 
de sensu et phantasia, Yened. 1536. 

Musaeus, Hero et Leander, Yen. Aldus 1494. 

Cailimackus, Florenz Alepa 1496, — Basel Fro- 
hen 1532. 

Apoüoni%^s RhodiuSy Argonaut., Florenz Alepa 1496. 



78 

grüs&ietttbeib aus der irefflkheB Oflidoi des ebcE sa 
gelehrten als elegant dmekenden Hemricb St^hanns und 



Luciani Dialogi, Florenz 1496, — EJusd. opp. cnm 
miostrato et Callütrato, Yen. Aldus 1503, nnd. mit Ter- 
besserten! Text 1526 fg. 

Euripidis Medea, Hippolytiis, Alceste, Andrenache, s. J. 
et a. in 4q. (Teonuthlieli gegen 1500). 

Ammonim, Granmat. gvbi Dictioiiario gnieco-*faitiQO, 
Veaed. Aldns 1497. 

AriHophanis Gomoediae, Yen. Aldus 1406 f. 

Pes. AralMS Pkaenomeoa und des Pro^tus SpJiaera befiiH 
den sich unter der sdMn oben «ngeffthrten tou Aldus 1490 
gedruckten Gollectio Scr^orum Astrononmue veter. Eine 
andere Ausgabe des Praclm de Sphaera druckte Hmr. de 
Nussia (von Neuss) zu Cöln 1517. — Proclus in Flatonis 
Aleibiadem» Yen. Aldus 15ia 

Ald^ronis Epistolae, Yen. Aldus 1409. Dieselben 
bUden a«eh einen TheU einer grösseren Sammlung you 
^pistolat graecne uariorum pkilosopkorufn» rheH^rum'' (des 
Demostfieaes, Flato, Aristoteles» Hippokrates> Demokrit u. s. w.), 
welche Aldus in 2 Banden 1400 gedruckt hat. 

Suidas, Lexicou« Mailand, herausgegeben ton Dem. 
Ghalkondylas 1490, — derselbe Yen. Aldus 1514. 

IHo$€9riie$^ Materia med., nebst des Jiitanief Alesi- 
pharataca u. Theriaca, gr.> Yen. Aldus 1400 f. — Eine 
zweite (höehst seltene) Ausgabe des Dioseor. Ton Hieron. 
Roscint zu Yen. 1518> 4. — Eine dritte ^on Joh. Cor-* 
aar zu Basel, gedr. ir. Bebel 1520. — fiäne vierte t gedr. 
und mit der lot, Version und Commevtarien Ton Mar cell, 
Yergilius, Göln, tou Joh. Soter 1520. 

Cehes, Tabula, Yened. GalUerges 1500. 

Orphmtö, Argonautica» Florenz Junta 1500^ 

Proclus Lydiu$, Hymni lY., Flor. Junta 1500. Yen, 
Aldus 1517. 



79 

aus im Bafl«ler Druckereien hervorgingen, mlisaen hi«r 
ttbergangeitt bleibe, desgleiclnn auch die der grieeh. 



Quinius Caläber cum Colutho et Tryphiodoro, Ven. 
Aldas s. a, (circa 1500.) 

Herodotus, Ven. Aldus 1502. — Derselbe keransg. 
Ton Joacb. Gamerariu9» mit Anmerkungen und 2 Büchern 
des Gemisthus Pkthon, Basel 1541. 

SQpbock^f Tragoed, VD, Ven. Alda$ 1502, -* Florenz 
Ton Ant. Francini, Junta 151$, )£i28, -^ Paris, Coli«aeus 
1527, -— mit Comment. ijon J. Q9,mtmvih Hagenau 1^30. 

Tkuegdides, Ven» Aldus 1502. Derselbe Florenz 
Junta 1516. 

JuUus PolltJLX, Oniomasticon, Ven. Aldus 1502, ^^ Flo- 
renz Junta 1520. 

Siephanns Byzantin., de ürbibus, Ven.Aldn» 1502. 

Philostratus, Tita ApoHonii Tyan., Ven. Aldus 1S02, 

Eur^des, Tragoedia XVIJ., Ven. AI du» löfild, Basil. 
Heerwagen 1537. Dessen Hecuha und Iphigcnia in Anlis^ 
Löwen Martin 1520. 

Herodianm, \ea. Aldus 1503, _ Löwen 1525. 

Demosihenes, Orationes L. XXIL, mit dem Libanius, 
Ven. Aldus 1504, — dieselhen Basel Heerwagen 1582 f., 
— desselben Qraliones OljBtkiacae und andere, tod Me- 
lancbthon keransgegeben mit der lat Uebersetzuiig, Witten- 
berg Lotter 1521» 1526, -^ dieselben Piuis 152a 

J^tareki Qpt&cula moralia, Ven. Aldus 1507, — 
dessen Schriit de puerorum educatione wurde sohon früber, 
wahrscheinlich Tor 1500 s. |. et a. (zu Rom) gedruckt. 
Dieselbe zu Göln TOn Ikiokar. GerTicornn 1519, — Piu- 
tarcM Vitajß parallelae, Florenz Junta 1517 f., *^ Ven. 
Aldus 1519 f., Basel Cratander und Bebel 1533. 

HeAiQduSy Opera, Paris t. Aegid. Gourmont 1507, -— 
Florenz Ph. Junta 1517, -^ dessen Opera et Diee, gr. lat. 



80 

Kirchenväter und der Byzantiner. Ich wiederhole e», 
von Vollständigkeit kann in diesen Angaben der Editiones 



herausgegeben von Otm. Nachtigall, Strassburg Knob- 
lanch 1515. 

Khetores veter es Graeci, Ven. Aldus 1508, wieder 
1509, 1513, 1523 fol. 

Crnomici poetde Graeci, collect! a Fr. Tissardo, Paris 
Goarmottt 1507. 

Gnomologia, continens Theognidem, Pythagoram, Pho- 
q/lidem, Paris Bolsec 1512. 

Dionysius Halicamass., Ars rhetorica, Aldns 1506. 

Pindar, Yen. Aldus 1513, -^ Rom Galliergi 1515, 
— Basel Gratander 1526. 

Plato, Opera, Vened. Aldus 1513 f., — Basel, mit 
d. gr. Gomment. des Proklus bei J. Yaider 1534, — 
der Timaeus, Paris Chr. Wechel 1532, Craiylus Lö- 
wen 1523, Paris Gourmont 1527. 

Xenophon Atheniens., Opera, Florenz Jnnta 1516, 1527, 
besser von Aldns 1516 (Panzer führt als editio prineeps 
eine Aldina von 1503 an, wohl irrig).. 

Besydiius, per M. Musurnm, Yen. Aldus 1514. 

Dionysius Periegetes, Yen. Aldus (mit Pindar) 1503« 

Pausanias, Yen. Aldus 1516. 

Slrabo, Yen. Aldus 1516, mit sehr fehlerhaftem Text; 
mit verbessertem gab ihn zu Basel Proben 1533 heraus. 

Äesckylui, Tragoed. YI, Yen. Aldns 1518. 

Athenaeus, Yen. Aldus, durch M. Musnrus 1514. 

Oppianus, Halieutica, Florenz Junta 1518. 

Aphlhonius, cum Hermogene, Flor. Junta 1515. 

Libanii Opuscula, Ferrarae 1517. 
• Aeschines, Orationes, Hagenau 1522, — Paris 1531. 

Diogenes Laertius, de placit. Philosophor., Basel F ro- 
hen ius 1533; in lateinischen Yersen hatte sie ein L. Lip- 
piua schon 1470 in Golle bei Florenz heransgegeben. 



81 

principes Graeconim durchaus nicht die Rede sein; sie 
liegt ganz ausser dem Zweck und den Grenzen dieser 
Blätter. Nur bei einigen Autoren mögen auch spätere 
Ausgaben bis zuifa Anfang des 4. Decenniums des 16. Jahr- 
hunderts hier eine Stelle finden. 

Auch die Geschichte, sowohl die allgemeine der 
Staaten, als die einzelner Völker, Provinzen, Städte und 
Regierungen, aus der älteren und ältesten Zeit, wie ins- 
besondere im Mittelalter, fand in dieser Periode mehrere 
und zum Theil tüchtigere Bearbeiter, als in jener licht- 
.scheuen und trostlosen Zeit, die nach dem Verfall des 
römischen Reichs und während der Gothen- und Vandalen- 
herrschaft über das Abendland hereingebrochen war, uud 
unter der späteren Garolinger- und der schwäbischen Kai- 
serzeit nur sehr langsam und mit Mühe einiges Licht und 
geistiges Leben aus den für Wissenschaft und Kirchenlehre 
errichteten Studienanstalten zu gewinnen begonnen hatte. 
Wenn auch schon in der ersten Hälfte des Mittelalters ein 
reger Fleiss ftir das Aufzeichnen der Zeitgesdudite oder 
der sogenannten Chroniken (von denen nadiher) yorzfiglich 
unter den Clerikem sich auszeichnete, so waren die Frttdite 
desselben doch keine eigentliche Geschichte im strengem 
Sinne dieses Wortes, sondern nur mehr oder minder werth- 
Tolle Materialien zu einer solcheni ; und — was bei weitem 
das Schlimmste war — die allermeisten dieser handschrift- 
lichen Chroniken blieben in den Schreinen der Klöster 
oder einzelner Fürsten und Privaten unbenutzt verborgen. 



Euclides, Elementor. libri XV» Basel, Heerwag. 1&33. 
Diodorus Siculus, herausgegeben von ObsopOus» 
Basel, Oporin, 1539. 

6 



82 

Nur erst, als sie dttreh die erfuAde^e Bockdruckerkust 
— * xun Theil wenigsteiis — aus diesen Fesseln erlöst und 
der Oeffentlichkeit als Gemeingut übergeben wurden, ent^ 
wickelten sich aus ihrer Herausgabe die guten Früchte, 
die sie für Wissen und Leben und Handeln der Regie* 
renden, wie der Regierten brachten, mit überraschender 
Schnelle. Zugleich wurde durch Aeik Druck dieser WeAe 
das SQ tief gesunkene Studium wahrer Geschichte allge-* 
meiner und fruchtbringend angeregt , und dadurch ent- 
standen auch schon von den letzten drei Decennien dea 
lä. Jabiiiunderts an gründlichere und zuverlässigere Bear- 
beitungen desselben, wie sie seit den besseren römischen 
Historikern nicht mehr vorgekommen waren. Freilich 
konnte es dabei nicht fehlen, dass auch noch theils das 
Ghronikenschreiben mit seinen Gebrechen sich unt» den 
eigentlichen Geschichtswerken fortgesetzt im Schwünge 
erhielt und mehr oder weniger in Stil und Haltung mit 
letzteren zusammenfloss , sondern dass auch Legende 
oder fabelhafte Tradition, Dichtung und Romantik 
sich mit der Geschichte mischte und jene grosse Zahl 
von gereimten und ungereimten Sagen, Ritter* und Helden- 
geschichten und Romanen und abenleu^dichen Mährdien 
aller Art h^rorbrachte , an denen das lä., 16. und 
17. Jahrhundert so reich waren. In der jetzt folgenden 
Uebersicht des Bedeutenderen, was die Dmclq»resse des 
15. Jahrhunderts und bis 1&20 (denn nur von den in 
diesem Zeitraum gedruckten Schriften kann auch 
hier die Rede sein) auf diesem Felde lieferte, werde ich 
daJier dies^ Productionen aus dem Gebiete der profanen 
Legenden, der Rittergeschichten und Halbromane mit 
geschichtlichen Grundlagen (von denen nur die wenigaten 



83 

ai^egeben werden konnex) von den spafsameren Lei- 
stun^n in der wirklicheD Gesekkkte nicht durcb eine 
scharfe Abgrenzan^ trennen kfiniien. 

Abgesehen fiirs Erste von den eigentüchen Chroniken^ 
von denen einige unter diesem Titel schon im 1&. Jahr-^ 
hundert gedruckte auch schon von hohem Alter sind 
(und von denen ich nachher die mir bekatmt gewordeBfan 
namhafteren derselben in einer besonderen Uebersicht 
zosammenstellen ivill), dürften — so viel ich ermitteln 
konnte — flir die Geschichte des Abendlandes, nach 
Roms Fall, neben und nach dem viel älteren Eusebins, 
Paulus Orosius (s. nachher, bei den Chroniken) und 
neben Beda's (starb im Jahr 735} Sdurjfi (s. neiter 
unten), folgende als die ältesten gedruckten Werke anf*- 
zttftihren sein: 

Des S. Georgii Florentii Gregorii, Episcopi 
Turonensis (starb im Jahr 595), „Historiae Francoram 
libri X'S zuerst sine loco gedruckt 1500; dann in seinen 
,, Opera**, cora Guil. Parvi, Paris 1512; sodann des 
bekannteren Paulus Warnefried Diaconus (häufiger 
Mos Diaconus genannt) „Historia miscell/S als Fort- 
setzung des Eutrop, von ihm unter dessen Namen ge- 
schrieben (gedruckt zu Rom 1471, au Mailand mit dem 
Sueton U.A. 1475), und Desselben grösseres und bes- 
seres Geschichtswerk „de gestis Longobardorum**, mit des 
noch älteren Jordanis „ Historia de Getarum s. Gethomm 
origine'S erst 1515 in Augsburg gedruckt« ^ Eginharts 
(wenn dies W^erit anders von ihm ist , was sehr bezweifrit 
wird) „Annales regum FrajKorum'S und Desselben 
mehr authentische „Vüa et gesla CaroU Magni", von Herm. 
Graf v. Neuenaar heraasgegeben , druckte Joh. Soter 

6* 



84 

zu Göln 1521. — Des Klostergeistlidieii Wittichind 
zu Gorvey (lebte um 1004) ., Aunalium libri III '' erschienen 
erst 1532 zu Basel. — Der Mönch Aynion Floriacensis 
(starb 1002) schrieb „Historiae Francorum libri IV '% die 
auch erst 1514 zu Paris von Badius Ascensius gedruckt 
wurden. Der Gleriker Lambertus von Aschaffen- 
burg (lebte 1077) schrieb eine nicht unwichtige „Ger> 
manorum historia'S die erst 1525 durch Philipp Melanchthon 
herausgegeben wurde. — Otto von Freisingen, Bischof, 
aus dem Hause der Markgrafen von Oesterreich (starb 1158), 
Verfasser einer sehr beliebten Weltchronik (man sehe 
weiter unten) » fugte zu dieser auch ein besonderes Werk: 
de gestis imperatoris Friderici I., welches mit jener (ihronik 
erst 1510 von dem fleissigen Historiker Joh. Guspi- 
nianus zu Strassburg (Drucker IVIath. Schur euer) 
herausgegeben worden ist. — Des Süxo Grammaticus 
(starb 1204) „Historiarum Danicarum libri XVI 'S ein Werk 
ohne alle historische Kritik und Fides, welches von einem 
König Danus als Zeitgenossen des Königs David von 
Israel anhebt , wurden von^ Ghrist. Petri zu Paris 1514 
herausgegeben, gedruckt von Badius Ascensius. — 
Vorzügliche Berühmtheit erlangte das Spectdum Historiale 
(eine Uebersicht der Wdtgeschichte) des gelehrten und 
auch etwas natur- und arzneikundigen GlerikersV ine enz 
von Beauvais (s. Beliovacensis , starb 1264), das schon 
1473 von Mentelin zu Strassburg, zu Vened. 1483 von 
Herrn. Lichtenstein von Göln, und öfter gedruckt 
wurde. — Der Erzbischof zu Florenz, Antoninus 
(starb 1450) verfasste mit mehr Gläubigkeit als Geschichts- 
kenntniss: „Tres Partes historiales, sive Ghronicon tri- 
partitum'S das zu Vened. 1480, zu Nürnberg, A. Ko- 



85 

biirger, 1484, in 3 Bänden gedruckt wurde. (Der Erzbischof 
Antonini T^ar ein grosser Polygraph, aber mehr in der 
Theologie, in der besonders seine Summae theologicae 
und sein Gonfessionale grosse Berühmtheit erhielten, und 

in einer Menge von Ausgaben seit 1472 gedruckt wurden. 

> «... 

Sein historisches Werk ist mehr nur eine gewöhnliche 
Chronik , ohne eigene Kritik , wenn auch nicht ohne Gelehr- 
samkeit.) — Von grösserem historischen Werthe, zum 
Theil noch jetzt als ausgezeichnete Qudlen zu benutzen, 
sind folgende Werke : des (scho^ oben angeführten) gelehr- 
ten und geistreichen Papsts, Aeneas Sylvibs (Pius II.), 
„Historia rerum ubique gestarum'' (zuerst gedruckt zu 
Venedig von Johann von Göln und Manthen^von 
Gerresheim 1477), dann Dessen „Historia Boemica'S 
Rom 1475, und Dessen Schrift ,4nEuropam'' i. e. rerum 
gestarum sub Imperatore Friederico m. in Germania , sine 
loco et anno (muthmasslich zuerst in Venedig, dann von 
Alb. Khunne in Memmingen 1488 gedruckt); des Dichters 
Petrarca „Liber rerum memorandarum'S Vened. 1483 
(Göln, Arnold Therhoernen s. a.), und Dessen „libro 
degli uomini famosi '' (Verona 1476) , sowie seine seltenen 
„Vite dei Pontifici ed Imperator! Romani*' (Florenz 1478); 
sodann des Leonard Aretinus (von Arezzo, als Histo- 
riker eben so ausgezeichnet, wie als Philolog und 
Dichter, starb 1444) Werk „De beUo italico adversus 
Gothos'' (Foligno, gedruckt von Emil de Orsinis und Jo. 
Neumeister teutonicus, 1470, Venedig von Nicol. 
Jenson, 1471), dann seine vorzügliche „IstoriaFiorentina'' 
(Venedig, Giac. deRossi, 1476, Florenz 1492), und einen 
„Libellus de temporibus suis'' (Vened. 1485). Noch be- 
rühmter und häufiger gedruckt wurde des Historiographen 



86 

wU Secretarlts apostoL Joh. Franc. Poggio aas Flo- 
reaz (starb 1459) „Historia Florentina'S ins ItaUemscke 
übersetzt von seinem S(^e Jacob Poggio (Venedig 1476, 
«nd lateinisch auch in den Opera Poggii, Lngd. 1497)*). -— 
Ein tüchtiger und flelssiger Historiker in Venedig wair 
Anton Goccus Sabellicns (starb 1506), Historiograph 
der Republik Venedig. Er schrieb Decades rerom Vene- 
taram IV (Vened., A&ula, 1487, italienisch übersetzt von 
Matheo dl San Ganciano s. a.), ferner „de sitn nrbis 
Venetae'S und „de yiris illnsiribtts libr.UI'' (Ven. 1498), 
dann eine Geschichte der alten Welt: „Enneades ab orbe 
condito, usqne ad inclinationem in^rü romani. Vol. III'' 
(Ven. 1498), auch „de vetustate AquUejensis patriae", 
deren Pars I Ghorographia tiberachrieben ist (Ven. 1498). 
Er war anch guter Philolog and schrieb „ Emeadationes 
in Plinium, die mit des Phil Beroaldu$ Annotationes 
in Plinium u. a* in Venedig s. L et a. gedruckt wurden. — 
Der als gelehrter Ar^t und als Zergliederer ausgezeichnete 
Aletander Benedictus in Venedig gab „Diaria de 
hello Garolino, quod Garolus VIII. R. Gall. inItaliagessit'S 
in Vened. 1496 heraus. -^ Werke ttber die Geschichte 
Frankreichs und Spaniens im Mittelalter wurden theüs 



*) Vob demselben Franz Poggi, der sich «ach durch 
seine merst in Venedig Ton Vindelin de Sp. 1471 gedruckten 
und dann in einer ungemeinen Menge yon Ausgaben in Italien, 
Deutschland (seit 1475), Frankreich u.a. wiederholten „Fa- 
cetiae" als humoristischer Dichter und Philolog einen Namen 
gemacht hat, ist auch eine „Descriptio tndiarum occidentaV^, 
Venedig 1494, und eine merkwfirdige Epistola de motte Ate- 
rowymi PragensH, ad Leon. Aretinnm s. 1. et a. im Druek 
lüriumdeMw 



87 

HHler dem NaM^n Giiroiiiques (vott dewra MMJiher) noch 
iB je^m Periode, ^ssteblheMs erst viel später^ einzeln 
od^ in grdAs^en Sammlungen zum Ditidt gebmcht ; viele 
dieser aben Gbroniken liegen noch ungedruckt in den 
jp^liotkeken und Kb^stem. Dasselbe gilt you allen den 
irrigen Geschiclitswerken aus und über I>entsdiland , die 
Niederlande, die nordis<;hen Länder vl h. ir. aus jener 
Periode, so viel deren nicht schon in dem Zeitratnne , auf 
lYeichen idi mich hier zu beschränken habe, gedruckt 
worden dind. Von den sehr wenigen in diesem Zeilranme 
nicht unter dem Namen Chroniken gedruckten historischen 
Werken weis» idi nur ztt n^inen : Luitptandts, Biediois 
zu Gremona (zwischen 960--- 70), yorzäglich brauchbares 
und geschätztes Werk: „Läbri VI rerum gestämm ab 
Europae b^>eraUH'ibus et Regibus , Ipaius praeselrtin. tenif 
pore'S gedruckt von Badius Ascens. in Paris 1514; — dam 
des Ladislaus Sunthaim „ Kloster -Neuburgisdie Gre<^ 
Schichtstafeln von den ersten Ostreichischen Markgrafen 
und Herzögen'' (Basel 1491) ; — des Matth. Palmeiritts 
aus Pisa (starb 1483) Opus „de lemporibus suifr'S mit 
des Eusebitts Ghronicon, Vened. 1488, von Radtelt gedruckt 
(eine Fortsetzung seines Ghronicon); des gddirten Cardinal 
Jacob Piccolomini (starb 1479) „Rerum sno. tempore 
gestarom Cononentarii 'S mit dessen „Epistolis", Mailand 
1«^06, ttnd die „Memoires de Messire Phififfie de Comtties'' 
(starb 1509), l 1. Vm, wichtig für die fransüsische Ge- 
schichte von 1464—1490 unter Ludwig XL und: Karl VHI. ~. 
Auch dei» treflüchen Gonr. Peutinger historische Schrift 
ten, besonders seine „Sermones Crnkvivak» de miifandis 
Germanor. antiquitat., Strimb. (Priiss> lö06, irerdicpell 
hier eine Stelle. -— 



88 

Mit besoaderer Vorliebe hatten sich sehoa seit Karis 
des Grossen Zeit mehrere Geschichtschreiber mit der Er« 
zäMung des Lebens nnd derThaten der ^dentsclien Kaiser 
beschäftigt, nnd von diesen Biographien wurden, anch ** 
einige noch im 15. Jahrhundert gedruckt , die meisten yiel^ 
später in Sammlungen, worüber das Köler - Hambergisch«L 
Directorium nachgesehen werden kann. Eginhardts oder 
Einharts Leben Karls des (Crossen (siehe oben), und 
Don Acciaoli von Florenz (starb 1473) Vita Garoli M., 
Rom 1470 Yon Schweynh. und Pann., sind unter den vielen 
Biogra^diien dieses Kaisers die einzigen in dieser Periode 
gedruckten. -^ Des Kaisers Otto des Grossen Leben 
und Thaten besang in lateinischen Versen die Klosterfrau 
Hroswith^ (Helena von Rossow) in Gandersheim 
(um das Jahr 980) in ihrem „ Carmen de gestis Ottonis M.'% 
welches der berühmte Conrad Geltes zugleich mit den 
von derselben geistreichen Nonne in lateinischen Versen 
dem Terenz nachgebildeten sechs Lustspielen (ihre Namen 
sind : 1) Gallicanus, 2) Dulcitius, 3) Callimachus, 4) Abra- 
ham, 5) Paphnutius, 6) Fides, Spes et Charitas, und ihr 
Zuschnitt ist, wie Koch treffend sagt , ganz klostergerecht) 
und einer andern kleinen Schrift von ihr , aus der St. Em- 
meranschen Handschrift , im Jahr 1501 zu Nürnberg 
h^ausgab. — Das Leben Kaiser Heinrichs IV., von 
einem ungenannten Zeitgenossen lateinisch beschrieben, 
liess der baierische Geschichtschreiber Johann Aven- 
tinus (Verfasser der geschätzten Annales Bojorum, 
in Nürnberg in deutschem Auszug gedruckt 1521) in 
Augsburg 1518 drucken. — Ein vorzüglich geliebter 
Gegenstand historischer — mitunter auch etwa dichteri- 
scher — Schilderung wurde das thateureiche Leben Kaiser 



89 

Friedrichs I. Barbarossa und seiner Feldzüge in Italien 
und im gelobten Lande. Nächst der schon oben erwähnten 
Biographie desselben von Otto von Frei singen, und 
ei|ier andern , von einem Unbekannten geschriebenen , sehr 
lilten ;*oIme Jaht*szahl und Ortsangabe gedruckten „Historia 
Priederici Imp. Magni " (welche sich auf der Universitäts- 
bibliothek zu Göttingen befindet, und aus dem Ghronicon 
Abb. Urspringensis compilirt ist, wie Hamberger sagt), 
wurden auch von Burkard von Biberach (Hist. Fri- 
derici I., Augsburg, gedruckt im Kloster von St. Afra 
gegen 1470), dann von Radevich, Ganonicus in Frei* 
singen (de rebus gestis Friderici I., als Fortsetzung des 
Ghronicon von Otto Frising. herausgegeben von Guspi- 
uian, Strassb. 1515), und von einem Mönch Günther 
(um das Jahr 1208) in einem lateinischen Epos .Mgurinus*" 
oder die Feldzlige Friedrichs in Oberitalien, in zehn Ge- 
sängen, 'von dem berühmten Peutiuger herausgegeben 
(Angsb. 1507), derselbe Gegenstand bearbeitet — Noch 
gehört hierher eine deutsche (vermuthlich nicht streng 
historische) Schilderung der Feldzüge dieses Kaisers , von 
einem Ungenannten: „Friedrich mit dem rothenBart, wie 
er Rom stört, Venedig bekriegt, und das heilige Grab 
genommen hat, zuletzt im Termodon ertrunken**, welche 
zu Leipzig s. a. (gegen 1493) gedruckt wurde. Viel 
Mehreres noch über diesen Kaiser und insbesondere %üt 
V Geschichte seiner Kreuzzüge wurde in einer nicht kleinen 
Zahl vonGhroniken aus jener Zeit, und in den besondem 
Schriften über die Kreuzzüge erzählt, und von diesen 
letzteren sind auch einige schon im 15. Jahrhundert ge- 
drückt forden; so namentlich die „Historie von der Kreuz- 
fahrt nadi dem heiligen Land und dessen Einnahme^*, 



80 

Augsburg 1482, Yon Hans Bämler, daim „Gottfried von 
BottiUon'S Augsburg, Bämler 1482, welches vielleicht eine 
Uebersetzusg eines englischen Werkes: „History of Godfrey 
of Boulogne'S Westminster , gecfa-uckt von Gaxton 1482« 
ist, worüber ich ungewiss bin. Diese englische lUirift 
wurde auch ins Holländische (Harlem 1486) und Frao^ 
zOsische (Paris 1500) tibertragen. Später erst (1525,- läS2) 
wurde des Benedict Accolti (starb 1466) zu Florenf, 
vollständigeres Werie „de hello a Chrisüanis contra harr 
baros gesto pro Christi sqwlcro, libri VI 'S zu Venedig 
gedruckt. -- Auch die Geschichte der Zerstörung Troja's, 
durch diese Kreuzzüge wieder lebendiger in die Erinnerung 
gerufen, wurde jetzt Gegenstand neuer — freilich weder 
rein historischer, noch auch poetischer — Schilderung. 
Die Hauptschrift hierüber ist des Guido (oder wie ihn Koch 
schreibt: Hugo) de Columna von Messina „Historia 
Trojana, s. destructionis Trojae'S ohne Ort und Jahres- 
zahl , wieder gedrudit in Löwen s. a. , auch ins Spanische 
übersetzt, Toledo 1512, Sevilla 1519. Von diesem Werk 
erschien eine deutsche , freie Bearbeitung , als deren Ver- 
fasser von Gräter ein gewisser Job. Jair von Nord- 
lingen (1392) angegeben wird, unter dem Titel: „£ine 
schöne Historia, wie Troja, die köstliche Stadt, zerstört 
ward, Augsburg 1474, 1488, Strassburg 1489. — Roman- 
tisirte Geschichte enthalten die Schilderungen der Thaten 
des Ritters Bertrand du Guesclin (le livre des faits 
d'armes de B. du Gu., mit Abbildungen, s. 1. et.a., ver- 
muthlich zu Lyon, zwischen 147A— 80), des Ritters Gue«« 
ritto detto il Meschino, und eingewebt die desKaiseM 
Karl (il libro de Guerino etc., Padua 1473, Boiog«a 147d, 
Venedig 1477 und öfter, vidmehr eine Art von Romaii), 



91 

und die ,,schtoe und kurzweilige Historie der Herzoge 
LeopcAd und '«eines Soluies, Wilhelm von Oestreich , Augs- 
burg 1487» nebst einigen ähnlichen, die ma« i& Kochs 
Geschichte und litteratur der Deutschen verznchnet findet. 
Dieses fuhrt mich auf die sehr zahlreichen, in jener 
Periode yerfassten romantischen Erzählungen, 
Rittergeschichten, Sagen u. s. w. Von dieser Gat-* 
long waren viele -— zumal die eigentlichen Ritterromane — * 
vielmehr reine Dichtungen (wie z. B. schon die Helden- 
geschichte Karls des Grossen von dem sogenannten 
Stricker, worüber man Koch nndv.d. Hagen a. a. 0« 
nachsehen mdge), andere mehr Halbromane, deren 
auch verschiedene schon im 15. Jahrhundert gedruckt 
wurden. Unter dieser Gattung wurden vorzüglich beliebt 
und oft gedruckt zwei unter gleichem Titel verfasste, auch 
sich sehr verwandte, aber doch verschiedene Bücher, 
nämlich erstlich das Buch, welches ein niederdeutscher 
oder niederländischer Anonymus in lateinischer Sprache 
unter dem Titel „Gesta Romanorun, cum applicationibus 
rooralisatis et mysticis'S geschrieben hatte, and dessen 
älteste Ausgaben die zu G0ln gedruckt von Ulr. Zell 
gegen 1472, zu Utrecht ohngeilAr gleichzeitig von NiooL 
Kettelaer und G. de Geempt, und in Löwen um 147& 
gedruckt von Joh. von Westphalen gewesen waren. Das- 
selbe Werk, an sich von geringem und durchaus nicht 
wahrhaft historischem Gehalt, wurde dann noch oft (von 
1480—1500) in Gonda, Hasselt und andern niederlän-^ 
diseben Städten, auch in Strasäinrg und Paris (1499). 
gedruckt» In Augsburg kam im Jahr 1488 oder 89 eine 
deutsche Uebersetzung desselben, gedruckt von Han^ 
Schobsek , heraus (», das Buch Gtesta Romanorum , von den 



, 92 

Geschichten oder geschehenen Dingen, geistlichen und 
weltlichen'')» eine holländische in Gonda(1481), inZwoUe 
(1484), und in Paris (Ant. Verard) 1480 eine französische. — 
Unter demselben Titel: Gesta Romanorum, kommt aber 
noch ein anderes, in Gehalt und Sprache jenem yer-» 
wandtes Buch vor, welches gleichfalls in lateinischer 
Sprache und in Prosa ziemlich gleichzeitig in Druck erschien, 
aber auch eben so bald in deutscher Sprache und zwar 
in gereimten Versen gedruckt wurde. Dieses Buch, welches 
E. J. Koch in seinem angefangenen Werk (Bd.L S. 2äOflg.) 
mit seiner gewohnten Genauigkeit beschreibt, und von 
welchem auch v. d. Hagen und Bttsching in ihrem 
Grundriss zur Geschichte der deutschen Poesie S. 30S flg. 
handeln, ist kein anderes, als der erste Theil des unter 
dem Titel „Historia Septem sapientiumRomae*' bekannten 
Romans, der im 15. Jahrhundert und auch noch im fol- 
genden theils im lateinischen Text, theils und noch viel 
häufiger in der deutschen gereimten Uebersetzung sehr 
oft gedruckt wurde und mit dem grössten Beifall überall 
aufgenommen wurde, so dass auch bald Uebersetzungen 
in andern Sprachen folgten. Der deutsche Titel oder die 
Ueberschrift der ersten Seite dieses nicht ohne Witz und 
Humor geschriebenen Mährchenbuchs, das mit einer Ge> 
schichte nichts, nicht einmal die Namen gemein hat („ein 
römischer Kaiser Pontian hat einen Sohn Diocletian'' u. s. w. 
lautet der Anfang), heisst in den meisten Ausgaben „Historie 
von den sieben weisen Meistern''; doch hatte die älteste 
deutsche Ausgabe, welche in Augsburg von Bämler 1473 
mit Holzschnitten gedruckt wurde, den Titel: „eine gar 
schöne Gronik und Histori aus den Geschichten der Römer*'. 
Am Ende dieser deutschen Ausgabe nennt sich der Verfasser 



„Hans Dirnstein, der hat es geschrieben und gemacht, 
gemalt, gebunden und ganz follenbracht'' (d. h. er hat 
das Buch in diese Reime gebracht). In dem C4odex des- 
selben auf der Erlanger Universitätsbibliothek steht am 
Schluss noch: „das Buch ist geschrieben im Jahr 1476 '\ 
Diess kann aber nur das Jahr der Abschrift sein; denn 
ausser obiger altern Ausgabe sind auch noch andere im 
Jahr 1474 in Augsburg schon erschienen; dann meder 1478 
und s. a. Unter den französischen Uebersetzungen nennt 
es eine derselben (zu Genf 1492) audi auf dem Titel „ le 
Roman des sept Sages^'. Eine der ältesten lateinischen 
Ausgaben desselben s. 1. et a. ist vermuthlich in Göln von 
U. Zell gegen 1472, gewisser von J. GuldenshaiT gegen 1473, 
gedruckt; schwerlich später, weil schon 1473 eine deutsche 
Uebersetzung („eine gar schöne Gronik und Histori aus 
den Geschichten der Römer'', in Augsburg von J. Bämler 
gedruckt) erschienen ist. Auch andere Augsburger Typo- 
graphen, Ant. Sorg (1478 und 1480), J. Schönsperger 
(1481 und 86) u. A. druckten diese Uebersetzung wieder. 
Der Attsga)>en dieser beiden sehr verwandten historischen 
Romane , der ältesten ihrer Art in Deutsichland , sind über- 
haupt viele , und es ist wohl möglich , dass dieselben, neben 
einigen andern gleichzeitig erschienenen, eine vorzügliche 
Veranlassung mit zu den von dieser Zeit an zur Liebhaberei 
und wahren Modebeschäftigung gewordenen Productionen 
von allerlei abenteuerlichen Novellen, Zauber-, Liebes - 
und besonders Ritterromanen gegeben haben, aus denen 
dann nooli spätere Dichter und Romantiker gar manchen 
StoiT zu ihren Novellen, Mährchen und Balladen schöpften. 
Den Geschmack an solchen meist sehr hyperbolischen 
Dichtungen und Ritterromanen zum Preis ritterlicher Gross- 



94 

thaten oder auch des Minneglücks, zum Theil auf histo- 
rischer Basis, erzeugte, schon das Rittenreseit seit den 
12. Jahrhundert und die Kreuzztige, und nährten treu* 
Uch die Troubadours, Dichter der Helden* und Minne- 
lieder, und die Meistersänger jener Zeit. Das berühmte 
Heldenbuch, ein Kreis von Dichtungen Heinrichs von 
Ofterdingen, Wolframs von Eschenbach und mehrerer 
andern ritterlichen Sänger aus dem 13. und 14. Jahr* 
hundert, von welchem die älteste bekannte Ausgabe die 
in Augsburg s. a«, wahrscheinlich aber 1476 oder 77 von 
Günther Zainer, eine zweite von Hans SchOnsperger in 
Augsburg 14Q1 gedruckte ist, war eines der frühest im 
Druck erschienenen Werke der Art, wogegen das in 
neuester Zeit berühmt gewordene Nibelungenlied 
(Niffiunga*Saga), von einem Meisler Konrad v. Würz- 
barg auch im 14. Jahrhundert entweder allein, oder 
wahrscheinlich mit Andern gedichtet, wunderbar genug 
(mit Ausnahme einiger Stellen in des Wolfg. Lazius 
Werk de migratione gentium , Basel 1577) gar nicht fr^er 
als erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahriiunderts 
(durch Bodmer, und damals noch nicht vollständig) im 
Druck herausgegeben worden ist , und erst in der neuesten 
Zeit vorzü^ich an Fr. von der Hagen und Karl 
Simrock seine classischen Bearbeiter und Herausgeber 
mit der gelungensten Uebertragung in das jetzige Deutsch 
erhMt. Dagegen wurden eines der vorzüglichsten , ritter- 
lichen Dichter des IS. Jahrhunderts, Wolframs von 
Eschenbach, romantische Gedichte: Titmrell und 
Percival in Augsburg von Günther Zainer schon 1477 
gedruckt (sein Lohengrün , Otnit und Wolf Dietrich blieben 
dagegen bis zu der neuesten Zeit ungedrudit). Udier 



96 

König Artus und seine Tafelrunde erschien eine englische 
Erzählung („the life and acts of King Arthus, of his 
nobles knyghtes of the round table *S Westniinster, gedruckt 
von Gax ton 1485, und wiederum 1488 mit Holzschnitten, 
auch ins Französisdie übersetzt s. 1. 1400, und in Lyon 1496 
mit Abbildungen. Ferner der zu den Romanzen gehörige 
Ritterroman: Tristan, von Gottfried von Strass- 
bürg, und fortgesetzt von Heinr. von Vrieberg (von 
welchem mehrere deutsche Handschriften existireu), zuerst 
in französischer Sprache gedruckt (compil^ par Luee Che^ 
vaUer, in Ronen), und vermnthlich aus dieser französischen 
Ausgabe verdeutscht , in Augsburg , gedruckt von Schöns- 
perger 1498, mit Holzschnitten. £s' geht indessen aus 
den genauen Nachweisungen, die v. d. Hagen und 
Btisching in ihrem trefflichen Grundriss zur Geschichte 
der deutschen Poesie von der ältesten Zeit bis in das 
16. Jahriiundert geben, hervor, dass es zwei ganz ver- 
schiedene, romantische Werke unter dem Namen Tristan 
oder auch Tristran giebt, von denen das ältere nur von 
den vorhin genannten deutschen Diditem im 13. Jahr- 
hundert nach Thomas von Brittania in Reimen, 
ursprünglich wohl in englischer Sprache^ das andere etwas 
jüngere auch in Reimen muthmasslich von einem Filhart 
von Oberet oder (wie er auch geschrieben wird) Eylhart 
von Hobergin verfasst ist. Ob dieser Letztere ein Deut- 
seher oder wie v. d. Hagen annimmt, ein Franzose war, 
und ob also in diesem Falle jener zweite deutsche Tristan 
eine Uebersetznng der von jenem Filhart von Oberet ver- 
fassten französischen Bearbeitung des ahenglischen, von 
dem Thomas (Learmont, von Erceldone) in Prosa (?) 
geschriebenen Tristan war, ob endlidh jene französische 



96 

Ausgabe iu Ronen von 1489 diese Oberet'sche Travestirung 
enthält, oder (weniger glaublich) den andern älteren Tristan, 
ist noch ganz unansgemacht. So viel glaube ich indessen 
annehmen zu dürfen , dass diese beiden Tristane eigentlich 
nur zwei verschiedene Bearbeitungen ein und desselbeu 
ursprünglich englischen Tristan, den jener Thomas von 
Brittania (oder von Erceldone) im 13. Jahrhundert in Prosa 
schrieb, waren, so zwar, dass sowohl die ältere als die 
jüngere erst in Reime gebracht worden, die Augsburger 
deutsche Ausgabe aber (wie ihr Heransgeber, selbst am 
Schlüsse sagt) in Prosa aus der zweiten Bearbeitung 
gefertigt worden war. — 

Ausserdem sind hier noch von den im 15. Jahrhun- 
dert gedruckten ältesten Werken deutscher, französischer 
niederländischer und englischer Romantiker und Novellen- 
dichter aufzufliliren : das berühmteste Heldengedicht Lan- 
celot vom See, aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, wel- 
ches noch in den Heldenliederkreis der Ritter von König 
Arthurs Tafeirunde und des Graals (gleich den Romanzen 
des Wolfram von Eschenbach, Hartmann von der Aue» 
Heinrich von Ofterdingen , der Verfasser des Tristan, des 
Wigalois, des Iwain und des Gabain u. a. m.) gehörte, 
und welches von v. d. Hagen ohne hinreichenden Beweis 
dem Ulrich von Zaziehoven (Säbenhoven bei Koch) zuge- 
schrieben, von Koch ^er mit weit mehr Grund als das 
Werk eines französischen Dichters Arnauld Daniel, 
dessen Lancelot du Lac jener Säbenhoven nur über- 
setzt habe, aufgeführt wird. Von diesem französischen 
(Original-) Werk sind im 15. Jahrhundert drei Ausgaben 
erschienen, die älteste ohne Jahr und Ort in 3 Theilen 
(nach Hain druckte sie Ant. Verard zn Paris), eine 



»7 

z^aiCe Kum Theil zu Rmi, zuid Theil zu Paris 1488 (avec 
la quesle du St. fo aial 6t de la deiniöre partim de Table 
rottde), eine dritte und vollständigste in 3 Bänden zu 
Parts, gedruckt von Verard 1404 („Les merveilleux 
faitü et getits dn lioble et pnis^anl Cib^vaKer de Lancelot 
da Lac, compaignon de la table nnide'*). ^ Der ebeit- 
falls ursprünglich frsüizOsische Volksr^an, der viel später 
in denlscher Prosa ^ l^mmem 1535, und in deutschen 
Reimen ti»ersetzt, nnter dem 'Titel: die vier iHaimons- 
kinder, zu G^lu fuid Nürnberg, und in neuerer Zeit 
n^ch ^fter gedruckt wurde, ren dem franz. Ritter Reg- 
nault de Montaüban yerfassl (ifeshalb er anch von 
V. d. Hagen nicht richtig als IftiwiaU oder die Haiodoas- 
klnd^ angeflihrt mrd), erschiei|i . zuerst ohne Jahr und 
Ort mit der Abbildung der 4. Sfibiie des Herzogs Aymoiit 
von DordiOgne, dann zu Lyon 1493^ 1495, 1407. — UHüWir^ 
du vaiüafU diitülier Pierre e$ de la beüe Ma§nelone kam z« 
L;oH 1486, za Paris (Trepperei) 1402 und dßer heraus 
und wurde anch ins Deutsche übersetzt. — La Hi$Hma 
de li nobitiiäm AanmUi, Paris e Vienna, zu Treviso 
(Manzolo) 1482 gedruckt, wnfde auch in englischer lieber- 
Setzung von W. Caxton in Westn^inster 1485 imd i|i 
fr anzOiS] scher zu Antwerpen (Gerard Leen) 1487 gedruckt. 
Ob die erste in italienischer Ausgrabe das Orjgtual ist, 
bin ich ungewiss. — Das allbekannte Mäfarchen: die 
schöne Melusine, ursprünglich franzOsisdi -und von 
Thüring von Ringoltingen sekaif 1456 ins Deutsche 
tibersetzt, erschien auch früher im Druck als das fran«- 
zOsische Original, in jener Yerdentschung mit BenenniBig 
des Uebersetzers und d^n Beifügen: „wie Herr Joh. von 
Portenach srinem Gaplan bevalch, dieses Budi in fran- 



98 

zOsischer Sprach zu machen/' So in Augsburg, gedruckt 
von Ant. Sorg s. a. (gegen 1473), mit Holzschnitten da- 
selbst auch von Joh. Bänder 1474 und 78, in Strassbnrg 
s. a. un'd öfter. Auffallend ist es, dass die älteste fran- 
zösische Ausgabe desselben (in Lyon, Matth. Huss, gegen 
1476 — 78) auf der ersten Seite hat : roman tir^ du IcUin 
de Jean Arras. Hiertiber fehlt noch die Aufklärung. 
Andere französische Ausgaben erschienen theils in Lyon, 
theils in Paris. Auch eine spanische Uebersetzung des- 
selben in Tolosa (Juan Paris und Esteyan Gleblat, eiB 
Deutscher) 1485 mit Abbild. In Deutschland erhielt sich 
dieser Roman neben dem gehörnten Siegfried (aus dem 
14. Jahrhundert) vorzugsweise unter dem Volk in einer 
Menge von Ausgaben , ^och im vorigen Jahrhundert. — 
Die französische Novelle Pontusund Sido, deren Origi- 
nal (le leure [livre] de Pontus) s. 1. et a. (in Lyon?) 
gedruckt ist, wurde von der Erzherzogin Eleonore von 
Oestreich deutsch Übersetzt und in Augsburg 148& und 
1496 gedruckt. — Ecken Ausfahrt, zum Heldenbuch 
gehörend, wurde zu Augsburg (Schauer) 1401 gedruckt. 
— Ein mehr schon historischer Roman war die Burgun- 
dische Historie von Hans Erhart, ein Gedicht von 
Karls des Ktthnen von Burgund letzten Feldztigen, Strass- 
bnrg 1477. — Aehnlicher Art, doch mehr geschichtlich, 
war die Historie eines edlen Ftirsten, Herzog 
Ernst von Baiern und Oestreich, Augsburg Ant. 
Sorg s. a. (gegen 1474) mit Holzschnitten, auch in Strass- 
bnrg s. a. In einer zweiten und dritten Ausgabe (eben- 
falls gedruckt von Sorg in Augsburg s. a.) ist des 
Schildberger aus Mtinchen Beschreibung seines Zuges 
nach der Türkei mit einem Herrn Leonh. Reychentinger 



99 

im Jahr 1394, und des irländ. Abts Braudon Erleb* 
nisse beigefügt. — Der französ. Roman Fierabras, le 
geant, erschien in Genf (Adam Steinschaner ) im Jahr 
1478, in Lyon 1484 und 86, und wurde auch ins Italie- 
nische übersetzt, -r Apollonius Tyrius, auch eine 
Art Halbroman, wie es scheint, satirischer Art, wurde 
zuerst lateinisch gedichtet und schon vor 1471 als „Hi- 
storia Apollonii regis'' s. 1. et a. gedruckt. Dann folgte 
in Augsburg ein andrer Druck desselben von J. Bänder 
|478 mit Holzschn. Zwei andere Ausgaben folgten von 
A. Sorg in Augsburg 1479 und 80 mit Holzschn., und 
zwei zu Ulm 1495 u. 99. Es wurden auch 3 italienische 
Uebersetzungen, in ottave rime, gedruckt, 1488 (in Yen.), 
1489 u. 95 (in Mailand); diese letzte: „reformata per 
Paulo de Taegia''. Als Verfasser Idieses Romans nennt 
V. d. Hagen einen Heinrich von der Neuenstadt (in Wien, 
um 1400), was aber sehr in Zweifel zu ziehen ist, da 
dieses Buch offenbar zuerst in lateinischer Sprache ge- 
schrieben war. Andere romantisirte Geschichten und No- 
vellen, theils in gereimten Versen, theils in Prosa, hatten 
zum Gegenstand die Thaten Karls des Grossen, deren 
Säuger man bei v. d. Hagen und Koch zusammengestellt 
findet und von welchen die ältesten Drucke bis 1500 in 
Hains Bibliograph. Reporter, angegeben werden. Die 
wenigsten der deutschen Dichtungen zu Karls des Gr. 
Lob sind im 15. und 16. Jahrhundert gedruckt worden, 
die meisten erst in neueren Sammlungen. Zu den ältesten 
gedruckten dürften die „ Historie von dem grooten Koninck 
Garel und den Ridder Elegasf' in plattdeutscher Sprache, 
s. 1. et a., und die unter fingirten Namen parodirte Ge- 
schichte: „Altobello e t6 Trojane suo fratello'S Venedig 

7* 



fOO 

1476, Mailand 1488 o. fl^., gehören. (In einer Vke« 
tiner Ansgabe Ton 14M kehst dieser interessante Roman : 
„n libro delle battaglie de li baroni di Franza etc.''). 
Das öfter g'edmckte französ. Boek: „Les faits et gests 
de Gharlemagne, Roland et antres (Paris gegen 1490) ist 
ein blosser Roman. Geschichtücli ist dagegen die spani- 
sche „Historia de Emperador Gark Magno/' Barcellona 
8. a. (vermuthlich vor oder gegen 1496). — Noch er- 
wähne ich zweier halb romantisirter Gesdiichten, die da- 
mals yielBeükll fonden: der Geschichte Scanderbe g's, 
von einem Anonymus aus Epirns (wabrs<Aeinlich war das 
Original in griechischer Sprache geschrieben von einem 
Angenzengen) und von Ratdolt in Augsburg 1480 deutsch 
gedruckt, und die in französisdien Versen besungene 
Geschieht^ des Doolin von Mainz, unter dem Titel „la 
fleur de batailles d'Oolin de Mayence" (Paris Verard 
1501), welche in neuerer Zeit durch Alxingers trelT- 
lidies Dichtwerk uns wieder und anmuthiger vorgeführt 
worden ist und schon in jener frühesten Gestallung sich 
grosse Auszeichnung erworben hatte. 

Es gab wohl noch eine nicht kleine S^aar ähnlicher 
romantischer, mehr oder weniger mit Geschiditlichem ge- 
mischten, Gedichte, theüs in Prosa, theils in gereimten 
und ungereimten Versen, #Blche grossentheils schon in 
den ersten 50 bis 80 Jahren nach Erfindung der Bnch- 
druckerkanst gedruckt wurden, und unter diesen auch 
mehrere von der Gattung der erotisdien (doch immer 
züchtig, in ritterhaft ehrbarer, selbst mitunter in zärtlich 
empfindsamer Weise geschriebenen) Novellen, Liebesge- 
Bchichten n. d^. , al^r allermeist von allzugeringem 
Werth, als dass ihre Aufzeichnung hier Platz finden 



101 

könnte. (Mehrere der ältesten dieser Li^esromane irur- 
den schon im Jahr 1587 zu Frankfurt von dem Buch- 
drucker Feyerabend gesammelt und unter dem Titel: 
„Buch der Liebe, inhaltend herrliche schöne Historien, 
züchtigen Frauen und Jungfrauen, auch jedermann in 
gemeiA, zu lesen lieblich und kurzweilig'' herausgegeben. 
Neuere Sammlungen derselben hatten Du Fresnoy, Mül- 
ler, Gräter, Reiohard u. And. begoimen. Man sehe 
darüber Koch a. a. 0. Eine neue Ausgabe der besseren 
unter den ritterlichen Gedichten dieser Art darf mau von 
der grossen Thätigkeit und Kenntniss Karl Simrocks 
und der mit ihm dazu verbundenen Gelehrten erwarten. 
Es mag hier genügen, aus der Gattung der ritterlichen 
Romane, die einigermassen mit zu den erotischen gehör- 
ren, den alten ursprünglich französischen und vielge- 
lesenen Roman „Amadis von Gallien'' anzuführen, 
dessen Verfasser schon im 14. Jahrhundert gelebt haben 
soll und von Einigen (irrig) für einen Spanier Varco 
Lobeyra ausgegeben wird, und von welchem eine deutsche 
Uebersetznng zu Frankfurt 1523 zuerst erschienen, nach- 
her mehrmals wieder gedruckt worden ist. In Du'Fres- 
noys Biblioth. des Romans findet man nähere Nach- 
richten über das Original und seine Uebersetzungen. Auch 
verdienen noch Erwähnung des Hans von Ros^nblüth 
aus Nürnberg Novellen: „der König im Bad", Bamberg 
1493, „der Mann im Garten," ebendaselbst 1493, dann 
des Meister Heinrichs, Arztes, „Historie des Königs 
ApoUonius von Tyriandt", einer der am frühesten gedruck- 
ten und sehr beliebten Romane, Augsburg 1471 von 
Günther Zainer, 1476 von Bämler und öfter, nebst zwei 
lateinischen: „Über Elegiaruin de amcHribu« Ghrysee et 



102 

Philochrysi f*' Bologna Dr. Hector 1497, im elegischen 
Versmass, das uicht ohne dichterischen Werth sein soll, 
und die „flt«(ona Gryseldis^' (s. 1. et a., ob zu Lyon? 
vor 1496),* irelche später auch deutsch tibersetzt und 
selbst dramatisch bearbeitet wurde. — 

Ich ttbergehe die nicht geringe Zahl von sogenannten 
geistlichen Romanen und Legenden, romantischen Ge- 
schichten aus der Bibel oder aus andern geistlichen 
Schriften, Erzählungen und Dichtungen von Heiligen und 
Wunderthätem u. dgl. m. aus jener Zeit, die zum TheU 
recht seltsamer Weise mit sehr weltlichen Geschichten 
gemengt waren. . Nur einer dieser biblischen Geschichten 
in Reimen wiU ich gedenken, weil sie als die älteste 
aller gedruckten Dichtungen dieser Art, auch wohl als 
die jetzt seltenste , zugleich als eines der ältesten deut- 
schen Druckwerke gelten kann, wenn man die in den 
Schlussversen enthaltene Angabe des Albert Pfister 
zu Bamberg und des Jahres 1462 auf den Drucker und 
das Oruckjahr dieses Buches beziehen darf. Hierfiber bin 
ich nicht im Stande etwas zu 'entscheiden, weil ich jene 
Schrift jetzt nicht vor Augen habe und sie nur vor lan- 
ger Zeit einmal auf der Bamberger Bibliothek gesehen 
zu haben mich erinnere. Ich halte es indessen für nichts 
weniger als unwahrscheinlich, wenn auch die Sprache 
des Gedichts schon etwas mehr der des 15. Jahrhunderts 
sich nähert. Der dortige sehr sachkundige und verdieust- 
Yolle Bibliothekar, Herr Prof. Jäck, wird hierüber die 
beste Entscheidung geben können. Es ist dieses die 
„History von Joseph, Daniel, Judith und Esther,'' 
gedruckt (von Albert Pfister?) zu Bamberg (im Jahr 
1462?), mit 60 nicht schlechten Holzschnitten, eine Art 



103 

• 

Lehrg;edioht , das durch eine recht gute und natürliche 

Darstellung, wie durch den Wohlklang und leichten Fluss 

der Verse und Reime sich auszeichnet und besondere 

Beachtung verdient. Die Schlussyerse, die eine Probe 

des Ganzen geben mögen, lauten in folgender Weise: 

Ein ittlich (jeglicher) Mensch yon Herzen gert (begebrt). 

Das er wer weisz und wol gelert. 

An meister im schrift das nit mag sein. 

So knn wir all* auch nit latein. 

Darauf hau ich ein teil gedacht. 

Und yier historij zusammen pracht. 

Joseph, daniel un auch Judith. 

Und hestor auch mit gutem sidi (Sitz oder Fug) 

Die Tier het got in seiner hut. 

Als er noch yede guten thut 

Dar durch wir pessem unser leben. 

De puchlein ist sein ende geben. 

Gzu bambergk in der selbe stat. 

Das .albrecht pfister gedrucket hat 

Do mä zalt tausent un Tierhundert Jar. 

Im zwei und sechzigste das ist war. 

Nit lang nach sand walpurgentag. 

Die uns wol gnad erberben mag. 

Fried un das ewig lebe 

Das wolle uns got alle gebe. Amen. 

Wenn diese Schrift auch nicht von A. Pfister gedruckt 
sein sollte (was nur dann angenommen werden könnte, 
weim man jenes „Das'* anfangs der 14. Zeile. der ScUuss- 
yerse nicht auf das „puchlein'' beziehen, sondern als 
„wo'^ verstehen wollte), so ist sie doch sicher nicht viel 
jünger. Schon die Typen können hierüber näheren 
Aufschluss geben. — 



KM 

Ick teflasse dUese ronautischei^ Geschichtett unil Sa* 
gern aas jener alten Zeit*^), and irende niclt nookmals 
zn der Litteratnr der eigentlichen Zeitgeschieltte ans 
derselben frühesten ^Periode der Typographie, indem ich 
nun noch, meinem obigen Versprechen gemäss, eine lieber- 
sieht derjenigen mir bekannt gewordenen Chroniken 
und Annalen gebe, welche in den ersten 70 — 80 
Jahren nach der Gntenbergischen Erfindung oder bis 
gegen 1&2S gedruckt worden sind. Gern würde ich 
diesen Zeitraum noch um einige Decennien weiter yerlän- 
gern, wenn ich nicht erstens befürchten mttsste, diese 
Uebersioht dureh eine noch grossere Häufung von Bücher- 
titeln, die nicht für Alle Interesse haben, flir mehrere 
meiner Leser nur ermüdend zu machen, und wenn nicht 
wirklich schon nach den ersten Decennien des 16. Jahr- 
hunderts der Druck derein^selnen Chroniken und die 
historische Ausbeute aus ihnen, im Vergleich zu der viel 
grosseren Zahl der in den ersten 80 ^ 70 Jahren n. E. 
d. Bi, sehr abgenommen hätte, so dass erst wieder nach 
der Mitte des 16. und noch mehr vom 17. Jahrhundert 
an die jetzt von Mehreren veranstalteten und im 16. Jalir- 
buudert noch mit besserer Auswahl und Prüfung fortge- 



1 < H I I I I 



*) Eine vollstaiidigere Litteratnr dieser altdeutschen Ro- 
mane, Ritter- und Helden- und sonst anderer Gkdiohte wird 
man in des Hem Prof. Gervinus grossem und höokst Ter^ 
dienstvoUem Werk; Gescdyk^hte der deutodiea ü^ationallitieira- 
tor u. a, w., von weltfern bis jet^t der dritte Bsud erschienen 
ist^ erhalten. Auch in dem TonKarl Simrock und Frei- 
ligrath angekündigten historischen Werke über die alt- 
deutschen Dichtungen darf man die reichste Ernte erwarten. 



lOi 

setzten Sammlungen von Chroniken eine grosse Zahl 
solcher aller Zeitgeschichtsbücher aus ihrer zom Theil 
mehriiundertjRhrigen Vergrabenheit ans Litht riefen. Solche 
Samminngen wurden b^anntlich fast* in jedem grosseren 
und kleineren Staat, ja häufig flir einzelne Provinzen und 
Städte, von tfichtigen Historikern unter den Titdn von 
„ Scriptores remm Germanicar. , Francor. , Ualicarup 
ete/' oder „Corpus scriptorum historiae etc/' oder „An- 
nales, Mottumenta histor. '^ u. a. m. veranstaltet, und in 
ihnen tnurden ausser den schon früher gedruckten Chro- 
niken auch in noch grösserer Zahl die bis dahin noch 
ungedruckten aufgenommen, wodnrch der Geschichte der 
grösste Vorschub geleistet wurde, Nodi immer fehlen 
aber in ihnen mehrere Chroniken , deren Dasein man 
wohl kennt, die aber nodi unbenutzt in ihren Handschrift^ 
ten in verschiedenen Bibliotheken liegen und deren Werth, 
nach einzdaen darüber gegebenen Nachrichten, zum Theil 
nicht geringer sein dürfte, als der vieler bereits durch 
den Druck bekannt gewordener. Nur über ItüUen dürfte 
anter den historischen Sammlungen Muratori's grosses 
Werk: Scriptores rtrum Italicar. eta, wie das grtfssta, 
80 auch das vollständigste sein, so wie über die hrann- 
sehwdg«- hannoverschen Lande Leibnitz's Scriptores 
rerum Brunsvic. vol. HI, während in den vielen älteren 
Sammlungen von deutschen Chroniken und Geschichts- 
büchern, durch Meibom, Goldast, Freher, Menken, Eccard, 
Schard, E. J. de Westphalen, Hier. Pez u. m. And. 
doch noch viele jener alten Chroniken fehlen *). Um so 



*) Eine Uebersickt der grossen Masse deijenigei alten 
GesoUchtsbifdier, Ghrouiken, Annalen n. s. w., welche bis 



i06 

schätzbarer sind daher die Bemühangen einiger neueren 
Geschichtskundigen unseres Vateriandes, auch diese bisher 
noch ungedruckten oder in Vergessenheit gekommenen 
Geschichtsbticher hervorzusuchen und mit sorgfältiger Kri- 
tik die besseren und ergiebigeren unter ihnen auch zur 
Oeffeutlichkeit zu bringen, und um so ^richtiger und ver- 
dienstlicher ist insbesondere flir die deutsche Gesdiichte 
im Mittelalter und der Vorzeit das Unternehmen eines un- 
serer gründlichsten und ausgezeichnetsten Geschichtsfor- 
scher, des k. hannOv. Archivars und Historiographen, 
Hm. Pertz, dessen „Remm germanicarom medii aevi 
(usque ad a. 1500) monumenta historica,*' durch die 
Sorgfalt, Genauigkeit und die acht historisdie Kritik, die 
in ihrer Bearbeitung hervorleuchtet, flir immer einen 
classischen Werth behaupten irerden. Auch in Frankreich, 
Italien, Spanien, England und den nordischen Reichen 
haben in neuerer Zeit geschichtskundige Männer für die 
Aufsuchung und Herausgabe solcher vorher noch nicht 
zum Druck gekommener alter Chroniken und Annalen 
Sorge getragen und dadurch die Kenntniss der Geschichte 
ihrer resp. Länder und Völker in jener altem Zeit sehr 
wesentlich gefordert. Irre ich aber nicht, so bleibt doch 
fMr diese Länder in jener Beziehung noch maache Lücke 



17S0 zum kleinem Theil separat gedmckt, zum grossem in 
Sammlungen und andern Schriften abgedmckt waren, kann 
man, wiewohl nicht ohne einige Mühe (weil eine vollständige 
Zusammenstellung der Sammlungen fehlt), sich in der Ham- 
bergerschen Ausgabe des Directorium Historicomm verschaf- 
fen. Die Sammlungen selbst, bis 1737, hat Fincke, dö ; 
nur fttr die Scriptores remm germanic., znsammöigestellt. 



107 

auszaMleii und noch manches alte Geschichtswerk aus 
seinem Verschluss hervorzuziehen. Eine speciellere Nach- 
weisung dessen, was in diesem Felde der historischen 
Litteratur bis jetzt in und ausser dem Vaterlande durch 
Sammlungen geleistet worden ist, und was noch vermisst 
werden dürfte, liegt eben so sehr ausser meinen Kräften, 
als ausser dem Zweck und den Grenzen dieser Blätter. 
Soviel ist gewiss, dass der immer fortgesetzte Fleiss und 
Eifer in der Aufsuchung, kritischen Sichtung und Heraus- 
gabe solcher mittelalterlicher Geschichtsbücher, bei allem 
dem Mühsamen, Schwierigen und oft sehr Unangenehmen 
und Ermüdenden, was solche Arbeit mit sich bringt, doch 
sehr lohnend und gewinnreich flir die Geschichte und ihre 
Aufklärung ist. Zwar haben diese Chroniken allerdings 
einen sehr ungleichen Werth, so wie denn auch ihre Ver- 
fasser — grOsstentheils Klostergeistliche, unter ihnen nicht 
wenige Prälaten, Bischöfe, auch manche Lehrer, Beamte 
und einige Aerzte — auf sehr verschiedenen Stufen von 
Kenntniss und gelehrter Bildung standen. Mehrere der- 
selben, zumal aus der frühesten Zeit, sind ohne alle hi- 
storische Kritik , selbst ohne Rücksicht auf factischo Er- 
weislichkeit und mit wenig Treue und Gewissenhaftigkeit 
in der Nacherzählung des Gehörten oder Gesehenen ge- 
schrieben; sie mengen Roman und Dichtung mit Wahr- 
heit, geben unsichere Traditionen, Legenden und offen- 
bare Fabeln flir haare Facta, und lassen Märchen aus der 
Rockenstube und abenteuerliche Helden- oder Wunder- 
geschichten unter wirklicher Geschichte mit fortlaufen. 
Dieses thun insbesondere mehrere derjenigen Chroniken, 
welche ihre Geschichte von Anfang der Welt oder wenig- 
stens von einer uralten heidnischen, d. b. fabelhaften 



108 

Zeit ber aid*aiigeii, worunter diejenigen noch am geniess- 
barsten sind, weiche für diese älteste Zeit ihre Erzäh- 
lung, neben der Bibel, aus alten römischen ( hochstselten, 
wenn jemals, ans einem griechisdien ) und byzantinischen 
Historikern abschrieben. Doch giebt es auch wiederum 
mehrere Chroniken, vorzüglich solche, die nur die Ge- 
schichte ihrer Zeit oder der nächstyorhergegangenen 
Jahrhunderte schrieben, welche von jenen Fehlem und 
Schwächen sidi ganz oder grösstentheils frei erhalten 
haben und welche — wenn ihnen auch der pragmatische 
Geist und Kunst der historischen Behandlung, wie Schmuck 
der Rede abgeht — doch das unverkennbare Gepräge 
der Treue, Genauigkeit und Zuverlässigkeit tragen, und 
die dadurch, dass sie die Begebenheiten einfach und 
ungeschminkt in ihrem wahren sachlichen (wenn auch 
nicht immer ursächlichen) Zusammenhang, obgleich mehr 
nur in der Form eines Tagebuches oder eines Jahr- 
buches, erzählen, einen wirklich historischen Charakter 
erhalten. Solche Chroniken sind von dem grOssten Werth 
flir die Geschichte, ja sie sind die wichtigsten, oft die 
einzigen Quellen filir sie und unschätzbar besonders für 
die des Mittelalters und auch noch des 16. Jahrhunderts. 
Dieses erkannten schon die Historiker dieser Periode, 
und 4aher veranstaltete schan im Jahr 1519 Job. Si- 
chard unter Mitwirkung Heerwagens zu Basel eine 
Sammlung von Chronographen, die älteste dieser Art. 
In der jetzt folgenden Zusammenstellung der mir 
bekannt gewordenen namhafteren Chroniken des Mittel- 
alters, welche bis zum Jahr 1525—1530 gedruckt wor- 
den sind, werde ich die chronologisdie Ordnung nach 
den Druckjahren, nicht nach dem Alter der Abfassung 



dieser Werke, befolgea (bloss mit Aasnahnie der ältesten 
Tier oder fünf unter ihnen, die ich zuerst nenne), ireil 
die erstere dem Zweck dieser Blätter besser entspricht, 
und das Alter dieser Chroniken nicht mit Gewissheit zv 
bestimmen ist. Ungern mnss ich hier mehrere der Tor- 
ztiglicheren Chroniken, weiche erst nach jenem Zeitraum 
gedruckt und in jene Sammlungen aufgenommen worden 
sind, unerwähnt lassen, und werde nur bei einigen we^ 
nigen, die sich von früher gedruckten, als Portsetzungen 
oder Zugaben u. s. w., nicht gut trennen lassen, jenen Grenz- 
termin um einige Jahre überschreiten. Auf Vollständigkeit 
macht diese Zusannnenstellnng durchaus keinen Anspmdi. 
Es mögen mir gar leicht noch manche andere hierher 
gehörige Schriften ans jener Periode ^tgangen sein, da 
ich mich nicht im Besitz aller der litterarischen Htttfsmittel 
belinde, durch die die Litteratur jener Geschichtsbticher 
mehr VervoDständigung hätte erbalten können. Manche 
andere Chroniken hab^i ihre Stelle schon unter den oben 
Ton mir angeführten eigentlicheren Gescfilchtswerken aus 
jener I^eiX erhalten, und ich will nicht in Abrede stellen, 
dass auch noch andere der jetzt zu nennenden eben so 
gut hätten unter jenen ihren Platz erhallen können, in 
sofern ja jede Chronik , die wh mSlA aU eine ganz un^ 
lautere und unglaid)wfirdf ge diaraktensirt , ein Ustoriscbes 
Werk ist , und sich von den im engem Sinne sogenannten 
Geschichten der Staaten , Völker u. s. w. nur in gewissen 
Beziehiingeu unterscheidet. Da übrigens mehrere der am 
frühesten , in den siebenziger Jahren des 15. Jahrhunderts 
gedmckt^i Chroniken der Angabe des Druckjahres 
ermangeln, so ist in ihrer chronologischen SteUniig 
Ungewissheit und Irrthum nicht immer zu vermeidenu — 



110 

ludem ich diejeuigen Chroniken ond ähnlicheu Ge- 
schichtobücher übergehe, welche theils schon vor dem 
Anfang des Mittelalters von Kirchenvätern und andern 
Geistlichen im Abendland, theils später noch von den 
Byzantinern *) in griechischer Sprache geschrieben worden 
sind, mit alleiniger Ausnahme des Eusebius und des 
Orosius und Beda, als Derer, die als vorzüglichste Vor- 
gänger und Vorbilder der Chronologen des Mittelalters 
nebst einigen der Nächstfolgenden die Chronographie des 
Mittelalters gewissermassen einleiteten, muss ich noch 
bemerken, dass ich von den folgenden AVerken überall 
nur die ältesten Ausgaben anführe, da es hier nur 
darauf ankommt , sie , wie die übrigen bisher genannten, 
als Zeugen der schon in jener frühesten Zeit so überaus 
grossen und fruchtbaren Thätigkeit der Druckerpressen, 
und des dadurch wiederum in solcher Ausdehnung und 
Vielseitigkeit erregten Litteraturfleisses aufzustellen. 

Den Anfang macht, wie schon oben angedeutet, des 
Kirchenvaters Eusebius von Caesarea Chronicon, von 
ihm (der im Jahr 340 starb) griechisch geschrieben , dann 
von dem Kirchenvater Hier onymus ins Lateinische über- 
setzt, und von Prosper von Aquitanien (starb im 
Jahr 463) fortgesetzt (als Chronicon integrum viel später 
gedruckt), wozu dann in der zweiten Hälfte des 15. Jahr- 



*) Von den Werken dieser Byzantinischen Historiker^ die 
zum Theil noch in dem Mittelalter lebten, ist ohnehin meines 
Wissens keine im griechischen Original in den ersten 100 Jahren 
nach Erfindung der Buchdruckerkunst gedruckt worden, die 
meisten erst in dem allbekannten Corpus scriptorum histor. 
Byzantin., dessen von Niebuhr begonnene neue Ausgabe den 
erfreulichsten Fortgang bat. 



111 

hnüderts sein Herausgeber, Matthäus Palmerius (der 
in dem Köler-HambergerschenDirectorium ein Mal, S. öl, 
FlorentinttS und ein anderes Mal, S. 292, Pisanus heisst, 
und als dessen Todesjahr am, ersten Ort 147«%, am zwei- 
ten 1483 gesetzt wird) , der jenes Ghronicon Euseb. seiner 
eigenen Zeitgeschichte („Opus de temporibus suis '') einver- 
leibte, und noch eine Fortsetzung bis zu seiner Zeit beigab. 
So wurde dieses Ghronicon Eusebii mit den Fortsetzungen 
zuerst in Mailand von Philipp vonLavagna ohne Jahrs- 
zahl (nach Hains Annahme gegen 1475) gedruckt, dann 
zu Venedig von Erh. Ratdolt, 1483, und dann noch 
einige Male. Es ist auch in verschiedenen Sammlungen 
von Ohroniken aufgenommen, so schon in der ältesten, 
von Jo. Sichard, Basel 1529; am correctesten und voll- 
ständigsten, mit noch mehreren Zugaben anderer Zeit- 
geschichten, in dem Thesaurus temporum des Jos. J. Sca- 
liger. L. B. 1606. (Die vollständigste und neueste Aus- 
gabe bildet einen Theil der grossen Ausgabe der Opera 
D. Hieronymi von Dom. Vallarsi, Verona 1740.) 

Des Paulus Orosius ist schon oben, bei den Histo- 
rikern Erwähnung geschehen. Hier will ich noch bemer- 
ken, dass die zweite Ausgabe seiner Historiae ad- 
versus Paganos zu Venedig ohne Jahrszahl (wahrscheinlich 
gegen 1475 oder 76) von Hermann Lichtenstein aus 
GOln gedruckt wurde. Der Herausgeber, Aeneas Vulpis 
(Volpi), fügte am Schluss zum Lobe des Druckers , der in 
Venedig, Vicenza und Treviso Of&cinen errichtet hatte, 
und zu den angesehensten und thätigsten gehörte, Fol- 
gendes bei: „Me imprimendum tradidit non alteri, Her- 
manne, quam soli Tibi; Hermanne, nomen hujus artis et 
decus, Tuaeque laus Goloniae. '' — Andere Ausgaben 



112 

folgten zu Venedig, v. Octat. Sootos, 146B, und itfiter. — 
Orosius, so wie die Folgendm (Gregmrias, Jomandes, 
Beda imd auch der liereits unter den Historikeni auf* 
gefiilirfe P aal Warnefried Diaconus) nehmen ihren Platz 
fiiglicher hier unter den Chronikem ein. 

Auch desErzbisch^ von Tours, George Floren- 
tius Gregorins (Turonensis, starb im Jahr &9&) 
des äkeslen Geschichtschreibers des Abendlandes diesseits 
der Alpen, zunächst des Ff ankenretchs , ist schon oben 
gedacht worden. Eine Fortsetzung seiner gut geschrie- 
benen und von den späteren EBstorikem fleissig benolzten 
Historia Franoonmi ist des 

Fredegarius Scholasticns Ghronicon (gegen 680 
geschrieben), bis zu Pipins Krönung (752) gebend, vrel- 
dies dann sdbst wieder von Fredegars Sohn, Nibelung, 
bis zum Jahr 768 fortgeseUt, aber erst sehr spät (1&68) 
von IVialth. Flactns zu Basel herausgegeben wurde. 

Der älteste Gesduehtschreiber der Gothen, Jordan 
oder Jornandes (Möneh, schrieb um das Jahr iäS) ist 
schon oben bei dem Gesehiditschreiber der Longobarden, 
Paul Warnefried, Dlaconus, mit dessen Werk das 
seinige znsammeii gedruckt wurde, genannt worden. Hier 
ist nodi nachzutragen, dass von diesem Jornandes auch 
ein Werk unter dem Titsl: Ldber de regnorwn ac tem- 
purum sttccessioneadVigiliitm'% von Beatus Rhenanus 
mit dem Procopias zu Basel läSl, und seine oben 
angeführte Histaria Goih^rwn auch fiir «ich allein von 
Heerwagen zu Basel 1530 gedruckt wurde. ^ Eines 
Jordanus de Argentina ,^€hronica, qualiter Romanor. 
Imperium translatum sit ad Germanos'% kam 1519 zu 
Basri heraus. 



iiS 

Isidor, Bischof zu Sevilla (starb 836) schrieb ein 
„Ghronicon a niimdi primordiis 'S welches zuerst initalie- 
nischer Ud>ersetzimg: „La Gronica de sancto Isidoro 
Menore'S mit Zusätzen aus Orosius, Beda u. A.» und mit 
Fortsetzung bis auf Kaiser Friedrich U. , zu Ascoli von 
demMagistro Golielmo de Linis de Alamania 1477 
gedruckt wurde. 

Beda, mit dem Beinamen Venerabilis, dessen 
Opus de sex mundi aetatibus bereits oben erwähnt wurde, 
schrieb auch noch eine „Historia ecclesiastica gentis Anglo- 
nun 'S welche bereits in den siebziger Jahren des 15. Jahr- 
hunderts Hans Eggestein zu Strassburg druckte. 

DesHer^iannus Gontractus, Grafen von Veringen 
und Mönchs (starb 1052) Chronica steht zuerst abge- 
druckt in Sichards schon erwähnter GoUect. Ghronicor. 
Basel 1529. 

(Von hier an lasse ich die Ghronikeu in der Ordnung 
nach den Druckjahren folgen, so weit solche zu 
ermitteln war.) ' 

^- Dr. Heinrich Steinhdvels, Physikus zu Ulm, 
Chronik vom Anfang der Welt bis auf Kaiser Friedrich H., 
Ulm, gedruckt von Joh. Zainer, 1473. Diese, die schon 
oben vorläufig als die erste gedruckte deutsche Ghronik 
genannt wurde , und deren Verfasser sich auch durch 
seine Schriften über die damals auch in Schwaben herr- 
schende Pest um seine Vaterstadt verdient gemacht hat, 
gehört zu den vorzüglicheren und recht gut geschriebenen 
Werken dieser Art, und scheint einen nicht geringen 
Impuls für andere seiner Zeitgenossen zu ähnlichen Werken 
gegeben zu haben. 

8 



114 

Ja'eobTwinger von KOnigslioveu, Chronik von 
allen Kaisern und Königen seit Christi Geburt (bis 1386), 
Augsburg, gedruckt von Bäniler 1474 und 1476, daselbst 
von Sorg 1480, von SchOnsperger 1487, und öfter. Diese 
Chronik wurde gleich der vorigen viel gelesen und aus- 
geschrieben. 

Chronica Hungarorum (eines Anonymus), vom 
Ursprung dieses Volkes an bis zur Krönung des Königs 
Matthias, gedruckt von Andreas Hess zu Ofen, im 
Jahr 1473. Wenn diese am Ende stehende Jahrszahl richtig 
ist (was nur dadurch einigen Zweifel erregen könnte , weil 
von diesem A. Hess kein anderes in jener Zeit zu Ofen 
gedrucktes Buch meines Wissens vorkommt), so ist dieses 
Buch das erste in Ungarn gedruckte , und frtther als 
selbst eines in Wien oder sonst im Oesterreichischen. 

GervasüRicobaldi Ferrariensis (lebte gegen 1312) 
Chronica (bis 1312) continuata et edita a Joanne Phil, 
de Lignamine, Rom, in des Lignamine Druckerei, 1474. 

Werner Rolevinjck (Rolefink, Karthäusermönch zu 
Cöln, lebte um 1470— -1502) Fasdcuius Temporum (ohne 
Namen des Verfassers zuerst gedruckt in Cöln von Nicol. 
Götz s. a., aber höchstwahrscheinlich vor 1474, mit Holz- 
schnitten, und so in einigen Ausgaben; dann mit der 
Jahrszahl 1474 daselbst von Arnold Therhömen , 1476 von 
Conrad de Homborch, und dann wieder 1476 zu Löwen, 
1477 von P. Drach zu Speier, worauf noch eine Menge 
Ausgaben und Uebersetzungen ins Deutsche (Richel in 
Basel 1481), Französische (Lyon 1483, und öfter) und 
Holländische (Utrecht, Veldenaer, 1480) folgten, zum 
Beweis, wie sehr beliebt diese Chronik war. — (Von 
demselben W. Rolevinck ist auch ein eben so altes Buch : 



115 



y^Liher de laude antique Saxonie, nunc WesighMie dicte*', 
8. 1. et a. 

„ Cihronicamm et historiariiin Epitome, Rudimentum 
noviciornm intitnlata'S von dem ungenannten und unbe- 
kannten Verfasser in des Easebius und Beda Manier 
, Juxta mnndi sex aetates '' bis zufn Jahr 1475 fortgeführt, 
und in demselben Jahr zu Lübeck von Lucas Brandts 
de Schass gedruckt, m. Holzschn. 

Martinus Strepi, Polonus (auch bloss Martin 
Polonus genannt, Erzbischof von Gnesen, starb 1278) 
Chronic, summorum Pontificum et Imperatorum; ac de 
Septem 4ietatibus mundi ex S. Hieronymo , Ensebio aliis- 
que excerpta/' Rom, Phil, de Lignamine, 1474, das. 
Schurener von Boppard, 1476 u. m. — Dieselbe 
deutsch tibersetzt: „Die Chronica von Kaisern und Päp- 
sten", Augsburg, Schöusperger, 1487 — und zu Strass- 
burg s. a. (1499). 

Jacobi (Januensis) de VoragineHistoriaLom- 
bardica, sive Legenda aurea, s. 1. 1474, dann zu Paris, 
Geming 1475, zuGöln Homborch, und zu Nürnberg Sen- 
senschmidt 1476, 1478 Coburger, und so noch in einer 
ausserordentlich grossen Menge von Ausgaben (Panzer 
hat deren 125 bis zum Jahr 1525 aufgezeichnet, und 
darunter sehr viele Uebersetzungen ins Französ., Holland., 
Engl., Italien., Böhmische). Es ist dies eigentlich eine 
Chronik und Sammlung von Heiligen -Legenden, audi 
romantisirten , weshalb sie auch in italien. und holländ. 
Uebersetzungen so auf dem Titel bezeichnet wird. Doch 
bleibt auch die profane Geschichte der Lombardei nicht 
unberücksichtigt, wenn auch nicht authentisch genug, und 
zu sehr mit Mirakeln und Sagen gemengt. 

8* 



il6 

Chroniques de France, appelUei Chraniqtte^ de St. Deny$, 
depuis ]es Troyens, jasqa' ä la mort de Charles VII. 
Vol. in, Fol., Paris en l'ostel de Pasquier Bonhomme 
(Verleger), 1476. 

Het oude Gouf sehe Ghronckie , of Chronyk van Hol- 
land, Zeeland ende Vriesland. Gouda, Gherart Leen 
1478. Leiden 1483. 

(Jacob.) Philipp. Bergomensis (Aagnstiner- 
mOnchs zu Bergamo, schrieb 1480 flg.), SuppUmenium 
Chranicarutn, Venedig, Bemardin de Benaliis 1483, 
Brescia 1485, Ven. 1486 vom Verf. vermehrt, und öfter. 
Unter diesem bescheidenen Titel giebt der in der Ge- 
schichte wohl bewanderte Verf. eine recht gute historische 
Darstellung der Geschichte des Mittelalters von seinem 
Anfang, bis zu des Verf. Zeit. Ein besonderer Abschnitt 
handelt de mulieribus claris et selectis, der auch nach- 
her, vermehrt und mit Abbildungen geziert, zu Ferrara 
besonders gedruckt worden ist. 

Thomas Lirer (auch Lirar), zu Rankweil bei 
Feldkirch, Chronik, geschrieben' im Jahr 1133, mit Bei- 
fügung eines viel später (nach 1462) geschriebenen Ghro- 
nicon brevius, gedruckt von Dinkmuth zu Ulm, zuerst ohne 
Jahreszahl, dann wieder von Demselben 1486 mit Holz- 
schnitten. 

Von derselben Zeit scheint der Druck der beiden 
folgenden zu sein: 

Venediger Chronica, mit angezögten Ursachen 
des schädlichen Kryegs (mit dem röm. Kaiser etc.) ohne 
Jahreszahl und Druckort*. 

Wendesche Chronecke, ohne Jahrszahl und 
Druckort. 



117 

Chronicles of En^and (von Wilhelm Gatton), 
London , Wilhelm Ton Mecheln , ohne Jahreszahl. — 
Dasselbe Werk „finished and accomplished the 5. day 
of June 1480 'S vermehrt mit der Beschreibung von Gross- 
britannien, von dem Verf. Wilh. Caxton selbst gedruckt 
in der Westi^insterfibtei 1480. (Ich vermuthe , dass dieses 
die wahre erste Ausgabe , und jene, von Wilh. v. Mecheln 
gedruckte, nur Abdruck ohne die Beschreibung von 
Grossbritannien war.) — Ob die von Hain noch weiter 
als ein besonderes Werk desselben, um die Typographie 
wie um die Geschichte seines Landes sehr yerdi^ten, 
Wilh. Caxton aufgeführten „ Chronicles of England, finished 
the VIU. day of Octobre 1482'' wirklich eine neue ver- 
mehrte Ausgabe , oder nur eine Fortsetzung für die beiden 
letzten Jahre sind, weiss ich nicht zu bestimmen. 

Chronicle of England , wüh the trute of times. St. Al- 
bans, s. a. (1483), und wieder gedruckt zu Westmin- 
ster 1497 von Wynken de Worde (dem Nachfolger Caxtons). 
Es ist dieses im Wesentlichen dasselbe Werk, wie das 
vorige, auch mit der Beschreibung von England und 
Schottland, nur etwas kürzer und im Ausdruck hie und 
da abweichend. 

Don Diego de Valera, Cronica de Espana abbre- 
viada. Sevilla, Alonzo del Puerto 1482, Burgos 1487, 
SeviUa 1492. 

Chronique de Loys de Valois (Louis XI.), s. 1. et a. 
(Paris 1483). 

Chroniques de Normandie, Ronen, GuiUaume le Tal- 
leur, 1487. 

Johann, de Thwrocz, Chronica Hungarorum. 
Brunn 1488 m. Holzschn., Augsb., Ratdolt 1483» 



118 

Chronica l^mca de lubeck, hamburg, Itinebiirg, 
Wismar, rostock, sundis (eines Ungenannten), s. 1. et a. 
(yennntlilich zn Lfibeck, gegen 1488—90). 

Ghronicon Martiniany, eine böhmische Chr. in 
böhmischer Sprache, Prag 1488. 

Chnmyke of the Historie van Holland, van ZeeUmd 
ende Vriesland, s. 1. et a. (Antwerpen, Gerh. Leen, 
gegen 1490). 

Oironiques des Rois de France. Paris 1491. 

Chroniques de France abregies. Paris, Trepperei, 1492. 

Les Grands Chroniques de France, avec la Ghroniqne 
de frere Robert Gagnin (dem Redactor dieser Ghron.), 
contenne ä la Ghron. Martinienne (der böhmischen). Paris. 
Vol. I. gedruckt von Jehan Manrana für GniU. Eustave, 
geschwomen Buchhändler nnd Buchbinder der Universit. 
(ohne Jahrszahl); Vol. 11 nnd HI gedruckt Ton J. Maorana 
für Ant. Verard, Buchhändler, 1493, 1503 und wiederum 
1514 (s. noch unten). 

Ghronecken der Sassen (braunschweiger und 
br. - lüneburger . Ghronik von Gonrad Botho, Biii^er 
zu Braunschweig), Mainz, P. SchöiTer, 1492, mit vielen 
gemalten Abbildungen. 

Nicol. Giles, Secretaire du Roi Louis XD., Annales 
et Ghroniques de France , de Torigine des Francois , avec 
la Suite des Roys et Princes des Gaules, jusqu' au R. 
Gharles Vm. Paris 1492 und 1498, J. Trepperd. (Eines 
der besten älteren franz. Werke dieser Art.) 

Hartmann Schedel (Arzt zu Nürnberg, starb 1515) 
Liber Glironicarum , cum figuris et imaginib., Nürnberg, 
A. Koburger, 1493. Dieselbe deutsch, von Alt ttbers., 
ebendaselbst 1493; dann wieder deutsch zu Augsburg, 



110 

Schönsperger, 1496, lateinisch daselbst 1497. Die Abbil- 
dungen sind von Michael Wohlgemuth und Wilh. 
Pleydenwurff, und gehören zu den vorzüglichsten 
jener Zeit. 

Ottocar von Horneck (lebte um 1295~-1310) 
Oesterreichische Chronik, in Reimen, 2 Theile, 
8. a. et I. (wahrscheinlich gegen 1493 oder 94). 

Conrad Peutinger zu Augsburg, Sermones con- 
vivales de mirandis Germaniae antiquitatibus, Strassb. 1496. 

Cronica de los Reyes de Castilla y Lion, Dom Pedro, 
D. Enrique, D. Juan L, von F. Lopez de Ayala. 
Sevilla, Maynard Ungut, 1495. 

Chronicon Regum jDanJoe.. Den Danske Rijm-Kronicke 
(in Versen). Kopenhagen, Godfr. de Ghemen, 1495. 

Die allerexcellenteste. Chronik von Brabant. Ant- 
weisen, von Roland van den Dorp, 1497. 

Chronicle of the Lande of England , with their apper- 
teignances; emprented in the towne of Audewarpe, by 
Master Gerard de Leeu» 1493. (Ist vielleicht nur eine 
abgekürzte Ausgabe der oben angeführten Gaxton'schen 
Chronicles of E.) 

Die Cronica von der hillige Stadt von CoeU 
len; gedruckt von Joh. Koelhoff, Bürger von Coellen, 
8. a. (1499). Bekanntlich eine der wichtigeren und wegen 
ihrer Authenticität und Einfachheit vielseitig benutzten 
Geschichtsquellen. 

Petrus Marcellus de vitis Principnm et gestis 
Venetorum. Vened., de Pensis, 1502. 

Des Saxo Grammaticus (ein angenommener Name) 
bereits oben angeführten Historiae Danicae waren schon 
früher (Ende des 15. Jahrhunderts) in dänischer Sprache 



' 120 

als Denske Kroneke s. 1. et a. erschienen. Diese in 
historischer Hinsicht werthlose Chronik wird yon Hain 
als ein Gompendium des Thomas Geysmer, and bis 
zum Tode Ghristiems I., also bis 1481 gehend, angegeben, 
und der Druck jenes Werkes in die nächstfolgende Zeit 
gesetzt. Dagegen giebt Hamberger das Jahr 1204 als 
das Todesjahr dieses Saxo Gr. an, was ein Druckfehler 
ist statt 1504). 

Nicol. Schraden (schweizer Beamten) Chronik dieses 
Krieges (der Schweiz gegen den Erzh. Leopold von 
' Qesterreich). Sursee im Ergow 1500. 

Joann. Naucleri (Praepositus Tübingens., starb 1500) 
Chronicon. Tübingen 1500, 1516. 

Jehan Froissard (zu Paris, gegen 1500— 1S20) 
Chroniques de France , d'Angleterre et de Scoce. Vol. I, 
Paris, Mich, le Noir, 1503; Vol. H, 1505? Vol. HI et IV 
ib. 1513. 

La Chronique de Genes et Milan. Paris, Eustachide 
Bne, 1507. 

Then Danske Kronikae. Kopenhagen, Gottfr. 
de Ghemen, 1508. Ist diese wohl yon der Chronik des 
Saxo Grammat. yerschieden? oder nur eine neue Ausgabe? 

Kronica von der löblichen Eidtgnoschaft, ir har- 
komen und sust seltzam stritten und geschichten. Von 
Petermann Etterlyn zusammengevasset. Basel 1507, 
mit Torzttglich guten Holzschnitten. 

Galfridus Monomutensis, Britanniae utrinsque 
origo et gesta. Pai-is, Ascensius, 1507. 

Chronica Äbbatis Urspergensis {ConTSiAs von Lich- 
tenau, Abts, starb 1240), a Nino usque aH^mperat. 
Fridericum IL EdiditJGonrad. Peutinger. Augsburg, 



121 

9m. 

Job. Müller, 1515. (Auch eine der vorztiglichereu und 
sehr geschätzten Chroniken;) 

Symphorianns Gampegius s. Camperins 
(Ghampier, lebte um 1480 bis 1538 oder länger, Leibarzt 
des Herzogs von Lothringen, gelehrter Polyhistor, und 
einer der grössten Polygraphen seiner Zeit im medicinisch- 
antiquarlscheu und historischen Feld, wie in der Aus- 
legung der alten Aer^te), schrieb unter yielem Anderen: 
„Recueil ou Ghroniques des histoires des royaumes 
d'Austrasie *S Lyon 1507, 1509; femer „de origine civi- 
tatis Lugdunensis *S Lyon 1507; „les grands Ghroniques 
de Savoye et Piedmont'S Paris, J. le Garde, 1516; 
„Recueil des histoires de la Lorraine 'S Lyon, Vincenz 
Portenaar, 1510; „Vie et gestes du vaillant Ghevalier 
Bayard Dauphinöis'S Paris, Bonfons, 1515, und öfter; 
„de antiquitatibus domus Turonensis'S Lyon 1517 u. a. 

Siegelberti Gemblacensis (v. Ghablais, MOnch, 
starb 1119) Chronicon, cura Cruil. Parvi, Paris, Ueinr. 
Stephanus, 1513. 

Chronicon Cassinense, libri IV, a Leone Mar- 
sicano Episcopo (lebte 1115) et Petro Diacono (1140) 
compositum. Veiiedig, Laurent, a Vincentia, 1513. 

Qnesta si e lä Spagna hisloriata, Ms^iland, Minutio, 
s. a. und wieder 1519 (vielleicht eine Uebersetzung aus 
dem Spanischen). 

Joannes Garzo, von Bologna, de rebus Saxonfae, 
Thuringiae etc. Basel, Job. Proben., 1513. 

Joann. Enden Epitome s. Medulla gestorum Tre- 
virorum. Goln, Metz und Trier 1515. 

Guido de Fontenato Gollectorium historicum. 
Paris, Gourmont, 1516. Eine Art von Bibliotheca historica. 






122 

(VoUstSüidiger ist des ÄchiUes Gassdrus Historiamm et 
Ghronicamm Index. Basel 1&32. Ich bedauere nur, dieses 
gewiss sehr nützliche Bach nicht zur Hand zu haben.) 

Hierher gehört anch das schon früher erwähnte, 
anbeendet gebliebene Werk des treiTlichen Abtes Tri- 
thenius (Trittenheim): Gompendinm s. Breviariam 
Toffli I. Annalium, sive Uistoriae de origine regam e( 
gentis Francomm. Mainz, Joh. SchöiTer, 1515. (Die 
übrigen historischen Schriften desselben, unter andern sein 
berühmtes Ghronicon Hirsaugiense, sind in seinen erst 1611 
herausgegebenen Opera omrUa abgedruckt.) 

Matthias de Mechovia (ein gelehrter Arzt zu 
Gracau) Ghronica Polonorum. Gracäu 1521. (Er schrieb 
auch ein Buch „de conservanda sanitate'^) 

Otto von Freisingen, Ghronicon, sive rerum ab 
origine mundi ad ipsius usque tempora gestarum libri VIII. 
Herausgegeben von Joh. Guspinianus. Strassburg^ 
Matth. Schurer, 1515. (Dieses fürstlichen Geschichtschreibers 
ist schon oben unter den Historikern wegen einer nächst 
verwandten Schrift (wenn es nicht dieselbe ist) gedacht 
worden.) 

Robert Gaguinus (Guagin, Generaides Trinitarier- 
Ordens zu Paris, s. oben dessen Ghroniques de France), 
„ Gonljpendium de Francorum origine et gestis 'S Paris 1504, 
und öfter. Ferner: die „Annales rerum Gallicarum'' 
(vielleicht nur Uebersetzung des ersteren Werkes) cum 
supplem. V eil et, Paris 1521, 1528, und öfter. — Derselbe 
redigirte auch das folgende Werk: 

La Mer de Ghroniques et Miroir historial de France. 
Paris, Galliot du Prä. 1514-16; wiederum 1525, 1527, 
und öfter. 



125 

Lucius Marittus, aus Sicilien; Gronica da Aragon, 
libri y. Valencia, und lateinisch 1500. 

Ghronycle of England. London, Wynk. de Worde, 151 5. 

Les grandes Ghroniques de Bretagne. Paris, TAn- 
gelier, 1518. 

Chronica Ghronicarum abregne. Paris, Petit, 1521. 

Alain Bouchard, les grands Chrdniques de Bre- 
tagne. Paris 1514. Gaen 1518. 

Hector Boethius, Scotorum Historiae a prima geutis 
origine. Paris, Ascen. s. a., daselbst Ders. 1526. 

Phil, de Commines, Ghroniques etHistoire. Paris 
1523, 24 (s. auch oben). 

Jehan Froissard, Ghronicie of England, Vol. I. II. 
London, Rieh. -Pyuson, 1523. 

Joh. Aventinus (von Abensberg, sein wahrer 
Name war Hans Thurmaier, Prof. und Bibliothekar 
in Ingolstadt, starb 1534, .ein vorzfiglicher Geschichtsfor- 
scher), Bairisches Ghronicon, in Latein verfertigt, 
und in sieben Puechen getaut, ein kurzer Auszug, Nürn- 
berg 1522 (die lateinischen Annales Bojor. wurden erst 
1554 zu Ingolstadt und vollständiger zu Basel 1580 ge- 
druckt; seine „Chronica vom Ursprung der alten Deut- 
schen,'' ein wichtiges Werk, erschien zuerst Nürnberg 
1541). — • Er schrieb auch eine gute Grammatica latina, 
Augsburg 1512 und uoch mehrmals. 

Reginonis, Abbatis Prumiens. , CJironicorum libri 11, 
editi a Sebast. de Rotenhan, Mainz 152L 

Des Lambertus de Schaff enburg (auchSchaff- 
naburg, Mönchs zu Hersfeld) bereits oben erw&hute 
„Germanorum historia", von den ältesten Zeiten an, 
welche zuerst ohne den Namen des Verfassers von Phil. 



i24 

Melauchthon herausgegeben und von Gasp. Ghiirer zu 
Tübingen 1525, dann mit des Verfassers Namen daselbst 
1533 Yon H. Morhard gedmckt worden war, erschien 
auch später einigemal als „Monachi Herveldensis Chro- 
nicou rerum apud Germanos etc. 

Jean Bonchet, Bist, et Ghroniqae de Clotaire 1., 
Roi de France. Poitiers, 1517. — Dessen Genealogies 
des Rois de France, Paris 1527, 1530. 

La Cronica del Rey Dan Pedro. Toledo, Ramon 
de Petras, 1527. 

Cronica del Rey Dan Fernando tercero. Seirilla, 
Jac. Gromberg, 1526. 

Gronica de los famosos Gavalleros Liswarte de 6re- 
cia, Sevilla 1525 (ist wohl mehr Halbroman). 

Job. Villani Gronica del regno di Sicilia, Napoli 
1526. Vermnthlich ist dieses derselbe Jo. Villanas 
Florentinas, von welchem die «u Venedig 1557 und ver- 
bessert 1559, von Junta gedrackten „Histarie Fiarm- 
iine** bis 1343 vorhanden sind. 

Nicol. Marschalk Thurius (von Thüringen, lebte 
in Rostock, starb 1525) „De florationes antiqoitatam ab 
origine mundi usque ad aunum 1522 ^ libri V. Rostock, in 
aedibns Thuriis 1522« — Desselben Annalium Heru- 
lorum et Vandalorum libri VII. Rostock in aedib. Thar. 
1521 (sind sehr geachtet), wie auch seine später gedrack- 
ten „Vitae Obetritorum ". M ar s chalk war auch ein. guter 
Philolog und Hellenist, dabei auch fleissiger Naturforscher, 
insbesondere Ichthyolog, und gab einen glänzenden Beweis 
von Beidem durch seine griechisch und lateinisch ge- 
schriebene Histaria aquatilium in drei Bttchern, welche 
1517 — 2Q zu Rostock in aedib. Thurii gedruckt wurde. 



125 

Sebast Frank's (geb. läOO zu DoEaiiwOrth, gest. 
1545) Chronica, Zeitbach und Geschychtbibel 
von Anbegyn bis auf das Jahr 1530. Strassb. 1531. Dieselbe 
fortgesetzt bis 1536. Ulm 1536 und dann noch weitere 
Fortsetzungen bis 1551. — (Desselben Chronica der 
Teutschen erschien erst 1539.) 

Joh. Gario (Prof. zuFranldurt a. d.O., starb 1538) 
Chronicon, Wittemberge 1518 u. öfter. (Seine Ephemeri- 
des bis 1550 kamen erst später heraus.) • 

Jo. Sichardi Chronicon, Basel 1529, und hiermit 
in Verbindung die herausgegebenen Rerum Germamcarum 
Seriptores, Basel 1532. 

Den Schlttss möge ein acht historisches Werk machen, 
nämlich des berühmten Nicol. Macchiavelli Historie 
Fiorentine, Vened. 1527, Florenz 1532 und desselben 
grossen Geschichtschreibers und Politikers noch berühmter 
gewordenes Buch: ^,il Principe, la vita di Castruccio*', 
nebst seiner „Arte della guerra'* sind auch in seinen 
Opere Vol. DI, Rom 1531 befindlich. 

* * * 
So weit nur erlauben die für diese Schrift abgesteck- 
ten Zeitgrenzen die ohnehin schon sehr lang gewordene 
Reihe der bis zum Ende dieses Zeitraums gedruckten 
Geschichtsbücher fortzusetzen, und ungern muss ich noch 
so manche yorzüglicher^ Werke dieser Art (Annalen und 
andere Zeitgeschichten), die noch im Laufe des 16. Jahr- 
hunderts folgten und von welchen das Werk des Historio- 
graphen Heinrich (oder Hulderich) Mutius, über die 
Geschichte Deutschlands von den ältesten Zeiten an bis 
1539 (Basel 1539), sich am nächsten an die letztgenannten 
anschliesst, unaufgeflihrt lassen. Bei weitem vollständiger 



126 

würde allerdings die hier gegebene Uebersicht der Histo- 
riker bis zum Jahr 1&30 sein, wenn die grossem und 
kleinem Sammlungen von dergleichen Geschichtswerken, 
deren ich schon weiter oben gedachte und in welchen sich 
noch so viele der ältesten , nicht einzeln in den Drack 
gekommenen Chroniken n. s. w. abgedrackt befinden, mit 
hätten anfj^eführt werden können. Auch das, was ich 
hier aus den verschiedenen darüber sorgfältig nachge- 
sehenen Werken unserer vorzüglichsten Litteratoren und 
Bibliographen zusammengestellt habe, ist noch keineswegs 
vollständig, wie ich sehr wohl weiss und auch gleich 
voran erinnert habe. Doch dürfte es auch so, wie ich es 
zu geben vermochte, — da wenigstens, meines Wissens, 
kein historisch bedeutendes Werk aqs jener Periode 
übergangen ist, — schon hinreichend sein, um es an- 
schaulich zu machen, in welch hohem Grade schon bald 
nach Erfindung der Buchdrackerkunst die Thätigkeit der 
Typographen durch den Druck der alten — grOssten- 
theils noch ausser den sie einschliessenden Klosterzellen 
und Schreinen so gut als unbekannt gewesenen — hand- 
schriftlichen Geschichtswerke in Anspruch genommen wurde, 
und wie sehr hinwiedemm durch diese nun allenthalben 
aus den Drackerpressen hervorgehenden Denkbücher der 
alten Zeit, neben einer bessern Kenntniss dieser Vorzeit, 
auch ein lebendigeres und aUgemeineres Interesse an der 
wirldichen Geschichte und mit diesem ein frachtbringender 
Wetteifer in der Geschiphtschreibung, wenn auch immer 
auf sehr verschiedenen Standpunkten des Historiographen 
oder auch nur des Ghronikschreibers , geweckt wurde. 
Die schmucklosen und einfach erzählenden Geschichts- 
werke des 16. und selbst grösstentheils des 17. Jahrhun- 



127 

derts, unter denen doch schon die eines Sleidan von 
Seckendorf, Natalis Comes, Meteran, Ghytraeus, Albertin. 
Mnssati, Malespina, Thuan, Goldast, Guicciar- 
dini, Brower, Masen, v. Welser, Adelzreiter, Schalen, 
Herman Conring, Joh. Pet. Lotichius, Ludwig Gr. von 
Ftirstenberg, Leo von Aintzema, Samuel Puffen- 
dorff, der Spanier Mariani, von Leibnitz (mehr 
zum 16. Jahrhundert gehörend) u. And. hervorragen, 
sind, soweit es die Geschichte der Vorzeit und jener 
frühem Jahrhunderte betrifft, auf der Grundlage jener 
noch altem Geschichtsbücher und Chroniken entstanden 
und gaben wieder den StoiT zu den schon mit mehr histo- 
rischer Kritik und tieferer Forschung und Gelehrsamkeit 
bearbeiteten Geschichtswerken des 18. Jahrhunderts und 
der neuesten Zeit, unter welchen wir die ausgezeichnet- 
sten Meisterwerke besitzen. Hätten wohl diese Werke 
der letztem Jahrhunderte, oder wenigstens die meisten 
und bedeutendsten derselben, ohne die fleissige und ge- 
schickte Benutzung der altern und ältesten gedruckten 
Geschichtsbücher haben entstehen können? Würde es 
möglich gewesen sein, bloss aus den vorhandenen und 
gröstentheils so schwer zugänglichen Handschriften der 
alten Historiker und Ghronikschreiber — angenommen, 
dass diese nicht schon in jenen ersten hundert Jahren 
nach Erfindung der Buchdrackerkunst zum grossen Theil 
gedrackt worden wären — die Gescliichte der altem Zeit, 
namentlich des Abendlandes im Mittelalter und noch vor 
demselben zu dem Grade der historischen Gewissheit und 
respectiven Vollständigkeit zu bringen, dessen sie, oder 
vielmehr so weit sie dessen fWg ist und zu welcher sie 
nunmehr ii^ Meister in diesem Geschichtsfache erhoben 



128 

haben? Die Antwort ergiebt sich von selbst, und in ihr 
spricht sich eine der g^ssten und wichtigsten Erfolge der 
Erfindung der Typographie aus. — 

Es konnte nicht fehlen, dass sich mit dem Beginnen 
und raschem Fortschreiten des Druckes von diesen ge- 
schichtlichen Werken die Thätigkeit der Schriftsteller und 
der Typographen auch auf die Erd- und Länder- 
beschreibung und auf die Völkerkunde richtete. 
Hierzu trugen verschiedene einflussreiche Ereignisse bei. 
Einmal die Kreuzziige, welche nicht bloss Kampflustige 
und Streiter ilir die Kirche und das heilige Grab, son- 
dern auch manchen friedlichen Reiselustigen, selbst Mönche, 
Wallfahrer, Minstrels und Abenteurer aller Art nach dem 
Orient lockten. Dadurch entstanden nicht nur jene ro- 
mantischen Legenden vom heiligen Lande und von den 
Heldenthateu und Abenteuern der Ritter in demselben, 
dergleichen einige schon oben unter den Ritter- und 
Heldengeschichten aufgeführt worden sind, sondern auch 
wahrhaftere Beschreibungen solcher Reisen und der Er- 
lebnisse auf ihnen, dergleichen das jetzt seltene Buch ist : 
„Herzog Wilhelm von Oesterreich Wallfahrt zum 
heil. Johannes d. Täufer'', zusammengedruckt mit Marco 
Polo' 8 Reise (s. nachher), von Ant. Sorg zu Augsburg, 
1487 *), und wohin auch die schon oben kurz erwähnte 



*) Ich finde in Panzers Annalen und ans diesen bei Koch 
a. a. 0. und bei Hain (H, 1,) auch ein zu Augsburg 1481, 
also schon vor obiger Schrift von Sorg gedrucktes Buch 
unter jem Titel erwähnt: „Hier hebt sich an eine schön und 
kurzweilige hystori von herczog Leuppold und seinem sun 



129 

„httbscbe liebliche Historie eines edlen Fürsten Hertzog 
Ernst von Batern und Oesterreich, wie er durch 
wunderliche Unfhlle sich auf gefküirliche Reisen begaben, 
jedoch endlich von Kaiser Otto, der ihm nach dem 
i.eben gestanden, wiederum begnadet worden,'' ohne Dmck- 
ort und Jahrszahl (vermuthlich kurz vor dem Ende des 
15. Jahrhunderts), gehören dürfte, wenn schon dieselbe 
nichts weniger als rein historisch, vielmehr mit Dichtung 
durchspickt erscheint, weshalb sie auch späterhin einige- 
mal als Volksroman bearbeitet wurde. Ob auch des 
Ritters Ludwig von Eyb (aus 'einer alten, nodi beste- 
henden, fränkischen Familie, und wahrscheinlich Bruder 
des Folgenden und auch des weiter unten noch zu nen^ 
nenden Albrecht von Eyb) „Beschreibung von Rom und 
der Reise ins gelobte Land,'' vom Jahr 1475, und des 
Ritters und Doctors Jur. Anselm von Eyb zu Som- 
mersdorf in Franken „Anweisung zur Reise ins heilige 
l.and'S welche Koch nach Degen aus Handschriften in 
der Kirchenbibliothek zu Neustadt a. d. Aisch eitirt^ im 
Druck existiren, habe ich nicht ermitteln können und 
mochte es eher bezweifeln. ~* 

Eine zweite Veranlassung zu Reisen in das Morgen^ 
land und selbst bis tief in Mittelasien gaben die Heeces- 
züge und Eroberungen der Mongolen, die nach Dsingis- 
Chans Siegen (im Anfang des 13. Jahrhunderts) über 



Wilhalm von Oesterreich wie di& ir Leben vollendet 
haben und wie vil herczog Wilhalm erlitten hat.'' Es ist 
dieses die ältere Ausgabe desselben Buches^ was ich eben 
angeführt habe, auch schon mit M. Polo's Reise» und nicht 
ein anderes Jteoh, wie Koch anzunehmen soheiut. 





ISO 

mehrere Völker Mittelasiens, unter denen auch die Christ- 
lieh gewordenen Keraiten in dem alten , Bactrien ivaren, 
immer weiter nach Westen vordrangen und die in Klein- 
asien und Syrien in grosser Zahl unter bischöflicher Ver- 
fassung wohnenden Christen immer mehr bedrohten. Da 
zugleich die Sage von einem christlichen Reich in Ost- 
indien und Tibet, mit einem Priester -KOnig Johann an 
der Spitze (eine Sage, die noch gar lange sich erhielt 
und Öfter mit der weniger grundlosen von dem christlichen 
KOnig in Abyssinien Terwechselt wurde, und an die sich 
auch die Nachrichten von den Thomaschristen in Ost- 
indien knüpften), mehr und mehr verbreitete, so fanden sich 
die Päpste, Gardinäle u. s. w. dadurch bewogen, ver* 
traute und gewandte Geistliche und auch andere ftLhige 
Personen, zu verschiedenen Zeiten theils als Gesandte 
und um Milde und Schonung der Christen bittende Ver- 
mittler an die Chane der Tartarei und Mongolei, theils 
zur Einziehung genauerer Nachrichten und etwa auch um 
Rath und Trost iu bringen , an die^ Bischöfe und Geist- 
lichen in jenen Ländern zu schicken. So erfahren wir 
aus den Annalen des Baronius vom Jahr 1177, dass 
schon um diese Zeit der Papst Alexander DI. seinen Arzt, 
Philipp, zu solchen Zwecken in die Tartarei gesendet 
habe. Im 13. Jahrhundert wurden solche Gesandtschafts- 
reisen nach Asien, selbst bis in die östlichsten Gegenden, 
namentlich bis China und Hinterindien, häufiger wieder- 
holt, und es wurden durch sie nicht wenige Kenntnisse 
ttber diese vorher ganz unbekannt gewesenen Länder und 
Völker, Einiges auch ftir die NatUrgeschidite gewonnen 
und durch die (freilich nicht durchaus zuverlässigen) nach 
der Rückkehr verfassten Reiseberichte verbreitet. Bekannt 



131 

geworden sind die Reihen des Mdnc^hs vom Püedigerorden, 
Ascelin aus der Lombardei, im Jahr 1246 — 47, von 
welchen Vincen;E vonBeauvais (Bellovacens.) in sd- 
nem Speculum Ustoriale (Gap. 51) Bericht giebt, nnd die 
gleichzeitige (1245) von Johann de Piano Gaspini, 
von welcher wir ebenfalls bei Vincenz von Beanvais 
(in sT Specolom naturale , Gap. 52 ), und kürzer auch bei 
Roger Bacon (Opus roajns) Berichte finden; dann die 
des von Ludwig IX. abgesandten und schon etwas 
genauer beobachtenden Minoriten, Wilhelm de Ru- 
brugius (eigentlich Ruysbroek) vom Jahr 1253 (eine 
kurze Nachricht davon giebt Roger Baco a. a. 0., 
vergl. K. Sprengel Gesch. derArzneik. Bd. IL S. 558, 
und besonders Abel Remusat im 6. und 7. Buch der 
Nouv. Gollection des Memoir. de TAcad. des Inscript. et 
beU. lettres), und desMOnchs Johann de Monte Gor- 
vino im Jahr 12B9 (s. K. Sprengel a. a. 0.). Alle 
diese Geistlichen haben den Orient bis tiei in den Osten 
bereist, die drei letztem sind selbst bis an die Grenzen 
von Ghina und wohl noch etwas tiber dieselben (doch 
nicht ins Innere dieses Reiches) gekommen, aber ihre 
Reiseberichte sind nachmals nicht im Druck herausge* 
geben worden, und es ist selbst unbekannt, ob die Hand-\ 
Schriften derselben noch vorhanden sind und wo? (im 
Existenzfall doch wohl zu Rom in der Vatikan. Bibliothek). 
Aelter als alle diese Reisegeschichten ist die Erzählung 
oder vielmehr die mythenartige Legende von einem ur- 
alten irländischen Abt und Heidenbekehrer St. Bran-^ 
dan, wohl auch St. Blandanus oder auch Borondan ge- 
nannt, welcher schon im 6. Jahrhundert (wenn nicht im 7.) 
mit seinem Sdittler St. Madov oder St. Malo den west- 

9* 



13S 

licheB OceaB besehiffk liaben soll, am hseln von Heiden 
bewohnt anfzusuchen, and nach langem Heromirren endlich 
anf einer von Riesen bewohnten goldreichen Insel a. dgl. 
gelandet sein soll. Diese hsel in der Einbildung, St. 
Brandan genannt, von der sich die Legende mit steigen- 
der AnsschmliclLang erhielt, sachten nicht nnr die See- 
fahrer, die sie sfidwesdieh von den Ganarischen Inseln 
annahmen, noch zu Goliunbas Zeiten nnd noch lange nach- 
her sehr eifrig anf, ja sie war selbst auf den SeelLarten 
nnd auf Martin Behaims Erdglobos verzeichnet , sogar 
noch anf einer franzOs. Seekarte vom Jahr 1704, sondern 
es worden selbst im 16. nnd 17. Jahrhnndert mehrere 
SchiflTsexpeditionen von den Behörden der Ganarisdien 
Inseln and sogar eine solche noch im Jahr 1721 veran- 
staltet *). Hiemach lässt sich urtheilen, welche Bewandt- 
niss es mit der Geschichte dieser Reise haben mag, die 
höchstens nur das Interesse des grauen Alterthums in 
Anspruch nehmen kann und ohne allen Werdi fttr die 
Länderkunde ist. Sie ist (ob zuerst?) allein ohne Jahr- 
zahl und 'Druckort (vermuthlich zu Augsburg von Sorg, 
vor oder um 1480, und dann zu Basel 1481 „ Ein hübsch 
lieblich lesen von Sant Branden was er Wunders erfaren 
hat'S auch wieder zu Augsburg, von Hans Froschauer 
1407 mit Holzschnitten gedruckt worden; ausserdem ist 
sie auch (wie schon oben bei den Historikern angeführt 
wurde) der von Sorg in Augsb. ohne JahrzaU gedruckten, 
dienfiüls mitunter nmiantisirteu Historie des Herzog Ernst 



^ Man sehe hierüber von Murr „Geschichte Martin 
Behaims 'S Nümb. 1802, und Washingt. Irvings „Leben und 
Reisen Chr. Golnmbns.'« Deutsdie Uebers. Frankf. 1820. TM. 4. 



133 

voB Baieni betgefttgt. Die gldchfalLa schon oben als 
Zugabe za demsdben Bach erwähnte Reise des bairischen 
Kriegsmannes oder Schildknappen Schildtberger nach 
der Türkei im Jahr 1394, im Gefolg eines bairischen 
Ritters von Reychentinger war anderer Art und mehr 
eine Erzählui^g der Erlebnisse eines Soldaten in vulgarer 
Manier, als eigentliche Länderbeschreibang. — 

Noch etwas älter war die Beschreibung, welche Jo- 
hann von Mandeville, ein englischer Edelmann aas 
St. Alban, der aber nachher in den französ. Niederlanden 
lebte, von seiner im Jahr 1322 unternommenen Reise von 
England nach Jerusalem und andern Orten der Levante 
und nach Bgypten,'attf welcher er 12 Jahre zugebracht 
hatte, nach seiner Rückkehr in Ltittich im Jahr 1355 in 
franzOs. Sprache verfasst hatte, und welche bald darauf 
auch zu Lüttich ins Lateinische übersetzt wurde. Diese 
unterhaltende und manches Interessante, aber auch viel 
Unglaubliches und Romanhaftes enthaltende Reisebescftra- 
bung fand, sobald sie gedruckt wurde, allenthalben grossen 
Beifall und muss sehr stark gelesen worden sein , wie 
man aus ihren vielen Ausgaben und Ueborsetzungen 
achliessen kann. Die erste bekannte französische Auit- 
gabe ist 1480 zu Lyon (ce livte est appellä Mande- 
ville etc.), und mit dieser etwa gleichzeitig, wenn nicht, 
wie ich vermuthe, schon früher, die erste lateinische Aus- 
gabe ( „Itinerarium domini Joannis de Mandeville, mi- 
.litis etc.''), ohne Ort und Jahrzahl, und dann noch einige 
Male. .Eine deutsche Uebersetzung druckte schon 1481 
Sorg zu Augsb., und 1482 Schönsperger daselbst, zu 
Strassburg Joh. Preuss 1^ und öfter, alle mit Holz- 
schnitten. Auch noch später wvde sie ab eine Art von 



134 

Volksbuch mit allerlei Zusätzen oft gedruckt. Eine ita- 
lienische Uebers. druckte schon im Jahr 1480 Pet. de 
Gorueno zu Mailand, weshalb ich eben die erste, Ltttticher 
lateinische Ausgabe flir älter als diese halte. (Auf dem 
ersten Blatt dieser Mailäudischen Ausgabe wird Mande- 
ville schon als Ritter vom goldnen Sporn bezeichnet, was 
für die Geschichte dieses päpstlichen Ordens interessant 
ist, und zugleich auf den Antheil, den der Papst an dieser 
Reise nahm^ schliessen lässt.) Andere italienische Aus- 
gaben folgten zu Bologna, Venedig und Florenz. — 
Wahrscheinlich viel späteren Ursprungs und viel weniger 
bekannt ist die Beschreibung der Reise, welche der Fran- 
ziscaner Nicola US Wanckel, ein Baier oder Schwabe, 
nach Jerusalem und der Levante gemacht hat, mit sechs- 
jährigem Aufenthalt in diesen Gegenden. Sein Buch, 
welches selbst Panzern unbekannt geblieben ist, ohnge- 
achtet ein Exemplar desselben sich in der Schwarzischen 
Bibliothek zu Altdorf (jetzt zu München oder zu Erlangen) 
befand, fUhrt den Titel: „Eine kurze Vermerkung der 
heyl. Stet des heyl. Landts in und umb Jerusalem, mit 
Verzeichnung der merklichsten Ding'' u. s. w., und ist 
zu Nürnberg 1517 gedruckt. Diese Reise war in den 
70ger Jahren des 15. Jahrhundert gemacht worden. Ohn- 
ge&hr gleichzeitig, oder etwas früher, hatte auch der 
italienische Geistliche Santo Brasca eine Reise nach 
Jerusalem . gemacht, welche Leon. Pachel und Ulr. Scius- 
fenfeller zu Mailand im Jahr 1481 druckten („Brasca 
Descrizione e Relazione del suo Viaggio a Gierusa- 
lerne. Mit einer Epistel des Verfassers an Anton. Lan- 
driaui zu Mailand und einer Epistel des Ambrosius Ar- 
chyntes Mediolan. an den Verfasser). Wenn die Ver- 



155 

umüittiig, dass diese Miteche zu ihrer Aeise von dem 
Cardinal Bessarion, einem der aufgeklärtesten und 
geistreichsten Prälaten seiner und der folgenden Zeit, 
aber auch in seinem wohlwollendsten Eifer für die Sache 
der Christenheit ein erbitterter Feind der Türken % ver- 
anlasst und abgesendet worden seien, Grund haben soU, 
so müssen diese Reisen vor dem lahr 1472, dem Todes- 
jahr des grossen Cardinds, angetreten worden sein, wor- 
über ich nichts Genaueres anzugeben im Staude bin. 

Viel weiter ausgedehnt war die Reise, welche schon 
in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts (nach Eduard 
Marsdeu und K» Sprengel in den Jahren 1270 — 1295) 
ein unternehmender angesehener Kaufmann aus Venedig 
und nachheriger Ritter Marco Polo, mit seinem Vater 
und Ohdm, während einer grossen Reihe von Jahren in 
den Orient, durch ganz Kleinasien, nach Medien bis zum 



*) Wie gross der Hass Bessarions (der aftch den 
Titel als Patriarch von Constantinopel führte) gegen die Tür- 
ken,' als Unterdrücker der Christen im Orient, und wie sehr 
er vpn dem Wunsche der gänzlichen Besiegnng und Zurück- 
treibung dieses Volkes aus Palästina u. s. w. beseelt gewesen 
sei, bezeugen seine- mit grossem Feuer geschriebenen „Epi* 
stolae ad Italiae Principes et Orationes de arcendis immani- 
bus Turcis a finibus Ghristianoropi'S gedruckt italienisch zu 
Venedig von Naldorfer 1471, und lateinisch zu Paris von 
Gerning 1471. — Bessarion als Stifter und Protector der 
Platonischen Akademie (von der oben bei Filelfo u. s. w. 
gesprochen wurde) schrieb auch zur Vertheidigung Plato's 
ein vortreffliches und sehr gelehrtes Werk „adversus caium- 
niiUorem PlcUonis", das Schweynheim und Pannarz zu Rom 
schon im Jahr 1469 druckten (sehr selten). 



136 

Indus , oder dem alten Backrien , Tersien , die Tärtarei 
ttnd Mongolei (wo die Reisenden als Abgesandte des 
Papstes Gregor X. an den Gross-Ghan Gnblai, einen grossen 
Freund des Ghristenthams, höchst günstig aafgenonHnen 
worden nnd mehrere Jahre yerwetlten), bis nach China 
(wo Marco P. sich anch lange Zeit anihielt und fttr 
dessen Entdecker gelialten wird) und Indien machte, und 
auf welcher dieser aufmerlLsame nnd alles Beachtenswerthe 
beschauende Beobachter allerdings Tiel Merkwürdiges und 
für die Lander- nnd VölkeriLunde Wichtiges fand, was 
Tor ilim noch kein Europäer «itdeckt und bescluieben 
hatte. Manche wollten ihm sogar — noch in neuerer 
Zeit -^ die Auffindung des Seeweges aus den indischen 
Meeren um das Gap der guten Hoffnung nach West- 
indien zuschreiben, und glaubten in einigen undeudichen 
Aeusserungen Spuren der yon ihm wirklich schon ge* 
machten Entdeckung von Amerikas Küsten zu finden, 
was sich indessen bei genauerer Prüfung als ganz uner- 
welslich herausstellt. Seine Nachrichten über China, die 
Erzeugnisse der Natur und Kunst daselbst und in den an- 
grenzenden Ländern, über die Erfindungen der Chinesen, 
ihre Medicin, Arzneien u. s. w. sind in der That Ton 
nicht geringem Interesse, wenn gleich Manches höchst 
übertrieben und mehr Phantasiegemälde als wirklich so 
existi?end nnd gesehen erscheint. Seine Schilderungen 
einiger der grössten Provinzen des Gross -Chans und 
der Städte Cambalu, Quinsay u. a, passen offenbar mehr 
auf China ( zumal das südliche ) als auf die Tärtarei und 
Mongolei, und es lässt sich wohl alles, wa« er von dem 
ungeheuren Reich des Gross -Clians Cublai sagt, und sein 
langer Aufenthalt daselbst, vielmehr auf China selbst 



157 

beziehen. — Wenn und wo das (italienische) Original 
seiner Reisebeschreibung zuerst gedraclit worden sei, 
ist nnbelLannt, und es sind Exemplare dieser ersten Aus- 
gabe gar nicht mehr vorhanden, oder sie liegen irgendwo 
vergraben. Denn es lässt sich doch denken, dass Marco 
Polo sein Itinerarium in italienischer Sprache niederge- 
schrieben habe, und die einzige bekannte Ausgabe in 
dieser ist die zu Venedig von J. B« da Lessa im Jahr 
1486 tt9ter dem Titel: „della Maraviglie del Mondo da 
lui (M. Polo) Vedute" gedruckte. Es wurde aber schon 
im Jahr 1477 eine deutsche Uebersetzung dieser 
Reisebeschreibung zu Nürnberg von Fr. Greussner ge* 
druckt („Hie hebt sich an das puch des edlen Ritters 
und landtfarers Marcho Polo*' u. s.w.), und einer andern 
zu Augsburg von Sorg 1481 und 1487 gedruckten Ueber- 
setzung mit des Herzogs Wilhelm Wallfahrt ist bereits 
oben gedacht worden *). Eine lateinische Uebersetzung, 
ohne Orts- und Jahrsangabe, die Hain anführt, mag 
wohl eben so alt sein, aber sie ist doch gewiss nicht die 
Originalausgabe. (In neuerer Zeit hat der gelehrte Eng- 
länder Eduard Marsden, eine neue englische Ueber- 
setzung mit belehrenden Brläuteruugen und Notizen ttber 



*) Oder wahrscheinlich nur ein anderer Druck derselben 
von Greussner gedruckten Uebersetzung, deren Verfasser un- 
genannt ist, denn sie fängt ganz mit densdben Worten an 
und endigt mit denselben, wie die erste Sorg'sche Ausgabe. — 
Beiläufig bemerke ich, dass derselbe Herzog Leopold von 
Gestenreich, dessen (und seines Sohnes Wilhelm) Leben die 
erste Hälfte dieses Buches bildet, ein astronomisches Werk: 
,>Gompilatio de astrorum scientia'^ verfasst und von Ratdolt 
zu Augsburg 1489 gedruckt worden ist. 



138 

Marco Polo herausgegeben, London 1816. Man sehe 
auch die neue Verdeutschang von Felix Peregriu, 
Leipzig 1802, and vergleiche Plac. Znrla's Schrift, 
Venedig 1818. 

In kirchlich religiösen Absichten und als Wallfahrt, 
doch nicht ohne chorographische Beachtung der ihm vor- 
gekommenen Merkwürdigkeiten hatte der Dechant und 
Kämmerer des Mainzer Erzstifts, Bernhard von Brei- 

9 

denbach, zwischen den Jahren 1483 — 84 eine Reise 
von Mainz über Venedig nach Jerusalem zum heiligen 
Grab und von da nach dem Berge Sinai, zu dem Grabe 
der heiligen Märtyrin Gatharina unternommen, und be- 
sonders auf dieser zweiten Reise Mehreres, was als neu 
oder bis dabin noch wenig bekannt, Syrien, einen Theil 
von Arabien, den Berg Sinai und seine Klöster, das 
Leben und die Bedrängnisse der dortigen Christen u. s. w. 
betreffend, das allgemeinere Interesse erregte, beobachtet 
und beschrieben. Nach seiner Rückkehr gab er die Be- 
schreibung seiner Reise ziemlich gleichzeitig in deutscher 
und lateinischer Sprache heraus, mit 'Widmung an den 
Kurfiirsten Berthold von Mainz. Die erste (Sanctae pere- 
grinationes in montem Sion ad venerand. Christi sepnl- 
crum, atque in montem Synai etc.) und die zweite (Die 
fart oder reys über mere zu dem heil. Grab u. s. w.) 
wurden von Erhard Reywich zu Mainz i486 gedruckt, 
mit Abbildungen und Landkarten in Holzschnitt, und er- 
regten so grosses Interesse, dass sehr bald neue Auls- 
gaben der lateinischen (Speier, Drach l&OO, 1502) und 
Uebersetzungen ins Französische , Holländische ( schon 
1486 zu Harlem, und öfter) und später ins Spanische 
(Saragossa 1498) folgten. 



159 

Noch eine andere und fttr die Kunde des Landes, 
ihres Volkes und ihrer Erzeugnisse in den andern Welt- 
theilen noch wichtigere and ergiebigere Veranlassung zu 
Reisen und Reisebeschreibungen, so ifie zu geographischen 
Leistungen gab die in das Ende des 15. Jahrhunderts 
fallende Doppel -Entdeckung Westindiens und des festen 
Landes von Amerika durch den unsterblichen Christoph 
Golumbus, welche dann durch Amerigo Vespuzzi, 
Fernando Cortez u. A. fortgesetzt wurde, und des 
Seeweges um das Cap der guten Hoffnung durch Bar- 
thol. Diaz (1486) und vollständiger durch Vasco de 
Gama, von welchem Weg schon der obengenannte Mar- 
co Polo und noch mehr vielleicht der grosse Nürnberger 
Geograph und Seereisende, Martin Behaim (geb. 2u 
Nürnberg 1430, lebte lange auf der Insel Fayal und starb 
nach 1506 zu Lissabon) sichere Vermuthung gehabt 
hatten. (JDem M. Behaim wurde selbst von Einigen die 
Entdeckung Amerikas vor Columbus zugeschrieben, wo- 
von eine falsch verstandene Stelle in Schedels Chronik Ur- 
sache war, und was durch den Spanier Chr. Cladera und 
von Murr selbst aus dem von Beiden beschriebenen echten 
Erdglobus des M. Behaim, welcher sich auf der Biblio.- 
thek zu Nürnberg befindet, zur Genüge widerlegt wurde). 
Columbus, der nach den Versicherungen mehrerer Schrift- 
steller über seine viermaligen Entdeckungsfahrten die 
erste Idee zu denselben aus Marco Polo's Reisebericht 
geschöpft haben soll und dem auch des von ihm persön- 
lich gekannten und geschätzten Martin Behaims Seefahr- 
ten und Entdeckungen wohl bekannt waren, gab zwar 
von seinen welthistorischen Entdeckungen in mehreren 
Sendschreiben an seine Monarchen und an andere Behör- 



140 

den nud ihm nahe stehende Personen genane Nachrichten, 
Jiess aber selbst keine Berichte darüber drucken *). Es 
ist indessen sehr frühzeitig der erste and sehr widitige 



. *) Die Tollstandigste Sammlung aller SendschreibeB und 
Tcrtranten Briefe des Columbos, so wie aller andern Acten- 
stücke, seine Entdeckungsreisen und Begegnisse betreffend, 
mit der authentischen Geschichte dieser Reise selbst nnd der 
Entdeckungsreisen der übrigen Spanier, aus den königlich 
spanischen Archiren, enthält das auf königl. Anordnung nnd 
auf kOnigl. Kosten Ton dem königl. spanischen Staatssecret&r 
nnd Director des D^dt hydrographique Don Martin Fer-. 
nandez Nayarrete zu Madrid 1825 in 2 Banden heraus- 
gegebene Werk: ^^Gollecion de documentos concemientes a 
la persona, yiages, y descubrinientos del Almirante D. 
Christob al Colon etc/^ Von diesem Werk ist zu Paris 
1828 eine firanzös. Uebersetzung tou Chalumeau de Vemenil 
erschienen, welche nochVorzfige Tor dem spanischen Original 
hat, weil sie Zusätze Terschiedener Anecdota TonNayarrete selbst, 
der diese Uebersetzung reyidirte» und Anmerkungai tou Ke- 
musat, CuTier, Balbi u. m. A. enthalt. Was die bessern 
spanischen Geschichtschreiber aus dem 16. und 17. Jahrhun- 
dert, der Y^rf. der Historia del Amirante, G. Spotorno, 
ein OTiedo, Herrera, Acosta, Zurita, Mariana u. A. 
über Columbus und seine Expeditionen nicht immer überein- 
stimmend berichten, das findet man in jenem Werk aus den 
Urkunden Tollkommen authratisoh zusammengestellt und tiel- 
fach berichtigt. Immerhin werden dadurch die ausführlicheren 
Erzahlnngen der genannten Historiker, so wie die des dem 
Columbus befreundet gewesenen Peter Martyr nichts weniger 
als überflüssig. Eine recht bündige und trefiBiche Geschichte 
des Columbus und seiner Reisen hat Washington Irving 
gegeben, und der deutsche Uebersetzer derselben (Frankinrt 
1620) hat sie mit sehr erheblichen Zusätzen bereichert. 



141 

epistolarische Bericht des Colambns an den könig^l. spa- 
nische Staatssecretär v und Schatzmeister Gabriel Sanchki 
über seine erste Reise in einer von Leander de Gosco 
geferti^n Uebersetznng ins Lateinische, zu Rom von 
Stephan nanck im Jalir 1493 gedruckt, erschienen (diesen 
Brief hatte Golnmbus gleich nach seiner Rückkehr im 
Februar 1483 zu Lissabon geschrieben), unter dem Titel: 
^, Bpistola Ghristofori Golom, cni etas nostra multum debet, 
de Insulis Indiae supra Gangem nuper inventis etc.," und 
der Druck desselben ist noch in demselben Jahr einige 
Male wiederholt worden. (Das spanische Original befin- 
det sich in der unten angezeigten Gollecion von M. Fem. 
Nayarrete). Eine deutsche Uebersetzung , zu Ulm gefer« 
tigt, erschien zu Strassbnrg 1497 aus der Officin des 
Barthol. Ktister. — Die älteste gedruckte Beschreibung 
der ersten und zweiten Reise des Golnmbus ist wohl 
die, welche der Italiener Montalbodo Fracanzano 
aus Vicenza daselbst mit des Amerigo Vespuzzi, Luigi 
Gadamosti und einiger Anderer Reisen ^zuerst anonym 
1507 unter dem (von Panzer unrichtig angegebenen) 
Titel: „Mondo nuoYO, e Paese nuovamente ritrovate", 
dann wieder 1508 in Mailand herausgab. (Eine noch 
frtthere Ausgabe des ursprünglich spanisch geschriebenen 
Originals soll schon 1504 von Albert von Vercelli in 
Venedig herausgegeben worden sein.) Dieses höchst sei- 
tene Buch, welches für die erste gedruckte Sammlung yon 
Reisen gehalten wird, wurde noch in demselben Jahr 
1506 von Archangelo Madriguano ins Lateinische über«* 
setzt und unter dem Titel: „ItiuerariumPortugallensium'S 
(bloiss deswegen so genannt, weil jener L. Gadamosti, 
dessen Reise auch hierin, aufgenommen ist, in Portugiesi- 



142 • 

sehen Diensten i¥ar; in Mailand gedruckt. Späterhin 
(J533) veranstaltete der gelehrte Simon Grynaens eine 
neue sehr vermehrte Ausgabe dieser Sammlung, mit Zu* 
fügung anderer Reisen und liess sie unter dem Titel: 
„NoYUs Orbis regionnm'' zu Basel bei Heerwagen drucken. 
Zur Ergänzung dieser Nachrichten über Golumbus dienen, 
neben den von den altern und glaubwürdigsten unten 
genannten spanischen Historikern (von denen bekanntlich 
nicht Alle treu und günstig fÜrColombo schrieben, Einige 
sogar als Ankläger gegen ihn auftraten, wie J. B. Garci- 
lasso de la Vega, Bernard Aldrede, Roder. Garo, Gregor 
Garcia u. A.) gegebenen Berichten, besonders auch die 
genauen und ausführlichen Erzählungen des wackem und 
wahrheitsliebenden Peter Martyr aus Anghierra im 
Mailändischen (der P. M. de Anglesia genannt), eines 
Zeitgenossen (geb. 1455, zu Valladolid gestorben 1526) 
und vertrauten Freundes des grossen Amirante. Seine 
Hauptwerke hierüber, unentbehrlich für die Vervollständi- 
gung der Geschichte der Entdeckung von Amerika, sind 
seine „Decades VIII de rebus oceanicis et orbe novo'% 
in seinen Opera, Sevilla, ^vön Jac. Gronberg 1511 nebst 
seinen übrigen Schriften gedruckt, und die Sammlung 
seiner Epistolae ad diversos, welche erst später (1530) 
vollständig als Opus Epistolarum P. Martyris Ang^esii, 
in 38 Büchern, deren jedes die Briefe eines Jahres ent- 
hält, zu Salamanca herauskam. Ausserdem finde ich bei 
Panzer noch folgende Schriften von ihm als einzeln ge- 
druckt angegeben: ^,De nuper sub JD. Garolo repertis 
insulis 'S Basel, Petri 1521, und: „Sommario della gene- 
rali Istoria dell Indie occidentali '% Vened. 1534, von wel- 
chen beiden ich in dem belehrenden Aufsatz über Peter 



143 

I 

Martyr, welchen Washing^oii Irving seiner Geschichte des 
Columhus einverleibt hat, nichts erwähnt finde. ~ Ein 
anderer Freund des Amirante, der mit ihm die Reisen 
nach'Amerika gemacht hatte, Alexander Geraldini 
zn Madrid, beschrieb diese ebenfalls in seinem sehr selten 
gewordenen „Itinerarium ad regiones snb- aequinoctiales, 
s. L et a. (ob zu Madrid?). — Auch über die Ent- 
deckungsreisen des Zeitgenossen und Nachfolgers Golom- 
bo's in diesen Fahrten nach der neuen Welt, des Floren- 
tiners Amerigo Vespuzzi (geb. 1451, gestorb. 1512) 
besitzen wir gedruckte Nachrichten aus jener Zeit und 
zwar die erste von Amer. Vespnzzi selbst in seinem 
Sendschreiben an Lorenzo de Medici zu Florenz vom 
Jahr 1504 über seine dritte Fahrt, das (vermuthlich ans 
dem Italien, tibersetzt) in latein. Sprache zu Strassburg 
von M. Hupfuf 1505 unter dem Titel: Americus Vesputius 
de orbe antarctico per Regem Portug^ae pridem invento *' 
gedruckt wurde. (Zwei frühere Sendschreiben des Ve- 
spuzzi an denselben Lorenzo Medici über seine früheren 
Reisen nach Amerika wurden erst resp. 1745 und 1780 
zu Florenz im Druck herausgegeben.) Es ist dieses der* 
selbe Brief, welcher auch in der oben erwäJuiten Samm- 
lung von Montalbodo Fracanzano italienisch, und in dem 
Itinerarium Portugallens. wieder lateinisch und daraus in 
des S. Grynaeus Orbis novus wieder abgedruckt wurde. 
In demselben Jahr 1504 und vor seiner letzten Reise 
nach Brasilien schrieb Vespuzzi einen lateinischen Brief 
an den Herzog Ren^ von Lothringen, in dem er seine 
bisherigen Reisen beschreibt, und der zuerst zu St. Diest 
in Lothringen 1507, dann In italienischer Sprache zu 
Florenz 1510. unter dem Titel: „Leitera de Amer. Vesp. 



i44 

delle Isole nnovameiite trovate in qaattro saoi viagfi'' 
gedruckt wurde. Auch in des Grynaens Novns Orins ist 
er lateiniseh abgedruckt. (Diesen Brief hat Panzer nidit, 
dagegen f&hrt er unter, dein A. Vesputins eine Sdirift 
,, Mnndus noYus, '' s. 1. et a., und «ine französische Ud)er> 
Setzung derselben zu Paris, Janot» s. a., und daselbst, 
GaUiot du Pr^ 1516, auf, von denen ich sonst nirgends 
Nachricht finde und die yieündit andere Uebersetzungen 
oder Bearbeitungen jener Brirfe waren). Dieses Schrei- 
bai an Herzog Ren^ hat wegen der darin besdiriebenen 
ersten Reise des A. V. im Jahr 1497 nach der Küste 
Ton Paria, die er nach den Versioberungen der glanb- 
würdigsten spanischen Autoren gar nicht, untemonum» 
und seine en^e Reise erst 1489 gemacht haben soll, 
während die Küste von Paria schon von Golumbus ent- 
deckt worden war, grosse Anfechtungen und Widerspruche 
gefunden, worüber Wadliington Irving belehrende Aus- 
kunft giebt. 

Ein anderer Nachfolger Golombo's, in der Entdeckungs- 
geschiohte Americas einen viel höheren Platz einnehmend 
als Amer. Vespuzzi, der grosse Fddherr Fernando 
Gortez (starb 1547), yerfiasste ebenfalls mehrere Beridite 
über die von ihm entdeckten und eroberten Länder, be^ 
sonders Mexicos, und auch mehrerar westin<fischen Inseln. 
Von diesen wichtigen Berichten sind als zu seiner Zeit 
gedruckt verzädutet: im iranischen Original, „Relacion 
de las tierras ^ provincias, que F. G. etc'S Sevilla, 
von Jacob Gronberg, 1522. -- „Garta ter^a de Re- 
lacion embiada al Don Garlos '*, ebendas. Derselbe 1523. — 
„La qnarta Relacion 'S Toledo 1525. -- In italieniscber 
Uebersetzung: „Narradone della nova Spagna de Mure 



\. 



143 

Oöeaiio'S Venedig, Bcrtt. de Vlano, 1524. — In latei- 
nischer Sprache: „de lusulis naper inVentis ad Garo- 
liim V/S Nürnberg V Fr. Peyptis, 1525 (vermuthlich die 
Ud)ersetzung des frühesten Berichts dieses grossen See- 
fahrers und Heerführers , dessen spanisches Original nicht 
bekannt geworden ist.) — Die darauf folgende Ent- 
deckung und Eroberung von Peru durch Balbao, und 
vorzüglich durch Pizarro, brachte auch einige Schriften, 
namentlich eine zu Sevilla 1534 von Barth. Perez, und 
zu Venedig 1535 von Sabio gedruckt mit dem (ital.) Titel : 
La conquista del Peru e Provincia de Guzco. Mehrere 
andere hieher gehörige Schriften hat N.avarrete in 
seinem oben (in der Note) angefahrten Hauptwerk für die 
Geschichte der spanischen Entdeckungen in America, von 
welchem Colombo*s Entdeckung die beiden ersten Theile 
bilden, verzeichnet. — 

Die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien tüid 
die darauf folgende Besitznahme mehrerer Kttstengegenden 
diesseits und jenseits des Ganges, so wie mehrerer Inseln 
im indischen Meer durch die Portugiesen und Spanier, 
vorzüglich die grossen Unternehmungen des grossen AU 
bnquerque in Ostindien, veranlasste ebenfalls schon in 
den ersten Decennien darnach versdiiedene, zur nftherli 
Kenntniss dieser weiten Landschaften und ihrer Er^seug«- 
nisse führende Schriften. Weit mebrerd wurden aber erst 
in der spätem Zeit veröffentlicht , und nicht Wenige Händ^ 
Schriften , zur Geschichte dieser Entdeckungen und Länder 
gehörige, liegen neeh in den spaidschen und portugie- 
sischen Archiven und Klöstern vergraben ^ wie man dcki^k 
aus J. P< Maffei*s noch immer schätzbarem Weil ,^Histo- 
riarnm hdicar. Libri XVI (Llig<l. 1560) goyiesso», attd 

10 



146 

iiocfi gewisser aus den neueren Geschicbtswerken über In- 
dien entnehmen kann. Von jenen ältesten gedruckten choro- 
graphischen u. a. Werken tiber Indien kenne und nenne ich 
nur: „ Itinerarium Portngallense e Lusitania in Indiam'' 
(ob aus dem Portugiesischen?), Mailand 1&06. — „Gesta 
proxime per Portugalleuses iulndia, Ethiopia'' etc., Ntirn> 
berg, Job., v. Weissenburg, 1507. — Pet. Alphons 
Malher eux „Gesta per Portugallehses in India'S Goin, 
Landau, 1507. (Ist verrouthlich dasselbe mit dem vorigen). — 
Maximilian. Transsylvanus „de Molnccis Insulis'S 
GOln, Euch. Genicornu, 1533, und Desselben umfas- 
senderes Werk „ de Hispanorum navigatione inOrientem'S 
Rom, Galvus, 1533. Einigermassen kann auch das 
anonyme Werk „Le grand Voyage de Hierusalem, pour 
la recouvrance '' etc., Paris, Regnault, 1517,1522, hieher 
gerechnet werden , insofern es auch mehrere chorogra- 
phische Nachrichten über Palästina und NatoUen enthält. — 
Die Schrift eines Nicolaus Scyllacus „d« insulis Meri- 
diani nuper inventis'' finde ich ohne Ort und Jahrszahl 
aufgeführt. Sie bezieht sich yermuthlich auf die west- 
indischen Inseln. — Ein vorzüglich reichhaltiges und in 
historischer wie in naturhistorischer (besonders botanolo- 
gischer) Hinsicht wichtiges Werk des gelehrten Spaniers 
Gonzalez Hernandez de Oviedo: „Historia general 
y natural de las Indios y tierra forma del mar Oceano'% 
in zehn Büchern, zuerst gedruckt zu Toledo 1526, mit 
Abbild., dann zu Sevilla 1535, auch ins Französische 
übersetzt von Poleur. unter dem Titel: „Histoire natu- 
relle et generale des Indes'', bezieht sich nicht auf 
Ostindien, sondern auf Westindien und America. — In 
Hallers Biblioth. botan. I. finde ich noch unter Hemandez 



147 

das Werk eines Gonsalvi unter ganz ahnlichem Titel 
in italienischer Sprache aufgeführt : „ Summario della na- 
tural y general historia della India Occidentale, tradotto 
deila lingua Gastillana /' Vened. 1535. Ob dieses (wie 
Hailer anzunehmen scheint) ein Auszug aus dem vorigen, 
oder ob es ( wie ich eher glauben möchte ) ein eigenes 
Werk mit Benutzung des erstem sei, muss ich unent- 
schieden lassen. ~ Des alten Florentiner Geschicht- 
schreibers Johann Poggio „Descriptio Indiarum orien- 
talium'S 1482, ist schon oben gedacht 'worden. 

Auch unabhängig von diesen Entdeckungen wurde 
für die Erdbeschreibung in allgemeinerem Umfange, 
so wie flir die Geographie einzelner Erdtheile und Län- 
der in der Periode^ von der es sich hier handelt, nicht 
Weniges und darunter Erhebliches geleistet, wozu vor- 
züglich die. mit grösstem Interesse studirte Geographie 
des Cl. Ptolemaeus (s. oben) Veranlassung gab, eben so 
wie durch den Druck seines Almagestum (s. oben) und 
durch den der classischen Werke eines Georg Peuerbach 
und Johann von Königsberg (s. oben) das Studium der 
höhern Mathematik und höhern Arithmetik, und besonders 
der Astronomie und mathematischen Geographie sehr in 
Schwung gesetzt und in vielen Schriften *) bethätigt 



*) Zu den schon oben bei Joh. Regiomontanns genannten 
Schrifien aus den ersten 5 bis 6 Decennien nach Erfindung 
der Buchdruck erkunst über höhere Rechenkunst, Astrononne 
und mathemat. Geographie will ich hier noch folgende, unter 
mehreren andern bemerkenswerthe, nachtragen. Georg Peuer- 
bach s Opus Algorithmi (Logarithmi), Wien s. a. (zwisdien 
1480 — 83), welches mehrere Schriften Änderer flber Loga- 

10* 



148 

warde. Eine der ultesten gedruckten Schriften dieser Art 
war die Geographia des Florentiners Francisco Ber- 
linghieri, secondo la Geograpbia de Ptolemeo, in terze 
rime e lingua Toscana, Florenz, Nfcolo Tedeschi, s. a. 
(um das Jahr 1477), mit 31 Karten in Kupfer ge- 
stochen, und sie ist nicht nur durch diese Karten in 
Kupferstich, die zu den ältesten in dieser Art gehören, und 
die keineswegs blosse Gopien der Ptolemaeischeu Karten, 
sondern von dem Verfasser selbst gezeichnet sind (doch 
überall an des Ptolem. Bestimmungen sich anschliessend), 
sondern auch dadurch merkwürdig, dass sie in Versen ge- 
schrieben ist. Eine ähnliche, unter dem Titel: „Gosmo- 
graphia dans manuductionem in tabulas Ptolemaei," gab 
Heinr. Bebel zu Basel 1496 heraus. — Vollständiger 
waren allerdings die nach der Entdeckung Amerikas 
verfassten Erdbeschreibungen, unter welche des tüchtigen 



rithmenrecAnungeQ zur Folge hatte, so zu Leipzig l&Oä eines 
Anonymus Algorithmus de integris nünnciis Tulgaribns, ge- 
druckt Ton Martin Herbipolitan. ; dasselbe ebendaselbst 1507, 
gedruckt Ton Wolfgang Monacens., und öfter; Algorithmus 
linealls, Gracau 1517 u. A. — Alphonsus Rex Gast!- 
liae, Tabulae astronomicae, Venedig 1483.* — ]]Abraham 
Z acutus, Tabulae motnum coelestium, cum additamentis 
Alphonsi de Gorduba, Vened. 1496. Desselben Tabulae 
ü^tronomicaeb, trad. per Jojlk. Vizin, Leiria^ 1496. — Ja- 
cob. Angelus, Tractatus i$ Gometia, s. 1. et a. (gegen 
1478). — Johannes Angelas, Asfrplahiom planum in 
^^ä9 ascendens. Augsb. Ratdolt 1480. — Dessen Ephe- 
merides coelestium motuum usque ad annum 1500, Wien 
Winlexburger 1494«— Jo. Blanchini, Tabulae astronomi- 
cae et Cian<^nes in eas. Vened. Beyila^a 1495. 



149 

Nttrnberger Mathematikers utid Geographen Schoner ^) 
von Karlstadt „ Lueitleiitissiiiia toflus terrae dcscriptlo/' 
Nürnberg, Stuchs 15]5, und desBenricu» 61af*eanu8 
(von Glarus) „de Geograpbia liber/' Basel 1327 1&26, 
gedruckt von Faber Eilueus, mit Karten in Holzschnitt, 
und dann zu Freibarg noch mehrmals aufgelegt, bemer- 
kenswetth sind. Von diesem Letzlern (Heinrich yon Gla- 
ruft) ist auch ein ,, Globus Mundi'' zu Strassburg von Gru- 
ningeir 1509, und eine „Descriptio de sitti Helvetiae'* zu 
Basel von Joh. Frohen 1515, 1519 gedruckt. Er schrieb 
ausserdem auch einige philologische Schriften zur Er- 
klärung des Horaz und des Ovid, und 'Elegiarum Ubri II 
ad Ulric. Zwingli, Basel, Proben 1516. — Orontius 
Fineus zu Paris schrieb eine „Nova totius Galliae de-^ 
scriptio'S gedruckt von Simon Colin, Paris 1525. Er 
war zugleich ein guter Mathematiker und schrieb unter 
Anderem eine „Proto-MaAhesis'S als Lehrbuch Ar Stu- 



*) Schoner, der gleich seinem Vorgänger Regiomon- 
taaus zu Nürnberg einige seiner Bücher selbst gedruckt hat, 
schrieb auch mehrere sehr geachtete astronomische Werke,, 
unter ihnen namentlich „ßlohi stelliferi srve Sphaerae stel- 
iarum usns% dazu noch Appendices, Nfimh., Stuchs 1518; 
dann Aeqiiatorii astronomici Ganones, ib. Pejpptts 1522; Ta^ 
bulae astronomicae correctae, ih. Jo. Petrus 1534. Auch 
gründliche Anweisungen zur hohem Rechenkunst, namentlich 
„Tabulae radicum entractar. '' Nümb. in seiner Druckerei 
1524, and Algorithmus demonstratus, ib. 1534.^ — Beiläufig 
bemerke ich, dass eines der ältesten deutschen Rechnung s - 
bücher, unter diesen eii^chen Titel zu Bamberg 1463 
Ton Petzensteiner^ von- J. Widmamn zu Leipzig 1489 
Ton Kachelofen gedruckt worden ist. 



ISO 

dirende, Paris, Colin 1532, einen „ Quadrans astrolabicus '% 
ib. 1534, und gab desEnklid „geometric. elementor. libii 
sex'' mit dem griechischen Text und mit Commentarien 
heraus (1536). — Ein gewisser Sempronius schrieb 
„de diyisione ItaKae", Paris 1510. — Sehr oft wnrde 
des Gajus Jul. Solinus „Polyhistor, sive de sitn orbis 
terrar. et de mirabilibus mundi,'* welches zugleich eine 
Geschichte und specielle Topographie der Stadt Rom ent- 
hält, schon in den ersten Zeiten der italienischen Typo- 
graphie gedruckt; zuerst zu Rom s. a. (vermuthlich noch 
Yor 1470), und daselbst von Schurener von Boppard s. a., 
dann zu Mailand und Paris s. a. , zu Venedig von Nie. 
Jenso 1472, und dann noch öfter. — Joh. Leo gab 
im Jahr 1526 zu Rom eine ftir jene Zeiten merkwürdige, 
wenn schon sehr mangelhafte und nicht immer zuver- 
lässige „Descriptio Africae'' in 9 Büchern heraus. — 
Unter dem einfachen Titel „Mundus noyus*' war schon 
im Jahr 1504 eine Beschreibung des bis dahin entdeckten 
Theils von Amerika, aus den oben angezeigten spanischen 
Quellen von einem Ungenannten entnommen, zu Augs- 
burg von Otmar gedruckt worden. — Die „Descriptio 
geographica Syriae, Palaestinae, Egypti etc.** von einem 
Anonymus, erschien zu Strassburg 1532. — Früher 
schon (1519) hatte Joh. Romberch von Kirspe in 
Westphalen eine „ Descriptio terrae sanctae *' zu Venedig 
drucken lassen. Und noch viel früher, vor und nach 
1480, hatte der Vicekanzler der Regierung zu Rhodus, 
Wilhelm Gaorsin, berühmt als Staatsmann und als 
Historiker, eine Beschreibung der Stadt und Insel Rhodus, 
nebst einer Beschreibung der Belagerung der Stadt Rho- 
dus ( die auch als eine eigene Schrift in italienischer und 



N. 

lateinischer Sprache zu Rom, von Parina, u. a. 0. von 
1480 an erschien) und anderer Denkwürdigkeiten jener 
Insel und seiner Zeit (darunter auch die Geschichte der 
Rhodiser-RitTer) drucken lassen, welche Schriften alle in 
der Gesammtausgabe der „Opera Gull. Gaoursin, Ulm, 
Reger 1496, vereinigt 'sind. — Deutschlands Geographie 
wurde von Wilibald Pirkheimer mehr historisch als 
topographisch aus den vorhandenen Schriftstellern („Ger- 
maniae ex variis scriptoribus explicatio'S Augsb., Steiner 
1530, Nürnberg, Peträus 1530), besser von Sebast. 
Münster (Gerroaniae atque aliarum regionum descriptio, 
Basel, Gratander 1530) bearbeitet. Münsters grösseres 
Werk, die „Cosmographia'' erschien erst später (Basel 
1544) im Druck *), — Den Aetna beschrieb Peter 
Bembus sehr ausführlich (Venedig, Aldus 1495). ^. 
Beschreibungen einzelner europäischer Städte und Gegen- 
den kamen in dieser Periode höchst selten vor, ausser 
von Rom, über dessen Topographie, Geschichte und 
Alterthümer sich nicht nur das^ schon oben angeführte 
Werk „Italiaillustrata'S sondern speciell auch die beiden 
sehr alten Schriften: Mirdbüia Romae, daselbst schon 
vor 1472 gedruckt von Rot, Plannck, Silber und m. A., 
und Mirabilia seu Historia et descriptio urbis Romae, 
Rom, Steph. Plannck gegen 1480, 1489, daselbst Marcellus 



'^) Derselbe Sebast. Münster, der früher in Schwaben, 
zuletzt in Basel lebte, zeigte sich auch durch seine Schriften 
über die Mechanik und Gonstmction der Uhren („Com- 
positio^norologiomm '', Basel 1531, und „Horologiographia'' 
daselbst 1533) als einen geübten Mechaniker. Auch schrieb 
er ein Orgiuion Uranicum. 



im 

Silber 1491, 1490, und aoeh sehr oft, verbreitei. — Die 
Practica Cokmiemi$ des Magister Sigismaud van 
Ff ü Stadt (Göla 1493), uad die Practica Lipsiensis, van 
dem bekanutea Arzt und Herausgebe de^ Maadinus, 
Martin Polich yoa Mellerstadt (Leipzig 1487) eat- 
halten zwar a^^^h einiges Topographische, »nd aber 
doch mehr astr^^nomisch-s^strologische nnd Witterungs- 
kaloader, oder sogenannte Prognostica und Vaticinia, der> 
^t^en mehrere, nawentlich zu Venedig 148^, 89 er- 
schienen. (Vergl. das oben bei den Schriften des Job. 
flegiomontanus hierüber Gesagte. — 



So sehen wir nicht allein, wie sehr durch das Mittel 
der Typographie nicht nur die Kenntniss der Länder und 
Volker und insbesondere «1er entfernteren und der neu- 
entdeckten Erdtkeile, die ebne dieses Mittel für alle An- 
deren als die Seefahrer un4 Rjßisenden u^ etwa audi die 
ebern Staatabehitirden als Bertditempfö.nger wer weiss 
wie lange noch eine tefxß, ineogi^la gebliebe» wären, 
gefihrdert wurde, sondern war erk^nen in dten zählreichen 
Schriften, die schon in wenjg^ ais^ einem Jahrhundert 
nach Erfindung der Bachdrucketknitst in diesem vorher 
lange Zeit fast brach gelegenen Felde der Geo- und Kosmo- 
graphie gedruckt wurden, ein höchst fruchtreiches und 
wichtiges Mittel zur Anregung, Unterhaltung und Aus- 
dehnung des Verkehrs mit diesen entfernteren Ländern 
und Völkern, und zur rascheren Entwicklung aller der 
Vortheile, die apts ihm. ftir das Aufblühen des Handels und 
d0V Sclüif£^rt, der KiMisie und Gewerbe wA flix die 
Bereicherung der Natur- und HeiJkunde mit einen IVlenge 



ueu^r Naturproduete, Nahruugs- und Heilmittel gewonnen 
wurden. 

Dieses iUirt mich im natürlichen Zusammenhange auf 
eine -- ebei^falh nur in der gedrängtesten Kürze und 
nur mit Angabe des Vorzüglicheren und Einflussreicheren 
zu gebende -^ Uebersicht der Leistungen der Tjrpographie 
des ersten Jahrhunderts nach ihrer Erfindung in dem 
Gebiete der^ Naturkunde und der gesammten Me> 
dicin, sanunt Anatomie, Physiologie (diese beiden 
freilich in dieser Periode nur noch in der ärmlichsten 
Gestalt)» Arzneimittelkunde,. sammt Diätetik und 
Nahrungsmittelkttttde. In diesen Gebieten des Aes- 
culap und der Hjrgea hat die Typographie schon in 
jener ältesten Zeit ihrer Wirksamkeit yorzjiglich grosse 
und im eigentlichen Sinn heilfördernde Früchte für die 
bürgerliche Gesellschaft in Europa wie für die einzelnen 
bdiTiduen gebracht. Wahr ist es freilich, dass der innere 
Gehalt der allermeisten Qriginalschriften in diesen eben 
so umfangreichen als wichtigea Fächern^ Hit in jener 
Periode aus den^ Pressen hervorgingen, auf der Wage 
der Wisfi^enscbaft vm ab ein geringer erscheinen, und 
das& er den Vergleich mit der Mehrheit der bedeutenderem 
«nd werthvoUeren Leistungen, die die nächstfolgenden 
Jahrhunderte in jenen Fächern brachten, nicht aushalten 
kann. Wahr ist es, dass unter den zum Druck gebrach- 
ten« medicinischett und natortiistorischea Schriften! aus jener 
ältesten Periode auch nicht wenige waren, die dnrch Inr- 
hall und Perm weder die Wissenschaft noi;h die Kunat 
förderten, sie vielmehr durch starres Festhalten an den 
antiqiurien, Formeln und. boMen Wortkrämereien des ana- 
bisirten Galeniamus und der Mönchsischolajstik in ihren 



154 

Fortschritten hemmten, und die als. wirklich schlechte Pro- 
ducte oder als blind nachbetende Gompilationen des 
Druckes nicht werth waren. Ein Vorwurf, den man frei- 
lich auch eben so gut vielen schlechten und höchst ent- 
behrlichen Productionen des 16. und 17. Jahrhunderts 
machen kann, und, möchte man nur nicht noch hinzufiigen 
müssen : den auch unter den durch die Zeit mitgebrachten 
Wechseln und Veränderungen, nach längst erloschner 
Herrschaft des Galenismus und der viel schlimmer ge- 
wesenen pseud-Aristotelischen Dialektik und Scholastik, 
noch das 18. Jahrhundert und die . neueste Zeit nicht 
von sich abweisen können. — Aber nichtsdestoweniger 
brachte die rasche Verbreitung der Typographie, haupt- 
sächlich in Italien, und hier wieder am frühesten und am 
meisten in Venedig, Florenz, Rom (das im Druck medi- 
cinischer und naturhistorischer Werke diesen beiden, und 
in etwas selbst den beiden folgenden nachstand), Mai- 
land, Bologna und Neapel, sehr bald aber auch in Deutsch- 
land, Frankreich und den Niederlanden (etwas später 
erst in Spanien und England), mit dem Druck der besse- 
ren, nützlicheren und schon mehr Eigenthümliches auf 
dem Grunde eigener Beobachtung enthaltenden Werke der 
Aerzte und Naturforscher jener Zeit, und einiger noch 
älterer von der Blüthe der Salernitani sehen Schule, auch 
ein viel regeres Leben und Streben im Felde der medici- 
uischen Litteratur hervor. Die längst vorhergegangene Er- 
richtung der Universitäten und medicinischen Schulen zu 
Bologna, Paris, Montpellier, Neapel, Padua, Mailand, To- 
ledo, Salamanca, Lissabon, Oxford, Cambridge (alle diese 
mit noch einigen andern schon im 13. Jahrhundert ge- 
gründet), so wie die Thätigkeit der im 14. und 15. Jahr- 



158 

hundert errichteten Universitäten zu Pavia, Prag, Wien, 
Heidelberg, Cöln, Erfurt, Wtirzburg, Leipzig, Basel, Tü- 
bingen, Rostocli u. s. w., war hierzu vorzüglich behtilf- 
lich und leistete den Bemühungen der gelehrteren und 
forschbegierigen Arzneilehrer, Mönchsärzte und chirurgi- 
schen Artisten (das Ursprungswort von Arzt, Erzt), ihre 
und ihrer Vorgänger Schriften und Lehren aus den Hand- 
schriften durch die Presse zur allgemeineren Kenntniss 
und Benutzung zu 4)ringen , den wirksamsten Vorschub. 
Vor AUem aber war es der seit den siebenziger Jahren des 
15. Jahrhunderts begonnene Druck der Werke der alten 
römischen und griechischen Aerzte und Natur- 
forscher, der griechischen zwar bis wenige Jahre vor 
dem Ende dieses Jahrhunderts in lateinischen, grossentheils 
mangel- und fehlerhaften Uebersetzungen, aber doch nun 
bald schon, und in grösserer Zahl in den beiden letzten 
Decennien desselben Jahrhunderts, der Druck der ganzen 
Werke dieser Classiker, nicht mehr wie früher blosse 
Bruchstücke aus ihnen oder sinnentstellende Paraphrasen 
arabischer und arabistischer Commentatoren, welcher jetzt 
das Mittel wurde, den Aerzten und Physikern die Quellen 
alter Forschung, Lehre und Erfahrung zugänglich zu 
machen, viel leichter zugänglich wenigstens, als dieses 
vorher durch die weder immer und überall vorhandenen, 
noch immer brauchbaren und richtigen Codices möglich 
gewesen war. Jetzt erst, als statt der schlechten lateini- 
schen Uebersetzungen der naturgeschichtlichen Bücher 
des Aristoteles und des Theophrasts und Dioscorides, die 
noch überdies grösstentheils nicht aus dem griechischen 
Original, sondern aus arabischen Uebersetzungen der- 
selben gemacht worden waren, der griechische Aristoteles, 



106 

Theophrast und Dioscorides, stalt einiger hOciial dürftigen 
Auszüge and Bruchstücke aus Hippokrates (meisl nur in 
der Artice IIa, einer längst wertMosen and nijsht in der 
besten Auswahl gemaehten Sammlung von Brachstücken 
aus Hippokrates , Galen u. A. *), der ganze Hippokrates, 



*) Diese Articeila, welche für die Salernitanische 
Schule (in ihrer spätem Periode) und für die nächstfolgenden 
italienischen, französischen und spanischen Arzneischulen das 
Hanptcompendium zum Unterricht in der medicinischen Theorie 
and Klinik bildete, und wahrscheinlich yiel ftlter Ist, als 
Seguier (der sie emem spanischen Arit zu Valencia, Pedro 
Som-er, zuschreiben möchte; siehe Halle r Biblioth. med. 
pract. I. p. 469) meint, enthielt zuerst die Einleitung des 
Johannitius (mit seinem wahren Namen Hhonain ben Isaak, 
eines christlichen und ausgezeichnet gelehrten Arztes in Sy- 
rien, aus der berühmten ärztlichen Familie der Baktischnah, 
zu Anfang des 9. Jahrhunderts, der einen grossen Theil der 
Galentschen Schriften in das Syrische übersetzte, aas welchem 
sie dann yon den Arabern in ihre Sprache übertragen wur* 
den), hierauf die kleinen unbedeutenden Schriften des Phi- 
laretus de pulsibus, und des Theophilus de urinis (beide 
aus dem 7. Jahrhundert); dann die Aphorismen des Hippo- 
krates, mit Galens Gomment., sein Buch de victu in 
acutis, mil Galens Gomnientar, sein Epidemior. über I, mit 
dem Gommentar des Alexandrinus, und seine Bücher de natura 
« hum., de aere, aqnis et locis, de natura foetus, de lege, de 
jurejurando, dann das (wahrscheinlich unechte) kleine Buch 
Galens de arte, das unter dem Namen Tegni Gah 
besonders hoch gehalten und sehr oft einzeln gedruckt 
worden ist (Alles lateinisch), zum Theil von Gonstantin. Africa- 
BUS übersetzt; zutetzt des Gentilis Ton Foligno libell. 
de diTisime Ubrerum Galeniw Die älteste Ausgabe mit der 
Jidszahl ist die von Herrn. Lichtenstein aus Göln zu Venedig 



IttT 

späterhin auch der ganze Galen, and so auch die übrigen 
Aerzte und Naturlehrer Griechenlands und Italiens bis 
zum 6. oder höchstens 7. Jahrhundert herab % den abend* 
Iftndischen Lehfem und Aerzten in gefklligem, lesbarem 
Druck (so freilich nicht in den ersten Ausgaben der grie* 
chischen Autoren mit den vielen für Ungeübte so schwer 
lesbaren Abbreviaturen) in die Hände gegeben wurden, — 
jetzt erst gelangten die Forschbegierigeren unter ihnen, 
die der bisherigen eben so geistlosen als alWc« wahren 
Beobachtung und Erfahrung entbehrenden, durch ihren 
sophistisch -dialektischen Wortkram jämmerlich entstellten 
und verkrüppelten Mönchstheorie und Schnlklinik satt 
waren, zur übersichtlichen £rkenntniss des Bessern, Gei- 
stigeren, Beobachtungsreicheren, was ihnen die alten Aerzte 
boten, oder wozu sie ihnen wenigstens den Weg auf- 
schlössen. 

Von dieser Zeit an datirt sich eine neue und glück- 
lichere Periode für das Studium und die Behandlung der 
Naturwissenschaften und der Medicin, die nun eine wür- 
digere und reinere Gestaltung auf dem Boden der Natur* 
beobachtung und der Analyse erhielt, wenn auch nicht 
für den Vulgns roher Empiriker und für den Ignoranten 



1483 gedruckte. Andere Aasgaben erschienen daselbst 1487, 
1491, 1493, 1500. Die spateren Ausgaben zu Lyon 1515, 
1525 haben noch viele Zugaben ans Avizenna und RhaZes. 

*) Das heisst, bis zu Pauls von Aegina und Palladius 
Zeiten; denn die noch spätem und schlechteren griechisch- 
byzantinischen und lateinischen Aerzte können eben so wenig 
mehr zn den Autoren des Alterthums gerechnet werden, als 
die arabischen Aeivte. 



158 

geistesträgen AnhSlnger des Althergebrachten. Diese 
Reform irnrde noch dadnrch begünstigt, dass eben damals 
noch viele glückliche Umstände zusammentrafen, um das 
Studium der alten Glassiker und so namentlich auch der 
Philosophen, Naturhistoriker und Aerzte Griechenlands 
und auch Roms neu zu beleben und in seinen Früchten 
ergiebiger zu machen. Dahin gehörten in Italien die theils 
Yor der Einführung der Typographie, theils gleich nach- 
her dorthin aus Byzanz und Greta eingewanderten gelehrten 
und im Uebersetzen, Erklären und Herausgeben griechi- 
scher Glassiker, unter ihnen vorzüglich des Aristoteles, 
Plato, Theophrast, Hippokrates, Galen, höchst thätigen 
Griechen, ein Bessarion, nachheriger Gardinal *) , grosser 
Hellenist, Restaurator des Studiums und Vortrags der 
Platonischen Philosophie (starb 1472), und Stifter der 
Platonischen Akademie, ein Eman. Ghrysoloras (starb 
1415), Theod. Gaza, Job. Argyropylus (starb 1480), Ge- 
misthius Pletho, die Lascari^, Dem. Ghalkondylas , Marc. 
Musurus, Gallierges u. A., dabei die grossartige Förde- 
rung dieser Studien und Arbeiten der Philologen und 
Naturforscher durch die um Wissenschaft und Kunst so 
hochverdienten Mediceiscben Herzoge zu Florenz und die 
wackere Beihülfe der ausgezeichneten Philologen und ge- 
lehrten Aerzte und Naturlehrer in Florenz, Bologna, Rom, 
Venedig, '^ Mailand u. a. 0., die schon oben unter den 
Wiederherstellern der altclassischen Litteratur genannt 
worden sind, und denen ich hier noch den Polyhistor und 
Freund der Medicis, Grafen und Fürsten de Mirandola 
(starb mit Angelus Politianus in einem Jahr, 1494, seine 
Opera omnia erschienen zu Bologna 14&& , zu Venedig 
1408, einzelne Schriften früher), dann Matheolus Pe- 



^»9 

m 

I 

rusinus (von Perugia um 1470), der auch Dichter war, 
und sich besonders durch seine Schriften über die Stär- 
kung des Gedächtnisses (de memoria augenda per regulas 
et medicinäs'S s. I. 1470, und öfter) und über die Kunst, 
zu memoriren (ars memorativa , s. 1. et a., und wieder zu 
Strassburg 1496), und die beste Methode, zu studiren, be- 
kannt machte und von Schedel in seiner Chronik der Fürst 
der Aerzte und Philosophen genannt wurde, so wie den 
gelehrten Illustrator und kritischen Bearbeiter des Dies- 
corides und Plinius, Hermolaus Barbarus (1490), 
den naturforschenden Arzt Alexander Achill inus, 
und die beiden guten ärztlichen Beobachter, Anton Be- 
nivieni zu Florenz (starb 1503) und Alexander Be- 
nedictus zu Padua (den Fr. Boemer in einer, eigenen 
Abhandlung, Braunschweig 1751, als „Medidnae post 
renatas litteras restauratorem*' pries), noch mehr als 
Physiolog und Anatom berühmt (starb 1525), beiftige. 
Die Schriften der beiden Letztern werden noch nachher 
angerührt werden. — Ein anderes günstiges Ereigniss, 
das schon oben besprochen wurde, war die Entdeckung 
von Amerika und mehrerer Länder und Inseln im süd- 
lichen und westlichen Asien, wodurch in allen Reichen 
der Natur grosse Entdeckungen gemacht und eine Menge 
neuer Arzneimittel gewonnen, auch mehrere neue Krank- 
heiten kennen gelernt und eine Menge Schriften über 
deren Erscheinungen, Entstehungsweisen, Verbreitungen, 
Wirkungen' u. s. w., so wie über deren Behandlung und 
die verschiedenen Mittel flir dieselbe hervorgerufen wur- 
den. Ich darf hier nur an die Erscheinung der Syphilis 
gegen das Ende des 15. Jahrhunderts (seit 1493 oder 94), 
wenigstens in ihrer vollständig ausgebildeten ( damals so- 



160 

gar viel heftigeren und häufig einen acuten Charakter 
' tragenden) Form erinnern % und an die grosse Zahl 
von Schriften, die, seit den fi*tihesten Schilderungen dieser 
Krankheit von Schellig und dem treiftichen und als Arzt 
wie als Philolog schätzharen Nicolans Leonicenus, 
zuerst schon 1495 (nicht 1497), denen nur ein von meinem 
verehrten Freund v. Brera zuerst namhaft gemachter Nicol. 
Scillati 1494 in der Beschreibung jener Krankheit vor- 
ausgegangen war, Marc. Gumanus (1495), Sebast. 
Brant, Jos. Grünspeck (1496) u. A., über diese 
Senchenkrankheit in Italien, Spanien, Deutschland, Frank- 
reich u. s. w. gedruckt wurden, und worunter sich im 
16. Jahrhundert nicht nur von einem der genialsten, 
thatkräftigsten und zugleich gelehrtesten deutschen Kitter 
und Verfechter der Glaubensfreiheit, Ulrich von Hüt- 
ten, eine in scharfen und kräftigen Zügen entworfene 
Beschreibung, nebst dem Preis des Guaiak, als des 
Heilmittels (deGuaiaco medicina et morbo gallico, Mainz, 
Schöffer 151^, sondern von dem eben so ausgezeichneten 
Arzt als Humanist Fracastorius aus Verona, Leibarzt 
des Papsts Paul ID. (geboren 1483, gestorben 1553) ein 
lateinisches Gedicht, dessen poetischer Werth nicht so 
gross ist als sein pathographischer (Syphilis, s. morbus 
gallicus, poema, noch vor 1520 oder 21 gesdirieben, aber 



*^ Wenn ich hier mit dem grössten Theil der Geschieht* 
Schreiber der Krankheiten sage, dass der Ausbruch der Sy- 
philis in ihrer vollständig ausgebildeten Form auf 1493 
oder d4 zu setzen sei, so widerspreche ich hierdurch keines- 
wegs der wohlbegründetea Behauptung von dem viel frflheren 
VorkonmeB uwroUkoiineiief q^jphüii. ZafltUe. 



161 

erst 1&30 za Venedig gedrackt, auch in Fracastorii Operi- 
bns omnib. philosoph. et medicis, Vened. 1555 enthalten) 
sich befanden. 

Aasserdem worden im Gefolge jener Seereisen und 
Züge nach den tropischen Ländern der Scorbut (von 
welchem ebenfalls schon in früherer Zeit Spuren unvoll* 
kommener Art vorkamen) und eigenthtimliche Modifica* 
tiouen des afrikanischen Aussatzes, in der veränderten 
Form der sogenannten Maranenpest und in gewisser 
Weise auch Uebertragnngen der afrikanisch« Yaws auf 
Europäer, so wie früher schon durch die Kreuzzüge der 
echte orientalische Aussatz und der Knollenaussatz in 
allen Formen (Elephantiasis) neuerdings nach Europa 
gebracht, nachdem er wenigstens in den letzt vorherge- 
gangenen Jahrhunderten grOsstentheils sehr selten gewor- 
den war. Und die orientalische Pest, die allerdings 
längst vorher schon mehrere Invasionen im Abendland 
gemacht hatte, fand doch auch in diesen ohne alle Vor- 
sicht unternommenen Heereszügen und SchiiTsexpeditionen 
nach der Levante und Aegypten neue Ndiruug und Mit- 
tel genug, um. in grösserer Ausdehnung und Häufigkeit, 
als dieses vor deoä 15. Jahrhundert der Fall war, Eu- 
ropa zu ergreifen und zu verheeren. Diess gab denn 
auch, bei dem Schrecken, den diese Seuche überall ver- 
breitete, und bei d^r Unzulänglichkeit . der dagegen an- 
gewendeten Schutz* und Heilmittel, Veranlassung genug, 
um schon in den ersten Decennien nach der Erfindung 
der Buchdruckerkunst, und noch vielmehr im 16. und 17. 
Jahrhundert, eine gewaltige Schaar von Pestschrifteu in 
die Welt in schicken. Ein Verzeichnias derselben würd« 
mehrere Bogen fUllen und doch weder volbtändig nodi 

11 



162 

< 

gesau genHg ausfaUen, da anler dem CoUecttynaneii Pest 
i& früherer Zeit häofg mehrere sehr yerschiedenartige 
Krankheiten beschrieben und wiederum manche als mrii- 
liehe Pest aufgetretene Krankheiten aus mancherlei Ur- 
sachen unter andern Namen aufgeführt worden sind, was 
um so eher möglich war und noch ist, da der Begriff 
und der nosologische Charakter der Pest selbst ein sehr 
unbeständiger und yariirender, und deshalb noch in der 
ueuesten Zeit Gegenstand grosser Dissonanzen unter den 
Aerzten ist. Und dieses musste er immer sein, wenn 
man — wie dieses vor 300 Jahren so gut, wie schon zu 
des Thucydides und Lucretius Zeiten geshah, und wie 
es noch heute Ton Mehreren geschieht — von dem Be- 
griiT der wahren levantisch- ägyptischen Bubonenpest, als 
der allein mit „Pestis'' zu bezeichenden, abgeht, und eine 
Menge anderer sehr gefthriicher, mit den Synqitomen 
grOsster Nervenschwäclunig begleiteter und in wenig Tagen 
oder noch frtiher tOdtender Krankheiten mit dem Namen 
Pest belegt. So war dieses schon in der Mitte des 14. 
Jahrhunderts 4«r Fall mit der damals vom Orient erst 
nach Italien vtrböreiteten und durch ganz Europa zi^en« 
den fnrditbaren und höchst mörderischen Fieberseuche, 
der schwarze Tod genannt, die fr^ch der levanljn. 
Pest an Heftigkeit, Ansteekungskratt und Todtlichkeit 
vrenigstens gldch kaA, an manchen Orten zwis^äien 
1348 — äO diese sicher no<^ tibwrtrrf, aber glei<^ohl 
keine wahre (Bubonen-) Pest war (m. s. K. Sprengeis 
Geschichte dieser Seuche); so wiederum mit einer 
andern auch sehr heftig und verheerend gewordenen Ty- 
phusseuche, die nach 1485 zuerst in England ausge- 
brochw war, und von da den Namen des englischen 



i6S 

Schweift gfiebers (sndor aft^Ueiis) erhalten hatte, danm 
wiederum- Von 1500— 1&50 mehrere Male erschien (von 
1517 an anch ttber Bentschland , die Niederlande, Polen 
n. s. w. sich verbreitend) und einen grossen Theil der 
BeMienen wegraffte, und deren Gesdiichte nach Joh. 
Ca ins (de Ephemera Britannica, L<lwen 1551) nnd 
Knrt Sprengel (Gesch. der A. K., Tbl. ü) neuerlich 
(18S4) der ansgezeichnete Geschichtsforscher J. Fr« G. 
Hecker Tortrefflich beschrieben hat*). — Endlich darf 
man für die Emporhebung nnd bessere wie selbständi- 
gere Betreibung des Studiums der Naturwissenschaften 
und der Medicin in Deutschland, vom Anfang des 10. 
Jahrhunderts an , anch neben der Errichtung einiger neuen 
Universitäten (Wittenberg und Frankfurt an der Oder) 
die grosse Utterarisehe Thätigkeit gar sdur in Anschlag 
bringen, welche von dieser Zeit an in zunehmender 
Pruditbarkeil, .und in wahrem Wetteifer mit den italieni- 
schen, französischen, niederländisdien und englisdien 
Gelehrten, die Lehrer jener Wissenschaften auf den vor- 
züglichsten Universitäten Deutsdilands , namentlich zu 



*) Ueber diesen sudor anglicns, der auch zuweilen pestis 
Britttudca, oder Pestilenz, die Sdiwdsssncht genannt (Kepler), 
hiessy erschienen schon in der ersten Hälfte des 10. Jidir- 
taiderts mehrere Schriften von gute» Beobachtem» so von 
Wenceslaus Bayer, Leipz. 1529, j^a Caspar Kepler, 
Leipz. 1529| von Hermann Graf von Neuenaar (de febre 
sudatoria), Göln 1529, Simon Richini, G0lnl529, Jacob 
Gastrius, Antwerpen 1529, Euricius Gordus, Nürn- 
berg 1529, Ant. Berloch, Nitmberg 1529, Jo. Schiller, 
(de peste Britanniea) Basel 1590, Joh. Benedictus, Gra- 
can 1530, u. A. 

11» 



164 



Leipzig (wo das. Stadium der Medicin und Philosophie 
schon bald nach der Gründling der dortigen Uni versitftt 
zu blühen begann, und wo die ersten anatomischen. Schrif- 
ten deutscher Aerzte mit Abbildungen, freilich in rohester 
Form, von Magnus Hundt [Anthropologium de homi- 
nis dignitate et natura, Ups. l&Ol] und Job. Peyligk, 
1499, und die von Martin Pollich aus Mellerstadt be- 
sorgte Ausgabe der Änatamia Mundini, mit Figuren in 
Holzschnitt, 1497 erschienei^), Wien, Cöln, Tübingen, 
Heidelberg, Wittenberg, Basel, Prag entwickel- 
ten und in einer ungemein grossen Zahl von Schriften in 
allen Zweigen jener Wissenschaften veröffentlichten. Wenn 
auch in den.ersten vier bis flinf Decennien nach Erfindung 
der Buchdruckerkuust die medicinische und naturhisto- 
rische Litteratur Italiens bei weitem die reichere war, 
weil die italienischen Universitäten und Arznc^ischulen, 
nebst der Pariser, damals die Hauptsitze des medicini- 
sehen und naturhistorischen Studiums waren, und ihre 
Lehrer auch noch bis weit in die Mitte des 16. Jahr- 
hunderts die zu ihnen strömenden deutschen jungen 
Aerzte in den physikalisch -medicinischen Theorieen jeHer 
Zeit (weit weniger in der medicinischen Praxis am Kran- 
kenbett) unterrichteten: so wurden doch schon im Laufe 
desselben Jahrhunderts, und noch mehr in dem folgenden, 
diese italienischen und französischen medicinischen und 
naturhistorischen Schriftsteller von den deutschen in der 
Zahl ihrer zum Druck gekommenen Schriften , wie — 
man darf es ohne Bedenken und der Wahrheit gemäss 
sagen — in ihrer Ergiebigkdt und ihrem Werth ftir die 
Wissenschaft und die Kunst überflügelt. Und so wie 
früher ftir die Emporhebnng der Wissenschaften und 



16S 

nameiitiicli fiir das Anfbltflieii der Naturwissenschaften, 
die Wiedeiiierstelliing der Anatomie und der classi- 
schen Stadien der grosse Musaget , Kaiser Friedrich IL, 
selbst ein gelehrter Kenner des classischen Alterthoms '^) 
und nicht minder trefflicher Beobachter der Natur, beson» 
ders im Felde der Ornithologie (mit der er sich als lei- 
denschaftlicher Freund der Falkenjagd sehr eifrig be- 



*) Dieser wahrhaft grosse und geniale Fürst > der als 
ein erhellendes Gestirn am trtlben Horizont mittelalterlicher 
Wissenschaft aufgegangen war, und eine sorgfältige Erziehung 
und Bildung in den alten und neuen Sprachen (er sprach 
und schrieb nicht nur griechisch und lateinisch, sondern so* 
gar arabisch) erhalten hatte, studirte mit besonderer Vorliebe 
die naturhistorischen Werke des Aristoteles, dem er gleich- 
wohl nicht blindlings folgte, sondern ihn mehrmals in seinen 
Beschreibungen der Thiere, namentlich der Vögel, berichtigte, 
und Hess nicht nur die Werke des-Stagiriten, so wie auch 
die der Torzüglichsten alten Aerzte aus dem Griechischen 
und Arabischen ins Lateinische übersetzen (welche Ueber- 
setzungen yerloren gegangen sind und wenigstens Ton Gaza 
nicht benutzt worden zu sein scheinen), sondern yerordnete auch 
das Halten Ton Vorlesungen darüber zu Salemo, Bologna 
und Neapel Für die letztere Hochsdiule, seine Lieblings- 
Schöpfung, hegte er eine parteiliche Vorliebe, so dass er 
selbst den Unterricht zu Bologna ein paar Jahre hindurch 
untersagte, um die Professoren und Studenten zqr Uebersied- 
lung nach Neapel zu zwingen, welche Verfügung er aber 
doch nachher wieder aufhob. . lieber Friedridis Verdienste 
um die Wissenschaften haben uns am belehrendsten Schnei* 
der, in seiner Ausgabe der gleich zu erwähnenden Schrift 
dessdhen, und von Raum er, in seinen Hohenstaufen, berich- 
tet. Schade, dass Friedrich yon seiner Vorliebe filr Astro- 
logie sich Zu sehr einndunen liess. 



166 

scULftigte'^)), Vides und Grosses ^Üma und besonders 
für den Flor der Yon ilun zn Neapel nnd Meirina errich* 
teten Umyersitäten thätissl gesorgt hatte, so war Arit&alb 
Jalurluindert später dn anderer grosser Ftirst nnd Mnsen- 
frennd auf dem österreichischen Throne, Kaiser Maxi- 
milian L, nicht nnr für die kräftige Peirderong* des aka- 
demischen Stttdinms und der litterarischen Thätigkeit auf 
den unter seinen Anspielen errichteten oder neu belebten 
Hochschulen bemüht, sondern er trug selbst, als ein im 
Fache der Geschichte ipid der altclassischen, wie der 
romantischen Litteratur dos Mittelalters sehr bewanderter 
Gelehrter , durch versduedene, theils Ton ihm sdbst ver- 
fasste, theOs auf seine Anordnung aus seinen Manuscri- 
^len Ton andern Gelehrten an seinem Hofe redigirte, histo- 
rische, moralische, romantische und die Staats- undLand- 
wirthschaft betreifende Werke zur Aufmunteruog in diesen 
Litteraturzweigen thätigst bei. Von seinen Schriften sind 
leider die wenigsten gedruckt worden; die mdirsten soUen 
sich nadi Lambecks Versicherung nodi im Msaascript 
atf der k. k. Bibliothek zu Wien befinden **). Unter den 



*) Friedrich H. beischtftigte sieh lucht nur flebsig mit 
dem Studium der Naturgeschichte der Vögel, selbst ndt der 
Zergliederung derselben, sondern schrieb auch ein Buch „de 
arte venandi cum atihus*', das zuerst, mit Zusätzen seines 
Sohnes Manfred, Ton Gamerarius zu Augshurg 1596, und 
dann tou J. Chr. Schneider mit sehr schätzbaren Erläufe- 
rungen zu Leiprig 1790 herausgegeben wurde. 

**) Unter diesen meuA Lambeck den Freydanl, der 
dodi nidkt das Tkl ttltare Lehrgedidkt dieses Nameas sein 
kann, welches nach Koch (a. a. 0. I. S. 224) ans dem 13. 



167 

gedradUen sind die beriisintesten derWeüiskefiiig, eine 
höchst itttereseaate Autobiographie des Kaisera Maxinuliaii 
(der sich aber iiicht als solchen hier nramt), redigirt Ton 
seinem Secretär, Marx Treitzsaoerwein, imd nüt schöaen 
Holzschnitten von Hans Bnr^der erst im Jahr 1775' zn 
Wien gedtfudit; dann, zum Theil wenigstens, der T heuer- 
dank (zuerst gedruckt zu Nürnberg 1M7), als dessen 
Verfasser gemeiniglich Melchior Pfinzing zn Niim* 
borg angegeben wird, obwohl schon Platz und J. D. Koe- 
1er nachgewiesen haben, dass dieser mehr nnr Redactor 
und Fortsetzer dieses berühmten ritterlichen Gedichts 
gewesen sei, der grossere und ursprünglichere TheO 
dessdUben aber dem Kaiser Maximilian angehüre"^). •— 
Auch in Frankreich fanden die Wissenschaften und 
insbesondere die Naturkunde und Medicin an dem 
König Franz I., und in Spanien an dem König Karl I. 
(uacbherigeu Kaiser Karl Y.) grosssinnige Förderer, und 
die Lehrer und Schriftstetter, zumal in den letztM'enFttiOheni, 
Aufmunterung und Unterstützung. Dieser letzteren hatten 
sich besonders auf der p^^Mtiüsclien Halbinsel, zum TbeH 



Jahrhundert sein soll, und yon Sebast Brant 1506 heraus* 
gegeben wurde, sondern Yermuthlich eine neue Bearbeitung 
dieses Gedichts; dann StammchroDik, Grab, Ehrenporta, Wa- 
genbuch, Jagerei, Falknerei, Gärtnerei, Fischerei u. m. a. 



*y lieber die Verdienste £eses Kaisers um die Wissen- 
schaften, welche schon Guspinian in s<»ner Vita Maxtmi- 
liani gepriesen hatte, sehe man Fr om maus Dissinl. de meri- 
tis Mazimiliam I. in rem IMenur. (1761) und D. B, Hege- 
wisch fiescUchte der Regienmg K. Maximilians I., Ham- 
burg 1782. 






168 

noch unter dem Schftize des grossen und energischen 
Staatsmannes , Gardinais X i m e n e s ( starb 1517) , die- 
jenigen Naturforscher zu erfreuen, inrelche nach den beiden 
Indien reisten , um die dortigen Naturerzeugnisse kennen 
zu lernen und ilir ihr Vaterland nutzbar zu mächen, und 
es ist die Frage, ob ohne solche Unterstützung die schon 
oben angeführten für die Naturgeschichte Indiens nicht 
unwichtigen Werke Peter Martyrs und vorzüglich des 
Gonzalez Uernandez da Oviedo, auch des Ed. Barfoosa *} 
u. A. zu Stande gekommen wUren. 

Ich breche hier ab, weil das Gesagte genug sein 
mag, um es a^ch schon aus dieser kurzen Andeutung 
anschaalich zu machen, wie sehr vortheilhaft und an- 
regend das ZusammentreiTen jener günstigen Umstände 
Torztiglich seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts auf die 
Bearbeitung und Erweiterung einzelner Fächer der Natur- 
Wissenschaften, vorzugsweise der 'eigentlichen descriptiven 
Natifrgeschichte und der Arzneikunde wirken musste, und 
in weldi hohem und von Jahrzehend zu Jahrzehend zu- 
nehmendem Grade die erfundene Typographie als Haupt- 
werkzeug wirken musste, um nicht nur das bis dahin 
schon in den Handschriften aus ältester und mittlerer 
Zeit Vorhandene zur aUgemcineren Kenutniss und Be- 



*) Dessen „liber de Indiis orientalibus '' befindet sich 
abgedruckt in der grossen lud auch ^r die Naturgeschichte 
sehr wichtigen (nur nur aus Hallers Bibliöth. botan., I. 
8. S03, bekannten) Sammlung von Reisen nach Afrika (Abys- 
sinien), Ostindien, den Molukken n. s. w., welche J. B. Ra- 
musio zu Venedig italienisch in 3 Fol.-B&ndra 15ö0 — 56 
herausgegeben hat. 



' . 169 

nutzüBg zu Iringen, sondern um die litterarisclie Thätig- 
keit der Zeitgenossen zu neuen Schriften immer ergiebi- 
ger anzufachen. Unbestreitbar war ganz vorztiglich ftir 
jene Fächer die rasche Verbreitung der Typographie der 
Haupthebel, und ihr zunächst war der mächtige Auf- 
Schwung zuzuschreil>en, den von dieser Zeit an nicht nur 
das Studium der alten Aerzte und Naturlehrer, — das bis 
dahin durch die fast bis zur Monokratie vorherrschend 
gewordene dialektisdi scholastische Dogmatik und Psendo- 
physik der Araber, besonders eines Avizenna und Aver- 
rhoes, und der ihnen nachbetenden Arabisten und sophisti- 
schen Pseud - Aristoteliker und Galeuisten (eigentlich auch 
nurPseudo- oder Hyper-Galenisten, grösstentheils Mönche 
oder von diesen erzogen ) einerseits , und durch den 
rohesten und irrationalsten Empirismus und Receptenkram 
der Salernitanischen und der übrigen handwerksmässigen 
Praktiker extra muros tief ' in den Hintergrund gestellt 
worden War, — und mit jenem und durch jenes zugleich 
eine bessere, getreuere Beobachtung, Analyse und Krank- 
heitsbeschreibung und eine mehr der Erfahrung als dem 
Galenisch- arabischen Dogma angepasste Therapeutik zu 
nehmen begann. 

Wohl ging es mit diesen Vorschritten und Reformen 
in derjenigen mittelalterlichen Periode, ans der jetzt noch 
das Bedeutendere ihrer medicinisch-naturhfstorischen Litte- 
ratur angegeben werden soll , nur langsam, und derselbe 
Subtilitätenkram, dasselbe geistlose Mengelwerk von immer 
wiederkehrenden und immer ärger entstellten Lehrsätzen 
und Vorschriften des Galenus und seiner arabischen Para- 
phrasten, zwischen denen auch immer der Name des 
längst nicht mehr gelesenen und nicht mehr verstandenen 



170 

Hqipokrates, Butonter auch wohl des Gebufl, HOtor der des 
Dioseorides und der spätem (prieduschen Aerzte (nie der 
des Aretaeus) mit althergebrachtem Respeot geaamit 
warde, nut Astrologie , Aldiemie, Aberglauben jeder Art 
und mit dem crassesten und prüfuugslosesteu Empirismus 
iii den Arzneivorschriften, ohne alle Spur vcm wahr- 
haft rationaler Aetiologie und allgemeiner Therapie, wie 
wir es in den Schriften der ältesten Latinobarbari 
finden, b^egnet uns noch in dem grossem und liessern 
Theil der medicinischen und pharmakologischen Werke 
aus dem 15. Jahrhundert bis zu dessen Ende. So nament- 
fidi in den Werken eines Valesco (auch Välastus 
genannt) deTaranta (gegen 1415—25), dessen Practica, 
PhiUmium genannt, Lyon 1478 und dfter, zu den berihn^ 
testen Werken Jener Zeit gehörte und sogar ins Platt- 
deutsche übersetzt wurde (Lübeck 1484, von Barthd. 
Qhotan), Jacob yon Forli, Hugo Bentius, eines 
graece doctus, Germisone, Anton Guainerus (starb 
1439), einer der Aufgeklärteren, Barthol. Mo ntagnana 
(starb 1460), mit Michael Savonarola (starb 1462), 
zwei der tüchtigsten und auch berühmtesten Lehrer und 
Schriftsteller, von denen der Erstere sich noch überdiess 
durch eine ziemlidie Zahl (14) von ihm vorgenommener 
Leichenöffnungen auszeichnete, Marcus Gatinaria, 
MattL de Gradis, Johann Arculanus (st. 1484), 
zu den Vorzüglicheren gehörend, und schon zfBnlich ge- 
naue anatomische Beschreibungen des Gehirns und der 
«ämmtlichen Spinainenrenpaare gebend, Paul Bagel- 
lardtts a Flnmine (1472), Verfasssers des ällestan 
Buches über Kinderkrankheiten (de infantium aegritn- 
dinibus et remedüs), und andern dieser letzten Arabisten. 



171 

OleidtwoU >mren die Vonüg^heren unter. Omen schon 
theils durch ' die Goncnrrenz jMer oben envälinten, das 
Studium wie die Knnstlibung fördernden Umgt)lnde nnd 
Ereignisse, thefls dnrch die seit Mundinns, Professor 
zu Bologna (starb 1325), nnd Montagnana meder in 
Aufnahme gebrachte nnd als Theil des medidnischen 
Unterrichts hergestellte Anatomie, theils auch durch 
ihnen jetzt nnd nodi mehr im 16. Jahrinrndert von allen 
Seiten geöffneten Quellen nnd Mittel dassischer Bildung, 
in Yeriiindung mit freierem und genauer schon beobach- 
tendem Studium der Natur auf einen etwas hohleren Stand- 
paukt der Kuastansidit und der Benrtheüung Sires Be- 
rufes angekommen, und hatten schon mehr fbr die Wieder«^ 
anbaBttng des Fddes reiner Er&hrung und einer Medi- 
cina* Hippocratica vorbereileüd geleistet, als ihre Vor- 
gänger aus der frühesten Periode des Mittelalters, 
d. h. Yom 11. bis Ende des 14. Jahrhunderts. 

Die ältesten derselben waren Gonstantinus Afri- 
canus (starb 1067 als MOnch zu Monte Gasino, nachdem 
er vorher zu Salemo Lehrer der Median gewesen war), 
der mehrere Werk^ arabischer Aerzte in schleditem La- 
tein übersetzte, dann die berühmteren imd den medicini- 
sohen Unterricht wie die med. Praxis im Mittelalter ge- 
staltenden und beherrschenden MOndisärzte, ein Nicorl a us 
Praepositus, die beiden Platearius, der^i wirkliche 
Dualität, als Vator und Sohn, Hr. Lessing gründlidi 
und gelehrt nachgewiesen hat, ein Vincenz vonBeau- 
vais (BelloYacensis), der sich durch ScharCsinn im 
Deuten und Erklären, und als denkenden Physicriog, doch 
zu sehr im Geist der Sdiolastik, neben den schon früher 
von mir genannten Roger Baco nnd Albertus Mag- 



172 

aus aaszdclinete , und den Sprengel nidtl mit Unrecht 
den Plinius des Mittelalters nennt (st. 13ä6). Diesen 
folgte zunächst ein Gilbert Anglicus, Peter yon 
Abano, dessen „Gonciliator Differentiamm " ein Haupt- 
Werk ist für die Geschichte der Scholastik in der Medi- 
oin und für' den Einfluss der Astrologie, der Peter in 
hohem Grade ergeben war (st. 1320), Thaddeus von 
Florenz, der einen Gommentar zu Hippokrates und Jo- 
hamütius (Hhonain) schrieb, Johann von St. Amand, 
dem man eine der ersten Abhandlungen der allgemeinen 
Therapie, yon grossem Werth flir jene Zeit, yerdankt 
(1255), Johann von Gaddesden (1314), Wilhelm 
von Saliceto (1280), Arnaldus Villanovanus 
(Bachuohe) in Barcelloua (1286), Matth. SylTati- 
cus (1318), Gentilis von Foligno (1340), berühmter 
Beschreiber der Pest, mehr als guter Chirurg,. Franz 
YonPiemont, Thomas de Garbo, N.Bertrucci u.A. 
Zu diesen kamen noch mehrere Schriftsteller über 
die Mateiia mediea und Pharmacie, besonders die 
Verfasser von Dispensatorien, Antidotarien, Arzneibü- 
chern, Kräuterbüchern u. s. w., unter denen die ältesten 
das Antidotarium des Nicolaus Praepositus, gedruckt 
yon Nie. Jenson, Vened. . 1471 , und yermuthlich unter 
gleichem Titel das Werk noch eines andern Nicolaus, 
der in einer alten zu Strassbnrg yon Job. Pryss ohne 
Jahrszahl gedruckten Ausgabe den Beinamen Falcutins 
Medicus Florentinus erhält (nicht zu yerwechseln 
mit dem ursprünglich griechisch gescliriebenen Antido« 
täriüm des Nicolaus Myrepsus., obwohl mit demselben 
in Matme und Form nächst yerwandt; m. s: hiei^er 
Lessings ausführliche Erörterung in seiner Geschichte 



175 

der Med.), nebst dem Antidotarimn und dem fast kauoiiisch 
gewordenen Arzneibuche „circa instans^' der obenge- 
nannten Platearii, und den in guten lateinischen Versen 
verfassteu Gommentarien des Aegidius von Gorbeil 
zu dem Nicolaus (man s. Ghoulants sehr belehrende 
und gelehrte Bemerkungen hierüber in seiner Ausgabe 
des Aegidius). Andere Schriftsteller über die Arznei- 
mittel und ihre Bereitung aus dem 14. und 15. Jahrhun- 
dert waren Simon de Go;rdo aus Genua (1310), der 
vorhin genannte Matthaeus Sylvaticus, Jacob de 
Dondi (Paduanus), dessen Arzneibuch unter dem 
Titel Aggregator practicus de simplicibus , Vened. 1499, 
mit Abbildungen der Pflanzen in Holzsohuift, besonders 
berühmt geworden war, und so auch sein „Herbolärium 'S 
Vened. 1509 (st. '1350), Saladin von Asculo, Zeitge- 
nosse des Vorigen, ebenfalls' um die Arzneilehre durch 
sein Gompendium aromatariorum , Bologna und Ferrara 
1488, und besonders um die Bäderkunde verdient (1448), 
Manlius de Bosco 1480, und in Deutschland die*^ Ver- 
fasser und Herausgeber des schon oben genannten Her- 
barius und Hortus sanitatis, und eine deutsche Bearbeir 
tuiig des letztem von.Ortolf von Bayerland, das 
doch viel diesem Arzt eigeuthümlich Zugehöriges hat. 
Dieses „Arzneibuch, zu teutsdi*'* (äftT allen ArztbQchern, 
die ich in latein'je vemam'S'sagtOrtolf in der Vorrede), 
machte . sich in Deutschland höchst beliebt , : und wurde oft 
gedruckt, zuerst zu Augsburg von 6. Zainer, gegen 1475 
oder 76, dann in Nürnberg von Koburger 1477, zu Augs^ 
bürg von Sorg 1479, 1483 n. s.w. (Von demselben Dr. 
Ortolf'.ist auch eine Schrift: „Wie sich die schwängern 
Frauen halten sollen/^ s. a. et L gedruckt.) — Vieles 



174 

wurde gchon in dieser Zeit tob itaUenitchm Aenten über 
Heilbäder und Thermen geschrieben; so schon yoa 
den vorerwähnten Job. Ton St. Amand, Franz von 
Piemont, Hugo Bentius, Gentilis von Foligno, 
Turan de Castello, Arzt, Rechtsgeldirter und Soldat, 
(trad. de balneis secnndum Gentilem de Foligno," Vi- 
cenza 1477), Jacob de Dondi u. A.; ausserdem hatten 
Bodi besonders Barth, de Montagnana de balneis 
Patavinis (Padua 1487), Anton Pantheus von Verona 
de Aermis Calderinis (Vicenza 1488), Peter deTussis* 
nana de balneis Burmii (gegen 1480), und vollständiger 
nnd besser als einer seiner Vorgänger Michael Savo- 
narola de bafateis Itäliae (erst 1592 zu Vened. gedr.) 
geschrieben. Diese Bäderschriften sind nahher gcitaten- 
theils gesammelt worden in einer CoUecHo seriptor. de 
baineis, weldte zu Venedig 1572 erschien. 

Für die Anatomie und ihre Restauration, zuerst 
in Italien, hatte Mundinus durch seine drei öffentlich 
(1315) verrichteten Leichenöflhungen-, noch mehr aber 
durch sein kleines Buch, das unter dem Namen Anatomia 
Mundini zuerst zu Pavia von Anton. Gareaho 1478, dann 
zn Bologna 141^, zu Padua 1482 , und int einigen ana- 
tomischen Figuren in Holzschnitt ausgestattet zu Leipzig 
von Martin Pollich von MeUerstadt herausgegeben wurde, 
die Bahn gebrochen; und da etwa 50 Jahre daravT auf 
den Universitäten zu Bologna, Padua, Pavia die Verord- 
nung ei^ng, dass Jeder, der sich als Arzt prüfen lassen 
wottte, vorher Anatomie gchürt und LeichenMrangen bei- 
gewohnt haben müsse, so vermehrten sich von dev 'jeweilem 
Hälfte des 15. Jahrhunderts an dnrdi das Afittel 4er 
Typographie, wenn Mdi nicht in grosser ZaU und ireni- 



17» 

ger nach eig;eneii ZergliederuBgen , als yielmehr nach 
Galens Auatomie, die . Anweisangen zur Zergliedenmg, 
mit dner nur allzu dttrftigen, ja schlechten und neck 
ganz arabistischen Physiologie. Die frühesten anatomisch- 
physiologischen Werke dieser Art waren die von Barthol. 
de GlauTÜle, de proprietatibus rernm, Nürnberg 146S, 
Nicolaus Nicollus, sefmones medicinales (Vened. 1491), 
Peter de Montis, de hominum natura et cognitione 
libri VI (ursprünglich spanisch geschrieben), Mailand 1492, 
Hieron. Manfredi, zu Bologna, lib. de homine et de 
conservanda sanitate (inrelches Buch in der itali«iischen 
Uebersetznng gemeiniglich il libro de Perchd genannt 
wurde, Bologna und Neapel, Riesinger 1474), Marsilius 
Picinus, der Platoniker, von dem schon oben als sol- 
chem *die Rede war, in seinem Buch de yita sana, libri m, 
Florenz 1489 u. f., Barth. Montagnana (s. oben) 
u. And. Die ersten anatomischen Figuren in Holz* 
schnitt^ lieferte ein Deutscher, Johann yon Ketkam, 
der seit etwa 1490 in Padua fleissig mit der Anatomie 
sich beschäftigte, in seinem „Fasciculus Medicinae'', 
revisus per Georg, de Ferrato, Vened. 1491. Bald dar* 
auf erschienen ähnliche , aber schledbtere , in der schon 
oben genannten Leipziger Ausgabe des Mundinus, so auch 
in Johann Peyligk's, aus Zeitz, „ Philosophiae natu- 
ralis Gompendium, et de Anatomia totius corporis lium.^S 
Leipzig, Melch. Lotter 1499, femer in des Magnus 
Hnndl, Arzt zu JoachimsAd, „Anthropologinm, de ho«* 
minis dignitate, natura etc." Leipzig l&Ol, und in Ga<^ 
brie)"4e Zerbis, Prof. zu Padua, „Anadomiit corporis 
liutt.'S yimei. 1502. Besser sdion , obsekon oluie Ab* 
bflduBgen, waren des gelehrten Alexander Benedictns 



176 

(seit 1493 Prof. in Padua, starb 1525) Anatomice (Vened. 
1403, Paris 1514, Strassb. 1518), zumalin physiologischer 
Hinsicht, dann des Alexander Achilliuus Annota> 
tiones anatomicae , Bologna 1520 , des Anton. B e u i - 
yieni, zu Florenz (starb 1503), 1^ deabditis et admiran- 
dis morborum et sanationum causis, Flor. 1507 ( als eines 
der ersten Werke zur pathologischen Anatomie wichtig 
und beachtei^werth), und des Ludw. Bonacciolns 
Enneas muliebris (Anatomie und Physiologie des weib^ 
liehen Körpers, besonders der organor. generat.), Strassb. 
1537, auch in Wolffs Gynaeceis. — Alle diese übertraf 
aber weit zu Anfang des 16. Jahrhunderts der als Anatom 
wie als Wundarzt berühmte Jacob Berengarius von 
Garpi, Prof. zu Bologna (starb 1527), den Haller den 
„ primus humanae . anatomes instaurator;^' nennt, und der an 
100 menschliche Leichname zergliederte, und dessen Com- 
mentaria super anatomiam Mundini, Bologna 1521, so 
wie die wichtigere Isagoge perlucida etc. in anatomiam c. h., 
daselbst 1522, mit guten Abbildungen, von den folgenden 
Anatomen, die sich auch durch Schriften über Anatomie 
auszeichneten; benutzt wurde, so von dem tüchtigen Zer- 
gliederet* Jacob Sylyius zu Paris (star)).1555, Lehrer 
des Yesal), in seiner Isagoge anaiom., Paris 1555, 
Nico!. Massa, zu Venedig, in seinem liber intröducto- 

rittS anatomiae, Vened. 1536, Joh. Dryander zu Mar- 

t 

bürg, der auch Herausgeber des Mundinus mit den Fi- 
guren des Berengar Garp. war, in seiner Anatomiae pars 
prior, Marb. 1587, Günther. (Winter) von Ander- 
nach (Iniititntt. anatom., Paris 1536), Karl Stephan 
(Etienne).zu Paris, prüder des berühmten Buchdruckers 
Heinrich Stephau und Prof. der Anatomie (starb 1559), 



\ 



177 

in seinem Buche de dissectione partioin c. h., Paris 1546) 
a. And. Hierauf trat mit dem grossen Andreas Ve- 
salius (geb. 1515, gest. auf der Rtickreise aus Palästina 
1564) und seinem uüsterblijchen Werke „de corporis 
humani fabrica/* Basel 1543 und wieder 1555 fol. max., 
und mit den nicht minder grossen und wichtigen Werken 
seiner Zeitgenossen, des Barthol. Eustachius zu Rom 
(starb 1576), dessen Tabulae anatomicae an Schönheit 
und grossentheils auch an Genauigkeit (wohl nur mit 
Ausnahme derer der Knochen) die Yesal'schen noch etwas 
übertreffen, und Gabriel Fallopia (geb. 1523, gest. 
1563), in Hinsicht auf Genauigkeit der Beobachtung und 
Beschreibung wohl der grOsste unter dieser Trias, in 
seinen Observationes ' anatom. (Yened. 1561 — 62, Göln 
1562 u. -f.) eine neue Epoche für die Anatomie ein, der 
wir hier nicht weiter folgen können. Doch darf das für 
die Anatomie und die Kunst der Maler und Bildner 
classische Werk des grössten deutschen Malers, Albrecht 
,Dtirer, „Vier Bücher von menschlicher Proportion", 
Nürnberg 1525, 1527 und öfter, dann nach dem Tode 
des grossen Meisters auch lateinisch: „desymmetria par- 
tium in rectis formis humanor. corporum, Nürnberg 1532 — 
33 , mit trefflichen Abbildungen , nicht übergangen wer- 
den. — Leider wurde die ohnehin sehr ärmlich gebliebene 
Physiologie durch Einmischungen des Aberglaubens und 
besonders durch die Spielereien mit der Physiognomik 
(seit Scotus), die wenigstens einige Bilderwerke (so die 
„ Physionomei, gedr. von Schönsperger zu Augsburg 1514, 
und die Physiognomia v. Johann Glogoviensis, Gracau 
1518)brachte, selbst durch die Schriften des vorhin genannten 
Alexander Acbillinus de Physiognomia et Ghiromantia 

12 



180 

mehrere Auflagen gedruckt, Ton denen ich hier absicht- 
lich bei den meisten Werken nur die frühesten angegeben 
habe. Von nicht wenigen derselben erschienen auch Ueber- 
setzungen in andere Sprachen, oder Ausgaben im Aus- 
land mit melir oder weniger Veränderungen. Und ausser 
den hier aufgeführten medicinisch - naturhistorischen Schrif- 
ten wurde in demselben Zeiträume noch eine gar grosse 
Menge anderer zu diesen Fächern gehöriger gedruckt, 
die aber hier weggelassen worden sind, weil sie zu un- 
bedeutend oder wirklich schlecht und unnütz, oder weil 
andere derselben nur Wiederholungen und nicht viel mehr 
als Abschriften aus anderen waren. Hierzu müssten aber 
— sollte die Uebersicht der medicinisch - physiologischen 
Litteratur aus diesem Zeitraum nur einigermassen voll- 
ständig sein — auch noch die nicht wenigen Bücher zur 
Diätetik und Nahrungsmittelkunde (unter denen sogar 
einige in Versen vorkommen, wie namentlich das sehr 
alte Poema metr. von Gibaldone „Opera, a conservarsi 
sano^S s. 1. et a., dann eines Deutschen, Burkar d de 
H r u e c k , Carmen de ingenio Sanitatis, Memmingen 1480, 
und einzelne lateinische Gedichte von Ulr. v. Hütten, Euri- 
ciusGordusu; And.) kommen, ich müsste ferner die vielen 
Schriften über einzelne Krankheiten, besonders über die 
Pest (über welche und andere Krankheiten sogar ein 
Spanier, Lopez de Villalobos, ein Gedicht unter dem 
Titel „Sumario de la Medicine en Romance trobado'' in 
zelinzeiligen Stanzen zu Salamanca 1490 geschrieben hat), 
den schwarzen Tod, den Aussatz, die Syphilis u. s. w., 
ich müsste endlich die schlechtesten und verwerflichsten 
von allen, die Schaar der Schriften über phantastisch- 
mystische Chemie, in der Manier des Raymund Lullius, 



181 

über Alchemie, medicin. Astrologie u. dgl. Ausgeburten der 
Presse aufführen, wenn es anders möglich wäre, hierin, 
wo unsere besten Repertorien noch Lücken genug ge- 
lassen haben, Vollständigkeit zu erreichen. Eine solche, 
und überhaupt eine noch grössere, Häufung der Litteratur- 
angaben aus dem für diese Schrift angenommenen Zeit- 
raum liegt aber so wenig in dem Plane und deii Grenzen 
dieser nur den bedeutenderen Leistungen und Erfolgen 
der Typographie innerhalb demselben gewidmeten Blätter, 
und man wird sie in diesen auch so wenig erwarten, 
dass ich eher besorgen muss, ich sei für viele Leser 
schon bei aller Goncentrirung des überreichen StofTes zu 
weitläufig gewesen, und dass man vielleicht tadeln dürfte, 
dass ich mich nicht, um vollständiger sein zu können, nur 
auf einige Fächer der Litteratur beschränkte. Allein da- 
durch hätte ich wieder Vielen nicht genügt, und für Viele 
wären diese Bogen kaum von einigem Interesse gewesen. 
Wer die in jenem Zeitraum gedruckten Werke in den 
Fächern der Naturwissenschaften und der Medicin, gute 
wie schlechte, in grösserer Menge und reicherer Angabe 
der verschiedenen Ausgaben, Uebersetzungen u. s. w. 
kennen zu lernen wünscht, der kann diese in den grösse- 
ren und umfassenderen Litteraturwerken, namentlich in 
des Fabricius Bibliotheca graeca (nach der Ausgabe 
von meinem sei. Vater in 12 Bänden in 4to) und Biblieth. 
latina (nach Ernesti's Ausg. in 3 Bänden in 8.), und für 
das Mittelalter insbesondere in dessen Biblioth. medii et 
infimi aevi, in 7 Bänden, dann in A. v. Hallers vier 
Bibliotheken, die ehenfaDs für die medicin. - phys. und 
naturhistor. Litteratur des Mittelalters und der folgenden 
beiden Jahrhunderte vorzüglich reich und unentbehrlich 



182 

sind), i&r die Litteratinr der Natorgescliickte auch in 
G« R. Boekmers Biblioth. historiae natnr., und so für 
die der Chemie, der Anatomie, Chimr^e u. s. w. in den 
bekannten der Spedalgeschickte dieser Fäcker gewidmeten 
Werken, dann in den hier schon oft angefahrten biblio- 
graphischen Werken von Panzer und von L. Hain, 
auch in dem von Schweigger finden. Gleichwohl war 
es auch den Verfassern dieser Werke nickt möglich , die 
gewünschte VoUständigkeit zu erreicken, und die Bücker 
selbst sind in mekreren derselben, der ßnricktung zufolge, 
nickt in einer ttbersicktlicken Zosammenstellnng, sondern 
in mekrere Abscknitte zerstreut, gegeben. Auck Bur- 
dacks und Gkoulants. (eines vorzugucken Kenners der 
medidniscken Litteraturi des Mittelalters) sckätzbare litte- 
raturwerke eutkalten. Tieles kierker Gehürige. Für die 
Italieniscke medicinisck ^pkysiologiscke Ldtteratur sind 
besonders die litterariscken Werke Tiraboscki's (Mo- 
dena 1767, VoU. Vn>y Audiffredi's (Rom 1761 — 88, 
Voll. rV) und Jac. Morelli's Bibliotk. PineUi (Vened. 
1787) sekr; ergiebige Quellen. Ausserdem auck mekrere 
der bedeutendsten Kataloge üffentlicker lund Privat- 
Bibliotheken« — 

Die Rücksiokt anf die -r bereits gegen meinen frti- 
keren Plan 1ibersdiritte»en ~*. Grenzen dieser Sckrifi und 
auf die sckon herbeigeriickte Zeit der Feier, «der sie ge- 
widmet sind, gestattet .es .«nur itocfa, eine gedrängte Ueber- 
sickt der ersten uud illtesten.Attsgafaen der Ge- 
«ammtwerke der :gri6.ckis oben uöidi römiscken 
Naturforscker und Aeirzte.ibeizufügen^ mitdJeber- 
gekung der Ausgabtm »einzdiier Werke, Scknften oder 
AbsduilUe derselben. 



183 

1. YoA dBB .ältesten AusgaheiL.der Wet^e griechi- 
scher Naturforischer sind schon oben, .unter der 
Uebersicbi der Drucke der alten griechischen Glassiker 
aus. dem 15. und 16. Jahrhundert, . diejenigen des Plato, 
Ar];stoteles und Theophras^ angegeben if&rden. — 
Nicanders beide veirwandte . . Gedichte , . Alexipharmaca 
und Theriaca, die Beschreibung yider .vegetabilischen 
und thierischen (Schlangen -, Insecten- u. &. w.) Gifte und 
ihrer Gegengifte nach ihren Kennzeichen und . ihren Wir- 
kungen enthaltend, druckte zuerst yoUständig.gxiechisch 
Aldus, Vened. 1522, 1523, dann Job. Soter, zu Goln, 
mit den Schollen 1530 flg. Dieser auch in lateinischer 
Uebersetzung von Lonioerus das. 1531. Eine :viel frühere 
griecjiische Ausgabe mit Scholien von 1499 zu Venedig, 
und eine andere von 1506 daselbst führt Haller (Biblioth. 
botan. 1.) aus Seguier an; es ist dieses aber ohne 
Zweifel die in der folgenden Ausgabe des Dioseorides 
mit Jbeiindliche. — Des Dipscjorides yjon Anazarba« 
Materia medica , mit dem Nicander,, erschien in griechi- 
schem Text, zuerst bei Aldus, Veii. 1499, und wieder 
das. 1518. Die erste lateinische Uebersetzung, von Peter 
iron Padna, druckte Joli^aiui Alemimus . von Jiledemblick 
zu Celle (in Toscana) schom 147S (nicht zu Göln, wie 
Haller. irrig ajigiebt); dieselbe wieder zu Lyon 1512. 
Dami erschienen die lateinischen Ausgaben yo|i Heranor 
laus Barbarus, Vened. 1516, und die besseren Uebersetzun- 
gen und Ausgaben von J. Ruellius, Paris 1516, und von 
Marcellus Vergflius, Florenz 1518. Die ftiiellisciie Uebers. 
hat auch Gonpyl in seiner ^ehr guten griechisch -latei- 
nischen Ausgabe des Dioscorides, zu Paris^ 1540 gedruckt 
von Birkmann, beibehalten. — (Die Euporista dieses 



184 

Dioscorides [oder yiehnehr eines anderen etwas späteren, 
Übrigens recht gnten nnd branchbaren Schriftstellers], 
griechisch nnd mit der Uebersetzung Moibans nnd Gonr. 
Gessners, erschienen zuerst 1&65, zn Strassburg gedruckt 
von Rihel, mit einer griechischen Epistel des grossen 
Gessner an Grato v. Kraftheim). — Des Alexander 
Aphrodisens Problemata, in der Uebersetzung von 
Georg Valla, mit einem Theil der Problemata Aristote- 
lis, erschien zu Venedig J1488 nnd 1497. — Des G lau- 
dius Aelianns Historia Animalinm kam erst spät in 
griechischem Text, mit der lateinischen Uebersetzung in 
der von Conrad Gessner besorgten Ausgabe der Opera 
omnia Aeliani, Zürich bei den Gebr. Gessner zum 
Vorschein. — Des Oppianus yonAnazarba Gynegetica 
libr. IV, Halieutica 1. V, und Ixentica (de aucupio), 
die auch Mancherlei zur Naturgeschichte der jagdbaren 
Thiere, der Fische und der Vögel enthalten, erschienen 
griechisch zuerst zu Venedig, in aedib. Ph. Juntae 1515 
(doch in dieser Ausgabe nur die Halieutica), und das. 
1517 von Aldus. Lateinisch übersetzt, nnd zwar in Ver- 
sen von Lippi, waren die Halieutica schon 1478 zu CoUe 
gedruckt worden. — Die Geaponica, s. de re rustica 
L XX, von mehreren Verfassern und von Cassianns 
Bassus wenigstens grösstentheils gesammelt und redigirt, 
wurden ' griechisch zuerst 1538 zu Venedig, und 1539 za 
Basel, die lateinische Uebersetzung von J. Gomar das. 
1538, zu Göln, mit der Yon Andr. Lacnna neu bearbeite-* 
ten Uebersetzung der letztern 8 Bttoher, 1540. 

Die Werke der römischen Naturforscher, mit Ein* 
schluss der Schriftsteller über den Feld- und Gartenbau, 
wurden zum Theil noch früher gedruckt. Lucretiu8 



18S 

de reram natura, ym Thomas Feran du s mutkniasslich 
zuerst herausgegeben (weun nicht eine andere von Hain 
angeführte Ausgabe s. 1. et a. älter ist), erschien zu Bres- 
cia schon gegen 1473 oder 74, zu Verona Ton Paul 
Fridenberger von Passau gedruckt 1486, zu Venedig 
iurch Theod. de Ragazonib. 1495. — Des G. Plinius 
Mjaior Historia Naturalis beschäftigte yorztiglich häufig 
uiid frühzeitig die Pressen. Die editio princeps der Hi- 
stoUa Natur* des Plinius, zu Venedig 1409, ist zu- 
gleich eines der ältesten Druckwerke des dorthin kurz 
vorher gewanderten Johann de Spira (von Speier), dessen 
Bruder Vindelin schon im folgenden Jahr die Geschäfte 
dieser berühmten Officin fortsetzte. Dann folgte die Aus- 
gabe iurch Schweynheim und Pannarz zuRoml470. 
Beide ausgaben gehören zu den grossen typographischen 
Seltenheiten. Vorzüglich schön ist die Ausgabe gedruckt 
durch Nicol. Jenson in Venedig 1472. Andere er- 
schienen zu Parma 1476 (besorgt von Ph. Beroaldus) , zu 
Treviflo von Manzoli 1479, und dann noch viele andere, 
die man bei Panzer sehr genau, bis 1535 verzeichnet 
findet. Eine der splendidesten und auch correctesten (so 
weit dieses bei dem bis jetzt noch nimmer sehr vitiösen 
Text des Plinius möglich war) im Druck ist die von Job. 
Frohen zii Basel 1525 und wieder 1530 besorgte. -^ 
Die vier römischen Autores de re rustica, M. Portius 
Gate, Terentius Varro, Jun. Mod. Golumella, der 
wichtigste unter ihnen, auch fUr die Naturgeischichte der 
ökonomischen Pflanzen und der Hausthiere, isammt Bienen, 
und der spätere Palladius, wurden vereinigt zuerst 
von Jenson, Vened. 1472, mit der dessen Druckwerke 
ausaeichnenden Eleganz gedruckt, dann zu Reggio, gedruckt 



t 



188 

2. Von den Schriften der alten griechischen 
A,erzt« und Physiolegen wurden im 15. Jahrhundert 
nur sehr wenige nnd die allerwenigsten mit dem grie- 
chischen Text gedruckt; von Hippokrates gar nichts 
im Griechischen, was zu verwundern ist, da doch schon 
von einigen andern griechischen Autoren Ausgaben mit 
griechischem Text in jener Zeit vorkamen, wogegen Hip- 
pokrates fast nur aus der Artic^a und aus den wenigen 
lateinischen Uebersetzungen einzelner seiner Schriften 



lYerke, und dessen gleichfalls öfter wiederholte Ausgaben 
ebenfalls Abbildungen in Holzschnitt von Pflanzen, Thieren 
nnd Steinen haben, nämlich das „Bnch der Natur'^ wel- 
ches von einem Conrad von Mengelberg (oder wie er 
in den ältesten Ausgaben auch heisst, von Megenberg) 
aus dem Lateinischen der niemals gedruckten Urschrift (nach 
Andern [Lambeck] hauptsächlich ans Albertus Magnns), 
ausserdem aber auch, dem Titel zufolge, aus mehreren älteren 
Schriften, namentlich denen des Aristoteles, Plinius, Galen, Avi- 
zenna, Isidorus, Platearius u. And., in der Art nicht sowohl 
bloss übersetzt, al^ bearbeitet worden ist, dass sie eher als 
eine eigene Compilation dieses Mengelberg zu betrachten 
war. Daher wurde dieses Buch späterhin in einer zn Frank- 
furt bei Egenolf erschienenen Ausgabe vom Jahr lä36 ge- 
radezu unter dem Namen dieses Conrad Mengelberger (Nator- 
buch, von Nutz, Eigenschaft, Wunder, Wirkung und Gebranch 
aller Greschöpfe u. s. w., mit Abbildungen) reprodncirt. Die 
egiten Ausgaben druckte Hans Bänder zu Augsburg 1475, 
1478, 1481, andere hierauf H. Schönsperger 1482 und Anton 
Sorg 1482 daselbst. Allein ohngeachtet Seguier, Haller 
und Hain von figuris xylographicis (nonnnllis malis icunculis, 
sagt Qaller) sprechen, die diesen Ausgaben beigeftlgt sein 
sollen, so ist doch Grund zu zweifeln, ob solche von Pflan- 
zen u. s. w. in den ersten Ausgaben wirklich vorhanden sind. 



189 

von den Aerzteii jener Periode gekannt war; von Ga- 
lenas kaum eine andere Schrift im griechischen Text, 
als seine Methodus medendi s. Therapeutices libfi XIV, 
et ad Glattconem libri n, Venetiis sumtibus Nicol. Blasii 
Gretensis, 1500, und Uistor. Philos., Yened. Aldus 1497. 
In lateinischen Uebersetzungen erschienen von einzel- 
nen Schriften des Hippokrates bis 1500, ausser denen 
in der Articella, kaum andere als die der Bücher de na- 
tura hominis, de yictu in acutis, de tuenda valetudine, 
lex, jusjurandum, zusammen von Andreas Brentius 
Patavinus, zu Rom von Stephan Plannck s. a. gedruckt, 
dann die des unechten B. de insomuiis, von demselben 
Brentius, s. 1. et a., der Aphorismen, von Theod. Ul- 
senius,.zu Nürnberg Hochfeder 1496, Vened. H. Lich- 
tenstein 1483, das. 1487, 1491, 1495, und nach der 
Uebersetzung von Gontantinus Monachus, mit den Gom- 
mentar. Galeni, zu Venedig Locatelli 1495, von den 
Prognosticis, s. 1. et a. (nach Hain zu Memmingen), von 
dem lib. I. Epidemior., cum comment. Joh. Alexandri, 
Vened. H. Lichtenstein 1483, 1. de natura foetus et jus- 
jurand., das. derselbe 1483, und von den unechten Episto- 
lis ad Democrit., wahrscheinlich von Ulsenius zu Augs- 
burg s. a. — Von Galens Schriften bis 1500 eine 
sehr unvollständige Sammlung, meist nur die kleineren 
enthaltend, übersetzt und herausgegeben vom Magister 
Nicolaus de Regio in 2 Bänden, gedruckt von Phil. Pin- 
cius zu Vened. 1490; dann noch die libri VI de locis 
alTectis, tibersetzt von Gull. Gopus Basiliens., Vened. 
Joh. Hertzog 1500, die Introductio ad Medicin., Vened. 
Plncius 1496, dieselbe von Georg Valla übersetzt s. 1. 
et a., y,de^temperamentis etc.", übersetzt von Thom. 



190 

Linacer, Veied. 1496, Über dietos Tegni (an parva, eines 
der damals am meisten zum Untemdif gebranddeA), 
Vened. H. Lichtenslein 1483, und de bono eoip. babitn 
etc., Vened. Bevilaqua 1498. — Desto reidier irar das 
16. Jahrbondert an griecbiscben und lateiniscben Ans> 
gaben dieser nnd anderer alten Aerzte. leb kann bier 
jedodi nur die ersten Ausgaben der ganzen Wei^e der- 
sdben anflüiren: 

Die Opera Hippokratis dnu^te griecbiscb zn> 
erst vollständig Aldns Manutins, Venedig 1526 foL, 
obscbon noch mit einem sebr fehlerbaften Text. — Dieser 
folgte die Editio graeca von Jo. Gornarins, zu Basel 
1538, mit etwas correcterem Text. Die nacbherigen 
griechischen Ansgabai von Foesin», Frankfiiit 1595 
nnd wieder Genf 1657, dann von Mercurialis, Vened; 
1568 u. A. liegen schon über den von nur gesetzten Zeit* 
ranm hinaus. 

Bloss lateinische Ausgaben des Hippokrates sind 
die nach der Uebersetznng von Fabln s Galvus, Rom 
1525, 1549 fo). Vorzüglicher ist die Ausgabe, nach der- 
selben Uebersetznng, mit den Commentarien von J. M a* 
riuelli, Vened. 1575 foL Femer die Ausgabe der Opp. 
flipp, in der Uebersetzung von Janas Gornarius, 
Vened. 1545 foL, Paris 1546 8., Basel 1546 fol. und 
öfter. — Eine lateinisdie Ausgabe des grOssten Theäs 
seiner Weike, von Fabius von RavenHa, Wilh. Gopus, 
Nicol. Leonicenus nnd Andr. Brtotits. (dem Hemusgebelr) 
druckie Gratander zu • Bas^l 1526 foK 

Des Brotianus Glossarimn und desRnfus fiphe- 
sius qnae supersut opnsäda wurden erst spttter (jeaes 
zuerst 1564 zti Paris von H. Stephan, diese jsnentt 



191 

von Morelli zu Paris 1555) griechisch gedradil. (Die 
erste Ausgabe dei^ Erotian von 1564 geschah in dem 
von Heinr. Stephan selbst herausgegebenen Dietionafium 
medicimi, einem djer niedlichsten und jetzt seltensten Werke 
aus seiner Officin, welches auch das Galenische Lexikon 
Yocum Hippocr. und mehrere andere Worterklärungen 
mit dem griechischen Text aus Galen, Oribasius, Are- 
taeus u. A. enthält. Die zweite Ausgabe d^s Erotian 
ist die von Barthol. Eustachius, Venedig 1566; 
beide selten. 

Von des Aretaeus Werk ist erst 1554 zu Paris 
die ei^te griechische Ausgabe von Goupyl in 6., und 
die erste lateinische Uebersetzung von J. Paul. Grassu's 
zu Ven. 1552, Paris 1554 9. gedruckt worden. 

Glaud. Galeni Opera erschienen zuerst grie- 
chisch in 5 Bänden fol.r Ton Aldus dem Sofan^ zu 
Vened. 1525 gedruckt, ab^^r mit. sehr fehlervöllem' Text. 
Etwas correcter ist die grieclusche Ausgabe, wdcfre unter 
Leitung von Joach. Gamerarius und Leonh. Fuchs 
zu Basel von Grat ander in 5 Theiten, welche in 3 
Bänden fol. vereinigt sind,' 1526 gedruckt wurde. In 
diesen beiden Ausgaben fehlen aber noch einige Ga- 
lenisdie Schriften, welche m den späteren Juntinischen 
lateinischen Ausgaben ergänzt wurden; der vollstän- 
dige Gaten, griechisch, erschiefir aber erst in der grossen 
Gharfierschen Ausgabe, dei^'i Opp. Hippocr. et Galei. 
in 13 FoBobäÄdtti zu Paris 1639 — 1660. ''^ Von 
den lateinische^n Uebersetzüngeu und Atisgaben des 
Galen nud dict^^n^L. A. Junta 2u Venedig die älii&rei, 
wenigstens ist di^ et&ie Juntiftisdie Ausübe, von Jj B. 
Montanus 1522, Voll. III, noch sehr unvoUstAttdig. 



192 

Die zweite, Ton demselben, Yen. 1528, IV Voll., ist schon 
vollständiger. Es folgten hierauf ans Junta's OfKcin noch 
acht Ausgaben, in allem zehn, davon die neunte, 1609, 
und die zehnte, 1625, den übrigen vorgezogen werden. 
— Eine andere, schönere, lateinische Ausgabe des Galen, 
mit ebenfalls guter, zum Theil noch besserer Ueber- 
setzung, besorgte und druckte Job. Frobenius zu 
Basel, unter Mitwirkung des J. Gornarus, in 4 Bän- 
den, 1529, 1531, 1541, 1549 und später 1562. Die 
beiden letzteren stattete Gonr. Gessner mit mehreren 
Zusätzen aus. — Yermuthlich ist es dieselbe Basler Aus- 
gäbe, welche auch zu Lyon 1536, 1550 in 4 Bänden, 
die letzte mit den Gessnerschen Zusätzen, gedruckt wurde, 
nach Hallers Angabe. — Eine sehr bequeme lateinische 
Handausgabe des Galen veranstaltete Aug. Riccius zu 
Venedig, ex offic. Farrei, in 9 Bänden in 8vo, — Einen 
grossen Theil der Galenischen Werke, in lateinischer 
Uebersetzung , enthält, unter dem Namen Opera Gal., 
die von Leonini besorgte und von Gratander zu 
Basel 1529 gedruckte Ausgabe; eine ähnliche, von Gau- 
danus nach Uebersetzungen von ihm, von Erasmus, 
Th. Linacer, Gopus u. A. besorgte, ebenfalls von 
Gratander zu Basel 1531 und (die von Tectander) 
1536 gedruckte. — Auch Winter von Andernach 
gab einen Theil der Galenischen Werke (die pharma^ 
kologischen und einige andere, grösstentheils von ihm 
sehr gut* übersetzt, herats, zu Paris gedruckt von 
Simon Golin 1534, und zu Basel bei Gratander 
1536. Eine andere Sammlung kleinerer Galenischer 
Schriften übersetzte und edirte derselbe Winter 1529 zu 
Basel, Frohen. 



195 

^ Von des Oribasius (lebte im 3. Jahr|iimdert) Schrif- 
ten erschienen keine griechischen Ausgaben (mit Ans- 
nähme einiger kleinen Brachstücke, von Ang. Riccius za 
Vened. 1543 edirt). Lateinisch erschienen die Libri de 
corationibus, durch Aldus ohne Jahrzahl, und wieder zu 
Paris 1555, auch in der von Heinr. Stephan 1565 
edirten classischen und jetzt seltenen Sammlung : Medicae 
arH& Principes, wo auch die Gollecta medicinalia und die 
Euporista Oribasii sich befinden. Die Opera Oribasii 
omnia, in des Ras ar ins Uebersetzung , erschienen zu 
Basel, gedruckt von Isengrtin, in 3 Bänden in 8vo 
1557. Die Euporista schon früher (1529) daselbst von 
Henric. Petri. 

Des Aetius (im 6. Jahrhundert) Werke erschienen 
bis jetzt noch nicht Vollständig im griechischen Text, 
sondern nur ,die ersten 8 Bücher, alsTomus I. (dem ein 
T. n. niemals folgte) gedruckt yon Aldus *), Vened. 
1534. Lateinisch das 8. bis 13. Buch von Gornar 
zu Basel 1533, von Simon Golinaeus zu Paris 1533. 
Der ganze Aetius dann lateinisch yon J. B. Montanus 
zu Ven. 1534, durch Junta zu Basel 1535, herausgegeben 
von J. Gornar, von J. Proben sehr stattlich gedruckt. 
— Zu dem Aetius sind des Christoph Oroscius Annota- 
tiones, Basel Rihel 1540, in kritischer und erklärender 
Hinsicht wichtig. 

Des Alexander von Tralles Werk ward grie- 
chisch zuerst, nebst desRhazes Hb. de Pestilentia, von 



*) Irrig sagt Haller, BibL med., I. p. 302, dieser 
Aldimsche Aetius sei cum Paulo gedruckt worden, da doch 
der Letztere mehrere Jahre früher erschien. 

4. " 



194 

Robert Stephan zu Paris, mit Göupyls Aimierk., 
1548 schöH gedracl^t; lateinisch schon 1504 zu Lyon, 
mit den (Jiossen des Jacob de Partibus und Simon Janu- 
ensis; dann zu Pavia 1520, Vened. 1532; griechisch 
und lateinisch von Jobann Winther von Andernach 
zu Basel 1556. 

Des Paulus von Aegina (im 7. Jahrhundert) Opera 
(auch artis medicae compendium Äuvreilen genannt) druckte 
griechisch zuerst Aldus im Jahr 1528, und seitdem 
ist keine neue griechische Ausgabe dieses für die Chir- 
urgie wichtigen Werkes im Gänzen erschienen, was sehr 
wohl zu wünschen wäre. Lateinisch ham er, nach 
Maittaire, schon 1489 heraas (welche Ausgabe höchst sel- 
ten sein muss); dann vorAlban. Torinus übersetzt zu 
Basri 1532, 1534, 1546, und in besserer Uebersetzung 
von Günther von Andernach, Paris 1532, in schöner 
Ausgabe, und C(fln 1548, desgleichen von J. Co mar, 
Basel 1533. 

Des Theophilua, genannt PrQtospatharius (im 
8. Jahrhundert), libri V de corporis Jiu#, fabrioa über- 
setzte und edir|e ). Paul, Crass'us, Vened. 1536; 
griechisch imrdei^ sie erst 1555 zu Paiiis von Guil. Morel 
gedruckt. Se|ne Comme^taria in Aphorismos Hippocr. 
(unter dem Namen Philotheus) ^on Corrado Qb^rseUdt 
zu Vened. 1549. Andere kleine Schriften von Um stehen 
in Stephans artlsi ped«. Princip. 

Stephan! Athenien^. (im 10. Jahrhundert), Schülfifa 
des Vorigen, Explanationes in Galeni libr. therapeut. ad 
Glauconem wurden griechisch von Aldus gedruckt, Ven. 
1536 8vo, lateinisch. Von Gadaldius fibersetzt, Vened. Junta 
1554, und auch zu Lyon. 



I9K 

Moschion, dM ÄnMs (bH 6. Jabrirandert), lib. de 
mnliemm passioBibiu, kam gmchisck nar spät erst in 
Casp. Wolf» Collect. Gynaeciomm , Bai. 1566 vor, und 
irurde noch später für sich griedusch gedruckt. — Aach 
Palladins erschien erst später; eben so Nemesins 
Episcopas, dessen Buch de natura hominis griechisch and 
lateinisch von Nicnsios Ellebod m Antwerpen, Chr. Plan- 
tin, 1565 8to herausgegeben wurde. 

Des Theophanes Nonus (lebte im 12. Jahrhun- 
dert) liber de omnium particnlarium morbor. Gurationi- 
bns gab zuerst Hieron. Wolphlus Oettingens. grie- 
chisch und lateinisch heraas » Strasdmrg Jos. Rihel 1566 
(sehr selten). 

Des Johannes Actuarias (im 13. Jahrhundert) 
Opera erschienen bis jetzt noch nicht ToUständig im 
griechischen Text; nur seine libri II de actionib. et af- 
fectionib. spiritoö animaJis sind ronJ. Goupyl griechisch 
zu Paris, Mart. Jcvenis, 1557 herausgegeben worden. 
Lateinisch druckte sdne W«rke Morellus zu Paris 
1556 in 8. sehr schön. Seine Libri VH de Ürinis druckte 
Law. VitaJis zu Veaed. 1519 nach des Nolanus üeber- 
setznng, und Grataoder zu Basel 1529 8vo, dann, mit 
Geup^s Anmerkungen, Job. Roygni zo Paris 1548. Sein 
l de Medicamenfor. compositione, in der üebersetzung 
Ton J, Ruellius, erschieii za Fatis 1539, Basel 1546. 

NicolausMyrepsicos (im 13. Jahriiundert), dessen 
Dispensatorium zu Lyon 1534, zu Ingolstadt 1441, besser 
von L. Fuchs 1549 zu Basel erschien, gehört s«Aon dem 
MittelaÄer an. - Eben soDemetriusPepagomenus 
(13. Jahrb.), dessen I. de Podagra 1549 griechisdi und 
lateinisch zu Paris «-schien. 

13* 



196 

Die merkirttrdige Sammlung der Scriptore$ graeci 
Veterinariae Medicinae ( vom 6. — 8. Jahrhundert , unter 
ihnen Apsyrtus der vorzüglichste), die zuerst von Ru- 
ellius lateinisch ttbersetzt Tforden Trar (Paris lä50), gab 
Sim. Grynaeus in bloss griechischem Texte zu Basel 
bei Jo. Valder 1537 in 4. heraus. 

3. Aelteste Ausgaben der Werke römischerAerzte 
bis zum 6. Jahrhundert. 

Des Gornel. Gelsus de Medicina libri Vm. Tfur- 
den zuerst von Fontius zu Florenz 1478 gedruckt^ 
dann zu Mailand 1481 von Leonh. Pachel und Sinczen- 
zeller zu Venedig 1493, Rubens 1407, Phil. Pincius, und 
hiernach noch mehrere Male zu Paris, Venedig und Lyon. 

Scribonius Largus (lebte im 1. Jahrhimdert), 
zuerst zu Basel 1527, 28, Paris 1528, und mit des Ruel- 
lius Anmerkungen daselbst 1529.. 

Serenus Sammonicus (im 3. Jahrhundert), i^erst 
zu Leipzig bei ValentinSchumann 1519, zuHagenau, 
Job. Sever., 1528, und mit dem Aetius von Simon C4olinaeus 
zu Paris 1533. 

Des Luc. Apuleius (im 3. oder 4. Jahrhundert) 
lib. de Medicaroinib. herbarum erschien zuerst zu Rmi 
V von Job. PhiL de Lignamine s. a. (gegen 1475), 
dann zu Basel, Gratander, 1528, und. mit des Antonius 
Musacarmeu de herba Betonica von G. Hummelberger 
mit Gommentarien begleitet 1536, s. 1. (Ztirch); auch in 
des Albanus Tdrinus Gollectio Veterum de re med.^ 
Basel 1529. . 

Gaelius Aurelianus (^rahrscheinlich im 3. Jahr- 
hundert) kam spät zum Vorschein; erst 1529 gab Si- 
chard die LiBri tardarum passion. zu Basel, und Win- 



107 

r 

ther YOH Andernaeh 1S33 die Libci aciitor. morb. 
Iiel*aa8; dann ganz Aldus 1547, und H;. Stephanus in 
s« med. art. Principes. 

Sextus Placitus Papyriensis (Im 4. Jahrhun- 
dert) de medicamentis ex animalibas erschien zuerst 1538 
zu Nürnberg bei Jo. Petreius, und in demselben Jahr 
zu Basel von Alb. Torinus, 1530 von Gabr. Hum* 
melb erger s. 1. (zu ZOrch) mit Gommentarien heraus- 
gegeben. 

Des (Pseudo-) Flayius Vegetius Mulomedicina 
zuerst 1529 zu Göln von Herm. von Neuenaar her- 
ausgegeben, uftd wieder 1537. 

Des Vindicianus (im 4. Jahrhundert) Carmen episto- 
lare ad Imperat. Valentinianum wurde zugleich mit dem 
Marcellus de medicamoitis empiricis von J. Gomarus 
zu Basel 1536, Frobeu, herausgegeben. 

Des Theodor Priscianus (gegen £nde des 4- 
Jahrhunderts), Schillers des Vindiciän, 1. de cnratione omnium 
fere morborum corp. h. erschien zuerst unter dem Namen: 
Qu. Octavius Horatianus zu Strassbnrg 1532, und 
in besserer Ausgabe unter Prisciana Namen von Sigm. 
Gelenius herausgegeben zu Basell532. 

Das sehr dürftige Werk eines (Pseudo-) Plinius 
Secundus oder PI. Valerianus (ans dem 5. oder 6. 
Jahrhundert ); de re medica, kam zuerst 1500 zu R^m, 
besser 1516 zu Bologna heraus; dann von A. Torinus 
berichtigt zu Basel 1538. 

Von da an erschienen keine Werke römischer Aerzte 
mehr ans der Kaiserzeit. Die Medicin und ihre immer 
sparsamer und schlechter gewordene Litteratur in Hand- 



196 

• 

Schriften ging an die Lengobarden , nock mekr und 
danernder aber an die Aente in Grossgriecheidand» and 
Torzngsweise an die Saleniitaniscbe Schule über, ton tto sie 
sich dann wieder anter den MOnchen and Artisten des 
Mittelalters nach dem christlichen Rom, nach Toscana, 
Venedig und die Lombardei verbreitete. In Spanien 
wnrde sie bis zor ZerstOrang des Maurischen Reiches 
hauptsächlich durdi die Araber gefordert. Die Werke 
der arabischen Aerzte, yorztiglich des Ayizenna oder 
£bn Sina, des Rhazes, Mesue, Serapion des al- 
tem und des jtingem, Halj Abbas, Hhonain, Abnl 
Käsern, Ayenzoar und Ayerrhoes, dieses Plas-> 
quam -Aristoteles des Miltrialters, hatten auf die Bfldung 
und den Gang der medicimscben Theorie und Praxis seil 
dem 8. Jahrhundert ^en Toriierrschende» Einflos» ge- 
ifonnen, und die altgriechische und rümische Medicin in 
dn durch das ganze Mittelalter stationär gewordenes 
Amalgam mit der Galenischen und mit der arabisch -Ari- 
stotelischen Dialektik und Scholastik gebracht. Diese 
arabischen Aerzte beschäftigten auch sehr bald nach der 
Einführung der Buchdruckerkunst die Pressen, und nament- 
lich waren von denWerk^i Avizenna^a, des sogenann- 
ten Fürsten der Aerzte (seinem Canon, ganz oder auch 
nur thdlweise), nur bis zum Ende des 15. Jahrh^mehr.aU 
25 Ausgaben in lateinischer (mrät sehr schlechter) üeber- 
setzung zu Padna (schon 147äy wenn Ha 11 er re<^ ongiebt), 
Mailand (wo Phil, de Lavagna schon 1473 den Mb« I. 
des Canon und so wohl mit oder nächst der Paduaner 
die älteste Ausgabe desselben drndLte), Venedig (daselbst 
seit 1480, wo eine illwninirte Ausgabe erschien^ die aller- 
meisten), zu Rom und früher noch zu Strassburg (von 



Mentelin s.a., höchstwahrisdien^eb vof 147&, vielleicht 
noch frühem, imd somit eifiie «ter all#rtit€sleii, yoft Hain 
avcli vorangese^t) gedraekt irorden^ trozu erst viel späte^ 
(1593) die priu^htTolle arabische Aasgabe 2U Rom kam. 
Hierzo noch eine onübersehbare Menge ^on Commentarien, 
Auszügen, Schriften tiber einzelne Gapitel n. ». i^r. Von 
des.Rhazes oder Muhammed Arrasi Shrlften waren 
ebenfalls, seit dem I^uek des Gontlnens (Elehavi) 1483, zu 
Brescia und zu Venedig, und dem Druck der 1. X. ad 
Ahnansorem zu Mailand 1481, wenigstens ein Dutzend 
lateinischer Ausgaben aller oder einzelner Werke bis 
läOO erschienen ) und noch mehrere im 16. Jahrhundert. 
Ebenso von Arerrhoes, doch von diesem viel weniger 
Ausgaben (lateinisch bis 1540 kaum 12)^ als Gommen- 
t»rien über ihn; desgleichen von Mesue, dessen Werke 
am . frühesten, schon 1471 zu Tenedig und wieder gleich- 
zeitig mit dem lib. I. des Canon des Avizenna Von Phil, von 
Lavagna zu Mailand 1473, wieder zu Yened. 1479 von 
Reinald von Neumagen Teufouicus gedruckt wur- 
den, und dann noch (tfter; auch von Serapion, 
dessen Liber aggregatus AntonZarotozu Mailand 1473 
zuei*8t (lateinisch), sein Breviarimn Medicinäe ähtt der 
vorgenannte Reinald Teutonieus zu Venedig 1477 
zuerst druckte. Auch HalyAbbas, der Astrologie sehr 
ergeben, sonst einer der Vorzüglichsten unter den Arabem 
in der Theorie und Praxis, wurde bald hervbrgesucht, 
und sein sogenanntes „Opus regium'^ oder „Liber re- 
glos'' wurde 1485 und 1492, sein Buch defatis astrorum 
von Ratdolt zu Venedig 1485 gedruckt. Der mehr durch 
seine Alchende sis durch seine Chemie so berühmt ge- 
wordene Geber, von den Ad^en w<^ als maximus 



200 
/ 

nüMOfkM et 1« hdUae besrttsl (so auf dem Titri 
sefmes sdion 1473 b. L gedraAten ««über, qu fos na- 
turae Tocator"), land Tide Freuide, nad seia, ^Opas 
de Alchiflua'^ worde nebmah, so za Strassbarg 1S19 
a* a. a. 0. bcaraasgegeben. Noch in 16. Jaliiliand«rt 
folgten sich mehrere Ansgabea eiazdaer arabisdier Aerzte, 
aameadich nele Toa eiazelaea Schrift^i des ÄTizenna, 
aach des Rhazes, dessen Opera exqaisitiora Alban. 
Torions za Basel 1&44 Yon Neuem herausgab, and 
anter dessen fibrigen kleinem Schriften sein berühmtestes 
Bach de pestQentia et de yariolis et moriiiDis Tiele Aaf* 
lagen erlebte, und anter Gonpyls Leitaag sdbst ins 
Grii^chische übersetzt wnrde, zn Paris 1548 sehr splradid 
gedruckt. Audi Mesue's lYerke, mit Mondini's und de 
Honesti's Erklärungen, erhielten zu Venedig 1502» 1505, 
1508 u. s. w. und zu Lyon 1510, 1513, 1519, 1525 u. s. w. 
Tide neue Auflagen. 

So finden wir also auch in diesen so zaUreidien 
Ausgaben der arabischen Aerzte, die ich nicht gern 
Tollständiger hier verzdchnen wollte, einen Beweis mehr 
Ton der überaus grossen Thätigkeit, tnit der die Typo- 
graphie in jenem Zeitraum dem eben durch sie yorzüg^ 
lieh angeregten litterarischen Fleisse der Gelehrten in allen 
Fächern fbrderudst entgegenzukommen wetteiferte. Aller* 
dings waren die Früchte, die dieser Fleiss der tJeber* 
Setzer und Gommentatbren dieser Araber, wie der Type- 
graphen in der Verrielfkltigung ihres Gebrauches brachte, 
nur wenig erspriesslich fbr die Fortbildung der Wissen-- 
Schaft und Kunst; sie wirkten vielmehr durch den ndt 
ihnen mehr und mehr sich einwurzelnden falschen Dogma- 
tismus, an leeren Namen und Formeln klebend, und die 



201 

Beobachtang und wahre Srfahrang zu sehr vernachlässi- 
gend, und durch deu übermässigen, mitunter höchst ab« 
surden Arzneiwust, wie durch den mit der allerdings 
etwas vorwärts gebrachten Chemie zugleich ernährten AI- 
Chemismus und Astrologismus vielfach hemmend, und 
ihre letzten traurigen Wirkungen spiegelten sich noch 
lange im 16. Jahrhundert, ja noch etwas über dasselbe 
hinaus, in den scheinbar neuen Erscheinungen und ver« 
meinten Reformen, welche die chemisch -alchemische und 
mystisch -dämonische Lehre eines Paracelsus und die 
seit Raimund Lull wieder in mehreren der Paracel- 
sisten, und vorzüglich in Robert Fludd und Gonsorten 
neue Verfeci^ter gewinnende theologisch - thaumaturgisch^ 
Physiologie, sammt der Alchemie. Bei allem dem ist doch 
nicht zu läugnen, dass jene arabisch - arabistische Periode 
auch manches Gute und besonders im Felde der speciellen 
Nosographie und auch der Arzneimittelkunde (selbst den 
chemisch -pharmaceutischen Theil, in welchem auch Para- 
celsus sich seine besten Verdienste erwarb) manches Neue 
und Heilfördemde mit sich brachte. Und wenn wir da4- 
bei zugleich den Blick nochmals auf die bedeutend 
grössere Menge von nützlichen, belehrenden, für Geist 
und Geflihl Anziehenderes und Erfreulicheres bietenden 
Schriften aus den übrigen Fächern der Wissenschaften 
richten, welche von 1457 bis 1550 — 60 aus den Drucker- 
pressen — in der zweiten Hälfte dieses Zeitraums in 
steigender Anzahl in Deutschland and auch in Frank-* 
reich — hervorgingen, so können wir nicht anstehen^ 
zu behaupten, dass schon in diesem Zeitraum die Typo- 
graphie weit mehr Gutes und wahrhaft Ersptiessliches, 
als. Schlechtes zu Tage gefordert hat, und dass sie in 



202 

anendlidi höherem Grade Werkzeug des Lidites als 
der Verfinstenuig und der Verirrang gewesen war. 

♦ A ♦ 

Gern möchte ich das unerquickliche Dunkel jener 
orientalisch - arabischen und abendländisch - arabistischen 
nnd' monachalen Periode des Wissenschafts- nad Litte- 
ratnr - Betriebs verlassend, nochmals einen Rttckblick anf 
die weit wohlthuenderen nnd heiteren Erscheinungen wer- 
fen, welche im Gebiete der Dichtkunst, nnd zwar der 
wahren höheren, in den Gattungen des Epos und der 
geschichtlichen Heroide, wie der Lyrik und Elegie, in 
derselben Periode in Italien zuerst, und s^ bald auch 
in Deutschland — yiel weniger nnd später in den übrigen 
Ländern, Spanien -ausgenommen — durdi das MÜtel der 
Typographie unter den Völkern yeri^reitet wurden, und 
die grössten und bis zur Begetstemng die Gemttther aif- 
regenden Wirkungen fort und fort äosseriequ Aber leider 
sehe ich mich dnrdi die — sAon wider mdn aa&ng- 
liches WoUen zu sehr überschrittenen — Grenzen dieser 
Bogen und durch die drängende Zeit selbst genöthigt, 
auf die Ausftthrung dieses Wunsches Verzicht zu leisten; 
und ich mnss mich schon begnügen, nur die ersten 
Drucke der vorzügUchslen Dichlerwerke Italiens ans jener 
Periode hier anzugeben. Von den romantischen nnd 
Rittergedichten unseres deutschen Mittelalters, den Helden- 
gedichten, Novellen und Halbromanen u« s. w. kann hier 
nicht mehr die Rede sein. Ich habe ihnen schon ^ im Vor- 
berg^enden einen eigenen Abschnitt gewidmet. — 

In Italien wurde Dante Alighieri's DMna Com- 
media zuerst gedruckt zu Jesi (Aesii) 1472, zu Foligao 
1472, Mantna 1472, zu Venedig (Vindel. de Spira) und 



SOS 

Ne^el 1477, Mailand li78« « Florenz 1461, alle diefie £^1- 
testen AusgalieA mit Kupferstichen, gest« von Baccjo 
Baldini, die mit jenen bei dem Ptolettttas «i^den ältesten 
gdiören, oder es wirklich swA^ ^^ ^^^^ i^och oll (s^iM 
Gesammtgedichtd erst seit IdOO). — Giov. Booi^ac-* 
cio*s Decumerom erschien schon 1470 s. 1., 1471 au 
Venedig (Valdorfer)» Afantna 1472, Vicenaa 147& nnd 
noch sehr ofi, auch verdeutscht 2« Vkn (Zainer) 1486« 
Angsborg, Sorg» 1490; seine Geneatogia Deonan eh 
Venedig 1472, Cöln, TherhOrnen, s. a., Reggio 1461 ft. m.| 
sein Compend. de daris mvUerüms zu Ulm Z^ner 1478, 
Strassb., Uussner, s. a., a< m., auch deutsch zu Ulnti 
Zainer, 1473, Augsburg» Sorg, 1470 u. s. if., sein JPhao-^ 
copo Florenz 1472 u. a. m.« seine gesammteli Weifke \q^ 
nedig 1490. — Petrarca's ScnetH t rnon/f drüCkle 
zuerst Vindeliu de Spira zu Ven. 1470, dann Zarotto tvk 
Mailand und Valdezooh zu Padua 1472^ Nie. JonsOtt z« 
Vened. 1473 , Phil, de Lignamine zu Rote 1473 u. s. w. 
Die Menge der Ausgaben dieses Dichters ist ungemein 
gross, noch grösser aJs die der Ausgab^i des Bocieaccio« ^ 
Lud. Ariosto's Orlando furioso erschien etst 15Q0 
zu Vened., dann zu Ferrara 151^, 1516, Mailand 1516^ 
Florenz 1524 und üüet. — Die Gedlohte Torquato 
Tasso's und der übrigen itaUeidschen Dichter deii 
16« Jahrhunderts ersohieMü noch splkter« 



So weit hatte kh diese kurien ICätchWeisungeir der ühe- 
sten Drucke itaflenisclier. Dichtefwerke jUedergeSchrieben; 
und hatte geglMbt, hier abbrechen und die Didilirwerk« 
anderer NiUioipkett a«s jetaeni Zeitifaume ik^rgehen zu 



204 

m tt 8 8 e II , Tfeil die Tage der vierten Sacnlarfeier der Typo- 
graphie schon sehr nahe waren, and ich doch die nächste 
Best immung dieser Blätter als einer lYeihegabe nicht yer- 
Milen wollte. Da jedoch eben in diesen Tagen, wo ich 
die letzten Blätter der Handschrift znr sddennigen Been- 
digung des Drackes an meinen Herrn Verleger einsenden 
widlte, in nnvermutheter Schnelle eine Hemmung darch 
gefahrdrohendes Erkranken eines Gliedes meiner Familie 
eintrat, so konnte zu meinem grossen Bedauern der 
Druck nicht mehr zur recht» Zeit vollendet werden. 
Mir aber erwuchs durch diese, jetzt glücklich gehobene, 
Hemmung der Vortheil, jetzt noch Einiges, in kurzgefasstem 
Umriss, zur Ergänzung der Litteratur der Poesie, sowohl 
der italienisdien und der französischen, spanischen und 
englischen, als auch der deutschen und deutsch -lateini- 
schen, so weit sie gedruckte Werke aus jener Periode 
betrifft, hinzufügen zu können. Die Litteratur der por- 
tugiesischen und der niederländischen Poesie werde ich 
kaum berühren, und die der nordischen fast ganz übergehen 
müssen, theils weil wirklich in dieser das Wenigste in jenen 
hundert Jahren gedruckt worden, und dieses Wenige selbst 
mir nicht autoptisch bekannt genug geworden ist, theils weil 
uns diese zugleich mit den vaterländischen und den ita- 
lienischen Dichterwerken schon durch die historischen und 
zum Theil auch lilterarischen Darstellungen, welche wir 
den verdienstvollen Arbeiten eines Bonterweck, FlO- 
gel, der Gebrüder von Schlegel, der Gebrüder Grimm, 
eines Raynonard, Sismondi, Lachmann, Friedr. 
Dietz, Karl Simrock, von der Hagen, Karl 
Rosenkranz, Gervinns, 0. L. B. Wo Iff und an- 
derer von mir in der Tonrede genannter vorzüglicher 



20S 

Kenner der Litteratttr deg Mittelalters verdanken, genti- 
gendst aufgescUosaen sind. 

Es war natürlich, dass Tcm der Zeit an, wo in Süd* 
firankreich, und znmal in der Provence und im Languedoc 
sich die lyrische romantische und der ritterlichen Minne 
geweihte Poesie durch die Troubadours, im n(^rdlichen 
Frankreich aber, insbesondere in der Bretagne und Nor-« 
mandie, — hier unter dem vorherrschenden Einfiuss der 
Normannen -Herrschaft, in Britannien und in VerschmeU 
zung mit der alten Walesschen Bardenpoesie, — die höhere 
epische Poesie und die von Heldenthum und kriegerisohfen 
Ritterthaten erfüllte Romance sieh ausgebildet und in 
gewisse Kreise von eigenartigem Typus der dichterischen 
Behandlung gewissermassen abgeschlossen hatte^ -- sie in 
Italien oiTenen Eingang, empf^gliche GemtitHer und 
eine neue Heimath finden, zugleich aber aa€h nach dem 
Charakter des Landes und seiner Bewohner, eine eigentiittm« 
liehe Richtung und Behandlung annehmen musste. Dort, in 
dem Mutterlande der altabendländischen Poesie, im Lied 
wie im Epos, bei Aeot reicheren Mitteln, die dort, mit der 
zur Dichtkunst einladenden Schönheit des Landes und 
der Milde seines Himmels, auch eine nie völlig erloschene, 
vom 12. Jahrhundert an neu erwachende und nadi einigen 
gtiicklichen Anfangen in dem sicüianischen Reidi unter 
den Hohenstaufen , vorzüglich unter dem kunstsinnigen 
Kaiser Friedrich H., noch gedeihlicher in Toscana, Vene- 
dig und Mailand wieder auflilühende, Liebe zur Kunsl 
und zur Musik und dem Gesangs verbunden mit mehr Hin-^ 
neignng zur humanistischen Bildung durch die Glassiker deä 
Alterthnms erzeugten, musste diese Dicktkunst in ihren ver- 
schiedraen Gattungen sehr frühzeitig zur Liebfingsbeschäfti* 



206 

gmg der nach GefÜU, KeimtlÜM und l^ache Gebildete- 
ren Trerden, und insbesondere war es die Lyrik, die 
Ganzone, die Novelle und die dramatische Poesie, 
die in diesem Lande nach längerem Schlammer wieder 
vor andern Ländern heimischen Boden gewinnen musste. 
Der eigenthttmliche, von dem der provenzalen und noch 
mehr von der nordfranzOsischen Poesie sich sehr nnter- 
scheidende Charakter, den das Land, die schon feinere 
nnd weichlichere Sitte seiner Einwohner in den griHiseren 
Städten nnd die vorherrschende gelehrtere Richtung ihrer 
StadiM, ihrer Poesio schon von der Zeit an, wo die 
toscaaische Sprache sich in ihrer Reinheit aaszobilden be- 
gann, d* h. von Dante's und Petrarca's Zeit an, 
den vorzüglicheren nnd nationell gehaltenen italiauU 
sehen Diditongen gab, ist, bei aller Yarjiation und 
AbstuJung im Einzdnen» im Allgemeinoi nicht zn ver- 
keinen, und ist audi hinreichend von den bewährten 
Kennern und Geschiditschreibem der alten Poesie ent- 
wickelt worden. 

Dante' s (gestorben 1313) Commedia divina, deren 
älteste Ansgaben ich bereits angegeben habe, und über 
welche, so wie überiianpt fiber den poetischen Gharak-* 
ter dieser durdians grossartigen episch -lyrischen Alle- 
goide und des unsterblichen Dichters selbst wir in nene- 
skev Zeit vortreffliche Beurtheilungen von Schlosser, 
Schelling und Witte erhalten haben, zeigt uns zwar 
am wenigsten jenen weiehliokeren nnd in dev Ausmaluag^ 
der Gefühle bis zur LeidensehafI nnd oft seliisi bis zur 
£rBddaf{iaig sdiwelgendea Charakter dar näohstfolgewtea 
Diehter seines Landes (den hochkräftigen, melnr im gvoss^ 
artig episdie» Stil dichtraden Arioata ansgenMunen), 



207 

sie halt sieh auch eben so fera yor dem ritteriieheii 
kampfinuthigen Heroisqiiis der Romane von der Tafldruttde, 
wie von der üppigen und liebeathmenden Weichheit der 
provenzalen Romanzen, der TroubadoQrlieder and Sonette, 
und Ton der idyllischen Einfachheit und Stille der Paato* 
raldichtung; aber sie spricht doch, bei aller religidsen 
Resignation und siegreidieu Abstreifung des Sinnlichen, 
in der zuerst glühend empfundene und mil Flammrar 
zügen geschilderten Liebe des Dichters das Braus^ft und 
Kämpfen der Leidenschaft und der Tfilden Sirnüichbitt 
mit dem reinen Geist höherer und das Menschliche ver« 
Uä.render Liebe, der Sünde mit dem GöttÜcl^n im Men-^ 
sehen, mit einer sdchen Gewalt imd Tiefe des Gefühls 
ans^ und malt Licht und Schatten, HdUe, Fegdenei und 
Paradies mit solchem Glanz und solcher Pracht der 
Farben, dass sie, wiewohl m einer bis dorthin güa: ua-* 
gewi^hnlich gewesenen und nenen Weise, und mit eben 
so viel Kraft als Kunst eine neue Bahn für die vVerräii- 
gung des Epos mit der Lyrik und der Elegie brechend» 
doch überall den beherrschenden Einfiuss der mit dem 
Ritterthmn ai ch in Italien geweckten und mit den Farben 
des Landes ausgeschmückten Romantik des Westens er*- 
kennen lasst. Dabei weht besiHiders in den lotsten Ge- 
sängen schon der Geist der religiös^ symbolisN^hen Mystik 
wd eines sich ganz der göHlichen Gnade hingehenden 
Pietismus, der aus den Theolognmenen Im'tihmteir nad 
das Glauben und Wissen des Zeitaltevs beherrschender 
Neuplat«i4ker imd se holaßtisohcv Mystiker, enmi Kaiimutd 
Lull, Thomas von Acpiino, Michael Scotus u. And. 
hervorgegangen, sich eben jetzt auch in Italien verbreitet 
hatte. Dieser Geist, der in der vorausgegangenen jrYüa 



208 

nuota'^*) des Dichters Hoch kamn wahrnehiiibar ist, und 
dort' von einer heiterem Stimmong^ und Liebeslust um* 
schattet Tnrd-, schimmert auch in seinen spätem kleineren 
Gedichten, seinem ,, Amoroso Convivio^^ (Florenz 1490, 
Vened. 1521), und seinen „Ter^e rime^' (Vened. 1502) 
durch. Seine Poesieen, deren Werth allerdings in und 
ausser seinem Vaterlande so wohl erkannt und die so hoch 
gehalten wurden, dass flir die Erklärung derselben in 
Florenz und Bologna eigene OiTentliche Lehrer angestellt 
wurden (ein solcher war Boccaccio), würden ohne 
Zweifel noch allgemeineren Einfluss auf die ästhetische 
Bildung und die Erweckung des dichterischen Talentes 
unter seinen Landsleuten gehabt haben, wenn sie bessere 
und mit melir Dichtergeist begabte Gommentatoren gehabt 
hätten, als einen Christoph Landini (dessen Gommenti 
die meisten altem Ausgaben der diTina Com. begleiten), 
Benyenuto d'Imola (bei einigen der frühesten Aus* 
gaben) und Andere. — Dante fand wohl schon zu seiner 
Zeit Nachahmer in der allegorisch - religiösen Poesie, 
namentlich der Bischof von Foligno, Federigo Frezzi 
( il Quadriregio del decorso della Tita umana, Florenz s. a.), 
und der bessere Fazio degli Uberti yon Florenz (in 
s. Dütamondo, Florenz 1474); die aber weit hinter ihriem 

« 

Vorbild znriickblieben. - 

GioT. Boccaccio's yon Geirtaldo (gestorben 1375) 
Diditungen waren von einem ganz andern Charakter; sie 
waren heitere, der Liebe und Freundschaft, gesungene 
Elegieen und Idyllen, muntere geistreiche NoTeMen, und 



*) Die sehr gelungene Uehersetzung yon Fr. yon Ocyn 
hausen 1824. 



S09 

ongemein wohllautende Stanzen. Das geleseiiste und 
berühmteste seiner Werke war der yon mir schon oben 
äafgefUhrte Decamerone, aas hundert Novellen in unge- 
bundener Rede bestehend, dessen älteste Ausgaben mit 
der Jahrzahl (seit 1471) ich auch schon angegeben habe. 
Die letzten in unserem Zeitraum erschienen zu Vened. 1540, 
Paris 1557, einige ohne Jahrszahl dürften vieOeicht noch 
etwas älter sein. Die Zahl der von 1460 an folgenden 
Ausgaben war überaus gross, nur bis 1550 mehr als 40» 
ungerechnet die deutschen Uebersetzungen zu Augsburg 
und Ulm, und die französischen und spanischen. Ausser- 
dem besitzen wir aber noch von diesem Dichter, der in 
einem viel bewegten Leben grossen Fleiss des Erzählers 
mit immer reger Thätigkeit der Phantasie und der psy- 
chologischen Beobachtung vereinigte und der auch in der 
medicinischen Geschichte durch seine sehr ergreifende 
Schilderung des damals (1436 — 40) in Italien herrschen* 
den schwarzen Todes merkwürdig ist, verschiedene andere 
Gedichte in gebundener Rede und trefflichen Stanzen. 
Unter diesen sind die anmuthigsten und am geistreichsten 
ausgearbeiteten „ {a jPtam^o»'' in weldiem ein tirfes, sehn- 
süchtiges Gefühl sich höchst ansehend ausspricht (Aus- 
gaben mit der Jahrszahl kommen erst 1480 von Nie. 
Jenson in Vened., 1461 und 1491 daselbst vor), dann 
„il Labjrinto d'amore, owero tl Corbacdo'^ (zu Florenz 
1484), und der Nmfäle FiesolanQ (Florenz s. a., Vened. 
1477). Gedichte aus seiner Jüngern Zeit sind sein Or^ 
pbeus, sein Filostrato, seine Tesetde^ und das schönste 
von diesen, sein Phäocolo, owero tamore dt Florio e di 
JBianet/lore (Florenz [1467?] 1472, Vened. 1472, Mailand 
1476, und dann noch sehr oft gedruckt, häufig audi 

14 



/ 



910 

«Hier i»m Titel: 11 fibro di Florio etc.), offenbar im Stoff 
derselbe Roman, wie der französisch-* proYenzalische Flenr 
et Blknch^enr. Die Frage, weldier yon bdden der 
ältere war» wird sich ans der Geschichte des letzteren 
beantworten lassen. Wahrschdnlich war es der proven- 
zali^ehe Roman, doch gab ihm Boccaccio erst seine hühere 
poetische Gestaltung. In Prosa schrieb Boccaccio ausser 
dem Decamerone noch mehrere Novellen und Romane Ton 
verschiedenem Charakter und Werth, so seinen ürbanOy 
seinen Amaö, owero Gommedia deUe Ninfe Fiorentine 
(unter andern zu Rom von Joh. Schurener von Boppard 
1575, und zu Treviso 1570 gedruckt) , und noch ein und 
die andere, wie den Tancred, wovon das italienische 
Original nicht miehr, sondern bloss die lateinische lieber«« 
Setzung in Versen von Phil. Beroaldus (Bologna s.a.) 
vorhanden ist. Nebst diesen besitzen wir von seiner 
Feder noch einige historische und mythologisQhe WeAe, 
namentlich seine berühmte Genecäagiä Deorutn, cum libro 
de montibus, sylvis, fbntibns etc., ein allegorisch ^mytho^ 
logisdies Lehrgedicht in 15 Büchern (sein erster bekamt^ 
ter Druck ist von \tndelih von Speier zu Vened. 1472, 
dann zu Vicenza 1477, 8ä, Göln, Arnold Therhoemen, gegen 
1477, und noch sehr oft, noch 1532 zu Basel veo Henr. 
Petri), femer sein Compendiutn de tlaris mvüeribuB, von 
welchem die meisten altern Ausgaben in Strassburg (Huss*;- 
ner, s. a:, nach 1473), Löwen, mit Abbildungen, s. a» und 
1484, Ulm (Joh. Zainer) 1473 mit AbbUd., zu Venedig 
erst 150611g. vorkommen. Merkwürdig ist die deutsche 
Uebersetaung dieses Buches, weldie der uns schon be- 
kannte Doctor Heinrrch Steinhövel zu Uhn verfer- 
tigte, und welche mit SO Abbildungen in Holzschnitt zu 



2ii 

Ulm bei Job. Zainer 1473, zu Aiigsbiii^ 1479 von A. Sorg, 
zu Strassb. 1488 von Job. Pnus gedrackt ward. Audi 
eine andere verwandte bistorisebe Scbeift Boccacciö's, 
de castbttf virorum ülustrium, Gegenstiick zu der vorige, 
wurde meist mit jener znsaimnengednickt , und ancb nil 
jener zasammen in französiscber Sprad« übersetzt (so 
scbon za Brfigge 1476, gedrnckl von Golard Mansion^ 
zu Paris bei Ant. yerard, s. a., und J. du Pr<$ 1483^ 
zu Lyon von Job« Scbabeler 1483 u. m.)» ^ spaniscber 
Spradie zu Sevilla 1495, Toledo 1511 , in * engliscber zu 
London bei Kidk. Pynson 1494 beiuusgegeben. — Seine 
Mythica Historia de Tito Romano übersetzte PhiL Be- 
roaldus üts Lateiniscbe, und eben so seine Historia de 
Citnone (ein aUegoriscb-didalUisckes Gedicbt liber die 
Abwege und Gefabren der Liebe). Diese Beroaldiscbe 
Uebersetzung druckte Jac. T bann er zu Leipzig s. a 
(gegen 1492 oder 93), und wieder 1505 

Boccaccio fand nteht bloss Ueberaetzer,. sondern auch 
freie Bearbeiter, unter weicben sidi besonders ancb der 
eben so gelebrte als geistreidte Humanist md fiiditer 
Leonbard von Arezzo durdi seine gelungne freie 
lateiidscb-^metrische Bearbeitung des Gedicbts Florio e 
Biancifiore» unter dem Titel: Ubeüu& de amore Guiscardi 
et Sigimmmdae^ fUiae Tcmcredi (gednekt zu Rom von 
Adam Rot, s. a., und Ulrich Han, s» a., wabrsdieinlicb 
gegen 1467 oder 68, daselbst auch von Gensberger n. A. 
s. a,, dann zu Mainz von Fust und Scbdifer s. a., zu 
FicMPmz 1480 und noch öfter, auch franzdusch übersetzt 
in Versen zu Paris und Ronen s. a. und 1403), aus« 
zeichnete. Auch ein Franz Florio von Florenz heim 

durch diese Travestirung zu einer ähnlichen poetischen 

14* 



S14 

und epistolischeii Scbriften hier ävfzafbfaren, da sie in den 
oft citirten bifafiosraphischen Werken ziemlich ToUständig 
zu finden sind; genug, dass hieraus ds neuer Beweiss TOn 
der ausnehmenden Thätigkeit der Typographen jener Zeil 
und d^ so schnell dadurch verbreiteten Liebe zur Poesie 
hervorgehl. Unter seinen historisch • romantischen Schriften 
hat den meisten Beifall im grOssern Publikum, auch ausser 
Italien, die in die Epistelfonn eingeUei^e JERstona Gri- 



$0lidi$ gefunden. Das lateinische Original derselben 
druckte Ulr. Zell zu G0ln s. a. (gegen 1472 — 74) und 
Job. Zainer zu Ulm 1473. Eine deutsche Uebersetzung 
der Griseldis des Petrarca und derselben des Boccaccio 
dmcktai Gttnth. Zainer zu Augsburg 1471, A. Sorg und 
Job. BXjnler daselbst 1472, der Letztere unter d«n Titel: 
„Grissel und Wabher, oder von Stätigkeit und getreuer 
Gemahlsdiaft.*^ Aach französische Uebersetzungen er- 
schienen zu ^enne u. a. 0. — Die Bueolica des Pe- 
trarca druckte gleichzeitig mit der Venediger Ausgabe 
Arnold Therhörnen zu Gök 1473, und irieder 
1483. - 

Unter den Auspiden und der eigenen thätigsten Lei- 
tung und Theitnahme des geistreichsten und g^dy^eslM 
Fürsten seiner Zeit, Lorenzo von Medicis (starb 
1492), hatte sich in der zweitm Hälfte des 15. Jahrhun- 
derts Florenz zu dem Hauptsitz der Wissenschaften und 
Künste, insbesondere auch der Poesie, zu dem Athen 
Itali^s gebildet, und unter seinem Präsidium blühte 
das Studium und der. Vortrag der altclassisdien Philo- 
sophie, vorzugsweise der Platonkdien, in der flir sie 
eigens gestifteten Acadoma Platonlana, und der grie- 
chisch-römischen Dichtkunst eben so frnclid>ringend auf, 



215 

mid der Mediceer ) als Verfasser einige]; erotisckeii 
Poesieen auf, nam^tlicU eines „Opus de amore'% Vened. 
oder Mailand 1471, nsd eines ^^Ofru^ de ammis remedio'*, 
daselbst 1471. Das erstere ersctüen auch nnt^r dem 
Titel Hecatompkila zu Vened. 1491 , das andere unter 
dem Titel Deiphira ebendaseUist. Beide scheinen Nach- 
bildung der Ovidischen Gedichte zu sein. Derselbe AU 
berto machte sich auch als Baumeister durch ein grosses 
Werk: >„ de re aedificatoria libri X^S Florenz, gedruckt 
von Magist. Nicol. Lanrentins Alemantis berühmt. ~> 
Von einem gelehrten Griechen, Michael Marullus 
(starb 1500), der in Italien lebte, sind sehr vorztigliche 
lateinische Epigramme und Hymnen (Florenz 1497, Bo- 
logna 1&04, Strassburg Schurer 1508 u. a.) Yorhanden. 

Zu Franz Petrarca Yon Arezzo (starb 1374) 
(s. oben), dessen Schriften Tor andern italienischen Dich- 
tem die italienischen Druckerpressen des 15. und 16. Jahr- 
hunderts am allermeisten beschäftigten, habe ich nur noch 
zu bemerken, dass die ältesten Ausgaben seiner Triumphi, 
Sonetti und Canzone, yon 1471 bis 1475 zu Rom, Venedig, 
Mailand und Yicenza, mit der tnta des Dichters^ ohne 
die Gommentarien des grossen Philologen und guten 
Dichters Francesco Filelfo sind, die meisten der fol- 
genden aber theils Yon diesen, theils yon den minder 
bedeutenden des Antonio da Tempo (Vened. 1477) 
und des Bernard Glicino, sein Trianfo della fama 
aber mit Gomment. Yon J.Toggio (Florenz 1485) be- 
glMtet werden. Es iräre eine sehr überflüssige und undank- 
bare Mühe, ^uch nur den grossem Theil des Heeres der 
Ausgaben sowohl dieser Gedidite Petrarca's, als seiner 
ttbrigen moralischen, philosi^phischen, historischen (s. oben) 



216 

Sohn, Johann von Medicis» den nachherigen bertthmteii 
und gelehrten Papst Leo Xl zum Unterricht in der alten 
Litterator fibergab. Ausser den schon im Vorhergehen- 
den von mir erwähnten philologischen Werken schrieb 
dieser geistreiche nnd von Sismondi mit Recht über 
die mehrsten der andern toskanisdien Dichter nnd Ha- 
manisten ans jener Zeit gestellte Gelehrte », Stanze per la 
Giostra (Tnmier) di Ginliano di Medici/S die nicht yoII- 
endet worden (es sind nur 150 Stanzen in den schönsten 
ottave rime, statt der 7 — 600, die es erhalten sollte), 
mit dem metrischen Drama ,, fOffeOy " in fttnf Acten, das 
1483 am Hofe zn Mantua aufgeführt wurde, nnd durch 
die treffliche, schmnckreiche Ausftthning der Dichtung nicht 
wahrnehme lässt, dass es das Werk einiger wenigen 
Tage gewesen sei. Ausserdem haben wir von di^em 
Angelo auch mehrere kleinere lyrisch -elegische Gedichte 
in lateinischer Sprache, unter dem damals beliebten Namen 
Sylv4U, namentlich die Syha MatUho^. ^ustieus, imöra 
und Nutrüiüy welche zu Florenz von Miscomini einzeln 
zwischen 1481 und 93, die drei ersteren zusammen aber 
zu Bologna 1402 von Plato de Benedictis gedruckt wur- 
den. Die Opera omnia Ängeli Polüiani druckten Leon, 
de Arrigis zu Florenz 1499 nnd Aldus zu Vened. 1500. 
— Der etwas ältere, schon oben unter den Philologen 
genannte feine und geistreiche Erklärer der Alten und 
treffliche Stylist, Francesco Filelfo^(8tart> 1482), am 
Hofe «der Sforzia zu Mailand, der altdassischen Litteratm* 
nnd der Dichtkunst lebend, aber auch mit den geiiannten 
Gelehrten am Hof der Mediceer und mit Loreüzo seihst 
in freundschaftlichster Verbindung stehend, schrieb ausser 
seinen zahlreichen prosaischen Werken (s#inen sehr oft 



217 

seit 1471, zuerst von Viudeliii von Sp., gedrackten Epi> 
stolae familiäres I. XVI, deren Dedication vom Jahr 1461 
datirt ist, und deren Ausgabe von 1500 za Venedig mit 
21 neuen, nacli seinem Tode aufgefundenen, Büchern ver- 
meiirt ist, seinen Orationes, zu Mailand I4B1 und 
öfter, und andern) ein Satirarum hecatostichön, zu Mai- 
land 1449 beendigt, daselbst von Valdorfer 1476 ge- 
druckt, dann „Od(W und „JFa&wfae" (Vened. 1490), 
wie die vorigen im elegantesten Latein gedichtet, auch 
Conmmorum libr. II, in ungebundener Rede vCMaüpÄd 
gegen 1478). 

Auch die drei Brüder Pule i zu Florenz, Zeitgenossen 
des Angelo Politiano, Bernardo (der Unbedeutendere), 
Luca und Luigi de Pulci, vorzüglich aber der 
Letztere, glänzten an Lorenzo's Hofe als Dichter , und 
die Poesien des Luigi (gestorben zu'Florenz 1487), mehr 
aus der Gattung des Romantisch -Romischen und Burlesken^ 
als aus der des ernsten Epos, waren besonders beliebt 
und if urden oft gedruckt. So namentlich seine dichte- 
rische Beschreibung des Tumi^ von Loreiizo de M. 
(la Giostra di Lorenzo etc., mesa in rime a. 1468, ge- 
druckt zu Florenz s. a.), noch mehr sein komisches Epos 
Morgante maggiore, in 28 Büchern, auf Verlangen der 
Mutter des Grossherzogs Lorenzo verfasst (Vened. 1488, 
03,04, Florenz l&OO mit Abbildungen) ; von Luca Pülci 
die Pistole in rima ( poetische Briefe zwischen' Lucretia 
und Lauro), Florenz s. a., und 1481 u. a.,'dann „U 
Driadeo d'amore^S Flor. 1470, 72, 81 u. öfters; von 
B&rnardo Pulci sind bloss geistliche Credichte. — 
Ob das romantisch -erotische Gedicht eines Caval. An- 
drea Bajardo von Pu^ma, „i7 jFiiogftno, Trattato amo- 



218 

roso de äadriitno e de Narcisoa'^ (s. 1. 1500 gedruckt), 
in welchem der Verfasser die Manier des Laigi Poki 
oder des Boccaccio nacbzualimen sucht, und ähnliche in 
elegantem Latein geschriebene, auch mehr poetischen 
Werth besitzende elegische Gedichte des Publ. Faust. 
Andreiini aus Forli, welcher früher (wahrscheinlich 
nach 1470) zu Bologna gelebt und zuletzt sich in Paris 
aufgehalten zu haben scheint, namentlich iseine Lmü, 
sein Amorum libri V, seine Elegiarum libri III und seine 
historisch -epischen Garmina de Neapolitana Forolirien- 
siumque victoria 1. 11, von welchen allen nur Pariser 
Ausgaben von 1405 -«* 1500 angegebai werden, auch der 
Flor^itiner Sdiule, oder ob sie vielmehr der lombardi- 
schen und der unter den Fürsten des Hauses Este, 
besonders zu Ferrara, unter dem Fürsten Hercules, 
und Parma aufblühenden . zugehOren , wdss ich nicht zu 
bestimmen. 

Der älteste vorzügliche Dichter an dem Fürstenhofe 
zu Ferrara war der Graf Matteo M. Bojardo, Herr 
von Scandiano (stari) als Gouverneur von Reggio 1478), 
welcher ausgezeichnetes Talent zur ritterlich -romantischen 
Poesie mit grosser Kenntnis» der Werke dieser Gattung 
von den Romantikem und Sängern der frtiliem Zeit und 
mit altclassischer Gelehrtheit veriiand. Ausser andern 
Ijrisch * elegischen Gedichten, seinen Sonetti e»€anzone 
(R:eggio 14S9, Yened« 1501), seinem dramatisirien Timone, 
dem Lucian nachgebildet (Yen. 1500, 1504 u. ^.) und 
einigen lateinischen Eclogen, machte ihn besonders sein 
grosses episches Gedicht, von der Gattung der fränki- 
schen Ritterepoptfen von heiteren und mehr scherzhaftem 
(äarakter, der Orlando innatMrato (Reggio 1495, Vened. 



219 

1406, Mailand 1513 und noch yiel öfter) , dag er gleich- 
woU mit nur drei Büchern Ton nahe an 60 Gesängen 
nnTolleudet liess. (Eine sehr rühmende Beurtheilnng 
dieses sehr anziehenden Gedichts hatValent. Schmidt 
mit grosser Vorliebe gegeben.) ^ Auch Francesco 
Gieco war ein beliebter Dichter aus dieser Ferraresischen 
Blüihenzeit, und seine mehr komische als epische Ballade, 
ü Mambriano^ in $5 Geslingen (Ferrara s. a., dann da* 
selbst 1509, Vened. 1511, 1518, MaUand 1517, und noch 
öfter) fand grosse Theilnahme. Aach gab er eine poe- 
tische Beschreibung des grossen Turniers des March. 
BenÜTOglio zu Bologna (gedr. zu Bologna gegen 1472). 
— Die glänzenden Sterne dieser Ferraresischen Periode 
waren aber die für alle Zeiten als Dichter erster Grösse 
fortlebenden Epiker Ludovico Ariosto (geb. 1474, 
gest. 1538), und der um 70 Jahre jüngere Torquato 
Tasso (geb. 1544, gest. 1595). Von Ariosto und seinem 
unsterblichen Werk, Orlando furioso, in 46 Gesängen (zu^ 
welchem ihm Bojardo's Orlando innamorato Veranlassung 
gab) habe ich schon oben gesprochen, und. füge hier nur 
noch hinzu, dass auch von seinen Komödien: Suppositi, 
la Cassaria, la Lena, il Negromante, und Ton seinen 
Satiren, Ganzonen, Elegien u. s. w. mehrere Ausgaben 
zu Rom 1524 u. 25, Vened. 1525, 26, 32, 36 u. a. ge- 
druckt wurden, und dass die erste Tollständige Aus* 
gäbe seines Orlando f. die von Marchio Sessa zu Vened. 
)536 gedruckte ist. Von Tasso, diesem Lieblingsdichter 
Italiens, und am alleimeisten Venedigs, wo jeder Barcarol 
sein Giirusalemme Ubtrata in der weichen lingua Barcar« 
rda auswendig singt, und der audi ausser diesem Haupt«< 
werk mehrere Smetten und einige Dramas, insbesondere 



220 

ein Schftferspiel, Ämynta, dichtete, habe ich hier nicht 
weiter ztt sprechen, da seine Zeit schon über den von 
mir angenommenen Zeitraum weit hinansfkllt. Tasso's 
Vater, Bernardo Tasso, war anch ein guter Dichter, 
wenn schon seinem Sohne nachstehend, und schrieb einen 
Ritterroman L'Afnadigi (Amadis von Gallien) in hundert 
Gesängen (Vened. 1538), auch Liebeslieder „gli amori^' 
(Venedig 1531, 36) und „Rime'' (daselbst 1534). — 
Auch' Battista Guarini (gestori)en 1612 zu Vene- 
dig), dessen Pastorale „il Pastor fido** noch auf einen 
Rang unter den dichterischen Classikem jener Zeit An- 
spruch macht , wenn es gleich Ariost's Geist und. Torquato 
Tasso's Anmuth nicht erreicht, gehört nicht mehr in un- 
sere Periode. 

Von andern italienischen Dichtem mit und nach 
Ariosto aus den letzten Decenuien des 15. und den eräten 
des 16. Jahriiunderts sind noch folgende, theils Floren- 
tinische, theils Römische , theils Venezianische, theils 
aus Neapel auszuzeichnen, wenn sie gleich nicht mehr 
Tom ersten Rang sind. Nicolo Gampano von Siena, 
Verfasser mehrerer Pastoral - Eclogen ^ ( Strascino , edoga 
rustica, Siena 1519, il Magrino, Ed., Siena 1514, il Berna, 
das. 1520); — Maria Manilscalco von Siena (laMo- 
naca, Siena 1520, il Bichiero d'amore, Vened. 1526); — 
Franz Berni zu Florenz (Gapitulo del Giuoco della 
Primiera etc., Rom 1526, auch eine neue Beärbeitong 
des Orlando innamorato Bojardo's); ~ Teo filo F olengo, 
Mantuaner (starb 1544), der unter andern Namen seine 
humoristischen Poesien herausgab, als Merline Gocaio 
seine Macarönica (Vened. 1517, 1520, Mailand 1522) 
und einiges Andere, alsLimernoPitoco seine komische 



221 

Burleske, Orlandino (Yen. 1526, Rimiui 1527), seine Mo- 
schea, Mücken- and Ameisenkrieg, sein satirisdi - episches 
Gedicht „Baldo da Gipada'' in 25 Bfichem u. a.; — 
Antonio de Pistoja (Filostrato e Pamfila, Trag., 
Yen. 1508, 16 n. f.); — GioT. Giorg. Trissino von 
Yicei^za (starb 1550 za Rom), berühmt durch seine Tra- 
gödie: la Sofonista, Rom, Arrigi, 1524, seine Ritratti 
delle bellissime Donne d'Italia (Rom, Arrigi, 1524), dich- 
tete auch mehrere Ganzone, Rime and eine Art Yon 
£popöe „Italia liberata da Goti'' in 27 Büchern <Rom 
1536); ~ GioY. Rncellai, Florentiner (starb 1525), noch 
einer der besten bukolischen Dichter aus jener Zeit und 
Nachahmer Yirgils, in seinem Gedicht „gli äpi*' (die 
Qienen), in reimfreien Jamben; -^ Francesco de Lo- 
dovici, aus Yenedig, mit Glück im Epos sich versuchend 
in seinem „Antheo Gigante", Yen. 1524, und in seinem 
„Triohfi de Carlo Magno'', Yen. 1535; — Nicolo di 
Agostini, Yenezianer, naiihahmender Romantiker (lo 
innämöramento di Lancelotto e di Ginevra, librilü, Yen. 
1521, 26; ^ Carlo Gualternoci, Novellist (Cento 
Novelle antiche, Bologna 1525) ; — Lelio diManfredi, 
Ferrarese (Carcer* d'amor, nach dem Spanischen, Yened. 
1526); — Geronimo Benivieni aus Florenz, Freund 
Pico*s von Mirandola, moralischer Dichter (Canzoni e 
Sonetti dell' amore e della belleza (iivina, Florenz 1500, 
Gli amori dilettevoli , Yen. 1523 u. f. , Opere poetiche« 
Flor. 1519, Yen. 1523); — Jacob Sannazaro aus 
Neapel (starb 1530), ein vorzüglicher Lyriker und Elegiker, 
dessen Gedichte, besonders Arcadia, zuerst zu Yen. 1502, 
Mailand 1504, und Sonetti e Canzoni, wegen ihrer grossen 
Zartheit und gefälligen Yersification ungemeinen Beifall 



fanden, nnd in einer Menge yon Anlagen erjM^^ieii. 
Diese und nodi mehrere andere Poesien, lateiniscbe 
Eclogen, Oden n. s. w. des Sannazaro sind in seinen ge-- 
sammelten Werken ( Yen. Aldos 1535 ) vereinigl. — 
Aelter ist ein weniger bekannter, doch recht guter komi- 
scher Novellendichter , Masuccio aus Salerno, dessen 
,,J?I liovtfXxM'% yermuthlich gegen 1470 geschrieben, za 
Vened. von B. de Zanio 1503, 1510 und dann noch 
mehrmals gedruckt wurde. — Der bekanntere Lyriker 
und Philolog Peter Bembo zu Venedig (starb 1547) 
erwarb sich besonders durch sein grösseres historisches 
Gedicht ,, glt A^olani '* ( Flor. Giunta 1505, Yen. Aldus 
1505, Mailand 1517, und noch sehr oft wieder gedruckt), 
und durch seinen „Benacus^* (Rom, Gahus, 1524» Yen. 
Aldus 1527 u. f.) grossen BeifalL — Ein Anton. Fi- 
le remo Fregoso aus dem Mailändisehen zeichnete sich 
durdi seine satirisch -witidgen Gedidite: Biso de D«no- 
crito e pianto d' Eraclito, Mail. 1506, 1511 und noch 
sehr oft gedruckt, und seinen „G^rvo bianco^S mit Salz 
und Laune geschrieben (Mailand 1510 und Öfter), aus. — 
Bin Bologneser, Angelo Gl. Tolomei, empfahl sich 
den Frauen seines Landes durch ein Lobgedicht auf sie 
(„delle laude delle Donne Bolognese'S Ganti ID, Bol 
1515). ^^. Der dichterisdie Bischof zu Alba, Marc. Hier. 
Y i d a aus Gremona (st. gegen 1545) schrieb in lateinisch^i 
schönen Yersen ein religiöses Epos : Christindos libri YI (Gre* 
flMmae 1535, Antwerp. 1536), und de arte poetica libr. II 
(Rom u. Paris 1527, Nflrnb. 1531). -^ Der gute Historiker ^) 



'*') Jonan. Pontanus , dessen Torzüglfchste historische 
Schrift „de belto Neapolüano'* libri YI (Neiqpel; Mayer, 



223 

JovianHB Pontauas (schrieb rmschen 1480 u. 152Q) 
war auch fruchtbar in poetischen Werken ans der epi- 
schen und lyrischen Gattung* Wir besitzen yon ihm eine 
„ Parthenoppeis 'S libr. n (Neapel, Sigm. Mayer, 1505)/ 
Horti Hesperides (nüt seiner Urania n. a. zu Vened. Yon 
Aldos 1513, zu Flor, yon Junta 1514 gedruckt), de amore 
conjngali (Neap. 1505), Opera poeticä (Vened. Aldus 
1505, Neapel 1507, voUständiger Vened. Aldus 1533), 
Garminom P. I. et U. (Basel 1531 u. f.)- — Eiii unge- 
nannter historischer Poet aus derselben Zeit besang in 
einem tragischen Epos die Kriege in Italien unter Lud- 
ntg XIL (Gnerre orrende d'Italia, Ganti XX, Vened. Paul 
Danzi, 1534). — Die Brttder Gioy. Ant. Flaminio 
iDid Marcanton. Flaminio zu Bologna und Fano 
gaben lyrische Gedichte und Stanzen heraus, der Brstere 
unter dem Titel: „SylTarnm libri IV und „ Epigrammalum 
i. U,^* (Bologna, Hect de Benedict. 1515), der Andere als 
„Garminum libellus^S und ,>Ecloga Thyrsis'S (Fano, Hier. 
Soncini, 1515). — Eine Sammlung alter italieniseher 
Gedichte, die ich nicht näher kenne, kam unter dem 



1508, und Hagenau 1530, auch ins Italienische übersetzt, 
Vened. 1524) ist, führt mich auf den oben, S. 127 nur 
Mchtig genannte^ grftssten italiemscken GescMchlschreiber 
srjoier Zeit, den Florentiaer Francesco Guicciardini 
(geb. 1482, gest. 1540), dessen für immer classisch bleibende 
Historia d'Italia, libri XX, Ton 1494 bis 1532 gehend, 
erst im Jahr 1560 za Florenz gedruckt wurde, und dann 
öfter, weshalb es freilich in den lOOjährigen Zeitraum dieser 
Schrift nicht aufgenommen werden konnte. Doch wollte ich 
es nicht ganz unerwähnt lassen. Fortgesetzt wurde es durch 
lo. Bapt. Hadrianus. 



224 

einfachen Titel „ Lanretom '' zu Florenz s. a. heraus. — 
Nodi mtfge auch das sehr zierliche, im schönsten Latmn 
geschriebene' Credicht des berühmten Veroneser Arztes» 
Hieron. Fracastorins, tiber eine hOchst nnpoetische 
Materie, „Syphilis, s. morbus GaUicns, ad Petnim Bem- 
bnm'' (Veron. 1S30, Paris nnd Rom 1531 and Öfter) hier 
in poetischer Beziehung eine Stelle finden. (Ueber diese 
lateinischen Dichter Italiens und anderer Länder im 
15. bis 18. Jahrhundert sehe man das TortrelDiche Werk 
ton P. A. Budik zu Wien in 3 Banden 1826, mit metri- 
schen Cebersetzungen derselben.) 

Wahrend die hier etwas ausführlicher — wenn auch 
nichts wehiger als Tollständig — angegeben^ Litteratur 
der italienischen Poesie schon in den ersten fünfzig JahreQ 
nach Einführung der Typographie mit solchem Beichthum 
fast in allen Gattungen der Dichtung, auch solchen Glanz 
und solche classische Vollendung in ihren Hauptwerken 
zeigte, und während die Venrielfkltigung dieser Meister- 
werke durch die Kunst der Typographen selbst wieder 
einen so mächtigen Einfluss auf die Anregung und Ent- 
wicklung des poetischen Talentes in rasch zunehmender 
Früchtezahl äusserte, blieb die französische, eng- 
lische, spanische und zumTheü auch die deutsche 
Poesie noch mit wenigen Ausnahmen in jenem Kreise be- 
fangen, dessen eine Hälfte die epische Bomantik des 
Bitterthums, mit eingemischtem Zauberspuk, die Helden- 
lieder und Bitterromane nach den Sagen von des KOnigs 
Artus Tafelrunde, von den Bittern des h. Graals (den 
Hütern der Schüssel mit dem Blute Christi), mit ent- 
schiedenerer Bichtung zu den Mysterien des Ghristen- 
thums, und yon Kaiser Karls des Grossen Leben und 



22S 

Thaten , die and^e H&lfte die lyrisch - epischen und 
lyrisch - elegischen Gesänge der prÖTenzalischen nnd süd- 
spanischen Troubadours und Minstrels oder Minnesäuger 
und die scherzhaften oder mehr misten Volkslieder, und 
zum kleinereu Theil die Legenden von heiligen Männern 
und Frauen, nebst allegorischen und didaktischen Gedichten 
(diese mehr in Deutschland) umfassten. Jene feinere und 
durch den Rhythmus und Wohlklang einer schon ausge- 
bildeten Dichtersprache ausgezeichnete Runstpoesie der 
italienischen Meister blieb in diesen Dichtwerken fran- 
zösischer, spanischer, bretanisch- englischer und deutscher 
Romantiker und Sänger des Mittelalters vöUig unerreich- 
bar, so rdch auch die vorzüglicheren dieser Heldenlieder 
uild Rltterrottlanzen u. s. w. an innerer poetischer Krafl 
und Schönheit, unter unscheinbarer, oft rauher äusserer 
Sdiaie waren. Diejenigen bedeutenderen Dichtwerke dieser 
Gattung, zum grossem Theil west- und nordfranzösischen 

• * * 

und bretonisch -stidenglischen Ursprungs, zum Theil auch 
(und zwar grade die schönsten) von alemannischen und 
fränkisch -schwäbischen, auch einigen bairisch- 
österreichischen und einigen niederdeutschen Dichtem zu- 
efst gedichtet oder neu und eigenthümlich nach dem fremden 
Stoff bearbeitet, welche bis zum Jahre 1500 gedruckt 
worden sind, habe ich grösstentheils bereits oben, 
S. 91 — 1^, a^s Zugabe zu der Uebersicht der histori- 
schen und Novellen -Litteratür nach den mir bekannt 
gewordenen Ausgaben aus jener Periode angegeben, wenn 
mir auch schon einige dieser ältesten Ausgaben ent- 
gangen sein mögen. Bei weitem der grössere Theil 
dieser altfranzösischen, ey^lischen, spanischen und hoch- 
wie niederdeutschen Gedichte, Romane und Sagen vom 

15 



2S» 

12. bis 15., ja noch bis zur ersteh Hälfte des 
16. Jahrhanderto ist bekanntlich . enit in späterer Zeit 
und vorzii^^h in der neuesten ^ dnrcb. die Bemühnngen 
ausgezeiehneter Forscher, nnd. Kenner -der Gesuchte des 
Mittelahers und seiner Dichtungien^ aus dem Donkei alter 
Bücherschreine in Klöstern und Schlössern, in denen sie 
Yerborgen lagen^ hervorgezogen nnd der Presse tfhergebesi 
irorden. Sie liegen daher ga^ ausser den Grenzen der 
gegenif artigen Schrift, and ich tiberhdte midi am so 
mehr jedes Versuches eines vollständig* bis zur Mitte 
des 16. Jahrhi^iderts durchzuführenden Verzeichmsses 

* 

der altem Drucke französischer, bretcwisch -englischer, 
spanisch -portvgieaüscher und deutscher Dichtung^ am 
den genannten^ fiattongen 4er episch -^schen Romantik, 
der Ritter- und Heldenromasne und Novellen, der Mbine- 
lieder, komisdben Gedichte, Satiren, Legend^ u« s. w., 
da wir bereits in den schätzbaren Geschiditsweiiien und 
specielleren historischen Darstellongen Bouterweck's, 
Sismondi's, E.Koch's, der Gebrüder von Schlegel, 
Flöger s (in seiner Geschichte der komischen Litteratur), 
Raynouard's (des Troubadours et des Cours d'ainour, 
Paris 1817, in 6 Bdn.), F. Henrion's (in s. zur Ge^cUchte 
der italienischen ronm.ntischen Poesie wichtigen „Istoria 
suU origine di tutte istorie e romani di secoli XV. e 
XVI. etc., Florenz 1794),^ Rosenkranz 's (dieser sowohl 
in seinem Handbuch einer allgemeinen Geschichte der 
Poesie, 1832, als in seiner Geschichte der deutschen 
Poesie im Mittelalter, 1830), von der Hagen's und 
l^üsching's, Val. Schmjdt's, Leo's, Ferdinand 
WoUf's, B. de Rocqnefort^s (de Tetat de la;poesie 
francaise dans les XU«« et XIU"»« siecles, 1821), Gou- 



227' 

jet's XBibliothcqaefranfaige» VofU.XV.), 0. L. B.Wolff'8, 
F. Diez's, K. Simroek's, Lachmann's, Uhland's, 
Wackernag^rs, derGebrttder Grimm, Alfred Ren- 
mont's und inden LitteratnrweriDenTOniEbert, Wach- 
ler, Yillemain u. A. aJle higher gebörigen Ustoriscli- 
litt^rarischeiii Darstellongeii und Notizen mehr oder minder 
ToUständrg gegeben finden. Adch vmrden im 15. Jahr- 
hundert Y4m jenen ältesten frajßMkcben^ spaidsch-portn- 
giesischen und bretonisch -englischen epischen Poesieen, 
die vom Ritterthtim und den Sagen und Heldengeschichten 
der Tafelrunde, der Kreuzzüge u. s. w., auch von geist- 
lichen und Wunder -Legenden ihren Stoif entnahmen, und 
von andern Rc»nanzen, lyrischen und erotischen Gedichten, 
ausser den von mir schon oben S. 02 flg. angegebenen, 
zwar noch andere, hier nachzutragende, aber (Frankrrich 
etwa^ ausgenommen) verhaltnissmässig * doch nur wenige 
gedruckt, so viel ich wenigstens finden konnte. In 
grosserer Zahl war dieses der Fall mit deutschen Dicht- 
werken von verschiedener Gattung, gereimten und un- 
gereimten, selbst lUdaktiBch - moralische und religiöse 
Dichtungen, und auch Satiren und Fabeln mit einbegriffen, 
schon von 1472 an, in steigender Zahl freilich im 16. Jahr- 
hund^ w« auch mehrere gute lateinische Dichter in 
Deutschland auftraten. : Mehrere dieser Dichtungen und 
Romane der genannten Völker sind allerdings in dichte- 
ris<^er Hinsicht höchst • mittelmässig und kaum des Nen- 
nens werth. Als Nachtrag zu den bereits oben über die 
ältesten Drucke^ ^eser Erzeugnisse der Romantik und 
Lyrik j^ner Zeit gegebnen Notizen hebe ich hier noch 
die folgenden aus, die von den Kundigen des Faches flir 
die bedeutenderen gehalten werden. 

15** 



2S» 

1. Spanische. Eiaes der ältesten und berfilimte- 
steil Dichtwerke ist das altspanische Nationalepos, der 
Cid, das von mehr als einem Verfasser sncces&iv ge- 
dichtet wurde, wahrscheinlich schon im 12. nnd 13. Jahr- 
hundert. Die älteste bekannte Ausgabe desscÜben ist 
zu Sevilla nngefkhr gegen 1486, und bestimmter 
1406, dann zu Modena ld52, unt^ deH Ueberschrift: 
„ Cronica iel Cid Buy Diaz,'' Ton drei ,» Gompaneros Ale • 
manos*' gedruckte, jetzt äusserst seltene. (Die neueste 
deutsche Uebersetzung desselben yerdanken wir dem 
Herrn üenr. Schubert, in seiner BiUioth. Gastellana 
T. I.) •-- Das Leben and die Thaten und Weissagun- 
gen des Zauberers Merlin,, des J'ührers des Königs 
Artus und der Talelrande, und Schützers des h. Graais 
wird in einem spanischen, zu Bncgos 1496 gedruckten 
Buche: „El Baladro del sobio MerUn, eon sus profeetas" 
beschrieben. Nähere Auskunft ttber dieses Bach und 
seinen französischen Ursprung giebt indessen eine 
schon viel früher, 1460, zu Venedig von Luca Yen. ge- 
* druckte italienische Uebersetzung des französischen 
Originals, das in dieser italienischen Ausgabe aosdrück- 
lieh einem „Magniico Messer Pietro Delphino (Dau- 
phin?) zageschriebra wird, mit dem Beifbgen, dass diese 
italienische Uebersetzung im Jiahr 1379 von dem Messer 
Zorzi verfniigt worden seL Diese Uebersetzung führt 
den Titel: Historia di Merline, in VI libre. Im Jahr 
1496 druckte Verard eine nene und beste Ausgabe des 
franzosischen Werks. — Von Joanot Martorell 
aus Gatalonien ist der heitere Roman „Tirant lo blanch'% 
der im Jahr 1460 s. 1., vermuthlich zu Valenzia gedruckt 
wurde. — Von einem andern noch altern spanischen 



22d 

Romau, ohne Namen des Verfassers, „ Historia de Enrique 
fi de Oiiva'% Sevilla 1496, fi^t es anch eine franz((siscfae 
Uebersetznng von Pfa. Camns, ,, Histoire de Olivier le CastiUe 
€t de Artus de Algarbe et de Helene fille an roy d*Angle- 
terre" etc., Gen^ve 1480, 1482, and eine holländische^ 
gedruckt zu Antwei^en s. a. von Heinr. Ediert vonHom- 
bürg, — Von Fernando Perez Guzman wurde ein 
Gedicht unter dem einfachen Titel „Coplas" zu Sevilla 
von Mein. Ungut 1492 gedruckt. — Die „Cronica de 
muy efforcado GavaOero Cifar nuevamente impressa'S 
Sevilla, Cronberger, 1512, ist Roman. -— Enrico 
de Villena (starb 1434), einer der thätigsten Be- 
förderer der provenralischen Poesie in Sfidspanien, und 
Stifter «iner fttr diese wirkenden Akademie in Barcellona, 
schrieb ausser einigen. Schauspielen, die erst später ge- 
druckt wurden, ein die Mythe vom Hercules besingendes 
Gedicht: „el Hbro de los trobajos de Hercules,*' das zu 
Zamora 1483 gedruckt wurde. -^ Von Juan deMena, 
Zeitgenossen ' des Vorigen, ist ein Lobgedichi auf die 
poetische* Krönung seines Freundes, des Don Inigö Lopez* 
de Mendoza, Marques de Santillana, der sich auch als 
Dichter einen berähmteA' Namen gemacht haftte,. unter dem 
Titel, „to CoroncLZian, al muy illustre OaväDl^^O' Don 
Inigo Lo{>ez de Mendoza*', zu Sevilla 1499' Wd eiü an- 
deres berühmteres Gedicht „ef LabirintQ ,*'' in Sevilla 
1496 und wieder 1499 gedruckt worden. — Von dem 
eben genannten Inigo Lopez Mar([ues de Santil- 
lana besitzen iiir die Proverbios can glossd in Versen^ 
die ndt einem „Tratado de providencia contra fertüna, 
von dem schon oben S. 15 u. 117 genannten Diego de 
Valera, zu Sevilla 1494 aus den Pressen des Deutschen' 



2S0 

Meinhard Ung^t und des Polen Stanislans bervorgiag^eii, 
and ausserdem noch ^yRefmnes '\ (ßefmBS% SevjUa, Gron- 
berger, 1522. — Bernardo Fenollar gab zu Va^ 
lenzia 1474 ein eben so merkirttrijUges als selleiies Cer- 
tarnen poetich heraus, WiekhfBs Aft Gedichle in spaniaober, 
provenzalischer- und irelscher Spradie . f»^sdt — Vqu 
einem andern Fran€iJ^co Lopez de ViUalobos, einem 
Arzt und gutem Dichter, wurde ein Sumßrio 44 \a Meäi- 
oina als Romanee trobad4>, im Yermass .d^r;Tr4Hibadoiirs 
(in dreizdligen Stanzen), und — was nodh. merkwürdiger 
ist, ein Gedicht in denselben .Stanzen, beschreibend las 
contagiosas y malditas babas (sjrphiliticasX ihre Geachichte 
und ihre Heilart, verfossl und zu Salamanca.Ton Anton 
de Barreda gedruckt (Vorläufer des Gedicht» von Fraca- 
storio). — (Noch ein anderer Lopez (F^dro) de Ayala 
ist bereits oben, S. 119, als Verfasser einer geschätzten 
Chronik aufgeführt worden). — , Von dem schon S. 101 
besprochenen Bitterromän Amadis de Gaula (so richtiger, 
jeUs A. von Gallien), der wohl gemischten, theils spani- 
schen, theils französischen Ursprungs ist % und der bald 



*) Der spanische Ursprung eines Theile6'(der ersten 
6 Bücher?) dieaies Bomans scheint mir jetzt, nach. nSherer 
Prüfimg, doch. der altere zu sein, wodurch ich meine Aeusse- 
rong S. 101 berichtige. Jedoch noch jetzt glaTibe, dass die 
Meinung, der SpiEuiier (Rosenkranz nennt ihn einen Forta- 
giesen) Vasco de Lobeyra sei sein alleiniger Verfasser, 
unerweislich und irrig sei. Man Terglelche über diesen 
Amadis und seine Nachahmungen Val. Schmidts schätz- 
bare Abhandlong in den Wi^er Jahrhfichßm :1S26, dann 
Raynquard a. a. 0,, nid Jacob Grimm (Silya de Bo- 
luances y^ejos etc., Vienna 1818, wo auch noch ans dem 



231 

Tide Xacbakmang^n, «Hier ilmeu -fieU^t .eitien Amadis 
Tim GriecheiilandT einen Flortsändo, LlfiiiMrte*a. A. fand 
(m. 8. die ' Litteralur diesei* Tielen-^Amafdiflromane und 
ihrer PanKlieen in Bbert's bibliogitiph^IjeidMon), wur- 
den „los Vm libros del CaTaUero Amaidis de tiaida'' zu 
^ SeTffla 1526, 4 Biieber (spaid6eh) zn Venedig 1533, das 
6. Bncli aUein zn Salamanea 1512, and das dlfte zu 
SeTiUa 1536 gedruckt. -^ D^r Roman „Bspejo de Ca- 
Tallerias en el quei se tratta de los Fechos del Gonde 
Don Roldan y deDonReynaldos'S Serilk 1536, nnd 
die „Hisloria del vaUeiite Gigante, cajro'nombre es Jfor- 
gante, y Boldan, y Reynaldos,'* gedruckt zu Valencia im 
Jahr 1535, sind ohne Zweifel zwei nächMTorwandte Ro- 
mane auf franzOsisdier Grundlage. Dem letztem folgte 
noch in demselben Jahr ein „ Libro segnndo de Morgante*', 
gedruckt Toa Dnran SalTanioch. — Von dem altspani- 
schen Roman „los tres Iftros del ClATallero Primaleon^' 
finde ich nur eine Aasgabe zn Venedig Ton 1534 (Nie. 



„Ganzionero general de Amba*es/' Seyilla 1555^ mehrere 
altspanische Romanzen über Karl d. Gr. und seine Paladine 
abgedruckt sind). — Ich bemerke hier noch, dass auch Ton 
dem schon oben S. 97 Ton mir erwähnten nndten franzOsi- 
lohen Roman „(e Uvre de quatre iäs Äymon, et dclear 
Cousin Manguis'^ der zuerst zu Paris s. a. Temuddich noch 
TOr 1490 gedruckt wurde, eine spanische Uebersetzung 
s. 1. et a. erschien. Hierbei muss ich meine Aeussemug 
* S. 97, dass Hr. y. d. Hagen diesen Roman nicht richtig als 
Raynalt oder die Haimonskinder anfgeführt habe, widerrofen. 
Raynald (der obige Reynaldos der Spanier, Rinaldo der 
Itafiener) war der Hauptheld dieser yler Haytnonsklnder. Reg^ 
nanlt de Montauban schrieb den Roman: . 



X 



^2 

I 

de Sabio) angezeigt. — Die «»ffistoria iel Omte diPar^ 
tmoples'' wurde zu Tarragona 1488 gedruckt. — Eia 
anderer: «^Libro del Gavallero Reymundo d4i Greda er- 
schien s. 1. 1524 gedruckt. — Ungemein reiche und fbr 
die Geschichte der ältesten spanischen Poesie und Ro- 
mantik hdchst wichtige Sammlungen aus dem 16. Jahr- 
hundert sind folgende: „Canzionero general de los mas 
principales Trobadores de Espanna, compilado del F erdin. 
de Gastillo^S Yalenzia, Kofmann, 1511, dann ein 
anderer Canzionero general de Romances etc., Ant- 
weipen 1550, 55, und „el Ramaneero Msioriado, Alcala, 
1579, 81, nebst dem noch reichhaltigeren Romancero 
general, Madrid 1604, vollständiger in 2 Bänd^ Ma- 
drid 1614. — Einer der vorzüglichsten spanischen Ro- 
mantiker des 16. Jahrhunderts, Don Diego de Men- 
doza, sdirieb seinen berühmten Roman „LazariUo de 
Tormes ** erst gegen 1540 — 50,. und fiein Druck, wie der 
seiner Lieder fiült noch etwas später. — - 

2. Französische. Ich könnte hier den Notizen, 
die ich schon oben S. 92 flg. bei der allgemeinen Ueber- 
sicht der mittelalterlichen Litteratur der Romantik über 
die ältesten in Frankreich gedruckten oder aus französi- 
schen Originalen ins Deutsche übersetzten Romane und 
Gedichte gegeben habe, OAd die ich dort allerdings nur 
sehr kurz und unvollständig gab, wohl viel Mehreres bei- 
fügen, da der Stoff reich genug ist. Aber ich mnss und 
werde mich gleichwohl auch jetzt nur auf das Erheb- 
lichere zur Ergänzung dieses Theils der altfranzösischen 
Litteratur beschränken, weil Vollständigkeit im Verzeich- 
nen aller Druckschriften in diesem Litteraturgebiete ausser 
dem Plane dieser Schrift liegt. Zudem muss doch Mehreres, 



253 

was die frauzösischen Drackerpresseti erst in späterer 
Zeit auf diesem Fdde der Romantik zu Tage förderten, 
hier unberfilirt Ueiben. Denn auoli in Frankreich Uie)^ 
die Mehrheit der alten Dichtungen, sowohl derer, diä im 
Geist and Geschmack des ritterlichen Epos, mit den bre- 
tonischen und deutschen nächst verwandt, zum Theil 
gleichen StoiF aus den Sagen der Tafelrunde, der Karo- 
linger U.S. w. bearbeiteten, als der lyrisch - erotischen, so 
wie die allermeisten Gesänge der provenzalen Troubadours 
und Minstrels noch im 16. Jahrhundert ungedruckt und 
nur im Munde dßs Volks, bis sie zum Theil erst viel 
später, mehreire erst in neuerer Z»t, durch die Presse 
zur OelTentlichkeit gelangten. Ein nicht kleiner Theil; 
besonders der letztem, erwartet aber noch , wie auch so 
manche alte deutsche Lieder, die Hand, die sie aus langem 
Verliess ans Licht bringen soll. Indem ich auf die yolU 
ständigeren* Nachrichten, die Rocquefort, Sismondii, 
Bouierwedk, FlOgel, Hillebrand (Lehrb; der Litter> 
Aesihet. fid. U.), Val. Schmidt (über die italienischen 
Heldengedichte aus dem Sagenkreise Karls des Grpssei/, ^ 
Berl. 1820), Grimm, Ühland und Rosenkranz von • 
diesen französischen Dichtungen (deren grljsseref Theil 
aus der Gattung desi , Burlesken , Niedrig ^Kppischen^ 
der leichiett Ghanson» in der That Ton. geringem 
poetischen Werth war) geben, verweise , Witt ich nnr fol- 
gende in jener Zeit zum Druck gekommene noch erw^- 
nen. Unter den lyrisch - allegorischen Gedichten der 
frühesten französischen Dichterperiode ist eines der schön- 
sten und zartesten der „ Rommant de la Rose ," im 
13. Jahrhundert von Guillaume deLorris und Jehan 
de Meung gedichtet, in Versen, und gedruckt s. 1. et a. 



256 . 

unter dem Titel ,,the morale Proverbes/^ aus dem fran- 
zOsischen Orig:inal tob Anton Wideville, Therl (Earl?) 
Revers ins Englische übersetzt, gedruckt. — Ob das 
ebenfklls yon Caxton 1^0 in englischer Sprache ge- 
druckte und, wie es nach den Schlussworten scheint, von 
ihm selbst übersetzte Buch derselben Verfasserin: ,^tlie 
Fayt of Armes and Ghiyalry'S welches als eine Art Aus- 
zug aus dem Vegetius de re militari angegeben wird, 
auch ursprünglich in Versen geschrieben war, mochte ich 
bezweifeln. — Auch eine lateinische Dichterin zu 
Paris, Sibilla Erythraea (pseudonym), erwarb sich 
durch ihre „Carmina/* Paris 1507, Florenz, Junta, 1510, 
Ruhm. — Wilhelm deGuilleville schrieb ein mo^a- 
lisch -religiöses Gedicht: „Le romant des trois pderinages'\ 
gedruckt zu Paris von Barth, und Jean Petit s. a., und 
wieder zu Lyon von Martin Huss 1486, und 1499; auch 
ins Englische tibersetzt und gedruckt von Gaxton 1484. ~ 
Ificht viel jünger ist der von Olivier de la Marche 
in Reimen verfasste historische Roman: ,,le Chevalier 
delibr^, ou la vie de Charles Duc de Bourgogne,'* ge- 
druckt zu Paris 1488, und wieder „en rimes frandkis", 
Paris 1500. — Ein „Roman du Chevalier aux Dames, 
en jrimes",, s. 1. et a., wd ein anderer mir, wie der 
erstere, ganz unbekannter, „Clamades et Claremonde", 
sind wohl eben so alt. — Viel Beifall fand eine alle- 
g^sch- moralische Dichtung unter dem Namen: „Melib^e 
et Prudence sa femme," die s. 1. et a. (vermuthlich zu 
Paris gegen 1473) im Druck erschien, und auch bald ins 
Deutsche übersetzt wurde, so unter dem «Titel: „Brunnen 
des radts, in gleichniss gezogen von Mdibeo und seiner 
hussfrouen Prudencia", gedruckt von Grüninger in Strass-- 



237 

bnrg s. a., von Hans Bänller in Aagsb. 1473, von A. Sorg 
das. 1480 n. f., auch ins Holländis4^1ie übersetzt zu Ant- 
werpen s. a. ndt Holzsehnitten. •— Ungewiss bin ich, 
ob ein von £nguerrand de Monstrelet verfasstes 
und von Verard zu Paris 1496 in 3 FoI.-Bänden gedrucktes 
historisches Werk:Les Ghroniques de France, d' Angle* 
terre, de Bourgogne etc., additiones jusqu* en 1498 (par 
Pierre Desrey), welchem kein unbedeutender histori- 
scher Werth beigelegt wird, wegen einiger darin aufge^ 
nommener romantischer Sagen, auch mit einen Platz unter 
dien mit Dichtung gemischten Werken einnehme, oder ob 
es nicht vielmehr den rein historischen Werken beizu- 
zählen sei ;< in welchem Falle, den ieh ffir den wahrschein« 
lieberen halte, es noch den ; oben S. 118 äufgefiihrten 
Ghroniques de France beizufiigen ist. r- Dagegen bin 
ich jetzt gewiss, dass.das obeii & 122 erwähnte ,Mer 
des Hütoires et Chroiiiques de. France,'', wddbes.räi fknä 
seit 1486 in mehreren Ausgaben und Fortsetzungen, so 
noch 1&15 — 1&35, erschien, dn bloss romantisches 
Werk ist. ~ Ausserdem* sind noch folgende franzüsische 
Bearbeitungen, zum Theil auch nur Uebersetzungen , von 
berühmteren epischen Ritterromanen und Poesieen aus 
den Sagenkreisen der Tafelrunde , des h. Qraals und 
des Karolingisch- Fränkischen Ritter- und Heldenthums, 
und grüsstentheils erst in der ersten Hälfte des 16. Jahr- 
hunderts gedruckt, den schon vorher (S. 94 fg.) erwähli- 
ten beizufügen» Sie sind fast alle fttr die Geschichte der 
episiph- romantischen Poesie jener Zeit wichtig und er- 
gänzen wesendich die G^chidite und Kenntniss der 
deutschen epischen Ritterromantik aus derselben Zeit. 
Die ,,Bi$t(rire de Tristan, Gheval. de la table ronde'S 



2S8 

(s. oben S. 05, wo za des&^i dort genaiuiten deutschen 
Beärbettern auch noch Ulrich von Tür heim gesetzt 
werden rnuss , dessen franzüsische Bearbeüimg in 
Versen aber Ton Rosenkranz und Anderen dem. C4hre- 
stien de Troyes, nach der^n^Üsichen, halb prosakehea 
halb poetischen Urschrift eines brelonischen Edelmauis 
Luc es im Scbloss Gast bei Salisbury, zugeschrieben 
wird), wurde in der franzttsisehen Bearbeitung von Ye- 
rard zu Paris zwei Mal s. a., ohne ^Zweifel aber beide 
Male zwischen 1490 — 02, und dann wieder von le Noir 
1520 gedruckt« Hierzu kam noch der Druck einer viel 
späteren Fortsetzung dieses berühmten Dichtwerks, der 
Geschidite des Sohnes vom Tristan, unter dem Titel: 
„Ysaiele Triste, fils Tristan; de Leonois'S welche zu 
Paris 15S2: erschien, und von viel gering^em Yierih 
ist. -- Der eben so berühmte poetische Roman Laneelot 
du Lac (s. oben S. 96, 07), dessen franzOsisdie Abkunft 
nidit zu bezweifeln ist, wiewthl auch hier Meinungs- 
Diiferenzen liber seinen oder s^e Verfasse bestehen 
(Rosenkranz nennt, abweichend "von Kochs Angabe, als 
solchen einen Gantier Map, dann als fortsetzend jenen 
vorhin genannten Ghrestien de Troyes, um das Jahr 
1190, und nach dessen Tode einen Geof fr oy de Ligny, 
ohne flir diese Behauptung andere Bäweise zu haben, 
als das Factum ; dass am Ende des dritten Theils der 
thelb^ angelaiich,* zu Ronen, nicht Rom, wie durch einen 
Druckfehler oben S. 97 steht, theils zu Paris von Joh. 
du Prä gedruckten Ausgabe von 1488 steht: compiU par 
Gautier Map), wurde «rst wieder 1533 von le Noir zu Paris 
gedruckt. — (Eine holländische Uebersetzung: „Historie 
van den edelenLantsloeft en die scone Sandryn'' war 



239 

sohoA' gegen 1490 za Gfmda V<m Gl van Ghemeii g^e-' 
druckt worden.) — Ein anderer inehr aUegoriadier Ro- 
man aus der Tafelrunde, der ebenMls grossen- Ruf 
erhielt, die „Histoire de Perceforest, Roi de Gr. -Bre- 
tagne,'' den Sieg des Ghristenthums über dasHoidendiuni' 
und der Cultur über die RoUieit in Versen besing^d;. 
kam erst 1528 zu Paris dmrch G. de Pr6, und 1S31 da-' 
selBst durdi Aegid. Gourmont zur Presse. Aus R#sen^ 
kränz 'Gesdüchte der Poesie entneliiffie ich, dass dieser- 
Roman auch den Titel „les anciennes Chroniques d'ÄngU^ 
tevte*' fuhrt, keiuie aber nicht die Ausgaben, worin dieses 
der FaU sein sdUte. — Der Ritteroman Percewä oder 
Parcivialj dieses .TorxttgHcttfte romantische Epos aus den» 
Rittfirkreise des Graal, ymn dem geistvollen WolfTain' 
von;Edchenbach oder Eschilb&ch (dessen von^ndr 
sdtoü S. 04 kurz enMlate erste deutsche Ausgabe vwi 
l4Si7. zu Augsburg, deti Titd ftthrt: „lYol{ram^ v^a* 
Eschilbach von Kunig Ganuret von Anjan und 
sein sun Farcifal'O' ^^^^ ui franzOsisdier Ueber- 
setsung als , ,1a tres plaisante histoire du vaiUant C3ievaL 
Perceval'^ l&SO zii Paris voil Longis gedrndLt — Auch 
von dem zweiten gleich berühmte deutschen Ritterepos 
a«s4emGraalkre)6e, Titürel, auch Tschionadulander 
uikd dre Pfleger des Graals genannt, von demselben. 
W^oKram/ von Bischilbach und von Albrecht von 
Halb:0;rsta dt. gegen das Jahr 1210 --^ 1212 gemefai- 
schaftUeh terfiMsl, de»Mn älteste deutsdie Ausgabe von 
1477:iich;obeikgM«hfiälls erwähnt habe» soll eine fran-^ 
zösisidie U^bdniettung aus den* ersten Decennien des 
16. Jahrhunderts vorhanden sein, woritber ich jedoch 
nidits Bestimmteres finden konAte. — Der an Doolin 



240 

vou Mainz (s. S. 100) sich auscUiessende Roman ,, Ogier 
le DanMys, One de Danuemariies '% erschien zb Paris 
(Verard, and wieder von Alaii^Lotrian) s. a., vermuth- 
lieh vor l&OO, dann zu Lyon (Nonrry) 152&. — Die 
inteiessante „Hisiaire duS.Greval" (Graal), traduite par 
Robert fieron, Paris, Petit, 1516, dasdbst PUL le 
Noir, 1523, ist einem nicht im Druck Torhandenea und 
nirgends beschriebenen englischen Werk entnommen. Sie 
verdient wohl eine neue fiearbeitiyig und Uebersetzimg. — 
Der ebenfalls Dir die Geschichte jener Ritterromane ans 
dem Karolinger Sagenkreise nicht nnmchtige prosaische 
fcanzöSiisdie. Roman, welcher nut dem, andi in so manche 
aadere Romane jener Periode mgreifeudea Romaoe von 
den. Haimonakind^ genau zneammeiihängt: ;,Ia = Ghro- 
ni^uei et «Miistbire singiiliidre >:du Ghevai. • Mambrian, 
leijpiel fut^ni de' Hferusafem:^'' • earschi^i «« a'. knd wieder 
IMOt m iVm» (Jac. Nyve»d>, und ist' woU dasselbe Werk, 
was von deMi Perrareser Fr. Gieco <s; oben) unter dein 
Titd: ,,librO'^^d'axine e d^möre nominaito Mambriaao^' Per-« 
rara 1509 verfasst worden war. — Verwickelter und 
noch genauei^r ^Aufklilaiuig bedürfend list ' die Litteratur 
des im 15. Jahrhundert ungemein bettdbt geweseneu 
Romans (denn das war er nur, obschon Geschichte, nach 
Gurtius, und in der deutschen Bearbdtung nach Busebius 
ihm einigermassen zu Grunde gelegt worden war) vom 
Kdnig Alexander dem Grossen. Denn von diesem 
wurde nic^t nur, und vermulhlich am frühest», eine latei- 
nische Bearbeitung verfasst, die angeblich Von' einem 
Meister Philipp aus einer arabischen Handschrift tiber- 
setzt worden sein -soll, und welche unter dem Titel: Liber 
(oder auch Historj^) ÄlePßondri Magni Reg. Mac. de 



241 

proelÜB etc. zaerst zu Utrecht 1473, dann zn Göln, Ther- 
hoernen, js. a^, Strasdinrg 1436, Rom, Planck, 1490 ge- 
druckt irorde, sondern anch eine französische Uebersetznng 
in Prosa T(ut einem Lambert li Gort (nach Rosen- 
kranz) gefertigt, und. zu Paris, Bonfont ^ s. a. ge- 
druckt, dann eine deutsche, in yielen Ausgaben zu 
Augsburg, Bämler, 1472, 73, 78, Wn Sorg 1476, 80,* 
von Blaubirer 1478, zu Strassburg von M. Schott 1480 
und öfter, alle diese mit einer Vorrede von dem Dr. Hart- 
lieb zu Mtincfaen, der diese Geschichte zulieb des Her- 
zogs Albrecht aus dem Eusebius ins Teutsch transferirt 
habe, ferner eine italienische Ausgabe: „Istoria de 
Alexandro Magno," die schoA 1474 zuTreviso in grösse- 
rem. Umfang erschien, die aber, nach £bert, nicht Ueber*- 
Setzung des latekisdien Romans in Prosa, sondern die 
eines latieiniachen. Gedichts des 13. Jabrhmiderts tou 
einem Qualichino di Arezzo ist; denn es eiustirt auch 
kandsdiriftlidi (so in WoUenbfittel) ein Gedicht in 
deutschen gereimten Versen unter demselben Namen Alex- 
anders des Grossen, dessen Verfasser aus dem 13. Jahr- 
kundert noch ungeiriss ist, und. als welchen Koch den 
Ulrich Ton Eschenbach (um ein weniges später 
lebend, als Wolfram von. E.), Rosenkranz aber den 
etwas früheren Rudolph von Hohenaus angeben. — 
Als eine Art von Fortsetzung des prosaischen Romans 
fojgte eine „Histoire des Suecesseurs de Alexandre le 
Grand", Paris, Badius, 1530. — Mit Uebergehung 
mehrerer anderer Dichtungen ähnlicher Art, doch von 
geringerer^ Bedeutung, will ich aus der Gattung dieser 
historischen Romane und Dichtungen nur noch folgender, 
zu ihrer Zeit sehr beliebt gewesener^ gedenken: „La 

16 



S42 

cniiqiieflte in tr^-pussante Empire de Tr^risands^ fidte 
par RegnanU de Mimtaubmi , fili dm D«c de Dardaigne'% 
Piiris, Lotrian, s. a. imd Trq^ei«!, s. a. (vtnniuUidi 
gegen 1400). Mit diesaii stdit der felgende in dem 
nächsten Zueammenhange, und madit yiekaehr ndt äun eüi 
Cvanses ans: L'Distoire da noUe et vaillaat cheTafier 
RegnanU de Mentanban, s« 1. eta., aber nacbrder 
Ton Ebert (Bibliogfr. Lexik.) As^von gegebenen Beschrei'- 
bnng von älterem Dmck als der yerige. Diese? Renun, 
Yrelcher Ton einem Hnon de Villenenve im 13. Jahrinn* 
dert in Reimen gesehrieben nnd im 1&. Jahrhundert in 
Prosa ftbertragen worden sein soll, ist im Grande heim 
anderer, als der sdieu S. 97 angeführte von« den ^rier 
Haimonskindera. Die Geschichte ven Trapiwnt wurde 
nicht nur Ins Italienische von Tromha frei lAertragen 
(Trabisonda historiata, Vened. 151ft), sondern auch in 
italienischen Versen (ottave rime) sehr früh sdion (1468) 
Ton einem Ugo diRugieri zu Mogna bearbeitet; auch 
ins Spanische wurde sie eMge Male Hbwreetzt. -^ Die 
flistoire des Prouesees deBertrindde Guesclin, das* 
selbe Buch im Grunde , was in seiner frühem Ansgabe 
(s. oben S. 90) „le liyre des faits d*ames de B. deGn> 
heisst, Paris 1^9. -- Die ,,Histoire et Chrenique du 
noble Buudouin'S Lyon s. a., Paris 1520. -^ Der „Ro- 
mant de Gny de Warwick,'* Paris 152&, der wahrschek* 
lieh englischen Ursprungs ist. — Am Ende dieser Periode 
glänzte durch seinen satirischen Humor Franz Rabe- 
lais (geb« 1480, gest. lääS), dessen Roman Pantagruel 
und Gaf^emitua, Paris 1543 und noch viel öfter, von 
Fisehart (s. nachher) frei libersetzt wurde.' Ra^belais^ 
dessen Öemree Paris läW, Lyon 156ft gedrod^t wunlin, 



245r 

md noch vid öfter » war auch oi» geltkrter Arat «Ad 
Philokig;, mid gab als Profas^or dtr Medicin za MoBtw 
peUii3r daaeUisl •.,,iiRppoerfliei> «t^Galetii ojptffta critfiiiii^^ 
gra^qe et UU»i,, 1552 heraus, weide. Ausgabe «jetzt sehr 
eelten kt. -^ /Seia Zeitg«iM8e<, Gleiiieiis Marot zil 
Paris« erwarb > sich dirdi «eine wUiige» and aamatUgeit 
Eldgraiue and Lieder« 40 wie. auch dureb seoae «« Solle H 
einen f^e&iarten .Namen. &me Gedidite sind gesammelt 
in sifiiieniv#fiBuerei*'%.Lyoia I&4i, 45 u. itffi:« -v-:. . 

• 3. £nglr8che. ' Von der älteeten romantisch tpeeti^ 
sehen Lifteratnr Gärossbritanlnens (mit >Aasschlttss ^de# 
i((alesisdi«n imd icaledeniedi^ fiardehpoeoie,: TOn der 
nichüs bis zum i7j und IB. Jahrhtindert znm Amok kam)y 
weiss ich,, ans^eriden liereits ider gelegenttidi erwähnten 
Schleiften mndüe))eri^etzmigeB;/ aar sehr wenige ans dem 
essA^iJahriiandert aaob EÜffinda^ der Bnchdiuckerkiuisl 
aaCniftiMten ; nnd ja der That warden aneh niqr sehr 
wenige Schrifles dieser Art in England^ nnd diese !&si 
nnr ve« dem ^ w^i. die Typographie so. hdchrrsrdienten 
WiUiaiii Gaxton iimä ¥oa Wlfnk de Werd gedrB^t;> se^ 
aassflr- der. i schon; fliM» (:&:Q0)! erwähnten caigisoheii 
Uebersetaung der ^Histor^ .o{ dodftied of B^tdogml, .er 
the last: )ü^ and cönqueiit e£ Jerusalem ^' (Westminät 
1481X die ,vAU»9iy« of the holy Gosi^« (Weatnänet. & a.); 
ferner eine cngUsehe Uebctsetniug iv^te dem obeii<Sl Ol ig:} 
angefiihrtiin.aIlegoi|8eheB Roman imi den. sieben wciseii 
Meistern, mder dem; Titdt' „ATrentier, that tell^ieid« how 
fliece were' seien IfafSters astemhled t0|7dre'< (Gaklon; 
s. ia.)lt.64dann .das geschiehtliph. merkwürdige ^^ßook^f 
Hie ordre of CJkyeoIry and Knyglhbade\', London s. a. 
dem ftittig Richaird von BiigUnd gewidilietv damit detf 

16* 



244 

^e Orden der Gheyalerie in Znknnft besser in Ehren 
erhalten (used) werden mtfge, als dieses in den letztem 
Zdten geschehen sei. Ein . erotischer Roman : „the victo- 
rions Prince BlawMrdin, son of the noble Kjng of 
Prise, and Eglantine, Queen of Tormaday'' (IVestmiBst., 
Caxton, 1485), scheint en|;liscfaes Original zu sein. — 
Der allbekannte holländische Reynaeride Vo$, Ton Hen- 
rich von Alkmaar, der zuerst zn Gouda Yon Gherart 
Leen 1470 gedruckt wurde (von dem noch nachher Eini- 
ges) ward zu London von Richard Pynson s. a., nnd 
14B1 von W. Gaxton selbst übersetzt und gedruckt. — 
Altenglisch oder vielmehr Bretonisch sind die „Stoty of 
ihe Kynge Artus,'' Lond. s. a., und „the lifo and acts of 
the King Arthur,'' 148&, Gaxton, und öfter, von welchem 
das französische Buch „Thistoire du preux et vailiant 
Gheval. Artus,'' Paris 1403, 06, 1&02 u. oft., eine Ud>er- 
Setzung zu sein scheint. Indessen war diese Sage yom 
König Artus und der runden Tafel auch sehr fiüh, schon 
im 13. und 14. Jahrhundert ein Lieblingsgegenstand deut- 
scher Sänger gewesen, und es existirt eine %opöe 
vom König Artus in mehreren denischen Handschriften 
(s. E. Koch a. a. 0. Th. L 00), die wohl bedeutend 
älter, als jene englisdie „ Story ^' sein dürfte (vgl. Ebert). 
Da die Geschichte der Zerstörung Trojas in damaliger ^ 
Zeit und schon seit dem 13. Jahrhundert, in Folge der 
Krenzzttge, ein besonderer Lieblingsgegenstand fiir die 
Romantik geworden war (S..00), so erschien auch zu 
London : The Histoiy and de -struction of Troye, gedruckt 
- von Wynk de Word 1503, und von R. Pynson 1513. Es 
ist kein Zweifel , dass diese Schrift , wenn auch nicht 
blosse Uebersetzung , doch Nachahmung weit älterer — 



84tt 

foider Us jet2t theils Bodi gar nicht, ttmls stückweise 
zum Druck gekommeaer — ^opöen deutscher, und Ti^l- 
leicht auch provenzalischer und italienischer Dichter war. 
Denn sdion im 12. und 13. Jahrhundert hatten Herbart 
von Frizlar, Heinrich yon Veldeck in seiner 
Eneidt, einer freien BeaAeitnng der altfranzösischen 
Eneide von Ghretien de Troyes*) (welches grosse 
und als romantisirtes Epos des Heinr. v. Veldeck aus der 
letzten Zeit des 12. Jalirhunderts immer merkwürdige 
Gedicht sich in dem 2. Theil der Myll er 'sehen Samm- 
lung vollständig abgedruckt befindet ) , spedeller aber 
Wolfram von Eschenbach in seinem Trojanischen 
Krieg, wovon Koch mehrere Handschriften angiebt, 
und am vorzüglichsten Conrad von Würzburg^ (s. oben) 
in seinem kraftvollen epischen Gedicht vom Trojaner 
Krieg (von welchem Oberlin Proben mittheilte, und 
Koch die Handschriften angiebt), dieses Thema zum 
Gegenstand, ihrer Dichtungen gemadit. Auch eustirt 
eine doppdte italienische Bearbeitung desselhm Themas, 
die eine ältere, mehr poetische: Idbro di Ttojüno, comp, 
in lingua Fiorentina, Vened. 1491, die andere weniger 
poetische als erzählende und einigermassen historische, 
unter dem Titel : II Trojano, dove se tratta tntte le bat- 
taglie, che fecero li Greci etc., zu Venedig von Man- 
iiino ISOB, und. wiederum von Bindoni 1536 gedruckt» -r- 



^) Dieser Ghretien de Troyes war ein sehr frucht- 
barer Dichter ans der Mitte des 12. Jahrhunderts, dem 
Roquefort a. a* 0. ausser diesem „Roman deTroye'* noch 
den Perdval le Gallow, einen Antheil an den fnmzttsiBGhen 
Trislan and andere Romane zii9chmbt. 



246 

6^ dBfluMreidh Adf iie AnsbiMimgr dnis {emtten Qm^ 
iebnäokes in 4er «ngÜBcktil Poes«, inabeindire iü den 
onsählettdeU and HhttitaltMd hnianitadiea deknt, imnti 
die DieUmrke Geffrey Chatfcbr^^s C^eb.iaSd, geaMT- 
ben 1400) aa LoMdmi, wA er ai* kflui^Uchöii Hofe 
<aii^ehene Aemter- beUddetier; Seine JoIet^fCail^i^tcry 
^Westmindt GaKtOh« sedraikt ^ver 14S6x.:sdinllomAii voh 
d^r Role> eile NaoiallnHiikg des franntfaiicken ftonlaas 
di^ffl Naatns. (9, ob^X '**u^ T#oylt s nkd G^easid*, 
«ein Boök of FäAie, und mdirete kleinere GeiMchte , alle 
voti Gauen and P^on ziriiob^a 1480 -^ 90 gedmckt, 
ierWarben ihm den Nanea «ks gMssten engüacben Poetan 
Jite^Zeit. ^' Nodi ünde ich bei Paa2er eiaea engliacheii 
Roman Ton ikekr komischeBi ScMagi ^,\bß amy geMtys 
of oae caled Sdyth the lyeng wydow'S LöndAui Raslella, 
16(25, terzieichnet, "nelas aber tichi^ ob derselbe dna Poe- 
•teen angiehOrt, and mdcUe ee eliet* bezweifeln.. 

4 Detitscht DiAtwerke. Dife Poedie, vAd aiebt 
bloss die epitahe im ernsthaft feieiiieheii Stil. der fleldea^. 
geaXnge apd . de» Römanzeb des RHtertbaml» aas den 
ntehrfiich ei^wäfanten KafOlingiaGhen and die Tbalea der 
Rüier vöa der Tafelraade, oder ateh^i deri.Ka^aaätler 
beslngeadea Diebterkreieea, seafliem äkch iBe didAtiseke, 
die lymeh •* elegisthe, die aatirBcke, die der soherzhafken 
LiedcAr (diene in Vorafiglidier Blttthe, Mani^alttgkbit and 
Zahl ihrer Erzeugnisse), die religiös - kirchliche mit Ein- 
schlu^s der Legenden Ton Heiligen und Märtyir^rn, die 
Romane» die Märchen und die Fabeln, fsmden. in den 
lAadem dealscher Zunge ^ pnd in ^reiY^h^rer Jilahl.in dea 
weMifadiaai, daa mittlereii uad sfidMclM. sehif IHAsieil^ 
schon vom 10. Jahrhnildetft an (ton eikigen aoeh Mheren 



247 

uvA itkYfer v^rsUtodlichefi £r0lliiig«¥er8ttohe& in der Md* 
dettUoheii Poesie, wie das Hiliebraad^lied , und von la* 
tdni^dien Gedichten deit^eher Gleriket au* dem 9. Jahr^ 
hundert abgesehen), sehr eapfänglichen nnd sehr fmcht* 
baren Boden. Ke^n anderes ' Land , selbst Italien nnd 
Frankreich sieht, haite insbesondere vom 13. JahrhnadeH 
an einen solchen reiehen Kranz der kräftigsten md da^ 
bei doch gemüthlichslen episch -lyrischen Dichter, und 
eine solche Bliithe der Volkspoesie anfzuif eisen , als 
Dentschland in seinen fräjikischen, schwäbisch - Üemanni* 
neben, österreichischen und niederdentschen Dichte», an 
weifte sich vom 14. Jahrhundert an auch hoüäUf^ 
dische und flamändische anschlössen. Unter den Städten 
und ihren Gauen waren es besonders Nürnberg ( die 
reichste an Volksdichtern), Bamberg, Wttrzburg, Strass- 
bürg (damals ein Hanptsitz süddeutscher Poesie und 
Kunst), Augsburg, Freiburg, Basel, Mainz, ClUß^ Wien, 
Mkisaen« Lübeck, Antwerpen« in welchen die Di^b^uns^ 
blUhte, und ans welchen viele d^ vonüglichoreu Diebter 
und Dichtwerke hervorgingen. Jeder Geschidits^ und 
Kunstfreund kennt die Namen eines Heinrich von 
Veldeck, Hartmann von der Aue (Verfasse^ des 
Ibein), Günther (Verfasse^ des histor. £po$ JLigurinus, 
s, eben S. 89), Wolfram vonSscfailbaeh^ ileifttißh 
von Ofterdingen, des vorzüglichsten Verfossers des 
fleldenbuchs (S. 94), an welchem auch Wolfram 
und noch andere Dichter Theil hatten *) , der deuischen 



*) Dieaes mtere Heldeabneh, tm dem 14 nnd 
lö. Jahihundeit, welehes die Gesddohten vom WoK Diet- 
rich, vom Kaiser Otnit, vom kleinen Elperich, vom 



248 

Bearbeiter des Tristan (s. obenS.95), eines Gottfried von 
Strassbnrg, Heinrich yonVridberg oder Pridb^-g^, 
Ulrich von Tarheim, Ton irdchem anch die dentsdie 
poetische Bearbeitung der französischen RitterepopOen : 
des Markgraf Wilhelm von Oranse, angefangen von 
Wolfram von Bschilbach, und des starken Rennewart 
herrtthrt, Ulrich von Zäzighofen (anch S&bmhovea 
nach Andern), Ronrad yon Wttrzbnrg (S. 04), dessen 
Antheil an dem Nibelnngenlied doch yon Einigen in 
Zweifel gezogen wird, Walther von derVogelweide, 
(nenerlich yon Lachmann neu heransgegdien , von 
Uhland trefflich geschildert und yonKarl Simrock 



grossen Rosengarten und den schönen Frauen, und yom 
kleinen L aarin enthält, und welches Ton einem späteren und 
Tiel schlechter gearbeiteten Heldenbuch des Caspar tou der 
Röhn unterschieden werden muss, wurde yon dem anonymen 
sogenannten Strikker (was nach Koch so yiel als Schreiher, 
Verfasser ist) nur redigirt und in die bestehen^^ Form ge- 
bracht. * Es sind yon diesem Monument alter Ritte^poesie 
auch nach den schon S. 94 angefllhrten ältesten höchst seltnen 
Ausgaben mit Holzschnitten noch andere zu Hagenau 1510, 
s. 1. 1545, zu Frankfurt yon Feierabend 1560, 1590 sehr 
yerändert im Text und in der Auswahl, nicht zum Yortheil 
der Ausgabe, eine Uebersetzung desselben yon F. H. yon 
der Hagen 1811 und in sehr erfreulicher Wdse „das 
Heldenbuch in der Ursprache '' yon demselben hochyer- 
dienten Gelehrten und Ant. Primisser in 2 Bänden 1820 
in 4. herausgegeben worden. — Dem obengenannten Strik- 
ker wird yon Rosenkranz und And. die Redaction eines 
andern ausgezeichneten epischen Romans, des Daniel yon 
Blnmenlhal zugeschrieben. Koch eignet ihn dem Gott- 
fried yon Hohenlohe zn. 



249 

meislwAirfk fiberselzt, 1833), Wirieh oder Wirnt von 
Grafenberg, Bearbeiters des franzOsiscEen Ri^rremans 
Wiegoleis in Versen, Ton welcliem eine deutsche Aus- 
gabe in Prosa: „die ritterlichen Thaten des edlen Wie- 
goleis mit dem Rade, vom Grafenberg*', zu Augsburg 
von Hans Scbönsperger 1493 gedruckt, und zu Strassburg 
1515 und zu Frankfurt 1564 wiederholt, eines Eilhardt 
von Hohbergen (oder auch von Oberet, s. S. 95), 
Rupprecht von Orbent (deutschen Bearbeiters des 
Romans Flor und Blancheflore (s. oben), Jo. Enenkel 
von Wien, Verf. des berühmten Fiirstenbuchs, iii 
varkomannisch -fränkischen Reimen, erst gedruckt 1618 
zu Linz , diese sämmtlich im 12. und 13. Jahrhundert 
lebend ; ferner aus dem 14. Jahrhundert eines Rudolphvon 
Hohenems zu Montfort, Verfasser des vorzfiglich^n 
schwäbischen Ritterromans „Herzog Wilhelm von Bra- 
bant'S welcher auch Wilh. von Orleans hiess, dann des 
biblisch- epischen Gedichts „Barlaam und Josaphat'S 
dessen Quelle ein lateinisches Buch des Johannes Dämas- 
cenus von gleichem Titel war, deutsch übersetzt s. 1. 1477, 
lateinisch: „Über Barlaam et Jos., Indiae regis'S s. a. etl., 
uachEbert schon 1476, -— Hans von Würzburg, Dichr 
ter des Romans „Wilhelm von Oesterreich 'S Heinrich 
Frauenlob von Meissen, Doctor der Theologie zu 
Mainz und daselbst Meistersänger (dessen Leichenbegäng- 
niss im Jahr 1317 so feierlich von den Frauen veran- 
staltet worden ist), und Rüdiger von Manesse zu 
Ztirch, welcher bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahr- 
hunderts eine merkwürdige Sammlung von Minnesängern, 
vorzü^ich aus den schwäbisch - alemannischen Kreisen ver- 
anstaltete, die 140 Dichter enthielt, und von Bodmer und 



2S0 

ftt za Zürcb 1716 henusgagfbett wurde» isH. 

wa ton den weni^teft dieser ud wiettr f^üA^ 
zeitigeil romtatkcheB DScliter «md die Werke lehoa *jb 
j^em Zeiträume der (besten 100 Jährt nach Briiif d«g der 
Bnc^druckerkunst gedruckt in>iideii, nnd was Ton ihnen 
in dieser Zeit gednickt wvrde, ist anch vw mir, so weit 
ich es ertnittehi konnte, nnr ndt Weglassung des paoit 
Unbedeutenden oder Unsicheren, im Voriiergehendem zi^n- 
lick voUstiiiidig angeführt worden. Nur einen aiten fimck 
eines der illtesten deutschen RitterronaM, der einen 
Thejl des Heldenbncfaes Mldet» . in Volk^ichtung in Ver* 
Ben umgewtodelt, des ,,Dietrich ton Bern, demaUer- 
ktthnestea Weygand, tlaA von Hildebraild, selneni 
Meister, Wie sie wid^ die Ryssen gestritten^' n. s. w., 
HeideH>erg,^ Knoblechzer, 1490, auch Nürnberg a. a» 
Strassbnrg 1510, will ich hier aodi beifügien *). 



*) Anoh tilgende sehr selleae Schrift gehört in gewisser 
Weise hierher, sofern sie in Versen geschrieben ist» in an- 
derer Hinsicht aber gehört sie mehrzn denReise-Marcheii, 
Ton denen ich schon oben S. 128 fg. einige neben wirk- 
lichen Reisebeschreibnngen aufgeführt habe: „Die Legende 
VIes strengen und eyenthüerlfchen Ritters Peter 
Dienringer Ton Stanffenberg aus der OMenau, was 
eren nnd wuaders er anin Tag in viel Landen irolUHnicht ha4 
anch wie er nnd eine Merfeye sich ii grosser Iie;f) und 
treu zu sein Terpflichf u. s. w., mit Holzschn. s. a. et 1. 
(yermuthlich in einer schwäbischen Stadt Tor 1490). — Da- 
gegen ist ein wirklich itinerarisches und sehr schätzba- 
res Weik hier noch zu dem obigen Abschn. S. 129 fg. 
nadiiutragen, nämlich die Besdireihnig der Reise eaes 
kundigen nnd wahrheitsliebenden Beobachters, des Ndmberger 



251 

Ordsser noch ist die Zahl der* vieten ididwtscbet 
CvdHchte von der lyrisclieii, ernst- und sclienhafteii 
dtittang, den g^istMchen, elegischen, didaktiscAen, satiri'^ 
«cMn nnd drattatisehen Poesieen und den VolksUedern 
^^incltter Art. Viele derselben liegen noch nngedmcki 
nud ävLch viele der gedruckten/ amnial der geistlichen und 
der' Volkslieder, sind a«(di kkun des Nennens werth. 
Doch besitzen wir auch nicht wenige der bessern nnd 
kertthmteren unter ihnen, einige daranter von siAr altem 
Ursptnng, vom 14. Jahrhundert an, mehrere ans dem 
15. und 1& Jakrhnildert , die nodli in Jen^ ersten hun- 
deH Jähren nach Ei4ndnng der Buchdruckerknnst 2« 
Druck gekommen - sind. Ich muss es sehr bedauern, dass 
es nur nicht gestattet ist, auch von diesen CMittungen 
deutscher Gedichte und Srtählungen, so weit sie in jener 
2eit gedruckt sind, efne etwas vollständigere Ueberaiofat 
eu geben. Indem ich midi ane meht als einem GrundiD 
gedMii^en 'finde, diese Sdirift, die wiitor mein anAüig- 
Mches Wi^en schon eine «u grosse Aui^dehttung erhaltai 
ikat, tttid deren Erscheinung dadurch leider liber' den Dir 
irte bestimmt gewesenen Zeitpunkt Ve^pätet iVot<deii ist, 
ntin ohne längeres Verweilen lum Schlüsse zu bringen. 
Nur ^e bedeutenderen vtki zum Theil häutg^^ gedruck* 
ten iaüet diesen Gedichten mögä hier noch eine Stelle 
find^, mit Weglassung jedoch der geistlichen Lieder und 



Fatriciers, Hans Tacher, nach dem gelobten Land^ 
die derselbe im Jahr 1474 Ton Nürnberg aus (51 Jahre alt) 
unternahm, (ton Venedig ans mit einem Messer Augustin Con- 
tarifli zur See) und in 5 Jahren vollendete. Sie ist gedtUckt 
Bu Nürnberg 148% Augsburg 1482, 1487. 



252 

Kirchmgesänge , tob welchen auch nar äUMwst wenii^ 
in jener Periode gedruckt irwfden sind, und sich meist 
nur in den Samndnngen Von Manesse, Gottsched, Myller, 
Hagen u. A. und auch in alten geistlichen Gesangbüdieni 
erhalten haben (nur einer zu Heidelberg 14M in 4o. 
von Knoblochzer gedruckten Sarnndung „teutscher Hymni 
oder Lobgesänge 'S und der ersten Ausgabe der Kirchen- 
lieder von Martin Luther, „etliche geistliche Lieder, 
Lobgesang und Psalm,'' Wittenbei^ 1524, will ich geden- 
ken), desgleichen mit Uebergehung der Legenden von 
Heiligen, Märtyrern u. s. w. in lateinischen und deut- 
sdien Versen und auch in Prosa, unter irelchen die zu Goln in 
yielen Ausgaben seit 1475 erschienene „ Hütoria undedtn 
miUe virgif¥um** und auch das „Leben der Heiligen,'' 
gesdhiedM in einen „ Sommertheil " und einai „Winter- 
theil", Augsburg, Zainer, 1471, Nttmbei^, Sensensdimidt, 
1475, 80, 88, und noch in einer Menge Ausgaj>en (auch 
unter dem Namen Passional) besonders bertihnit wa- 
ren. — Unter den ältesten moralischen und Lehrgedich- 
ten nimmt der Freidank (Frigedank), ein pseudonymo- 
schwäbischer Dichter aus der ersten Hälfte des 13. Jahr- 
hunderts, einen der ersten Plätze ein mit seinem Lehr- 
gedicht: Bescheidenheit, in mehr als 4000 Versen 
und unter der Form von Sprichwörtern und tSittenbildem 
die Tugend preisend, und das gehörige Mass im' sitt- 
lichen Thun und Lassen mit Wärme und Beredtheit 
empfehlend. Der älteste bekannte Druck desselben, in 
deutscher und lateinischer Sprache, in letzterer unter dem 
Namen „Proyerbia", ist ohne Orts- und Jahresangabe, 
wahrscheinlich aber schon . aus dem An&ng der 1480er 
Jahre; dann gab sie Seb: Brandt in neuerer Sprache 



253 

und mit mancbeu Abänderimgen deutsch zu Stirassburg 
bei Grttflinger 1506 herans, mit AbbUdongeQ wiederholt 
1513, und Seb. Wagner veranstaltete 1539 zn Worms 
eine abermals sprachlich verbesserte Aasgabe. — , Das 
schon oben einmal genannte „B uch der Tugend/^ Angs- 
bnrg gedruckt von Blanbirer 1486, ist im Geschmack des 
Freidanks gearbeitet, obwohl viel später. — Das „Buch 
der Kunst, dadurch der weltliche Mensch mag geistlich 
werden,'' moralisch -asketischen Inhalts, das dem Titel 
zufolge „durch einen hochgelehrten Doctor und Ldirer 

der Frauen L e o n o r e , Römischen Kaiserin, von 

Latm zu Deutsch gebracht worden ", mit Abbildungen, 
ward zu Augsburg von Bänder 1477, 78, 91 und öfter 
gedruckt.— Ein „Buch der natürlichen Weisheit,'' 
mit Versen und guten Holzschnitten, erschien zu Augsb., 
von Hans SdiOnsperger gedruckt, 1490. — Der „Spiegel 
der Tugenden", in Versen, in plattdeutscher Sprache, 
(Speugel der Dogede) wurde zu Lübeck von Barthol. 
Ghotan gedruckt. — Ein „Spyeghel der Jonghen" zn 
Antwerpen s. a. — Der moralische Roman, „die vier 
und zwanzig Alten, oder der goldne Thron, von 
Otto von Fassau, Lesmeister der mundem Brüder zu 
Basel,.'' wurde zuerst s. 1. et a., dann zu Augsburg von 
Sorg 1480, 93^ und öfter gedruckt, und so auch in hollän- 
discher Uebersetzung zu Utrecht 1480-, Harlem und 
Zwolle. — Der „Spiegel der Tugend und Ersamkeit, 
durch den Ritter vom Turn" (hiess Gottfried de Tour 
Landri), wurde aus dem Französischen (^.le Chevalier de 
la Tour," Paris 1514) vom Ritter Marquard vom 
Stein zu Mdmpelgard übersetzt, und zu Basel und 
Augsburg 1488 mit Abbildungen herausgegeben. — 



Alberts toa Bjb (s. oben), ^^ '^n 15. Jahrbmderl, 
^Mar/garüa poeUea'U eine Annenuif zun sittlidttBL Leben 
«nd Redm i» Veri«, fand groastn Beifidl, loid irord« 
teil 1470 zu Sirassbarg (Hunar), Nüiiibeig (Senaoi«. 
sdunidt), Paris« Rom u. a. 0. «A gednuti. Von dem- 
aelbea Vwiaaser ist aadi eiue merkirfindige Sehrift; ^OJb 
dnem Mana sey za adunea ein ehettdaea Waib, oder 
u(^ a. ai w.'S in drd Theilea, Nttntberg, Kobiirger, 
1472, daa. Krensaaer 1472, Aagaborg ^Zaiaer, Letpaag 
Mail. Laadaberg, and öfter, aad ein ,,Spiegd der Sitlen^S. 
aaa deai Lateinischen, Metz läOO, Angabnrg 1511. — 
Vim einen andern anonymen Verfasser ist ,,der Pranen-» 
Spiegel'% ein recht gutes nit Witz nnd Lanne gewürssr 
tes Gedicht in Versen, s. L et a. — 

Unter, den satirisch -•soherzbaf ton nnd Bndi 
saliriseh- belehrenden Gedichlw jener Zeit steht 
oben an das hodibei^baite und in seinem Genre dassU 
sehe Gedi<At: Reineke der Fnehs, eme Art Ktten-* 
nnd Zadüspiegel für die htsheren Kreise ^ inolt scharfer 
fronie, in Falidgewand. Dieses Gedicht,. Iber irekhes 
ao Tiel schon geschrieben, nnd vorüber nach Otreyer's 
Abhandlnng unter seinen neaest^iBenTtheflem Torziiglicb 
Pl0gel 9t. a, O.i Th. IB,.Mone, in seiner Ausgabe des 
Reinhardt V^ripes, 1632, Rosenkranz in seiner Ge- 
schichte ' der deatsehen Poesie im Mittelalter S. i87 -r- 
61ft, nnd-Kb^rl, bibbogr. Lex. B., nachzusehen stiat 
ist naeft seinen frtftesten Grandlagen Ton hohen Alter, 
(das man'' sogar bis nadi. Indien verfolgen nallle, und 
eben so gut 'in Aesop auÜMchen k(luute)>,i und htfchst- 
wahrscbeinlich ans Fräskreidi (Lothringen) etira im 
12. Jahrhundert, wenn nicht früher, abstaminiend^ wo es 



• 

teerst als em laJteinnches Gedicht in ele^che» Metram 
als ReihhardM Vndfet in 4 Büchern, nnd dann, im 
18. Jahrhundert, unter mehrfechen Veränderunfen und 
Erweiternngen iron einem Perrot de St. Cloot, etwas 
^äJberr im Jahr 1290, von einem Jacquemard GieUe 
von Litte (in dessen^, Roman da^nonveilu Renard^^ [erst 
1823 > fgg. von M^on zu Paris in 4 B&nden beraosgegtbent 
nät historischen üntersuchnngeA], in französischen Versen), 
dann irieder im 14. Jahrhundert, mehr parodirt, ab 
„ftenajrd le Gontrefoit^' bearbeitet wurde. Hierauf erst 
iblgte seine nene Umformung und Vollendung in iiollän« 
discher.S{ffacbe von Heinrich von Alkmar, „Sehde^ 
mester und Tuchtldirer der Hertoigen von Lotryngen*', 
der gegen 1470 lebte, und dessen WerlL, nadi seiner 
eigenen Versicherung, „uth Walscher und franzO^. 
iSprake ghesocht*S zuerst zu Gouda 1479 in 4o. von 
G(her. de Leen, dann 1465 in 4o. zu Delft unter denl 
Titel: die Hysterie van Rejnart de Vos gedruckt 
wurde.. Sehr bald nachher gab der Mecklenburger 
Nicol. Raumanu; der 1526 als heraoz. mecUenb. 
Secretär starb , eine neue Uebcrtragung dieses H. v. Alk« 
mar'sehen Rejmart in das niedersächsische Plattdeutsch, 
in freier und eigoithümlicher Weise, und scheinbar als 
mn eigenes Werk (wixßir es auch von Einigen irrig ge- 
halten wurde) unter dem Titel: Reynke (in späteren 
Ausgaben immer Reyneke oder Reinike) de Voss, zn 
Lübeck 149S herani^, mit AnmerkuBgen nnd mit dem 
leoninkcliBn Vers als Motto: ^,Ut vulpis advlalio Kun in 
der werlde blicket, Sic hominis est ratio Gelyck dem Voss 
gheschicket.'^ Ein zweiter Druck dieses niederd^tschen 
Bfeyneke folgte nocfc in demselben Jahr zu Rostock, ohne 



256 

Namen des Dnickers, daiui wieder daselbst toh 0iez 
1522, 1&30 und öfter. — Der französische Reinke 
Worde nach dem oben erwähnten in Reimen rerfassten 
Roman des Jacqn. Giel^e yon einem J. Tenessax in 
Prosa, unter dem Titel „le liyre de nudstre Regnard et 
de dame Hersant, sa femme ^S yon le Noir m Paria s. a., 
dann wieder löl6, zn Lyon 1528 n. oft. gednu^t, nud mit 
Terändertem Titel („1® Doctenr en malice etc.'') za 
Ronen 1&50. Spätere französische Uebersetzungen sind 
nach dem niederdeutschen Werke gearbeitet.—- In eng- 
lischer Sprache wurde dieser Roman aus dem ludULn- 
dischen Original vonW. Gaxton übersetzt, und Ton ihm 
zu Westminster 1483 gedruckt. (Diese Ausgabe ist eine 
der allerseltensten , so wie auch die erste Lübedier Aus- 
gäbe oben). In hochdeutscheMundart ttb^setzte den 
Reineke des Heinrich yon Alkmar sehr unkillftig und 
yerstümmdt ein Mich. Beuther, mit Anmerkungen, und 
gab ihn als zweiten Theil des Ruches „Schimpf und 
Ernst" zu Frankfurt 1S45, 56, 62 u. öfter heraus. 
(Goethe 's und Soltau's neueste poetische Ueber- 
setzuugen des holländischen Reineke, in 12 Gesängen, 
sind allbekannt). — Aber schon im 14. Jahrhundert 
war ein deutscher Vorläufer dieses R. yon einem Hein- 
rich yon Glichsenere oder der Glichsere unter dem Namen 
Fuchs Reinhart in Reimen yerfasst worden, woyon 
die Handschrift noch nicht gedruckt ist. — 

Auch ein anderes satirisch - didaktisches Gedidit, yon 
noch höherem Alter , als des Heinrich y. Alkmar Reineke, 
nändich yom Jahr 1300, „der Renner 'S yon Hugo 
yom Trymberg (seit 1260 Schulmeister zu Trüstadt 
bei Bamberg, yon dem sich eae Handschrift yon 1347 



a«f ilev UttiT^rsilSkts^BibliothiAL m firtoi^it beiiidet)^ 
hatte wegen seinem niehl geringea poeftigchen Werth 
grosse Berüluntheit erhalten. Es exislirt meines Wissens 
davon nur eine einzige Ausgabe, in modemisirter Fassnng^ 
zu Pi^nkfurt geruckt yon Jacob von Bock 1S40I. Eine 
neue Ausgabe dieses schatzbaren Crediohts wsire sehr zu 
wfinschen. Von demselben Verfasser ist auch ein anderes 
satirisdies Gedicht, vorzfiglich gegen die geistBchen 

» 

Stände gerichtet , ,, Reu itis Land, '' bloss faandschrifUich 
vorhanden. — 

Sebastian Brandt, geb. 14&8 zu Strassbur^, 
Dr. juris, erst Professor zu BaBel, dann Syndicus und 
Kanzler zu Strassburg (starb 1520), machte sich durch 
sein ^»Narrenschiff von Narragonia'S Base} 1404 
von V. Olpe» Ntimberg 1494 von P. Wagner, Reutlingen, 
Augsburg 1404 und noch Öfter , einer sehr herben , oft 
heftig geisselnden Satire in Versen eines sehr scharfen 
und erftihmen Beobachters, einen grossen, aber auch 
geftirchtet^n Namen. Dasselbe Werk kam auch bald von 
Jac. Locher, genannt Philomusos, iiberset:tt, unter des 
Verfassers eigener Revision, lateinisch heraus : , JStultifera 
Navis'S Basel 1497, Augsburg 1497, und noch. in vielen 
Ausgaben, auch in französischen Uebersetatungen (La Nef 
de Folz du monde; Paris 1497 tt. öfter)« ftfm Beweis, wie 
stark es gelesen wurde. Ueber dasselbe * hielt $<^gar der 
DoOor TheoL Jloh. Geiler von Kaisersberg (geba 
144& zu Schafhausen« Prediger zu Strassburg« St. IHO) 
deutsche. Predigten, die ^st nach seinem Tode unter dem 
Titel: „Navieula s» speculum fatuorüm, a Jacobo Otb^ro 
coUecta'* zu Strassb« I&IO, 11, 14, hefanikaiien, und 
unter dem Titel „Narrenschif'S der eine Verwechslung 

17 



260 

holläiidischen Origiaal nachgelrilfleler „ Bienenkori» des 
heil, römitehen ImmettSchwarBus'S ]&8], seia ».Flohliatz 
imd Weibertrat2 *' (onter dem Namen Hnlderich EUo- 
posclerou), 1578, sein „ Podagrammischeg Tro8tbticlileiii'\ 
1577, snd hoch mehrere attdere unter seltsamen and 
gesQchten Titeln nnd meist nuter falschen Namen tob 
ihm heraosfcegebenen Schriften faMen schon über die für 
dieses Bach bestimmten Zeitgrettzen hinans. — Von ^anz 
andertm feineren Gehalt ind Geschmack nnd in g^sser 
Eleganz der lateinischen Sprache waren die in ihr ge- 
schriebenen satirischen Dichtungen und Epigramme eini- 
ger ansgezeichneten Philologen nnd Aerzte zu Ende des 
15. und in der ersten Hälfte des 16« Jahrhunderts, nament- 
lich des eben so geistvollen als gelehrten Desider. 
E r a s m n s , dessen berühmtes Encomium Moriae zuerst zu 
Paris s. a. (1500) erschien, dann zu Strassb. 1511, Basd 
1513, nnd noch sehr oft, deutsdi von Seb. FraidL, s. 1. et a., 
,,Sileni Aldbiadis'S Basel 1517, und zu Gdln 1520, 
„Soarabaeus'S ebendas., seine „Bpigrammata", Basel 

1516, Wien 1519 u, oft, freilich aUe in Prosa, n. a. m., 
( gesammelt in den Opera Erasmi , Basel , Proben, 
8 Bde. in Fol, 1540, voUständiger Leyden, v. d. Aa, 
1708-^6, 10 Bde. in Pol.); - feriter desEuriciusCor- 
dus, Dr. nnd Professor der Medicin zu Marburg, dann 
zu Leipzig (st. 1535), ..Efigranmiatum libri ni,'' Erfurt 

1517, und wiedernm IJbri IX, Marburg 15S9, „Bucolicon 
Indicnim,'' Erfurt 1514, Leipzig 1518 (gesammelt in seinen 
Opera poetica omnla s. a*); — Hermann Buschius, 
Professor der Geschichte zu Marburg (starb 1584), in 
seinen „ Bpigrammatum libr. III,'' Leipzig 1504; -*- Joh. 
Reuchlin (sla^b 1521 zu Tübingen)^ in seinen drama- 



361 

ti9CiieR Grediclite» „^ceniea Progynuifita'S Bftsel 1489» 
StriMgb. 1496, Leipzig 1&03 und öfter, imd „Sergius vel 
capitis capnt'S Pforzb. 1507 o. oft., aacli den Auagabßa des 
ersteren Werks seit 1512 belgefiigt; — Hi^rou. Baibus 
(Italieaer von Geburt) Epigrammaloii opus, Wieu 1494, 
Leipzig s. a. (Sßlt^a uad vorzüglich.) ; — Heiar. Hebel, 
Professor in Tübuigon (starb 1514), ia sßiuein „Triam- 
phtts Venieris'', 15Q1, (tu^b seiae „Facetiae'/, aeb$t eipi- 
gen bißtoriscben Qedioht^o , gesammelt ip seinea ., Qppis- 
cida'S Strassbofg 1512, 14, Paris 151^ (alle Schrifi^a 
von Bebel stad sehr selten); — SimQH Lemnius aiis 
Graubündteii (st 1550), ia seuaea „Epigramanatnm libr. 11/^ 
Wittenberg 1538, lilnr. III eod. a„ yoU .beisseader Irouie, 
die ihn von Wittenberg vertrieb, wo seiae Epigramme 
verbrannt wurden; deshalb schrieb er mit eben so 
scharfer Feder eine „Apologia contra decretum., quod 
imperio et tyrannide M. Lutberi et Justi Joaae Viteber- 
gensis Uaiversitas coaota evulgavit'% Cl^ln s. a«^); — 



*) Ich will hierbei aodi eine doppelte Sammlung vopr- 
zttglicher lateinischer Gedichte itaUenisc.h^r Foetc^ a^s 
Jener Zeit anfuhren, die sich.darch classische Eleganz der 
Sprache^ wie durch poetische Schön|ieji;t ausz^chaea, imd. an 
die oben unter der italimschen Dichter -Littera^ ßpirahnten 
Gedichte von Vida wUrdig anschliessea. Die eine führt dep 
Titel: „Garmina quinqne illustrium Foetamm Italorum, Bem- 
bi, Naugerii, Gastilionei« Gottae, Flaminii (zirei^r 
der besten) ^ Vened., Yalgris., 1540, Florenz )552. ^ , 9ie . 
andere: „Garmina quinque Hetruscomm Poetaram Vinthae, 
Segniii Bernii (des ber0hn#8ten), Accolti, Yarchae", 
Florenz, Junta, 1562, — Auch der ^^Zodiacus idtae, Poema 
de Tita, studio et moribus hominum libri im/* Vened., 



262 

derArzt Melius Eobanus Hessus, Professor zu Mar- 
burg (starb 1549), dessen lyrische Gedichte und Heroiden 
in den „Silvarum libri VI/' Hagenau 1535, und in seinen 
Opera, Frankf. 1549, stehen. 

Aus der sehr zahlreichen CJasse der romantisch- 
lyrischen, erotischen, elegischen, erzilhlend- 
humoristischen und der gemischten Gedidile deut- 
scher Sänger kann ich nur eine kleine Zahl derer aus- 
heben, die schon in jenem . Zeitraum der 100 Jahre se- 
parat gedruckt wurden, indem ich in Betreff aller übrigen, 
die erst viel später, zum Theil erst in neuester Zeit unter 
die Presse kamen, auf die bekannten reichen Sammlungen 
und geschiditlichen Darstellungen der alten Dichtwerke 
verweise. In besonderem Bezug auf die noch vorhandenen 
Gedichte der Minnesänger des 12. bis 14. Jahrhun- 
derts, aus denen sich von der Mitte dieses 14. Jahrhun- 
derts an die Meistersänger in fllrmlich geregelten 
Schulen herausbildeten (mit dem Untergang des altem 



B. Vitalis, s. a. (nach Ebert nicht vor 1531) und in dieser 
ersten Ausgabe höchst selten, deatseh Übersetzt von Spreng, 
Frankfurt 1504, eine neuere lateinische Ausgabe, Beisel 1789, 
neu ISbersetzt von Sohisling, Wien 1765 , und Jos. Fracht, 
Mtlnchen 1780, verdient Auszeichnung. — Eben so die 
zarten lateinischen Foesieen von JohannNicol. Secnndns 
aus Mecheln (starb 1530), L. B* 1530. Dieselben wurden 
auch wieder mit den Gedichten des Michael Marullus 
Tarchaniota, eines gelehrten Griechen am mediceischen Bofe, 
und des Hier. Angerianus („Poetae tres elegantissimi'') 
zu Parii^ 1582 zusammen gedruckt. Die ersten Ausgaben von 
des Marullus Epigranunata et Hymni waren zu Rom 1490, 
Florenz 1497, 



263 

und dichterisch weit höher stehendeH romantischeii Epos 
und allmälig auch, obschon erst später, der Lyrik des 
ritterlichen Mimiegesängs), gewähren nicht nar die Samm- 
lungen Yen Miunidliedem des alten Rüdiger M anesse 
(s. obistt), und die von G. H. Myller oder Malier in 
Berlin in 2 Bänden herausgegebene (der dritte Band 
blieb unvollendet) Sammlung altdeutssher Gedichte, son- 
detn neuerlichst besonders die oben angeßihrteu Werke 
der Gebrüder Grimm, besonders Jacob Grimm's über 
den altdeutschen Meistergesang, Benecke's Ergänzdng 
der Sammlung von Minnesängern, 1810, Hoffstädter's 
altdeutsche Gedichte, 2 Bde., Wien 1811, und am aller* 
reichsten das grosse und classlsche Werk von F. H. von 
der Hagen „Minnesänger. Deusche Liederdichter'' in 
4 grossen Quartbänden, Berlin 1838 (das lüir ebf»t jetzt 
erst zu Gesicht gekommen ist) Ernte in Ftille.ü Unter 
den Dichtungen der deutsdien Meistersänger, deren 
Schulen vorzüglich in Nürnberg, dem Hauptsitze der- 
selben, in Augsburg, Strassburg, Mainz, Bamberg u. s. w. 
blüheten, waren die beliebtesten die des schon oben 
genannten ältesten Mainzer Meistersängers, Heinrich 
Frauenlob, welche meist Lobgedichte auf Pürsien und 
Dfchter, Hymnen auf die heilige Jungfrau und das Lob 
der Frauen waren, und erst zu einem kleiflfen Theil in 
Manesse's Sammlung, in grösserer Zahl in dem eben ge* 
nannten neuesten Werk des Hm. v. d. Hagen abgedruckt 
wurden ; — femer die Lieder seines würdigen Rivals und 
Zeitgenossen Barthol. Regenbogen, der verimutlilick 
aus Nürnberg stammt, anfangs als Schmied arbeitete, 
nachher den Sängern sich ahschloss, und am Rhein mi^ 
ihnen im Wettstreit sieh übte, sein Dicbtertidmt durdi 



Bwkrere GesftDfse, ygaiwelciieii „Üe Rronica in dem Brief- 
don '' zu Nttfiiberg 1407 von P. Wagn« g^drackt ist, beivttJk- 
Twd; ^ danB dfie MeistersäBge oder Spfttehe, nad die 
dramatteehen Gedichte des fichon obai (S* 191) .genannten 
Hans Rosenbliit, genanjut Schnepper er (Aderlasser« 
da er Wundarzt war) zu Nürnberg, im 1&. Jahriinnderl. 
Aneeer den schon eben Ton ihm angeführten Gediohlen 
finde ich andi noch folgende zn jener Zeit gedmckte: 
hEu maiflterlicher Sprach von d^ eriiehen ind fiir- 
«lehtigen Ordnung and Regierang in der IttbL Statt N ft r en - 
berg, daselbst s. a., ein anderer ähnlicher Sprach Ton 
Nütnberg, 1490, dann „ein iGUicher Sprach von der 
erentreichen Sts^ Bambergs nnd von. ihrer grossen 
Freiheit/« das. .*. a. Vom demselben sind sechs Fast- 
laditsspiele (von 1460 an gedichtet), von den sieben 
Meistern, des Ttirhen' Fastnacfatspiel u. s. n. erst im 
Twigen Jahrhundert ^ fioltsdied'A Vorrath zur Geschichte 
dtr deutschen dramatischen Diditknnst, Th. 11.) abge- 
dm^t worden«. — Die IMsar and Sprfedie Johann 
Kadlanb's aus Ztrch, des Freundes von Rüdiger Ma- 
«esse» der sie in seine Sammlung aufgenommen hat 
(9mh in d^m vorhin genannten groesen Werk ven der 
Kugen's befoilich), näherten sich noeh «ehr denen der 
^eru MiüMSänger vor ihm aus dem 13w nnd 14. Jahr- 
hDndf^, eines Hartmann von der Aue, CrottCried von 
$|pri9^barg, des alten N elthart (in den Samndnngen von 
Manease nd von der Hagen), Walihers von der VogeU 
Weide» (Jkächs von Lmhienelmn, Marners m And., die 
iß0iß\ sehon oben von mir angeführt sind; vün denselben 
entlebnttfli auch andere Meisteftftnger wenigstens Ten 
uM Wme, wenn auch, njehl deii'Oeist; and diu KrafiL 



S6tf 

{Artigkeit im Versmacllen und Stegreifdichten , bei den 
Besseren mit iraffeiidera Wita iiad ergOtzlicliem Humor 
yerbunden, i?iirde ibr Hauptiäel So war dies der Fall 
mit den Liedern ei^es Nürnberger Meiatersängers, Hans 
Folz, ans WormB, Wundarztes (Barbierer nennt er sich 
seihst), der ein sehr fleissiger Schriftsteller war, und 
dessen viele Sdiriften, die er grossenthdls in seiner 
eigenen Druckerei drud^en Hess, Hain sehr yoHständig 
verzeichnet hat (weniger vollständig Ebert). Idi hebe 
aus ihnen nur i^us: „Eine tentsch wahrhaftig poetisch 
Hist<N'i von wannen das h. Rom. Reich sein^i urspmng 
erstlich hab^S Nürnberg 1460. „Von drei Stud^ten, 
die um eine schöne Wirthin buhlten -\ 1480; „Von einem 
kargen Reichen, der einen Armen ebies Fasttags einlud''; 
„Krieg des 0ichters wider einen jaden''; „Dk pehe- 
misch (böhmische) Irrung oder Ketzerei"; „Von dnem 
Wirthskneebt und der Hansmagd'^ „Wie Adam und Eva, 
na^^hdem sie aus dem Paradys vertiidsen, ihr Leben be- 
schlossen haben", 1480; „V^n der Blähte" 1476; „V<m 
einem Bnler", 1486; „Über collationum, zu teutsch Gon- 
fect-Puch"^ 1485; „Der Kargenspiegel", s.a. und 1543; 
„Von einem griechischen Arzt" (beissende Satire), 1479; 
alle diese Schriften in gereimten Versen, und im leich* 
ten Gewand scherzhaft - ironischer Volkspoesie. Auch 
einige Gedichte medidnischen und diätetischen Inhalts, 
nicht uninteressant, schrieb Folz; so „Bfichlein von den 
warmen Bädern", oder wie es am Schlüsse heisst: 
„Gute Lere von allen Wildbaden, in teutschen Reimen", 
1504; „Vom geprennten Wein, wem er schad 
oder nutz $^, and wie er gerecht oder fälschlich 
gemacht sey^, s. a., wieder gedroht zu Bamberg 



266 

1493 *) ; Von der ^ Pestilenz , 148S^ , so schliesseud : 
„Es werden viel mehr Lent verxehrt von übriger PilU 
(UnmSUsigkeit) denn durch das Schwad. Sieh httten yor 
der Flillerei ist die aUerhöohst Arznei.'' — An Menge 
und auch an AnnehmlichlLeit der Gedichte and Sprfiche 
nnd reinerer Diction und Versiflcirang wurde PoIz durch 
seinen noch berühmteren Landsmann, HansSachs (geb. 
1498, gest. I&76), einem Schuster, der sein HandweiiL 
dichtend fortsetzte, übertroffen. Dieses Haupt der Nürn- 
berger Meistersäuger Yerfasste^ mit der grössten Leichtig- 
keit so viele Lieder nnd.Sprüdie, weltlichen nnd geist- 
lichen Inhalts, lustige und ernsthafte, Fal>eln und Schwanke, 
aach Fastnachtsspiele und Trauerspiele, dass sie, in der 
Zahl von mehr als OaOO, fünf «tarke Foliobände füllen, die 
ZU Nürnberg von Heusler von 1568 •— 79 (wiederholt 
1500) gedruckt wurden. Einzelnes lässt sich aus ihnen 
hier nicht ausheben, da nur sehr wenige seiner Gedichte 
separat gedruckt wurden, und die Rücksicht auf den 
sdion überfliflten Raum es nicht gestattet. — Von einem 



*^ Hierbei will ich noch das älteste deutsche Buch über 
den Branntwein und seine Destillation und arzneiliche An- 
wendung erwähnen, welches lange vor des Hieronym. von 
Braunschweig Destillirkunst (s. oben S. 179) gedruckt wurde. 
Es ist dieses .des Doctor Michael Schrick's (oder 
Seh ryck's.) Schrift, „von mancherlei ausgebrannten Wassern, 
wie man die nützen und brauchen.soU zur Gesundheit % Augsb. 
Bämler, 1474, Plaiibirer 1481, 87, Ulm, Zainer, 1488 und 
noch öfter. Dass dieser Dr. Schrick an der Universität 
zu Wien gelehrt haben müsse, geht aus „Joh. Tallats von 
Vochenberg Büchlein der Arznei, der Kräuter, gesammelt bei 
dem ailererfahrensten Mann, der Arznei Dr. Schrick in der 
weit lierühmten Umversilät zu Wien% das. s. a., hervor. 



867 

niederdeutscheu Meistersäsger Matth. Drab sanft Ut 
ein „hübscher Spruch vqji den Schlachten in Holland in 
LXXIX Jahr" in Versen, s. 1. et a. 

Von andern romantisch- historischen, scherzhaften 
und •g.emi sehten deutschen Poeaieen aus jenen hundert 
Jahren kann ich folgende rrenige hier verz^chnen: „Die 
Historie von dem Grafen in dem Pflug 'S Bamberg i4Q3. — 
„Des edlen Ritters Morgeners Wallfahrt in St.. Tho- 
mas Land 'S in Gesangsweise, Bamberg 1493 (ein inter- 
essanter Roman); — „Von Kaiser Karls Recht, Wie er 
ein Kaufmann und ein Juden macht schlechtes Bamberg 
1493; — „Das Leben der natürlichen Meister 'S in Veit- 
sen, Bamberg 1481. Ob dieses Gedicht seinen Stoff aus 
Walther Burley'sBuch devita et moribus philosophor. 
et poetar. (s. oben), oder ob ans dem auch sdion «ben 
angeführten Leben der Heiligen, geschöpft habe,, oder ob 
es eine Originaldichtnng sei, wird Hr. Biblioth. mA Prof 
fessor Jäck in Bamberg am besten zu entscheiden wissen. 
Merkwürdig und erfreulich ist es immer, dass gerade lA 
Bamberg Albrecht Pfisters Kunst nicht nur so. rasches 
Aufblühen und so fruchtbaren Boden gefunden hat ,* son- 
dern dass sich' die Drucklitteratur Bambergs, die aus 
Pfisters und seiner Nachfolger Pressen bis in die . er^te 
Hälfte des |16. Jahrhunderts hervorging, insbesondere 
in den Fächern der Poesie, der Fabel und der Novellen 
durch vorzüglichen Gehalt auszeichnete. In der Hiat 
wurde daselbst in jener Zeit kaum eine einzige ganz un- 
bedeutende und werthlose Schrift gedruckt. Ausser den 
schon oben S. 102 — 3 aufgeführten biblisch - dichterischen 
L egenden von Joseph, Daniel, Judith und Esther, gedruckt 
von Pfister, deren Drnekjahr 1462 ich jetzt als bestimmt 



aMzafeben im Stande bin, behaiqptel aadi ein anderes 
von Pfister gedrndLtes Dichtwerk, nnd zwar nach seiner 
Bibel das älteste von ihm gedruckte, Ja als das erste 
in Deutschland mit Holzsdinitlen gedruckte 
Buch, einen vonti|^eiien Rang. Es ist -dieses Boner's 
von Bern (ans der letzten Hälfte des 14. Jalirkanderts) 
Edelstein, oder Fabelbuch, in deutschen Reimeii, 
mit 100 Holeschnilten , Bamberg 1461. Dieses merk- 
wttniige Buch enttttlt in dieser ersten Ausgabe, von 
ifekher nur zwei Exen^lare eiistiren ( eines auf der 
Bibfioth. zu Bamberg, wo es neulich, am Jnbiläumstage 
der 6ute]d»ergsohen Evindung feierlich zur Schau ge^ 
stellt nnd besdiridien worden ist, und eines zu Wolfen- 
bittel), 85 fU>eln auf S8 BlAttem in klein Folie, und ist 
1810 TM Eschenbnrg in modernem Deutsdi, und 1616 
von Benecke im Urtext, nebst einem Wörterbuch, her- 
ausgegeben und mit Gommentarien ausgestattet worden. 
(Eine Strassbuger Handschrift von späterer Zeit, nadi 
Koch wahrscheinlidi vom Ende des 14. odft* Anfang des 
Ib. Jahrhunderts, unter dem Titel: BoMrti Über dic$u$ 
der Edelstein, endiält 100 Fabeln. In Bodmers Aus- 
gäbe der Manessische Sammlung sind 04 Fabeln, nd>st 
la prosaischen Erzählungen und 31 gnomoiogischen Frag* 
menten. Alles dieses ist iu Eschenburgs Ausgabe voll- 
ständigst verarbeitet). Am Ende der Pfister'schen Aus* 
gäbe sldien die Verse: 

„Zu Bamberg dies pnechlein geendigt ist 
Nach der g^urt unsres herm Jesu Christ, 
Do man zahlt tausend und vierhundert jar 
Und im ein und sechzigsten das ist war 
An Sant Valentinstag 
Kolt bobUt aas vor ssin«r plag. Amen.'' 



Zn Bamberg worden in den neuUzigeir Jahren des 
15. Jahrhunderts noch folgende Gedichte und Burleskeli 
gedruckt: ^C^edicht, urer der erste Edehiiann gewest ist, 
and wie sein Nadikommen die Land h^en bezwungen '% 
gedruckt von Mdster Hans (Sporer), s. a. (gegen 
1482). -. „Lueifers mit seiner Gesellschaü Val (Fall). 
Und wie desselben geist einer sich zu einem Ritter ver- 
dingt, und ihm wohl gedient 'S 1493. (Koch nennt diesen 
Spuk -Roman die erste Faustiade in deutscher Sprache.) — 
„Eine wunderliche und erschrdkliche Historie von einem 
grossen Wüttrich genannt Dracole Weyda u. s. w.'S 
1401. — Die ,, Weissagungen der Sybilla/' in ganz 
guten Versen, erschienen zu Bamberg, Max Ayrer, 1497. ^^ 
Eine interesi%ante Sammlung von alten Fabeln enthält 
das zu Basel 1520 gedruckte Buch: „Spiegel der 
Weisheit, durch kurzweilige Fabeln vil schöner sitt- 
licher Lere angebend'', ursprünglich aus dem Lateinischen 
des Bischofs Gyrillus von Basel in Prosa übersetzt, und 
später (1&80) von Daniel Holz mann in Reime g^ 
bracht. — Ein mehr geistliches Gedicht: „Die Schei- 
dung nnsrer lieben Frawen, in Gesangs weise 'S druckte 
Pet. Wagner zu Nürnberg 1407. — Selo* alt ist das 
„Lied des Ritter Gwehr (welches nach Hain Quiria 
heisst) vom frommen Herzog Berchtold von Zährin- 
gen, wie er die löM. Stadt Bern gebaut u. s. w.'S s. a. 
et 1. — Zu Strassburg erschien 1514 bei Grttninger ein 
romantisches Gedicht: „Der weiss Ritter (von Her- 
pin), wie er so getruwlich bdstund ritter Leeuw^ u. s. w/', 
(auch abgedruckt im „Buch der Liebe*', Frank£. 1587, 
s. oben). — Daselbst s. L et a. ein RäthseJbuch in 
Versen, „ Welchem aü kurzweil thet zerrinden. Mag wohl 



270 

dies bficUen dorch^nden, Er find! darinn tU kluger Ler 
Von Rettelsch gedieht und vil nuwer mer (Mähr)/' — 
Von einem Martin Meyer aus RealUngen erschien zu 
Nürnberg 1532 ein im Jahr 1507 gedichtetes „Lied tob 
einem Ritter ans Steiermark, genannt Trimunitas u. s. w/' — 
Anch der alte Tyll Enlenspiegel, zum Theil in Rei- 
men (nicht sowohl der, wie er als ein modernisirtes Volks- 
bnch in Prosa schon lange in einer Menge yon Drucken 
im Schwünge ist, auch nicht der, routhmasslich von 
Fischart in Reime gebrachte, Frankf. 1571, nach Koch, 
S. 132, als vielmehr der alte niedersächsische, dessen 
älteste Drucke unbekannt oder verloren sind, und der 
nach Koch schon 1483 in niedersächsischer Sprache ge- 
schrieben [ob auch damals schon gedruckt?], wurde), darf 
nicht übergangen werden. Von Thom. Murner wurde 
er zuerst in hochdeutscher Spräche, Strassb. 1519, her- 
ausgegeben, wiederum Augsburg 1540; ins Lateinische 
fibersetzt in Jamben von J. Nemio , Utrecht 1558, 1563, 
. und von Periander, Frankf. 1567 u. öfter. Ins Franzö- 
sische wurde er als Tiel ülespiegle oder Wlie- 
spiegle schon 1559 zu Lyon^übersetzt, wiederum Orleans 
1571. — Der bekannte Roman „Fortunatus, mit 
seinem Seckel und Wünschhütldn , zu drucken verordnet 
durch Johannseu Heybier, Apotheker in Augsburg 'S da- 
selbst 1509, und Nttmberg 1509, wurde auch ins Eng- 
lische tibersetzt, und ist mit einer etwas früheren italie- 
nischen Novelle „Fortunato, i&toria dilettevole di dne 
amanti etc.'% s. a. et 1., von dem er vielleicht ausge- 
gangen ist, nicht zu verwechseln. 

Unter den romantisch -geschichtlichen und allegori- 
sdten Dichtungen zu Anfang des 16. Jahrhunderts 



271 

liehaiiptet einen ausgezeichneten Rang der sehen oben 
S. 167 fluchtig berührte Theuerdank, van (Kaiser 
Maximilian und) Melchior Pfinzing, Probst zu 
Nürnberg und Geheimschreiber des Kaisers Maximilian 
( geb. 1481 , gestorben 1535 ). Dieses Gedicht , dessen 
Hauptinhalt die Abenteuer des Kaisers Maximilian sind, 
und welches sich eben so wohl durch seine streng mora- 
lische Tendenz, als durch die feine allegorische Charak- 
teristik der handelnden Personen mit ver&teckten Namen 
einen grossen Ruf erwarb , wenn es gleich in poetischer 
Hinsicht nur einen geringen Werth hat, wurde zuerst zu 
Nürnberg „durch den alten Hans Schönsperger, Bürger 
zu Augsburg 'S 1517 gedruckt, mit sehr schönen Holz* 
schnitten von Hans Scheuffelein und^um TheilvonJost 
von Negker ausgeführt (vergl. Ebert, Th. 1, und Heller 
und Jäck Beitr. zur Kunst- und Litteraturgeschichte), 
dann wieder zu Augsb. 1519, 1537, Frankf. 1553, Egenolf, 
mit vielen Veränderungen von Burkard Waldis^ und 
öfter. — Eine deutsche Bearbeitung im Volkston er- 
hielten die alten Romane Fierabras (s. oben S. .99), 
„eine schöne kurzweilige Historie von einem mächtigen 
Riesen Fierabras u. s. w/', Simmem 1535, Paris und 
Vienna (S. 97), ein ursprünglich provenzalischer Roman, 
in deutschen Versen s. a. et 1., und ins Holländische, 
Ger. Eeeu, Antwerpen 1487, Französische, Paris s. a, 
Lyon 1596, und Italienische, Treviso 1482, übersetzt. -^ 
Die „Historie von der schönen Magelone und Petern 
mit dem silbernen Schlüssers s. a. et 1., und „von dem 
gehörnten Siegfried**, s. 1. et a. — „ Die Geschichte 
Peter Hagenbachs und des Burgundischen Krieges**, 
in Versen, s. 1. et a., und wieder 1477, schliesst sich 



272 

eiitlfematseft an die oben S. 96 erwähnle Bargiiii«^ 
dische Elistorie von Haus Erhart. — Von dem sehr 
seltnen lateinischen Epos .,. Priamus Gapotias 
Sicolos: Fridericeidoi Über, einem Lobgedicht anf Fried- 
rich mit der gebissenen Wange, gedmckt Le^zig von 
Manrit. Brandis 1488, weiss idi nicht mit Gewissheit zu 
sagen, ob dasselbe von dem Dichter, der sich nach 
Deatscbland tibergesiedeh und in Leipzig an der Univer- 
sität gelehrt zu haben scheint, oder in Italien veriajBst 
worden ist. Ich halte aber das Entere filr wahnscheiii* 
Ucher, weil jioch eine Oratio metrica desselben Pria- 
mns Capotins, Lilybita, in alma üniesnikUe Lipriensi 
hdbüa, s. 1. et a. (nach flain zu Leipzig 1^8 gedruckt) 
existirt. — Die scherzhaften Gedichte 'Bauernlob 
(vermnlhlioh zu Bamberg) s. a., das Ringbüchleiu, 
in Rcamen, zu Augsburg von Hans SitUch^ s. a., und 
„Hug*.Schapler, von Metzgergeschlecht, wie er ein 
gewaltiger König zu Frankreich ward'S Strassburg, Grii«- 
ninger, 149i, 150D, 1508, sind nicht von den schlech* 
tem. ^ Den Beschlnss migen zwei nicht poetische 
aber zu ihrer Zeit sehr geschätzte Werke machen: ,,Der 
Lucidarius, der Meister, der Junger, von den 
wunderbami Sachen der Welt und d^ Himmels'*, nül vielen 
Holzschnitten, Augsburg ^76, 79, 81, 83, und noch 
mehrere Male, eine Art Naturlehre mit Moral, als dessen 
Verfaiser von Hain Honorius Augistodanens. be- 
zeichnet wird (dieses interessante Werk feUt in Ebert's 
bibliogn^hisohem Lexikon, was um so mehr auiBfcUt, da 
er einmal auf dasselbe verweist); und ein pMagogisch- 
diätetisches Werk von einem Dr. BarthoL Meflinger 
zu Augsburg „Ein Regiment der jungen Kinder, 



275 

wie man sie halten und erziehen soll von ihrer gebnrt 
bis zn ihren Jahren'* (in andern Ausgaben „bis sie 
zu ihren Tagen kommen*'), Augsburg, Zainer, 1473, 
Bämler, i473, 74, 76, 77. Ein Buch, das für jene 
Zeit^j^nßtreijtig^ g;rpssen Werth besass, und recht fasslich 
geschrieben ist. 



■' ■ 






18 



Üebersicht der rorzüglicliereii Städte^ 

in welchen Bachdrackereien errichtet wurden 
nnd in Thätigkeit waren, von der Erfindung der 
Bnchdruckerkanst an bis zam Jahr 1500 einschliesslich. 
Nach den Jahren der Errichtung von Buchdrucke- 
reien in denselben geordnet. Mit Angabe der vor- 
2liglicheren deutschen nnd niederländischen *) 

Typographen in diesen Städten. 



1450. Hatnas« Erfindung und erste Drucke 1451 — 57. 
Johann Gvtenberg, Erfinder. Johann Faust Pstsr 
Schöpfer, zweites Haupt der Typographen, durch Erfin- 
dung der Schriftgiesserei und der Matrizen. Heinr. 
Bechtermiinz (in Eltrille). Erhard Reuwich von Ut- 
recht. Jacob Meydenbach. Friedr, Nüsch, Peter von 
Friedberg, Jvo Schöffer. 

1461. Bambergs« Axbrbght Ffister, ersteig Buchdrucker 
ausserhalb Mainz (und Eltrille). Joh. Sensenschmid 
aus Eger(ging nachher nach Nürnberg). Heinr. 
Petzensteiner was dem Nflmbergischen. Joh. Pfeyl 



*) Nor diese deotscben and niederländischen Typographen, 
anter welöben die grössere Zahl Rheinländer waren, mehrere insbeson- 
dere ans Cöln, auch nicht wenige ans Schwaben, dem Franken- 
land, Pfalz-Bai er n, Oestreicb (Wien), nnd aus dem nördlichen Deutsch- 
land, Sachsen, Westphalen, wollte ich hier namhaft machen, um diesem Ver- 
zeicbniss nicht eine zu grosse Ausdehnung zu geben, ond um es zugleich 
recht anschaulich zu machen, welch einen hervorragend grossen Antbeil 
•die Deutschen überall, in nnd ausser Deutschland, an der Einführung 
nnd thätigsten Betreibung der Typographie hatten, und wie sehr viel diese 
nnd ihre rasche Aufnahme und Verbreitung dem Unternehmungsgeist und 
dem beharrlichen Fleiss deutscher Typographen zu verdanken hat. Nur 
bei einigen wenigen ausländischen Haupt - Druckorten möge auch der Haupt- 
Tjpographen fremder Nationen gedacht werden. 



ms 

146&« Boilty und amar zuerst im Monasteriam Soblacense 
Conrad Schweyitbiim und Akkolh Pannarz ans 
der Fnst-Schöfferscfien Officin za Mainz. Ulrich 
Han (Galbis) von Wien (1466). Joh. Sehurener 
von Boppard, nad Joh. Nicol, Banheymer von Op- 
penheim (1474), Wendelin ^on Weyler, 1475. Ar- 
nold BiTüKiNGH, 1^4 £f«ORft Lauer ton Würz- 
bnr^ (1475), Adam Rot Ton Metz (1475). Theobald 
Schenkbrecher. Leonard PßiigeL Joh. Reynard yon 
Emngen. Joh. Bremer alias Bvüe (1478). Georg 
Saehsel von RöchenHadi. Evghar. Silber (1480). 
Stephan Plancr toh Passan (1460, wenn nicht 
schon etwas früher). Joh. Gensberg. Barth4)l. GuU 
dinbedc von Snlz. Georg Hbrolt von Bamberg. 
Yitus Puecher. Bartkol Golsch. Joh. Bug Ton 
Geiigenbach, Andreas Freitag. Sigmund Mayer. 
Joh. Besieken. — Joh. Philipp de Lionamine aus 
Messina, schon seit 1466, der bedeutendste unter den 
Italienern in Rom. 

1467. wenn nicht schon 1466. Colli» die dritte deutsche 
Stadt, nach Mainz und Bamberg, in ifekiter Drucke- 
reien errichtet wurden; zuerst von Udalrigh Zell 
YOfi Hanau (aas Schüffers Officin) 1466 (w^gstens 
druckte er bereits 1467), und ein Jahr sp&feet (nach 
Andern früher) tor dem Engländer Wilhelm Gaxton, 
der aber bald (es scheint, schon 1471) nadi West- 
minster (London) zurückging, und daselbst die erste 
Druckerei gründete, und selbst mehrere Ton ihm yer- 
fasste -Weile druckte. Joh. Vitiener. Pbt^r tor 
Olpe. Job. Koxleoff t;on Lübeck* Arnolb Ther- 
soERNSN. NiooL. GoETz you Schlettstadt (drei der 
fleissigslen Gölner Drucker). Conrad de Honiborch 
(Homburg). Barti^lomäus von ünekel. Joh. Gui- 
densdiaff tob Mainz. Heinrigb Quentell ton Göln 
(ebenfalls einer der thktigsten Güiner Typographen 
seit 1460), und dessen Erben. Conrad vm Bbppard. 
Ltidißig de Reudien. Herman Bomgard von Kett- 
voig. Heinrich de 'Nussia (t. Neuss) u. e. A. 

1466. Aiigfüburf^. Gvbnther Zainbr tob ReutlingeB. 
Job. Sgbvessler. Das Kloster St IMdi und ^ra. 
Abtön Sorg. Job. Baemlbr (seit 1469 und 1470). 
Joh. Wienner. Jodocus Pftansmann. Job. uad Au- 
BRosivs Keller. Job. Scbobbspbrobb. Joh. Frosch- 
IQ* 



\ 



276 

auer. Erhard Ratdolt (ktttte 1424. ;2a Teaedi^ 
eine Drackerei errichtet» und Terlegte lie: dann 148X 
oder 82 wieder nach seiner Vaterstaidl Angsburg), 
Job. Blaubirbr (andi Plaubirer). Thomas Rüger 
and seine Wittwe Anna Rubgbrin« Peter Berger. 
JoK Schober. Joh. Schauer. 

1468 oder 69. StiraASblir^. Erste DmckTersnche mit 
nnbeweglichen hölzernen Buchstaben und Tafeln da- 
selbst schon früher, tot 1440 yon /oft. GtUetiberg. 
Jon. Mbntblin oder Mentel iuig 1468 oder 69 an, 
des Vincentius BelloTac. Specnfami naiarae mit beweg- 
lichen Typen za dmcken, und endigte den Druck 1473 
(dasselbe Werk dann zu Augsburg tob 6. Zainer ge- 
gedruckt 1474). Seit 1472 Tollkommnere Drucke 
Ton Hbinrigb Egobstbin. Martin Flachen. Georg 
Husner (1476). Joh. Reynard, auch Grüninger 
genannt. Heinrich von Inguiler. Joh, Pryss. Mar^ 
tin Schott. Joh. Knoblauch. Matthias Hupfuff. 
Heinr. Knoblochzer (legte 1486 zu Heidelberg eine 
Druckerei an). 

1469. Veiiedl§^. Job. ton Sfbibr (de Spira), und 
(1470) vorzüglich sein Bruder Vindelin de Spira. 
Christoph Waldörfer (auch Valdorfer; s. auch Mai- 
land). Job. ton Gobln (de Colonia, ein gelehrter 
Professor thöolog.) und Joh. Manthen von Gerres- 
heim, Socii. Ersterer andi allein. Nicolaus von 
Frankfurt. Franz Renner von Heübronn, eine 
Zeitlang mit dem Vorigen assocürt. Albbrt von 
StendcU (drückte auch inPadua). Adam von Rotweil. 
Peter Loslein tou Langenzenn. Erbard Ratdolt 
TOB Augsburg (s. dieses). Theodoricus de Reyns- 
hurch (Regensburg). Lbonard Wild tob RegCBs- 
birrg. . Leonard Aurl Georg Walch. Joh. Lucil 
Sandritter aus Heilbroun. Job. Maqnüs Hbrboat 
aA3' Beligmistadt, druckte auch in Padna. Joh. de 
RhoM. Hbrmann Licbtbnstbin (oder Leichtstein?, 
Levilapis häufiger geuannt) aus Cöln, einer der Tor- 
züglichsten und thätigsten deutschen Buchdrucker zu 
Venedig seit 1473, der auch Druekereien in Treviso, 
Vicenza und Verona anlegte. Joh. von Nördlingen. 
Heinrich von Hartem. Conrad Sta4:hel tob Blau- 
benren. Job. Hamman, genannt Hertzog, Ton Lan- 
daou ÄdamvonÄmberg. Joh. Emerieus tou Speier. 



277 

Peter Lichtenstein Ton Goln. — (Die Tonsflglichsten 
nichtdeutschen Typographen zn Venedig waren Nigol. 
. Jenson, seit 1471, einer der besten. . Jacob Rubeus, 
Beinr. Sessa, Andreas Asulanus. Lucas Anton. 
GiüNTA, seit 1493. Und der Haupt -Typograph, Ton 
1495 an, Aldus Manutius.) 

1469. Malland. Christoph Waldörfer Ton Regensbnrg 
(s. Venedig). Leonhard Paghel aus Ingolstadt, and 
Ulrich Sginzbnzellbr, seit 1474. Joh. Bonus, 
Henricus Germanus (ob H. de Golonia?). — Erste 
gebome italienische Typograpfaen daselbst Philipp db 
Lataona, der erste und vorzüglichste seit 1469, und 
Anton. Zarotus, 1470, auch einer der tüchtigsten. 

1470. JSumhergm Johann Sensensghmidt tou Eger 
(s. auch Bamberg), druckte auch in Regensbnrg seit 
1485. Anton Koburoer oder Koberger; zwei der be- 
deutendsten, zumal der Letztere. Frieder. Creussner. 
Andr. Frisner aus Wunsiedel. Joh. Regiomontanus. 
Conrad Zeninger. Georg Strichs von Sulzbach. Hans 
Folz, Peter Wagner. Caspar Hochfeder. Sebald 
Schreyer u. Sebast. Kammermeister. Hieron. Hölzel. 

Paris« Ulrich Gering, druckte vorzüglich. Mar- 
tin Cranz. Michael Friburger. Berthold Rau- 
BOLT. Joh. Stoll. Georg Mittelhus. Wolfgang 
Hopyl. Joh. Philipp de Creuzenach. Nicol. Wolff. — 
(Vorzügliche gebome französische Typographen zu 
Paris: Anton Verard. Joh. Bonhomme. Michael 
le Noir. Fr> Gourmont. Jon. Trbpperel. Jodog. 
Radius Asgensius. Henricus Stephanus (JEiienne), 
und sein Sohn und NeiTe Robert Stephan.) 

Verona. Paul Fridberger aus Passau, 

TreTl. Joh, Reinhard, Alemannus. 

Follg^O. Joh. Neumeister, Teutonicus. Clericus 

Moguntinns. 

1471. Florenz. Joh. Peter von Mainz. Nicolaus Lau- 
rentii Alemannus (auch Tedesco). Gerhard von Har- 
lem, (Die vorzüglichsten italienischen Typographen 
zu Florenz waren die drei Cennini. Anton Barth. 
Misghomini. Bemard und Nerius Nerilii. Philipp 
DX Junta und seine Erben, die grösste Druckerei. 
Peter und Lucas Bonüccursis. Leon, de Arigis.) 

Bologna. Henrigus von Cobln, einer der be- 
triebsamsten Buchdrucker, der sein Geschalt« weit ans« 



278 

dehBte, imd auch zn Brescia (da sdion sdt 1473), 
Siena, Lacca und Urbino Druckereien anlegte. 
Joh. Scriber (Schreiber) Ten Augsburg. Jon. von 
NoBRDLiNGBN. Hbinrigh TON Harlsm. Peter von 
Heidelberg. JoK Walbeck. — Ferrara» kein 
Deutscher. 

1471. BTeapeL Sixtvs Rubingbr, Geistticher am Strass- 
bnrg, d^ erste Buchdrucker in Neapel. Arnold too 
Brüssel. Berthold Bying Ton Strassburg. Jodocus 
Hauen$tein Ton Speier. Heinrieh Alding. Conrad 
Guldenmund. Joseph Gnnzenhäuser aus Franken, 
Basilius de ArgenHna. Nicol, Jacobi. 

TTreTlso. Gerhard de Lisa aus Flandern. Her- 
mann Lichtenstein (LcTilapis) aus C6ln (s. Venedig). 
Bernardus de Colonia. 

' iSpeler. Pbtbr Dragh. Johann und Conrad HisL 

1472. AntDrerpeii. Matthys van der Goes. Gbrarb 
Leeu, einer der vorzüglichsten dortigen Typographen. 
Heinrich Eckert von Homburg, Godfried Back. 
Mich, van Hoogstraaten. Niclas de Grave. Jan 
van Doesboerg. Roland van den Dorp. Adrian 
Liesveit. 

Padna. Leonard von Basel. Albert von Sten- 
dal (s. Venedig). Johann Herbort von Seligen- 
Stadt (desgl.). Nicolaus Petri von Hartem. 

SEantna« Georgius et Paulus Teutonici. Joh. 

Wurster de Campidona (Kempten). Nicol Wolff. 
Barthol. Trot. Peter Schenk. 

Cremona» kein Pentscher ^ montreiliL An- 
ton Matthias. 

1473. Ticenza« Joh. de Bheno. Leonh. AckiUes von 
Basel. Hermann Liechtenstein (s« Venedig). Joh. 
von Wien. Stephan Koblinger von Wien. Nicol. 
Petrus von Hadern. 

Sleissilia. Hemr. Aldingy Alemannus. Wilhelm 

Schomberger von Frankfurt. Joh. Schade von Me- 
Schede. Rico (Heinrich) Forti (?) von Iserlohn. 

IJlm. Joh. Zainer tob ReutlingeR. Ludwig 

Hohenwang tob Elchingen. Lbonarb Hol. Joh. 
Reger tob Kenmath. Goitrap Dinkmvth. Johann 
Sehäffieru - 

-* -«- ]HMr«eblW9* ^«m«< Brandiss t«b Delitzsch. 



«♦ 



279 

1473. S!0*lill9^ii* Conrad FynAr. Joh. Bug ton 
Göppiiigeii. — liauingen. 

Brefi^cla. Henrigus be Golonia (s. Bologna). — - 

Parma» kein Deutscher. . t ^ . 

IJtrecbt» Nicol Ketetiur. '^whard de Leempt. 

Jon. Vsuii^BR. 

liönren* Joh. de Westphalia aas Paderborn. 

JoA. Veldener. Conrad Brtwn. A^gidL van d$ 
Beerstraten. Ludw, de Ravescot, -^ ttrügge^ 
kein Holländer. 

-- — Alofi^t. Joh. de Westphalia. Theodorich Mar- 
tinus (ifertens), 

^ Ofen. Andreas Hess, 

1474. BaiseL Berthold (Rodt), Bernqaiii) Bighel. 
Mich. Wensler, Fried. Biel. Johann de Amorbach. 
Joh. Besigken. Joh. Meister. Nicol Kessler. Ja-- 
coh de Pforzhem. Mich. Furter. Joe. Frobenius 
Ton Hämmelburg (der Torzügliohste imd gelehrteste 
jener Zeit za B.). Joh, F^tfi. Joh. Bergmann 
von Olpe. 

Brüfi^sel, emer Topograph ungenaniit. 

' li¥e(itllüli(iter (London). Wilielst Caitoit. 

Wynken de Worde. Richard Ptwson. 

Xarln. Joh. Faler, Lingonensis (von LiBgen?). 

Ctoniia. Matthias Moremis tob OIitoIHe. ^ iSa« 

Tona and Conto» kein Dentscher. 

1475. liUbeeli:. Lucas Branois de SchasK Barthol. 
Ghotan. Stbphak Ai^DEs (Bürgermeister). Georg 
Richolf. 

CasfiteL Joh. Faber. 

Deirenter. Richard Paffroed ("oder Puffradt) 

Ton Göln. Jacob von Breda. 

BareellOita» Kkolaus Spindkr. Joann. Ro- 
senbach, ^emannns. 

«- •— Slodena« Joh, Wurster tob KempttR (s. Mantna). 
Pera^la. Benric. Clayn Ton Ulm. Joh. Vyden- 

a$t ( Weidenast) Alemannns. Stephan Arens tob 

Hamburg. 

Plaeensa« Jacob de Tycla, Alemwutö: ^ Bläi»-' 

beiuren« Conrad Manz. ^ Bor^derf« 

1476. liyon, Martus Reinhard tob Strassbarg. Nico- 
laus Phüipp Ton Bensheim. Joh. Faber. Joh. 
Qeyn, Mattuaa Hubs. Joh. Syb$r, Alemannufl. 



280 

Joh. Schabeier. Jasob Hermnberk, Akn. Joh. 
' Trechul, Alem. EngOiart SdmUis, Ale». Nicol. 
Wb^, Alem. n. e. A. 

1476. Ijncca. Hmric. van Cöln. Umric. von Hat- 
lern. ^ Tlient. Hermann Sckindelegg. 

PaTia, kein Deatscher. — BOfiltOCliL. Die 

Congregaiio der. ad. S. Michael 

1477. ISeTlIla« Peter Brun. Paul ton Cosiii. Jos. 
Pbgnitzbb von Nürnberg. Magnus et Thomas Ale- 
mannt. Matnabd Ungut, Alem. 

Palermo« Andreas von Worms. — Pe- 

BBTO. — Oonda. Gheraert Leeu* Gouert 
van Ghemen. 

Delft« Jacob Jacobssofj^. Heinr. Eckart von 

Homberg. Christian Sneüdrt. 

Afiicoll« — ÜLüg^era. 

1478. Prag. Severinus Kramartz. Matthias a Leone 

alba. — Coaenza. 

Silcliat&dt;. Michael Reyser o. Georg Reyser. — 

Ollbrd, Theod. Rood tob GOIb. 

Talencla. Peter HagenkM^t Mßm. — Lam- 
bert Palmart. Leonh. Hut. Peter Trincher ( Trin- 
ker). Nicol. Spindier. Lope de la.Aoea, Alem. 

> GrOnfl Adam Steinschauer tob BekweiBfärt. — 

Celle« Joh. Alemannus de Meder^lick. 

1479. Tolosa. Joh. Teiaonicus. ^Heinrich Mayer. 
Stephan ClebUU. — STovl. 

Zurolle. Joh. de VolUioe. Peter de Os. Her- 
mann Tulemann, Ganonicns. 

Poitlers. 

l¥nrzbiirg^. Stephan Bold. Joh. Beckenhub. 

Gbobo Rbtbbb. ~ HTymii^eg^eil. Joh. von 

Westphalen. 

1480. Be§pgio im Modenneiflchen, kein Dentscler. — liOn» 
don. Heinrich von Frankenberg. Joh. von 
Mecheln. Fried. Egmant. Engländer (nach Caxton): 
RiGBARD Ttnbon. Wynands Wynken de Word. 

1481* lielpoig. Marcus Brand (Biandisa). Conrad 

. KACBBLOfSJC Melchior Lotter. AmeM twft Cöln. 

Martin Lanpsbbrg de Herbipoli. Jaoob Tbannbr 

von Wiirzburg. Woifoano Stobgkbl tob München, 

Baccalanr. Gregor. Boettcher.^ 



281 

1481. Urten (yfem nicht schon etwas früher). — HaflfSett* 

Ilrblno* Heinrich von Cöln. — ITlenne in 

Frankreich. Peter Schenk. — Vracb. Conrad 
Fyner. 

1482. Erfiuft. Paul Wider. Heiderich und* Marcus 
Ayrer. Wolfgang Schenck. 

Paissäa. Conrad Stahel. Bened. Mayer. Joh.Petri. 

SItincheii« Joh. Schobser. — Memniln« 

fen. Albert Ehunne von Duderstadt. 
^tea« Gregor von Gent. — Aqnlla. Adam 
von Rotweil. 
— ~ 'Reatllngfen. Joh. Otmar. Michael Gry ff! 

1483. ]n[a9debiir§^. Albert Rauenstein. Joachim West- 
val. Simon Koch. Mauritz Brandis. 

StochJholni* Joh. Snell, Alemannas. Joh. Fabri. 

lieldeil« Heinrich Heinrici. Hugo Jansson van 

Woerden. Jan Severss. 

Grent. Arend de Eeyser. — Harlem (erste 

nnYoUkommene Dmcke mit onbeweglichen Typen schon 
seit 1450). Jan Andrieson. Laurent Janson. 

1484. ISIena« Heinrich von Cöln. Heinrich von Har- 
lem. Joh. Valbeck. Sigmund Rot Ton Bitsch. 

Chambery. — Rennes. — Sonclo. — 

HaUe? 

1485. Heidelberg« Friedr. Misch. Heinr.Enoblochzer. 

Re§^eii8biirff« Joh. Sensenschmidt. — ISala« 

maiica. — IMlne. — Tercelll. 

ISara§^Ofitfita« Leonard. Butz. Lupus Appen- 

teger, Alem. — Biir§^0(S. Friederich von Basel. 

1486. HAnster. Joh. Limburg. — %elalewrwltt. 
Stephan Arends. 

Statteart« (Typogr. ungenannt). — Toledo« 

Peter Hagenbach. 
BrAim. Conrad Stahel (s. Passaii). — Ca^ale. 

— Abbevllle. 

1487t Oaeta, Andreas Freitag, Alem. — HEurela. 

— Ronen. 

1^8. Tanragona, — Tlterbo. — Gradlsea. 

1489. liitoisabon« Nicol. de Saxonia. Valentin de 
Moravia. — €apna. — Kattenber^. 

1490. Hag'enaa. Heinrich Gran. Joh. Rymann. — 
TbeiiiKaloiilcli. 



882 

läMi Ing^ototadf;. Joh. Kachelofen. Ge^rg WyrffiL 

M^rcMS Äyrer. 
1491. HainAlir^. Joh. und Thomas Brochurd. — 

Dole. — Orleangi. 
Kopenliagpeii. Gottfried v^ Ghemen. — 

IMJon. Peter MetUnger, Alem. 
1492 — 95. TSMkCy. — Ol^penh^iin. ( imsenaiuiter 

Typ^ffaph). — Troyesi. — VretojUi9eii. 

Joh, ^chäffler. — Freibiirg. Kilian Piscator. - 

^ l4elria. — Fori!. 
1496 _ 1500. Grenada. Mainart UngiU, Alem. — 

Airlvnon. Nicol Lepe. ~ Otteuhnrg. 
IHaw'id. — Perplg^an. Joh. Rosenbach. — 

Pforzbelm. Thomas Ansehn. — Olmütz. 



Aas diesem Verzeichniss,. in welckea die bei jeder Stadt 
zuerst genannteii Buchdrucker auch die zuerst dort 
dmckenden sind, wird es recht anschaulich, welch einen 
grossen Antheil die deutschen Buchdrucker^ die zugleich 
Buchhändler, d. h. Verleger ihrer Druckwerke waren^ gleich 
Ton der fiitslehung , d^ Typographie, a»f denlseheit Boden 
an ihrer Förderung und Verbreitung nicht nur ia Deutschland 
selbst, sondern auch im Auslande hatten, und dass sie es 
waren, die diese Kunst nach Italien, Frankreich, Spanien, 
Schweden, Polen, Ungarn brächten, und doit zuerst ansübten. 
Nur nach England wurde sie durch einen Engländer (Caxton), 
der ai€ aber in Deutschland erlernt and 9ttev»t if Göln ans« 
geübt hatte, yerpflanzt. Und wenn wir die Niederlander von 
den Deutschen trennen wollen, so waren es auch Jene, die sie 
zuerst in d«n Niederlanden ausübte^| nachdem sie dieselbe höchst 
wahrscheinlich in deutschen Officinen txlefais hatten» und die 
sie dann auch nach D&nemark brachten. — . IMim^teir wir 
die Menge der Druckschriften, grosser and kleintr, so finden 
wir wohl, dass \on dem Jahre 146& an bis 1500 die italie- 
nischen ißn^druckereÄea die deutschet} an der Zahl der ge- 
druckten Siciiriften — die wiekkü Auiage» eiA^telueji; derselben 
und die Stärke derselben, wie.Aii dfC fiogea^Abl« mit in 



283 

Anschlag gebracht — überfltigelteii , wobei die Drackereien 
Venedigs allein bis 1510 nicht ,Yiel weniger als die Hälfte 
aller bis dahin in Italien gedmckten Schriften lieferten. Aber 
wir finden auch, dass dieses Yerhältniss Ton dem zweiten 
Dritttheil des 16. Jahrhunderts an sich sehr zum Vortheil det 
deutschen Typographie änderte, und dass Ton dieser Zeit 
an die Menge der in Deutschland, mit Einschluss der Schweiz 
und der Niederlande, gedruckten Schriften bei weitem die 
überwiegende wurde ^ wenn auch einzelne Hauptstädte des 
Auslandes, insbesondere Paris, jetzt eine grössere Zahl Ton 
Schriften druckten, als einzelne Hauptdruckorte Deutschlands 
in dieser Zeit (Nürnberg, Augsburg, Strassburg, Göln, Leip- 
zig, Frankfurt, Basel). 

Bis zum Anfang des 16; Jahrhunderts stehen in der 
Menge der gedruckten Schriften und Auflagen die yorzüg- 
licheren Städte mit bedeutenden Druckereien in folgender 
Bangordnung, Ton den meistdruckenden anfangend: 

Venedig (druckte bis dorthin wenigstens 3100 Schrif- 
ten), Rom (gegen 1000), Paris (gegen 810), Mailand 
(gegen 710), Cöln (695), Strassburg (über 600), Flo- 
renz (gegen 560), Nürnberg (nahe an 500), Leipzig 
(44«5, und bis zum Jahre 1535 schon über 960), Bologna 
(gegen 405), Basel (gegen 390, und in den folgenden 
40 Jahren schon über 700), Lyon (315), Augsburg (gegen 
290), PaTia (238), Brescia (215), DcTenter (210), 
Ncape?l (210), Antwerpen (185), Löwen (178), Mainz 
(136), Vicenza (118), Ulm (100), SeTilla (96), Tre- 
viso (90), Ferrara (90), Hagenau (88), Spcier (85), 
Memmingen (68). Die übrigen Städte lieferten bis 1500 
geringere Zahlen Ton Druckwerken, weshalb ich auch diese 
Uebersicht hier beschliesse. 



Druckfehler, Verbesserangen und Zusätze. 



Vorrede S. IX. Note Z. 25 1. m. „Rabeas*'. 

— — XI. Z. 1 von untea tt. „noch die*' 1. m. „noch in der". 

— — XII. Z. 1 1. m. „gewordenen". — Z. 6 von unten nach 

„habe" s. m. „der von andern". 

— — XIV. Z. 8. St. „Lncrinus^' 1, m. ,,Lnitinnt". 



Seite 



16 
18 
90 
29 



— SO 



— 32 



— 35 



— 38 



in der Note Zeile 10 fetze man '„ xylographicam bipartitam". 
Z. 16 atatt „jndicÜB« lese man „vindiciia". '"^ 

Z. 1 ft. „Dattelde*' I. n. „ Dn Halde'*'. 
Z. 4. Daf Wort „bevorstehenden Jabelfeier" mnss nun 
freilich wegfallen. Es ware^ aber diese Worte, und überhaupt 
die grössere Hälfte dieses Bnches, schon mehrere Wochen vor 
dem vierten Jobelfest der Typographie geschrieben und gedruckt 
worden, und die Vollendung des Ganzen war, ohne alles Ver- 
schulden des Verlegers und des Druckers, bloss durch zufällige 
Hindemisse Seitens des Verfassers um etwas mehr als eineir 
Monat nach dieser Säcnlarfeier verspätet worden» 
Z. 17 I. m. Therhörnen*s — Daselbst Z. 18 st Richela 
I. m. QuenteTs. 

Z. 3 schalte man nach „des*' ein: Philipp de Ligna- 
mine znRom. — Das. setze- man nach „Basel": eines Jo- 
hann Regi/vmontanus zu Nürnberg. •— Das. Z. 20 setze 
man „des 15. jind 16» Jahrhunderts". 

Z. 10 I. m. „superstitiösen". — Z. 20 1. m. „be- 
schäftigten<<. 

aur letzten ZeHe der Note setze man noch: Ein „Veca- 
bularius Juris utriusque" erschien zu Speier, 
Drach, 1477, 78, zu Nürnberg, Koburger, 1478, 81 
und noch sehr oft. — Der (im Text und in der Vorrede 
angeTührte) Sachsenspiegel wurde auch zn Augsbofg ven 
Schonsperger 1487, in plattdeutscher Sprache zu Cöln von 
Unckel 1480, zu Stendari478 (oder 1488), zu Leipzig 1488, 
und In holländischer Sprache als „Spiegel van Sassen", zu 
Deift s. a. , und all „ Spiegel der Kayserlyke Rechten etc. ", 
ZH Gouda von Gher. Leen 1478 und öfter gedruckt. 



288 

SciU 48 Z. 6 Uit der mImii S. 49 angeführte „JohaDD Benchlin'' 
zn streichen. — Das. Z. 8 iit ebenfalls „Rad. A Nicola'* 
(i. S. 42) zn streichen. 

■^ 45 Z. 9 I. m. „Epistolai'*. 

-— 46 Z. 14 n. 15 sind versetzt, und raiissen sO' gelesen werden: 
„aneb die bibliographischen Werke von Maittaire 
nnd Denis , besonders aber die schon mehrmals 
gerahmten von" u. s. w. — Z, 17 s. m. vor Nicolans 
Jenson „Vindelin von Spira'*. 

^ 47 Z. 2 st. von \^ mr vor. 

— 50 Z 4 St. in. Cöin L m. „ans Cola.'* — Z. 10 s. m. nach 

Rom „1478<'. , 

^* 54 Z. 1 1. m« peripatetischen. 

— 55 Z. 15 1. m. emendans. 

— 57 Note Z. 15 nao|i „wnrde*' s. m. „verglichen werden''. 

— 61 Z. 11 I. m. peripatetischen. 

— 62 Z. 9 1. m. „vortrugen". 

— 63 Z. 18 1. m. „qnadrip artitam". 

— 64 Z. 15 St. 1491 I. m. „1471 «'. 

•*- 68 Z. 15 st delineamenta 1. m. „deliramenta". 

— 71 Z. 15 1. m. Politianns. — Daselbst, Note, letzte Zeile, 

nnd S. 72 erste Zeile, streiche man die aas Versehen doppelt 
gesetzten Worte: „ ansgezeichnet^n Gelehrten" weg. 

— 73 Z. 2^ s. m. nach „N«ifen" „zn Venedig". 

^ 79 Note Z. 15 1. m. „Tragoediae". — Z. 16. st. Aolis i. m. 
„Aalide". ^ 

— 80 mässen die versetzten 2 letzten Zeilen der Note, von „in la- 

teinischer" n. s. w. an, za „Oppianns", Z. 7 von anten, 
wohin sie gehören, gesetzt werden. 

— 83 Z. 6 von unten 1. m« „Gothorom". 

— 87 Z. 22 st. seines 1 m. „jenes". 

— 88 Z. 9 St. Don I« m. „Donat", 

— 89 Z. 22 St. stört 1. m. „zerstört". 

— 91 Z. 22 st. Ceempt 1« m. „Leempt". 

— 92 Z« 10 st. angefangenen I. in. „angeführten". — Z. 1 von 

unten st. der. Verfasser 1. m. „der angebliche Verfasser". 

-— - 94 Z. 9 von unten s. m. „an Zeajie, dann". — Z. '4 von 
anten i. m. „eprisch romantische". — Z. 1 von unten 
st« neuesten I. m. „neueren". (Hiermit ist das in dem 
letzten Abschnitt ül>er die latteratur der alideutschen Poesie 
ergänzend Gesagte zu vergleichen.) 

— 95 Z. 8 1. m. „fortgesetzt von Ulrich von Tu r he im und 

Reinrieb von Vriberg oder Fridberg". 
«— 96 Z. 8 von unten i. m. „Zazighoven"« 

— 97 Z. 1 st. Rom 1. m. „Ronen". *- Z. 17 L m. „Ma- 

gnelone". 

— 100 Z. 6 st. Geschichtlich ist s. m. „Einiges Geschicht- 

liche mit mehr roraänt Dichtung vermengt, hat". 
•^ 99 Z. 6 nach Apollonius Tyrios s. m. „oder von Tyrlandt, 
vom Meister Heinrich, Arzt". Dagegen muss 

— 101 Z. 4 flg. von unten die aus Versehen des Verfassers hier 

nochmals wiederholte Anfahrung- dieser Historie des Kö- 
nigs Apoilonins von Tyrlandt (dieses ist der deutsche 



S86 

Tit«l) bis „and öfter '* weggettri«bM wvrd«. «^ Dm. Itlsl« 
Zeile Bicli „lnteiiibclitQ'* •» m. „po^ttttheR Romaneo". 
•Seite 110 Note Z. 3 tt. Iceioe L m. „k«tafti*<. 

— 111 Z. 7 ist „ond" zo ttrdclMB 

— 112 for leisten Zeile netse himi Mfizi: Ob diese« derselbe 

Jordan« s oder Jornandes ist» der die Htstor. Goth. 
schrieb , weiss icli nicht cn sagen, möchte es aber eher bezwei- 
fehl. Es wfirde sich dieses am gevissesten ans dem VergleicM 
der beiden Werlce, die mir nicht zur Hand sind, ergeben; 
ond aosserdem müsste sich es mecb erweiset lassen (was 
meines Wissens noch nnerwieseii ist)» dass jeeer 4l5iich Jor- 
nandes wirklich ans Strassbnrg war, 

— 115 Z. 20 st Hornborcb I. m. „Homborcb". * 

-- 117 Z. 16 st. trnte 1. m. ,,frot6*«. 

— 118 Z. 4 st. böhmische 1. m. „ römische*'. — Z. 13 ebenfalls 

st. böhmischen I. m. „ r ö m i s c h e n "• 

_ 121 Z. 17 I. m. „Siegeberti". 

— 122 Z. ö n. 6 1. m. »»T^ithemius". 

— 124 Z. 21 1. m. ,»Deflorationes". 

— 125 Z. 15 nach „Florenz 1523** s. m. „Dieses, und*'. 

— 127 Z. 1 s. m. nach „ SleiUan " ein Komma. 

— 128 Z. 2 ft. eine I. m. „einer.". 

— 131 Z. 10 n. 11 1. m. „Rnbrngio**. 

— 133 Z. 5 nach Jahrzabl s. m. „(wahrscheinlich zn Lnt- 

tich)". 

— 134 Z. 6 u. 5 von unten I m. „S c ins enzetler**. 

— 185 Note Z. d I. m. „Waldorfer". 

— 137 Z. 9 St. deifa i. m. „tfeHe". — Dai. Note Z. 2 von nuten 

s. m. nach „verfasst,** „hat, das von" n. s.w. 

— 142 Z. 2 von nnten 1. m. „generale*\ 

— 149 Z. 5 1. m. „Ennens**. — Das. Note Z. 2 von nnten s. m. 

nach „ Petzensteiner ** „ein anderes*'. 

— 151 Z. 1 st. von Parma 1. m. „zo Parma*'. — Z. 15 st. sehr 

ausführlich i. m. „sehr dichterisch". 

— 156 Note Z. 11 1. m. „Baittischhab <'. 

.— 157 Z. 12 St. Schnlklinilc 1. m. „Scholastik^*. 

— 158 Z. 15 sind die Tersetztea Worte ,» (starb 1472)** aif Z. 16 

nsch »«Akademie^' M seCten. — Z. 4-von onteft s« m. „Pieo 
de Mirftodole '*. 

— 160 Z.9s.m.flach „aesgegangen^ver" »»eod seit deeen von'*. 

— 164 Z. 10 s. m. nach ,, Prag** neeh „Rostock, Wnribnrg, 

Harburg*«. 

— 170 Z. 20 streiche mim «»mit". -^ Z. 21 st. zwei 1. m. 

„zweier". *- Z. 1 von nniea 1. ». „enderer*'. 
^ 171 Z. 7 I. m. „durch die**. 

— 172 Z. 16 8. m. nach „Chirurg" „bekanot"* — Z. 21 l. m. 

„schlechtes". 

— 174 Z. 6 St. trad. I. m. „tractat". — Z. 15 s. m. nach 

bahieis „welche zn Venedfg Ton Junta 1553 in Fo- 
lio gedruckt wurde. Dieses jetzt sehr seitea gewordene 
Werk fuhrt den Titel! de Balneis omnia quae exatast 
üpüd Graecos, Latlnos, et Arabes (atqee serioris aevi 
Medico«, was auf dem Titel Atsgeletsen ist), in unum Vo- 



laiAen r^daeta* •— thi* forzfiglicbtte, amfassendste «ikI 
bestgeschriebene W«rk adi dem 16. JabrUvodort ober warme 
und kalte Heilquetteii nhd Bäder {«t'das jetzt ebenfalls sehr 
selten gewordene de« r6nai»«ben ArBt«s» Andreas Baccins, 
de Tberinis Hhri «eptem, et de Balneis tottns 
• Otbis, das 2« Venedig 1571 i« Folio vorzfiglicli schön 
gedruckt «drd^. 
Seite 175 Z. 4 ist das Wert ,,hnYitoAUcf an str«{vhen. 

— 177 Z. 3 nach ,,Ve«aliiM geb." «. m. „«« Brüssel". 

— 180 letzte Z. , zu R. LuUias ist (was aar zofäilig aosgelassen 

wurde) b«lzof8gen: Cg«b. auf hKajorca 15185, gest. durch Stei- 
nigung in Afrika 1315; seine Bau(>tschriften ,»de secretis 
natnrae s. Quinta Essentia,** Aogsb. 1518. Vened. 
1521 etc., t^Testhmfehtum, «nir. artetn cbymicam comple- 
Gtens/* „Ars magna,*' und „Ars brevis/* sind nebst an- 
- dern gesavmelt berausg. zu Nürnberg, Petreias, 1546, und voll- 
ständiger zu Strassb. 1598). 

— 181 Z. 5 streiche man das Komma nach „grössere". 

— 182 Z. 7 s. m. „in denen von Ebert und'*. 

— 184 Z. 4 von unten s. m. nach 1540 „gedruckt heraus- 

gegeben". 

— 185 Z. 6 s. m. zu Lucretins hinzu: „von Aldus 1505, von Junta 

zu Florenz 1512, zu Paris 1521 n. öfter". 

— 186 Z. 21 St. 1483 s. m. „1484". 

— 191 Z. 2 von unten st. wenigstens s. m. „doch". 

— — Z. 5 von unten I.. m. „in 13 T heilen, bildend 9 Folio- 

bände". I 

— 192 Z. 16 nach „off. Farrei" s. m. „1541 — 43". 
^ 193 Z. 21 s. m. nach Junta ein Comma. 

— — Z. 2 V. u. nach „AI. v. Tralles" s. m. „(im 6. Jahr hu nd.)". 

— 194 Z. 12 st. ham 1. m. „kam". 

— — Z. 20 st. „im 8. Jahrbund." s. m. „im 7. Jahrhund. ". 

— — Z. 5 von unten, „nach Stephan. Ath. " s. ro. „im 7. und 8. 

Jahrbund". 

— 195 Z. 5 zu „Pallad ins" s. m. „(sein Comment. in Hipp. 

Epid. I. VI. Bas. 1581, und sein Lib. de febribus, in 
Cbartier's edit. opp. Hipp, et Gal. T. XIII)". 

— 196 Z. 12 s. m. nach „ Scinsenzeller " ein Komma, und so 

auch nach „Rubens." 

— 201 Z. 14 nach „Alchemie" s. m. „hervorriefen". 

— 202 Z. 12 «nach „Deutschland" s. m. „und Frankreich". 

— 208 Z. 20 St. der 1. m. „den". — Z. 22 1. m. „den besie- 

ren ". 

— 209 Z. 17 1. m. 1338—40. — Z. 3 von unten 1. ra. „Phi- 

localo ". 

— 210 Z. 13 I. m. „1475 und 1479. 

— 211 Z. 6 von unten st. 1467 oder 68 I. m. 1470 oder 71. 

— 215 Z. 10 von unten s.m. nach,, principisfilia" die Worte: „schon 

oben S. 211 angeführt wurde", und streiche die darauf 
folgenden Worte „ zu Rom bis Florenz 1487 u. s. w." weg. 

— 218 Z. 9 st. sein I. m. „seine". — Z. 3 von unt«.n nach 

Gedicht s. m. „berühmt". 

— 223 Note Z. 2 von unten st. es s. m. „dieses Werk". 



288 



— 930 



Seite »I Z.at.a.Mch m^m" „tcfco« obea S.]«! «rvä^ilc".— 
2L 11 a. ■. ,,a^krercr dendbea'*. 
Z. S TiNi oiteB lötcke Ott 15 «• . 
Z. 12 tt ,»lMitet«' L BL „bnbai". v 

Note» Z. IS lt. „lec" I. ■. »,!«•". 
Z. 8 TiNi Utes at ,,HobeBaw" 1. ■• »yHake^eBia". 
Z« 8 Ton oateB hätte ein Zeilen- Abaata aaia aolleii. Ebenao 
8. 2Sa bei Z. lil nad 8. 269 Z. 14. 
Z. 4 voB ntea l m „deatraction". 
Z. 7 1. B. ,»wiederboU iat<'. 

254 Z.6 voa «feteB Tor M^bert" ichalte ami eia : „locob Grimm 

ia aeiaer aeaeaten irefflichea Schrift aber &ai- 

aeice d. F. 1840'«. 

Z. l U m. „Pregymaaimata". 

Z. 14 I. m. ,,D«Btfcbe<'. 



— 241 

— 244 



— 240 



" 261 
— 263 



4 








y